Der Rabe und der Fuchs

Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner

für die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in seinen Klauen

fort. Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich

ein Fuchs herbeischlich und ihm zurief: "Sei mir gesegnet, Vogel des

Jupiters!"

--"Für wen siehst du mich an?" fragte der Rabe. "Für wen ich dich

ansehe?" erwiderte der Fuchs. "Bist du nicht der rüstige Adler, der

täglich von der Rechten des Zeus auf diese Eiche herabkommt, mich

Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in

der siegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich

zu schicken noch fortfährt?"

Der Rabe erstaunte und freute sich innig, für einen Adler gehalten zu

werden. Ich muß, dachte er, den Fuchs aus diesem Irrtum nicht bringen.

--Großmütig dumm ließ er ihm also seinen Raub herabfallen und flog

stolz davon.

Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und fraß es mit boshafter

Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes

Gefühl; das Gift fing an zu wirken, und er verreckte.

Möchtet ihr euch nie etwas anders als Gift erloben, verdammte

Schmeichler!

Ausgewählte Fabeln · 第 22 / 51 题