Bogner an Georg

Böhne, am 6. II.

Mein Lieber!

Da ich höre, daß Du noch auf Deiner Insel bist, möchte ich Dich für den

Fall Deiner -- hoffentlich mit dem Frühjahr erfolgenden -- Abreise

bitten, nicht an mir vorüberzugehn. Ich bin nämlich dahier geblieben. Es

kam so, daß ich während der zwei Stunden, die ich auf den Anschlußzug zu

warten hatte, einen Spaziergang über die schönen alten Stadtwälle machte

und im Nordwesten -- in der Richtung auf Helenenruh -- unweit im

Wiesengelände ein Gebäude liegen sah, dessen runde, flachgedeckte

Gestalt -- wie ein Panorama -- mich anzog. Es war die Reitbahn eines

Tattersalls, dessen Unternehmer, ein ehemaliger Offizier, kürzlich mit

Spielschulden flüchtig wurde; die Pferde sind verkauft, der Tattersall

-- mit der Reitbahn hängt ein hübsches kleines Haus zusammen -- war

verkäuflich. Mein guter Stern wollte, daß ich die Tante des

Unternehmers, eine angenehme alte Dame, verwaist und betrübt

zurückgeblieben fand, -- und so habe ich denn das Ganze, Haus, Atelier

und Wirtschafterin erworben. Die Reitbahn hat gutes Oberlicht, und in

mir war das Fieber der Arbeit, so daß ich glücklich war, nicht erst

weiter zu müssen. Leinwand und alles sonst Nötige gab es im Ort zu

kaufen, ich ließ mir dann meine Habe aus Altenrepen kommen, und kurz:

seit ich anfing zu arbeiten, habe ich noch keinen Augenblick aufgehört;

hatte, wie es scheint, den Vesuv in der Brust und stehe nun verschüttet

vom Ausbruch. Du kannst dann einiges sehn, wenn Du kommst. Mir ist wohl.

Ich wünsche Dir das gleiche, mein Lieber, und bin Dein guter Freund

Helianth. Band 3 Bilder aus dem Leben zweier Menschen von heute und aus der norddeutschen Tiefebene · 第 141 / 240 题