Nachmittags und Nachts dagegen: 902 CC. Urin mit

19,703 Grm. Harnstoff

0,247 " Harnsäure

1,418 " Schwefelsäure

1,990 " Phosphorsäure und

7,128 " Chlor

ausgeschieden wurden.--

Betrachten wir zuerst wieder die Resultate der 24stündigen Periode etwas

näher, so war das Verhältniss von genossenen Fluidis zur Quantität des

Urins fast durchaus dasselbe, wie während der badefreien Zeit auf

Wangeroge (1894 : 1469); gegen die erste Badezeit war die Urinmenge,

trotz verringerter Einnahme an Fluidis, vermehrt. Es weist dies mit

Bestimmtheit auf einen geringeren Wasserverlust durch die Haut hin und

dass derselbe in der That auch geringer war, geht schon aus den

Bemerkungen in den einzelnen Tagesberichten hervor. Die bedeutend

niedrigere Lufttemperatur führte dies Verhältniss offenbar zum grossen

Theil herbei; ob wir aber auch annehmen dürfen, dass das Bad in der

letzten Zeit auf die Hautfunction einen geringern Einfluss ausübte, als

in der erstern, lasse ich dahingestellt sein. Die klebrige

Beschaffenheit der Schweisse wurde nach, wie vor, wahrgenommen; möglich

also, dass nur in der Quantität des Wassergehaltes der Schweisse eine

Differenz eintrat und dieses Wasser eben aus irgend welchen Gründen von

den Nieren secernirt wurde. Die Vermehrung des Chlorgehaltes im Urin,

welche meistens in Folge veränderter Diffusionsverhältnisse auch mit

Vermehrung des Wassergehaltes des Urins einhergeht[16], möchte unter

solchen Gründen hier namentlich in Betracht zu ziehen sein. Die einzelne

Beobachtung vermag diese Frage nicht zur Entscheidung zu bringen.--

[16] Vgl. Falck: Deutsche Klinik. 1853. 8. Oct. "Beiträge zur Lehre

von der einfachen Polyurie."--

Die Darmentleerungen blieben bis zu Ende des Bades vermehrt, und um so

mehr, als sofort mit dem Aufhören des Badens das frühere Verhalten in

dieser Beziehung eintrat, muss ich glauben, dass das Bad selbst einen

Einfluss darauf ausübte. Ich beschuldige nicht, wie Manche es thaten,

das Trinkwasser, da dasselbe meiner Untersuchung zufolge um sehr wenig

von dem Oldenburger Trinkwasser differirte. Die Beobachtung vermehrter

Darmentleerungen beim Gebrauch des Seebades ist ausserdem zu oft

gemacht, als dass man noch länger in Zweifel darüber sein könnte.--Da wo

das Bad ohnedies einen fatiguirenden Einfluss ausübt, hüte man sich

aber, wie schon erwähnt, diese Bade-Wirkung in zu starkem Maasse

eintreten zu lassen; der Zustand der Fatigue ist allemal ein Gegner des

wohlthätigen Einflusses, den das Seebad insonderheit auf die chemischen

Verhältnisse des Organismus ausübt.--Darüber später noch ein Mehres.--

Der Harnstoff belief sich in der letzten Periode des Badens eben so

hoch, als in der ersten; dort, wie hier, wurden täglich 28,3 Grm.

ausgeschieden. Dürfen wir hier den Harnstoff als Maass des Stoffwechsels

betrachten? Aus denselben Gründen, wie oben, glaube ich es auch

hier nicht. Die noch zunehmende Quantität der Harnsäure, die uns also

eher auf eine noch mehr beschleunigte, als auf eine retardirte

Stoffmetamorphose hinweist, die, trotz der vermehrten Darmentleerungen,

sich noch immer höher als zur badefreien und sehr nahezu gleich hoch wie

zur ersten Badezeit belaufende Quantität der Schwefelsäure lassen mich

annehmen, dass auch hier ein gewisser Theil des Harnstoffs in Folge des

Badeeinflusses auf andern Wegen, als dem gewöhnlichen, den Körper

verliess, und während wir in einer täglichen Quantität von etwa 30 Grm.

