Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner
für die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in seinen Klauen
fort. Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich
ein Fuchs herbeischlich und ihm zurief: "Sei mir gesegnet, Vogel des
Jupiters!"
--"Für wen siehst du mich an?" fragte der Rabe. "Für wen ich dich
ansehe?" erwiderte der Fuchs. "Bist du nicht der rüstige Adler, der
täglich von der Rechten des Zeus auf diese Eiche herabkommt, mich
Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in
der siegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich
zu schicken noch fortfährt?"
Der Rabe erstaunte und freute sich innig, für einen Adler gehalten zu
werden. Ich muß, dachte er, den Fuchs aus diesem Irrtum nicht bringen.
--Großmütig dumm ließ er ihm also seinen Raub herabfallen und flog
stolz davon.
Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und fraß es mit boshafter
Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes
Gefühl; das Gift fing an zu wirken, und er verreckte.
Möchtet ihr euch nie etwas anders als Gift erloben, verdammte
Schmeichler!