am 1. nachmittags
Magda!
Schon Nachmittag, und ich bin noch hier. Georges, der Dir diesen Zettel
bringt, wird Dir sagen, daß ich bei ihm bin, und alles andre! Mitleid,
Liebste, meine Sorge um Dich ist grenzenlos, wer wüßte wie ich, was der
Herzog Dir war, aber ich kann nicht, kann nicht in das Haus kommen, wo
Du bist! Ja, Grauen überstehn, aber hingehn, wo es ist? oh nein! Ach, zu
Asche gebrannt, Kind! Genug, vergieb, komme zu mir, nein, komme nicht,
hüte mir -- umsonst, ich kann den Namen nicht schreiben, alles versagt.
Georges gieb bitte ein Kleid für mich, Wäsche für Tag und Nacht, und was
sonst nötig. In meinem Festkleid -- ich sitze da wie eine Irre. Georges'
Bruder trat mir Kammer und Bett ab. Morgens als ich aufstand, da war
alles leer, nur ein Zettel von Georges' Hand, daß er seinen Bruder ins
Gymnasium fuhr, da fiel mir sein erster Schultag ein, er geht ja noch
ein Halbjahr hin wegen des Examens. Den ganzen Vormittag blieb er,
Georges, weg, um Zitate nachzuschlagen in der Bibliothek. Es war so zart
von ihm, mich allein zu lassen, aber solche Zartheit macht in die
Verzweiflung einen Knoten, wenn man schon drin sitzt. Ich muß wohl
aufhören zu schreiben. Innig Dein!