Zwei Tage später erhielt er den folgenden Brief:
»Pierre!
Ich habe deinen Brief bekomen, er hat mich krank gemacht dise Keckheit
hab ich erwartet daß du das auf mich schübst und du glaubst fielleicht
daß das so gehen wird aber du ihrst dich ich hab niemals nicht aufgehört
zu glauben daß du es bist, von dem ich dise schrökliche Krankheit habe.
Und du hast recht ich hab niemals was gsagt weil du mich unterstüzt hast
aber jezt gibst du zu daß ich gnug hab aber ich leide und bin schröklich
traurig und dir ist es noch recht, was du angestellt hast und noch
andern Mädeln denen du bisl Gelt gibst und für die Mühe, die sie sich
mit dir geben ansteckst. Fielleicht haben sich dise Mädeln umgebracht
denn ich wenn ich nicht an meine Familli gedacht hät und ich hab
gedacht, daß mein Vater genug gelihten hat durch den Tot meiner Mutter,
um jezt von meinem Tot zu erfaren. Dann hab ich nicht glaubt daß ich
eines Tags meinen Henker begegne am 15. Juli auf dem Boulevard
Sebastopol. Was hab ich seit disem Tag geweint aber es ist zu spät ich
muß es tragen das alles sage ich dir weil ich sicher bin daß du mich
angsteckt hast du wirst mich unglückli gemacht fürs ganze Leben. Dann
komen noch schwere Täge für mich und noch für andre die leiden die tun
mir leid daß dise Leute deinwegn leiden denn meiner Treu die Leute, die
wissen daß du dran schult bist sind noch böser auf dich als ich aber ich
hör auf niemant und leide, ohne mich zu beklahgen. Du solst wissen, daß
ich kein gmeines Mädel bin denn wenn ich wolte könnte ich auch andre
Männer anstecken aber ich laß mich lieber kurihren bis ich gsund bin
werde ich mich umsehn ferzeihen aber werde ich dir niemals. Du
ferdiehnst es nicht ein Mensch der mir so vüll angetan hat was ich nicht
ferdiehnt hab, und ich hofte nicht eines Tags gemordet zu werden. wie du
weißt habe ich augenblüklich jezt große Halsschmerzen. Ich weiß ja daß
du dich drüber lustik machst aber ich erleichter mich und dann wirst du
besser wissen als ich wie es einem get, in diesem Zustand und mit der
Watte die ich kürzlich von der Erd aufghoben hab würdest du dir nicht
die Füse waschen woln und dann die Salbe, die auf dem Waschtisch unter
der Schüssel steht reibst du dich ein für die Krankheit ist es gut sonst
weniger . . . aber die Krankheit erfohrdert es oder du bekomst noch mehr
Geschichten und dann würde das Weib das mit dir geht es sofort krigen.
Ferdrieslich ist daß es sich verschlimmert, wenn man sich aufrehgt und
man steckt die andern an, dann versezt man sie und nimt wider eine andre
dann bist du neidisch daß die andern es nicht haben wie du. Aber ich
bitte dich Pierre kurihr dich wie ich damit du nicht imer mehr anstekst
denn einmal könnte es dir schlecht ergöhn und dir nicht gut bekomen das
rat ich dir. Dein Freund der Arzt ist ein reiner Schwindel denn du hast
mich satt und sonst nix.
Ich hoffe daß du auf mich nicht zu bös bist aber merke dir daß ich nicht
so schlim bin ich wünsche mir nur eins daß ich dir niemals nicht begegne
denn du bist nicht ein Freund wie du sagst du bist für mich weniger als
nix oder das Trotoar wo ich alle Täge geh aber du behalt mich in
Erinerrung wie ich dich aber als einen Menschen der nicht wert ist ein
Mädel wie ich gehabt zu haben denn ich bin entschihden das beste Mädchen
das man in Paris finden kan und das ist doch wahr. Ich beantworte deinen
Brief freundlichst und sag dir meine Meinung troz dem Abscheu die ich
vor dir hab.
Fräulein Berthe,
das Mädchen und die Unglükliche, die nur Abscheu hat vor dem der sie
angstekt hat.«
Vierzehn Tage später erkannte der Arzt, daß Pierre die Syphilis hatte.