(das Verhältniss der Schwefelsäure als maassgebend angenommen) sehr wohl

ein Maass des Stoffwechsels erkennen könnten, glaube ich in der

Quantität von 28,3 Grm. dieses Maass nicht annehmen zu dürfen.--Im

Allgemeinen ist aber das Resultat eben von Wichtigkeit, dass gegen Ende

der Curzeit der Einfluss des Bades keineswegs an Grösse gewinnt; er hat

vielmehr zu Anfang, wie zu Ende eine gleiche Wirkung und im subjektiven

Befinden der Patienten äussert sich nur deshalb eine Verschiedenheit des

Einflusses, weil die Angriffspunkte, d. h. der Organismus selbst, zu

Anfang und zu Ende verschieden sind. Dies Resultat der chemischen

Untersuchung ist für den Arzt, wie für den Seebad-Patienten von hoher

Wichtigkeit; die Maassnahme allmähliger Steigerung in der wöchentlichen

Anzahl der Bäder bei schwächlichen Constitutionen, die Regel, namentlich

im Anfange Alles zu vermeiden, was eine Fatigue herbeizuführen vermag,

erhalten jetzt ihre rationelle Begründung.--Der beschleunigte

Stoffverbrauch nimmt zu Anfang die disponibeln Kräfte (das Nervensystem)

zu sehr in Anspruch, als dass ausser für Bad u. s. w. noch viele

derselben für geistige und körperliche Thätigkeiten übrig blieben; die

früher retardirte Metamorphose wird beschleunigt; allmählig tritt aber

eine Periode ein, in der das Nervensystem an den raschern Stoffwechsel

gewöhnt ist, durch Veränderung des Stoffwechsels und insonderheit durch

die Hebung des Ernährungsprocesses selbst an Kraft gewinnt; jetzt fühlt

sich der Patient auch subjectiv wohler und körperliche, wie geistige

Anstrengungen werden leichter ertragen. Ich sage, der beschleunigte

Stoffverbrauch nimmt zu Anfang die disponibeln Kräfte (das Nervensystem)

fast sämmtlich in Anspruch--und das ist eine unläugbare Thatsache. Das

Nervensystem hat unter allen Verhältnissen nur ein bestimmtes Quantum an

Kraft zu verwenden; die vegetativen (Ernährungs-)Vorgänge erfordern

ebensowohl einen Theil davon, als muskuläre oder geistige Anstrengungen.

