Sie tragen bereits das Tali, das Eheabzeichen.]

Bei den meisten Kasten ist der wesentliche und bindende Teil der

Hochzeitszeremonie das +Zusammenbinden der Hände+ von Braut und

Bräutigam mittels eines baumwollenen oder seidenen, mit Safran

gefärbten Fadens oder mittels des heiligen Dharbagrases, oder das

Ineinanderlegen ihrer Hände oder kleinen Finger, wobei Wasser

über sie ausgeschüttet wird. Manchmal werden auch die Hände des

Brautpaares unter einem Tuch vereinigt, das die beiderseitigen Onkel

mütterlicherseits halten. Bei einem Stamme der Bergbadaga bringt die

Schwester der Braut etwas Reis und Milch in einer Tasse, in die das

Paar seine aneinander gebundenen Finger eintaucht; darauf nehmen beide

etwas Reis und stecken ihn sich dreimal in den Mund. Bei den Völkern

von Telugu, Kanara (Abb. 154) und Oriya ist es allgemein üblich, einen

Wandschirm oder einen Vorhang zwischen den Brautleuten anzubringen,

über den hinüber die Braut Reis und Salz auf den Kopf ihres Bräutigams

wirft. Man pflegt hier auch die Enden der Hüfttücher des Paares, in die

Reis, Betelblätter, Arekanüsse, Muschelgeld und andere Dinge gebunden

sind, miteinander zu verknoten.

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 156. Eine Hinduverbrennung.

Die mit einem Tuch bedeckte Leiche wird auf den Scheiterhaufen gelegt

und dieser durch ein unter besonderen religiösen Feierlichkeiten

hergestelltes Feuer angezündet.]

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 157. Hindubegräbnis.

Die Leiche wird unter einem mit Blumengirlanden reich geschmückten

Baldachin zur Einäscherungsstätte getragen.]

Eine wichtige Rolle spielen bei der Hinduhochzeit die +Töpfe+. Nach

dem Aberglauben des Volkes sollen sie dreihundertdreißig Millionen

kleinerer Götter oder Dēvas vorstellen; daher verwenden Brahmanen auch

dreiunddreißig Töpfe bei ihrer Hochzeit. Die Dorftöpfer haben für

solche Gelegenheiten gut zu tun; sie fertigen eine Menge Töpfe an,

deren größter an Umfang etwa dreieinhalb Meter messen muß. Die Töpfe

nun werden von Braut und Bräutigam in gebührender Weise angebetet.

Verschiedene Oriyakasten pflegen einen Topf mit Wasser aus sieben

verschiedenen Häusern anzufüllen und in der Hochzeitsbude aufzuhängen,

oder sie stellen eine Anzahl Töpfe, einen auf den anderen geschichtet,

in die vier Ecken und in die Mitte dieses Raumes auf und so weiter. --

Dem +Barbier+ kommt bei Hochzeiten ein wichtiges Amt zu. Er hat dem

Bräutigam die Fußnägel zu beschneiden und das Gesicht zu rasieren,

wobei er zuweilen Kuhmilch an Stelle von Wasser verwendet. Er berührt

auch die Stirn der Braut mit einem Rasiermesser und ihre Zehen mit

einem in Milch getauchten Mangoblatt, dem Sinnbild des Wohlergehens;

bei manchen Kasten bindet er der Braut auch das Tali um den Hals. Eine

drollige Figur gibt der Barbier auf der Hochzeit bei den Lingayat

Kannadiyan ab. Er hat hier die Aufgabe, die Köpfe des Brautpaares

mit geklärter Butter aus einer Kokosnußschale zu besprengen, was ihm

aber nicht leicht gemacht wird. Denn vorn trägt er einen Stein an

einem Stricke um seinen Hals, der ihn dabei nach vorn herabzieht, und

rückwärts ebenfalls einen Strick, an dem die Kinder ihn nach hinten

ziehen.

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 158. Szene aus einer Hinduleichenverbrennung.

Nachdem der Scheiterhaufen heruntergebrannt ist, werden Milch und

Kokosnußwasser über die Asche gegossen, um den Durst des Verbrannten zu

löschen, sowie Reis, Hülsenfrüchte und Kuchen ihm dargebracht.]

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 159. Verbrennung eines Hinduleichnams.

