Böhne, am 6. II.
Mein Lieber!
Da ich höre, daß Du noch auf Deiner Insel bist, möchte ich Dich für den
Fall Deiner -- hoffentlich mit dem Frühjahr erfolgenden -- Abreise
bitten, nicht an mir vorüberzugehn. Ich bin nämlich dahier geblieben. Es
kam so, daß ich während der zwei Stunden, die ich auf den Anschlußzug zu
warten hatte, einen Spaziergang über die schönen alten Stadtwälle machte
und im Nordwesten -- in der Richtung auf Helenenruh -- unweit im
Wiesengelände ein Gebäude liegen sah, dessen runde, flachgedeckte
Gestalt -- wie ein Panorama -- mich anzog. Es war die Reitbahn eines
Tattersalls, dessen Unternehmer, ein ehemaliger Offizier, kürzlich mit
Spielschulden flüchtig wurde; die Pferde sind verkauft, der Tattersall
-- mit der Reitbahn hängt ein hübsches kleines Haus zusammen -- war
verkäuflich. Mein guter Stern wollte, daß ich die Tante des
Unternehmers, eine angenehme alte Dame, verwaist und betrübt
zurückgeblieben fand, -- und so habe ich denn das Ganze, Haus, Atelier
und Wirtschafterin erworben. Die Reitbahn hat gutes Oberlicht, und in
mir war das Fieber der Arbeit, so daß ich glücklich war, nicht erst
weiter zu müssen. Leinwand und alles sonst Nötige gab es im Ort zu
kaufen, ich ließ mir dann meine Habe aus Altenrepen kommen, und kurz:
seit ich anfing zu arbeiten, habe ich noch keinen Augenblick aufgehört;
hatte, wie es scheint, den Vesuv in der Brust und stehe nun verschüttet
vom Ausbruch. Du kannst dann einiges sehn, wenn Du kommst. Mir ist wohl.
Ich wünsche Dir das gleiche, mein Lieber, und bin Dein guter Freund