Ist es unter solchen Verhältnissen, wie im Seebade, nothwendig, dass

mehr Nahrungsmaterial, als gewöhnlich, eingeführt wird, so muss dem

Nervensystem für die damit gesteigerten vegetativen Functionen auch ein

Plus an Kraft entzogen werden, für die muskulären und geistigen

Anstrengungen aber nur ein Minus übrig bleiben; und erst dann tritt etwa

das richtige Verhältniss wieder ein, wenn das Nervensystem effektiv an

Leistungsfähigkeit gewonnen hat, d. h. der gesteigerte Ernährungsprocess

sich auch in dieser Weise kund giebt; die vegetativen Vorgänge erfordern

nach wie vor ihr Plus an Kraft des Nervensystems, aber die Summe dieser

Kraft beläuft sich jetzt hoch genug, als dass sie ein Minus für andre

körperliche und geistige Functionen bedingen sollte.--Stiege im Seebade

und bei längerer Dauer desselben die anfängliche Einwirkung desselben

noch immer fort, so würde ein solches Verhältniss nicht eintreten, und

der Zustand der Fatigue bis zu Ende anhalten.--

Das Verhältniss der ~Schwefelsäure~ änderte sich in dieser Periode, wie

das des Harnstoffs, sehr unbedeutend. Es differirt von der ersten

Badezeit täglich nur um 0,035 Grm.--Diese Differenz kann sehr wohl durch

eine geringe Verschiedenheit der Darmentleerungen bedingt sein.--Die

~Harnsäure~ hat dagegen noch um 0,016 Grm. in 24 Stunden zugenommen, ein

Verhältniss in dem wir die frühere Angabe bestätigt finden, dass das

Seebad auf die Production der Harnsäure einen absolut steigernden

Einnuss ausübe.--Ihr entsprechend nimmt auch die ~Phosphorsäure~ täglich

noch um ein Geringes (0,054 Grm.) zu, ein Verhältniss, welches nach

meinen obigen Auseinandersetzungen und bei der festgehaltenen Erklärung

des Abhängigkeitsverhältnisses zwischen Harnsäure und Phosphorsäure

nicht auffallend erscheinen kann.--Vergleichen wir nun aber die

Quantität der Phosphorsäure in den Oldenburger Juli-Tagen mit der hier

in Frage stehenden und ziehen gleichzeitig die aufgefundenen

Körpergewichtsverhältnisse in Betracht, so ergiebt sich, dass in

Oldenburg täglich 2,893 Grm. Phosphorsäure entleert wurden und dabei ein

Gewichtsverlust von täglich 135 Grm. statt hatte, dass dagegen in

Wangeroge in der letzten Periode täglich 2,671 Grm. Phosphorsäure

entleert wurden und dabei eine tägliche Gewichtszunahme von 15 Grm.

Statt hatte. Bei der zweifellosen Beziehung, den die Phosphorsäure zum

Ernährungsprocess hat, müssten wir demnach annehmen, dass bei einer

Ausscheidung von täglich circa 2,75 Grm. Phosphorsäure im Sommer mein

Körpergewicht sich gleich bleiben würde. In Wangeroge erfuhr somit der

Körper in allen Perioden einen Gewinn an Phosphorsäure; und berechnet

sich der absolute Gewinn an derselben für die letzten 8 Tage auf etwa

1,7 Grm., der relative (vermehrte Einnahme von Nahrungsstoffen) aber auf

etwa 2-3 Grm., so würde sich der Gesammt-Gewinn in der letzten Periode

etwa auf 4 Grm. belaufen.

Das 24stündige Mittel für die Phosphorsäure zu verschiedenen

Jahreszeiten wurde für meinen Körper oben auf 2,5 berechnet; das der

Harnsäure daneben auf 0,35 Grm.--Wenn wir jetzt in dem heissen Juli in

Oldenburg 0,41 Grm. Harnsäure und 2,89 Grm. Phosphorsäure; in Wangeroge

bei ausschliesslichem Luftgenuss:

0,21 Grm. Harnsäure und 2,37 Grm. Phosphorsäure;

bei durch das Bad absolut gesteigerter Harnsäureproduction, anfangs

0,30 Grm. Harnsäure und 2,61 Grm. Phosphorsäure

zu Ende aber: 0,32 " " und 2,67 " "

auffinden, so stehen all diese Verhältnisse im besten Einklang mit dem,

was ich über die gegenseitige Abhängigkeit dieser Stoffe und den

Einfluss gesteigerter Oxydationsprocesse auf dieselben gesagt habe.