Wenn der Leichenzug den Einäscherungsplatz erreicht hat, sprengt der

die Feier abhaltende Priester Wasser auf den Scheiterhaufen und wirft

eine kleine Münze darauf als Entgelt für die Benutzung des Bodens bei

der Verbrennung. Ein Sohn des Verstorbenen entzündet einen Span an dem

heiligen Feuer und setzt damit den Scheiterhaufen in Flammen, während

er in die Sonne sieht.]

Die Hochzeitszeremonien der +Mohammedaner+ Südindiens sind

verschiedentlich ein Mittelding zwischen rein mohammedanischen und

hindostanischen Gebräuchen. Bei einer Hochzeit der mohammedanischen

Marakkayar wird eine Zeremonie direkt die „brahmanische Verkleidung“

genannt. Die Braut ist wie eine Brahmanin gekleidet und fordert mit

einem Messinggefäß in der einen und einem Stock in der anderen Hand vom

Bräutigam Geld ein, wobei sie ihr Anliegen mit Stockschlägen begleitet.

+Eheliche Untreue+ der Frauen wird besonders dann streng geahndet,

wenn sie sich mit Männern einer niederen Kaste einließen. Wer eines

solchen Vergehens von dem Dorf- oder Gemeinderat überführt ist,

wird aus der Kaste ausgestoßen und kann eine Wiederaufnahme erst

dann wieder erlangen, wenn er sich verschiedenen seltsamen Formen

von Gottesurteilen unterzogen hat. Sonderbar mutet von diesen

Vorschriften die folgende an: ein schwerer Mörser wird der Frau vorn

und eine Katze hinten auf dem Rücken angebunden; so ausgestattet muß

sie durch die Straße ziehen. Während der Mörser sie beinahe bis auf die

Erde hinabzieht, sucht die Katze sich durch Kratzen hinten zu befreien.

-- Bei den Koraga von Südkanara wird eine Reihe von sieben Hütten am

Flußufer errichtet und Grasbündel gegen sie aufgestapelt. Diese werden

in Brand gesteckt, und die Übeltäterin muß über die brennenden Garben

und die heiße Asche hinweggehen. Diese Zeremonie soll die sieben Leben

versinnbildlichen, die nach dem Gesetze des Manu erforderlich sind,

um einen Fehltritt gegen das Heiratsgesetz zu sühnen. Koyimädchen,

die sich mit einem Mann aus niederer Kaste verbinden, werden dadurch

geläutert, daß ihnen die Zunge mit einer erhitzten goldenen Nadel

durchstochen wird und sie durch sieben Palmenblätterbogen hindurchgehen

müssen, die nachher verbrannt werden. Die Kappiliyan kennzeichnen das

Ausgestoßensein einer Frau wegen Ehevergehens dadurch, daß sie über

einen ihr gehörigen Schmuckgegenstand in aller Form eine Trauerfeier

abhalten und ihn verbrennen, und die Frau selbst von nun an für tot

erklären. Die Parivaram töten die Frau in ähnlicher sinnbildlicher

Weise; sie fertigen von ihr ein Lehmbildnis an, stechen ihm in die

Augen Dornen und werfen es schließlich außerhalb des Dorfes fort.

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 160. Szene aus einem Todabegräbnis.

Die Weiber sitzen vor der Totenhütte und wehklagen, je zwei und zwei

drücken dabei ihre Stirnen aneinander.]

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 161. Tötung eines Ochsen bei einem Todabegräbnis.

Die Männer schleppen gewaltsam einen Ochsen herbei und zwingen ihn

nieder.]

Eine ganz besondere Strafe trifft manchmal bei den Oriya Ravulo

den Ehemann, wenn er seine Frau mißhandelt oder verlassen hat.

Er muß sich unter einen Bambusbottich und seine Frau oben darauf

setzen; sodann wird der Inhalt von fünf Töpfen Wasser über das Paar

gegossen in Nachahmung der bei dieser Kaste üblichen Sitte, über

eine Leiche aus ebensoviel Gefäßen Wasser zu gießen, bevor man sie zum

Verbrennungsplatz bringt. Dieser Vorgang spielt sich überdies in einem

Hause ab, wo für gewöhnlich ein Toter gewaschen wird.

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 162. Szene aus einem Todabegräbnis.

Wenn der Büffel tödlich getroffen ist, legt man den Toten an den Kopf

des seine Seele aushauchenden Tieres.]

