Meine liebe Freundinn,
Ich dancke Ihnen für den Anteil den Sie an meiner Gesundheit nehmen,
und ich muß Ihnen zum Troste sagen, dass das letzte Gerücht von
meiner Kranckheit, eben nicht so ganz gegründet war, ich befinde mich
erträglich, freylich manchmal weniger als ich es wünschen mögte. Sie
können Sich vorstellen dass es nichts als Indisposition war, warum ich
Ihnen so lange nicht geschrieben habe, vielleicht werden bald andre
Ursachen Sie abhalten mir zu schreiben. Es ist sonderbar, heut vor
einem Jahre sah ich Sie zum letztenmal, es ist ein närrisches Ding um
ein Jahr, was alles sein Gesicht in einem Jahre verändert; ich wette
wenn ich Sie wiedersehen sollte, ich kennte Sie nicht mehr. Vor drey
Jahren hätte ich geschworen es würde anders werden als es ist. Man soll
für nichts schwören behaupte ich. Es war eine Zeit da ich nicht fertig
werden konnte mit Ihnen zu reden, und jetzt will all mein Witz nicht
hinreichen, eine Seite an Sie zu schreiben. Denn ich kann mir nichts
dencken was Ihnen angenehm seyn könnte. Wenn Sie mir einmal schreiben,
dass Sie glücklich sind, dass Sie ohne Ausnahme glücklich sind, das
wird mir angenehm seyn. Glauben Sie das? Horn lässt Sie grüssen, er ist
unglücklicher als ich. Wie aber alles wunderlich ausgetheilt ist, so
hilft ihm seine Narrheit sehr zur Cur von seiner Leidenschafft. Leben
Sie wohl liebe Freundinn, Grüssen Sie mir die l. Mutter und Peter. Ich
binn heute unerträglich. Wenn ich in Leipzig wäre, da sässe ich bei
Ihnen und machte ein Gesicht. Wie Sie sich dergleichen Specktackel noch
erinnern können. Doch nein, wenn ich jetzt bey Ihnen wäre, wie vergnügt
wollte ich leben. O könnte ich die dritthalb Jahre zurückrufen. Kätgen,
ich schwöre es Ihnen liebes Käthgen ich wollte gescheuter seyn.