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Jason sagte (und nämlich im Auftrage der Andern, denn sie hielten ihn
für den Geeigneten, und er wars auch!), Jason also sagte mir, daß Du
gestorben seist. Aber das ist auch wieder so ein Ausdruck! (Übrigens,
ich erinnere mich, es war ein so besondrer Augenblick, wie ich ihn noch
nicht erlebt zu haben glaube, auch kaum mehr vorstellbar, doch war es
so, daß Jason ganz weiß von oben bis unten in einer pechschwarzen Wolke
saß, in der es donnerte. Dann liefen sie haufenweise zusammen, und
diese, ich muß gestehen, ziemlich unglaubliche Erscheinung verschwand.)
Aber wie gesagt: das ist auch wieder so ein Ausdruck. Dir ist bekannt,
denn wir sprachen mehr als einmal darüber, daß wir im Zeitalter des
Ausdrückens leben, auch Expressionismus genannt. Dichter und Maler: was
das Wesen ihres Wirkens in Wahrheit ist, nämlich: die Form, das weiß
ihrer keiner mehr (ausgenommen wie immer George), und eines jeden ganzer
Stolz ist es, wenn er für irgendeine Nervensache einen Ausdruck gefunden
hat. So auch die übrigen Menschen, und so auch in diesem Fall und so
weiter.
Nämlich, ich will sagen: die Umstände reden ja gewissermaßen zugunsten
der Andern. Mordanschlag eines Irren ... ich beklage Sigurd nicht
weiter, als ich ihn eben verstehe, das heißt, ich habe alles, was
Vernunft und Sinnenordnung heißt unter den Menschen, so oft
hirnverbrannt finden müssen, an Andern und an mir, daß ich durchaus
nicht weiß, ob wir nicht in die wahren Ordnungen gerade dann eintreten,
wenn die uns bekannten gesprengt scheinen, und übrigens, wer sagt denn:
gesprengt? Ebensogut können sie ja nur erweitert sein. Attentate auf
Fürsten sind auch von sogenannt vernünftigen Leuten nicht selten verübt
worden, und so ließe sich in Sigurds Falle besonders gut annehmen, daß
es für ihn, um zu dieser Tat zu gelangen, eben jener Erweiterung
bedurfte, die uns unter dem Ausdruck Irrsinn bekannt ist. Auch wieder so
ein Ausdruck!
Ferner Trauer im Lande, an den Kleidern, betrübte Mienen und so weiter,
vor allem unbedingt Deine sonst ganz unverständliche Abwesenheit, -- wie
gesagt, all das spricht für Totsein, aber, wie ich auch schon sagte: das
ist eben der gängige Ausdruck. Und eine Nervensache ist es ebenfalls,
denn wie? Wenn ich wirklich glaubte, Du seist tot, in dem üblichen Sinn
des nicht mehr Vorhanden-, des Abgeschiedenseins: müßten nicht meine
Nerven reißen im Augenblick? Mit einem Wort: ich stürbe vor Angst?
Nein, mein Glaube bleibt die Form. (Übrigens ist es, wie mir einfällt,
gerade Sigurd, dem ich die frühste Belehrung hierüber verdanke.) In der
Form offenbart sich die Seele; Deine Seele aber, wie könnte sie
gestorben sein? Ich habe es nicht gesehn. Ihre stoffliche
Erscheinungsart, ja, die hat sie allerdings in außerordentlicher und
besondrer Weise gewechselt, so wie die Vernunft es eben tut, indem sie
rasend wird. Einzig wunderbar aber bleibt, daß die Form, in der Du nach
wie vor Wesen hast und lebst, daß sie ganz und gar zusammenfällt mit der
Form, in der ich Dich empfinde. Und ist nicht dieser Gedanke fast
göttlich: Du, gemacht aus väterlichem Stoff, eingesetzt in die Form des
Vaters für unsre Lebenszeit, nicht leiblich mein Vater, aber ganz und
ewig im Geist? Nein, besondrer konnte es unmöglich erdacht werden. Mir
verbleibt.
Sieh, da war er wieder eingeschlafen! Er schläft immer ein, dieser Knabe
Georg! Ich dachte erst, das Schreiben würde ihn munter erhalten, aber es
scheint mir doch nun wieder eine besondre Nervensache. Mein Geist, das
merkst Du wohl, ist schon wieder scharf wie ein Eisbrecher (übrigens, in
Chöttingen sagt man Cheist, -- ich weiß nicht, es reizt mich so
besonders, wenn ich nicht alles aufgeschrieben habe, was mir eben
einfällt. Nicht wahr, es könnte ja grade das von ausschlaggebender, mit
einem Wort von besondrer Wichtigkeit sein!), also wie ein Eisbrecher,
wie gesagt, aber du lieber Gott, meine Hand ist so schlaff wie meine
Beine und so weiter.