Um ihre Unschuld zu beweisen, kann eine verdächtigte Person ihre

Zuflucht zu einem Gottesurteil nehmen. Meistens muß sie dann ihre Hand

in kochendes Öl tauchen und eine Münze, eine Arekanuß oder einen Stein

herausholen. Gelingt ihr dies nicht, so ist ihre Schuld bewiesen;

andernfalls geht sie frei aus.

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 163. Szene aus einem Todabegräbnis.

Bevor der Büffel getötet wird, beschmiert man Rücken, Hörner und Kopf

mit Butter und bindet ihm eine Glocke um den Hals.]

Die vornehmste +Bestattungsform+ der Südindier, aber auch die

teuerste, ist das Einäschern der Leichen; diese können sich nur die

Wohlhabenderen leisten (Abb. 156 bis 159). Daher begegnen wir der

Einäscherung allgemein bei den höheren Kasten, bei den niederen dagegen

nur insoweit, als die pekuniären Verhältnisse der Familie es gestatten.

Die Regel bildet bei den niederen Kasten das +Begraben+ der Toten. Beim

Tode des Mannes wird der Witwe manchmal das Tali vom Halse abgenommen

und mit den Blumen, die sie schmücken, der Leiche mit ins Grab gegeben,

oder ihre Spangen werden vor einem hölzernen Pfahl, der mit dem Zeug

des Mannes bekleidet ist, zerbrochen. Beerdigung in sitzender Haltung

kommt noch unter anderen bei einigen primitiven Dschungelstämmen vor.

Das Grab wird oft dadurch gekennzeichnet, daß man eine Hütte oder

ein Schirmdach darüber baut und einen stachligen Zaun aus Zweigen

herumlegt, damit die wilden Tiere, im besonderen die Schakale, nicht

herankönnen, oder man legt einen Kiesel mit einem Zauberspruch auf

das Grab, um den Geist des Verstorbenen daran zu hindern, daß er die

Überlebenden belästigt.

[Illustration:

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 164. Einfangen eines Ochsen für ein Todabegräbnis,

der darauf zum Begräbnisplatz getrieben wird.]

Vielseitig und manchmal auch sehr sinnig sind die Gebräuche, die man

mit der +Asche des Toten+ vornimmt. Die Bergkoyi vermischen sie mit

Wasser und formen Kugeln, vergraben diese in einem Loch und decken eine

Steintafel darüber. Wenn Freunde des Mannes an der Stelle vorübergehen,

legen sie ein paar Tabakblätter für ihn auf diese Tafel. Die Bergsavara

begraben Reste der verbrannten Gebeine mit einem zerschlagenen Hühnerei

in einer Miniaturhütte; auch schicken sie Stücke verkohlter Knochen

an Verwandte, die entfernt wohnen, damit diese an ihnen bestimmte

Begräbniszeremonien vornehmen. Manche Kasten legen ein Stück Knochen in

einen Topf unter einen heiligen Feigenbaum; der Sohn des Verstorbenen

nimmt diesen schließlich fort und vergräbt ihn in der Nähe seines

Hauses. Andere wieder pflanzen eine Tulsipflanze an der Stelle, wo

die Asche begraben liegt; manchmal werden die Aschenreste auf einen

Baum, einen Ameisenhaufen, in fließendes Wasser oder auch in die See

geschüttet. Vielfach besteht auch die Sitte, die Asche als Postpaket an

einen bestimmten Agenten in Benares zu senden, auf daß er sie in den

heiligen Ganges schütten läßt. -- Bildnisse des Verstorbenen werden

oft aus seiner Asche, Reismehl, Stroh und Schlamm hergestellt oder auf

ein neues Tuch aufgezeichnet und dann durch Opfergaben geehrt. Die

Strohfiguren verbrennt man dann oft, die Bergkondh aber stellen sie vor

oder auf dem Dache ihrer Häuser auf. Die Oriya Gaudo stecken sieben

kleine Fahnen aus gelbgefärbtem Stoff in die Schultern, den Unterleib,

die Beine und den Kopf einer Figur aus Asche und bringen ihr Speise

dar. Von vielen Kasten wird ein Topf mit Wasser oder Reis von dem

Hauptleidtragenden, in der Regel der Witwe des Verstorbenen oder seinem

Onkel mütterlicherseits, auf dem Hinwege zum Verbrennungsplatz oder

auch auf diesem selbst zertrümmert.

