Der König Horn läßt sich erkundigen, wie sich seine Ministers in dem
hohen Schönkopfischen Hause befinden. Auch ertheilt er hiermit allen
denen, die sich in demselben ehelich verlobt haben, die Erlaubniß
die Hochzeit, sobald es nur Ihnen gefällt, rechtmäßig und mit allen
~Ceremonien~ zu vollziehen. So gegeben in seiner Residentz Stadt
Franckfurth am Mayn d. 22 May 1769,
~Hornius Rex.~
Aber doch im Ernste gesprochen! Ich empfinde eine herzliche Freude,
wenn ich itzo an das Schönkopfische Haus gedencke. Herr und Madam
sind vergnügt, Mamsel eine Braut, Peter sieht der gantzen ~affaire~
mit Gelassenheit zu, fürwar, das muß mir recht angenehm seyn, wenn
Sie wissen, wie vielen Antheil ich jederzeit an Ihrer Freude genommen
habe. Wollte der Himmel, daß ich nur dabey seyn könnte am Hochzeittag,
gewiß es sollte noch einmal so lustig zugehen. Sie kennen mich ja. Ich
spielte ohne Ruhm zu melden immer die lustige Person. Doch für itzo ist
mir aller Muth lustig zu seyn vergangen. Sie wissen was ich verloren
habe. Ich führe hier ein gantz verdammtes Leben. Ich studire zum toll
werden, weil ich mir mit nichts anders die Zeit vertreiben kann.
Manchmal kriege ich einen Brief von Leipzig und der macht mich wieder
aufgeräumt, ich habe ihn aber kaum gelesen, so verfalle ich in meine
alte Melancholie. Wer weiß ob ich in meinem Leben wieder nach Leipzig
komme. Ob ich jemals so glücklich seyn werde wie mein Freund Kanne
durch Sie geworden ist. Man kann zwar nicht alle Hoffnung aufgeben,
aber doch ist mein Glück noch sehr ungewiß. -- Liebste Freundin
vergessen Sie mich nicht. Gedencken Sie in Ihrem Glücke noch manchmal
an die unglücklichen. Erinnern Sie sich meiner und meiner Constantie an
Ihrem Hochzeittage. Ich wünsche Ihnen eben soviel Glück, als wir itzo
unglücklich sind. -- Leben Sie wohl und trösten Sie bald mit einem Brief
Ihren
aufrichtigen Freund
Horn.
Grüßen Sie den Obereinnehmer. --
Goethe wird ehestens an Sie schreiben. --
[51] Horn hatte ein Liebesverhältniß mit _Sophie Constantie Breitkopf_,
von dem der Vater nichts wußte, dessen in seinen Briefen fortwährend
Erwähnung geschieht. Später verehelichte sie sich mit ~Dr.~ _Oehme_ und
starb 1819.
[52] „Liebste Freundin“, schreibt Horn an Käthchen (30. Juni 1769),
„Sie thun mir Unrecht, wenn Sie dem glauben, was Ihnen Goethe von mir
blos in Spaß geschrieben hat. Sind denn rothe Backen immer das sichere
Zeichen des Zustandes unserer Seele? Ich bitte Sie, meine Freundin,
machen Sie mir keine Vorwürfe, die ich nicht verdiene.“
[53] Vgl. den Brief bei Schöll, Briefe und Aufsätze von Goethe S. 23 ff.
[54] Vgl. das Gedicht bei Schöll, Gedichte und Aufsätze von Goethe S.
233 f.:
Warum siehst Du Lina verdammt, den Sprudel zu trinken?
Wohl hat sie es verdient an Allen, die sie beschädigt
Und zu heilen vergessen; die an der Quelle des Lethe
Becher auf Becher nun schlürfen: die gichtischen Schmerzen der Liebe
Aus den Gliedern zu spülen, und will es ja nicht gelingen,
Bis zum Rheumatismus der Freundschaft sich zu kuriren.
[55] Obergeleitseinnehmer _Richter_, auch in den Oeserschen Briefen
erwähnt.