Die +Bestattungsweise+ bei den Indiern ist keine einheitliche. Zwar
behauptet man allgemein, daß sie ihre Toten verbrennen, aber dies
ist durchaus nicht die Regel, denn viele Kasten und Stämme beerdigen
sie auch. -- Ist ein gewöhnlicher Hindu gestorben, dann schafft man
die Leiche sogleich aus dem Hause, das sofort durch frisches Tünchen
gereinigt wird, und legt sie außerhalb des Dorfes auf eine Bahre,
am liebsten sogleich in der Nähe eines Flusses. Hier wird sie
gebadet, ihr auch der Mund innen gewaschen, dann wird die Leiche in
ein neues Lendentuch sowie in ein großes Laken eingehüllt und auf den
Scheiterhaufen getragen. Der Hauptleidtragende, gewöhnlich der Erbe,
der sich inzwischen Kopf und Gesicht hat rasieren lassen, zündet den
Scheiterhaufen mit einer langen Fackel an und geht fünfmal um ihn
herum, indem er gleichzeitig jedesmal die Lippen der Leiche mit der
Fackel berührt. Bevor der Körper gänzlich verbrannt ist, wirft jeder
Anwesende fünf Stöcke ins Feuer und hilft sodann beim Auslöschen.
Was unverbrannt bleibt, wird den Fischen im Flusse zugeworfen.
Sodann waschen die Teilnehmer die Brandstätte, baden sich sämtlich
im Flusse, aber an einer anderen Stelle, und gehen dann nach Hause.
In der Nähe der gleichen Stätte wird ein geweihter Basilikumstrauch
gepflanzt. Am nächsten Tage schüttet der Hauptleidtragende ein wenig
frische Milch auf die Brandstätte und hängt zu Hause einen Topf mit
solcher an einem Baume auf; dieser hat eine kleine Öffnung, so daß
sein Inhalt herabtropfen kann. Er selbst geht dreimal um diesen Baum
herum und gibt sodann seinen Verwandten einen Leichenschmaus. An den
folgenden zehn Abenden zündet er zu Ehren des Verstorbenen eine Lampe
an, und zwar an verschiedenen Stellen auf dem Weg vom Hause bis zum
Scheiterhaufen. Noch weitere Zeremonien folgen an bestimmten Tagen. An
dem letzten davon legt die Witwe ihre Trauerkleidung an, die sie fortan
lebenslänglich trägt; bei den oberen Hinduklassen ist sie weiß, bei den
übrigen wechselt ihre Farbe. -- In Benares und anderen großen Städten
gibt es bestimmte heilige Plätze für die Einäscherung (Abb. 207).
Wenn man die Hinduleichen begräbt, dann geschieht dies für gewöhnlich
in ganzer Kleidung mit gekreuzten Beinen in sitzender Stellung (Abb.
209); das Gesicht ist dabei nach Norden gewendet, in die Hände erhalten
die Toten Kuchen mitgegeben.
[Illustration:
Phot. Underwood & Underwood.