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Abb. 165. Ein Leichenbegängnis der Badaga.

Der Leichnam wird auf einen Wagen gelegt, der aus mehreren Stockwerken

aufgebaut ist.]

Zahlreich sind die Methoden, zu denen man seine Zuflucht nimmt, um die

+ruhelosen Geister der Verstorbenen zu versöhnen+ und zu beruhigen.

Manche Bergstämme schießen zu diesem Zweck ein Gewehr ab, während das

Begräbnis stattfindet. Im Tamilgebiet wird manchmal gerösteter Reis auf

dem Wege zum Verbrennungsplatze ausgestreut, um dadurch den Geist, der

am Abend versuchen wird, nach Hause zurückzukehren, zu veranlassen, daß

er sich mit dem Auflesen der Speise aufhalte und sich dann zurückziehe.

Um den boshaften Geist eines Menschen, der an einer ansteckenden

Krankheit starb, an seiner Rückkehr zum Dorf zu verhindern, legen die

Bergkoyi eine Fischfalle und dornige Zweige über den Weg, der zu ihm

hinführt. Am dritten Tage nach dem Tode sollen die Khond eine Spinne

vom Begräbnisplatze holen, sie einen Tag lang zu Hause behalten und

mit Reis, Fleisch und einem neuen Tuch zu versöhnen suchen, weil

sie annehmen, daß dieses Tier eine feindlich gesonnene Wiedergeburt

des Verstorbenen vorstelle. Von den Bergkoyi wird bei Eintritt

eines Todesfalles eine Kuh oder ein Bulle erschlagen, der Schwanz

abgeschnitten und der Leiche in den Mund gesteckt. Auch pflegen sie

einen solchen Schweif auf dem Begräbnisplatze an jeden der einzelnen

Steine, die hier errichtet sind, zu binden; er bleibt hier, um den

Geist des Verstorbenen zu besänftigen, dem man dadurch einreden will,

daß er das ganze Tier erhalten habe. Manchmal werden dem Verstorbenen

auch ein paar Rupien, die den Wert eines Ochsen darstellen, anstatt des

Schweifes in den Mund gesteckt.

Eine ganz besondere Form erhält das Totenzeremoniell bei den

+Hirtentoda+ und den ackerbautreibenden Badaga der Nilghiriberge. Bei

ersteren weichen die Bräuche zwar sehr voneinander ab, je nach dem

Geschlechte des Verstorbenen und den sonstigen Verhältnissen, aber

im allgemeinen verfährt man mit der Leiche folgendermaßen. Der Tote

wird in eine zu diesem Zwecke gebaute einfache Hütte gelegt, meistens

innerhalb eines Steinkreises in der Nähe des Haines, in dem der

Scheiterhaufen hergerichtet worden ist. Vor ihr gruppieren sich die

Frauen, zu zweien zum Zeichen der Trauer die Stirnen aneinander gelegt

(Abb. 160), wobei ihnen die Tränen über die Wangen rollen. Männer und

Knaben gehen nun auf die Suche nach einem oder mehreren Ochsen, die sie

nach der Stelle, wo der Tote liegt, hintreiben (Abb. 161 und 164). Hier

packen die ersteren die Tiere mit aller Kraft bei den Hörnern, ducken

sie nieder und versetzen ihnen auf die Stirn einen Axthieb. Der Tote

wird sodann herbeigebracht und am Kopfe des seine Seele aushauchenden

Tieres, das mit Butter beschmiert worden ist, niedergelegt (Abb. 162

und 163). Männer, Frauen und Kinder drängen sich dann heran, um das

tote Tier zu begrüßen und die Hände auf seinen Kopf und seine Hörner

zu legen. Bei dem Leichenbegängnis eines Mannes pflegt man dreimal

Erde auf den Leichnam und in eine Viehhürde oder einen Steinkreis zu

werfen. Nach Ablauf einer gewissen Zeit wird eine zweite Totenfeier

veranstaltet, bei der die Hinterlassenschaft des Verstorbenen samt

einem Stück seines Schädels und einer Haarlocke in einem Steinkreis

verbrannt werden.

[Illustration:

Phot. E. Thurston.

Abb. 166. Szene aus einer Badagabestattung.

Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 109 / 254 题