Wären in Wangeroge die Oxydationsvorgänge nicht bedeutend intensiver,

als in Oldenburg gewesen, so würden dort zur badefreien Zeit bei noch

vermehrter Nahrungseinnahme zum Mindesten ebenfalls 0,41 Grm. Harnsäure

ausgeschieden, es würde ferner die Oxalsäure weniger rasch zu

Kohlensäure oxydirt, und mehr Phosphorsäure als 2,37 Grm. dem

organischen Nexus entzogen sein. Aber diese vermehrte Oxydation gab sich

in allen Verhältnissen kund, sie war zweifellos; und wenn ich

desohngeachtet während des Bades wieder 0,30 und 0,32 Grm. Harnsäure als

tägliches Mittel beobachtete, so lieferten diese Quantitäten nicht einen

Beweis für jetzt verminderte Oxydationsvorgänge, sondern für eine

absolut gesteigerte Production von Harnsäure, die bei gleicher

Intensität der Oxydation, wie zur badefreien Zeit, dennoch zu einer

Ausscheidung von täglich 0,31 Grm. Harnsäure führte. Es konnte unter

solchen Verhältnissen gleichzeitig nicht anders sein, als dass zur

Badezeit auch mehr Oxalsäure im Organismus producirt wurde, als zur

badefreien Zeit, und, wie rasch sie auch zu beiden Zeiten zu Kohlensäure

verbrennen mochte, der Einfluss den die vermehrte Production auf die

Phosphate ausübte blieb dennoch nicht aus, er sprach sich in der

Vermehrung der Phosphorsäure im Urin zur Zeit des Badens aus. Es wurde

ohne Frage im Sommer in Wangeroge auch mehr Harnsäure producirt und

oxydirt, als im Winter in Oldenburg; denn dort kam bei nicht

unbeträchtlich gesteigerter Nahrungseinnahme, fast eben so viel

Harnsäure zur Ausscheidung als hier (im Winter in Oldenburg: 0,29 Grm.;

im Sommer in Wangeroge durchschnittlich = 0,27 Grm.); die geringe

Steigerung der Phosphorsäureausgabe in W. steht damit nicht im

Widerspruch (im Winter in Oldenburg: 2,37 Grm.; im Sommer in Wangeroge

durchschnittlich = 2,55 Grm.); aber dennoch hatte ein Gewinn an

letzterer auch im Verhältniss zum Winter Statt, denn die gesteigerte

Consumption führte dem Organismus verhältnissmässig auch mehr Phosphate

zu.--Bei dem steten Auf- und Abwogen der einzelnen Vorgänge, die wir in

summa als Stoffwechsel bezeichnen, bei dem unausbleiblichen Einfluss,

den Einnahmen an Nahrungsmaterial, körperliche und geistige Bewegung,

Luftbeschaffenheit u. s. w. darauf ausüben, ist es nicht leicht, in

allen Verhältnissen ein aufgefundenes Gesetz als richtig zu erkennen,

doppelt schwierig ein Gesetz selbst aufzufinden. Aber ich kann nicht

umhin zu glauben, dass der von mir schon vor längerer Zeit aufgestellte

Satz über das Hervorgehen der Oxalsäure aus der Harnsäure und die

Einwirkung der Oxalsäure auf die phosphorsauren Erden, und damit auf den

Ernährungsprocess, ein richtiger ist; eine Menge praktischer

Beobachtungen stimmen damit überein, und ich habe mir nicht eine Theorie

construirt, denen ich die Thatsachen anzupassen suchte, sondern mich

bemüht die Thatsachen kennen zu lernen, um aus ihnen ein Gesetz

herzuleiten.

In den eben verzeichneten Tagesberichten findet sich ein Tag, der 8te

August, an dem ganz ausnahmsweise Abends spät ein dreistündiger,

anstrengender Spaziergang gemacht wurde. Wie gestalteten sich die

Verhältnisse des Stoffwechsels an dem dieser ungewohnten Bewegung

folgenden Tage? Alle Ausgaben waren so gesteigert, wie an keinem andern

Tage. Der Harnstoff belief sich auf 32,128 Grm., die Harnsäure auf 0,448

Grm., die Schwefelsäure auf 2,260 Grm., das Chlor auf 14,084 Grm.; nur

die Phosphorsäure machte eine Ausnahme, sie belief sich umgekehrt, wie

alle übrigen Stoffe, so niedrig, wie an keinem andern Tage dieser

Untersuchungsreihe, auf 2,533 Grm. Ist dieses Resultat anders zu

erklären, als durch die obige Thesis, nach welcher Beschleunigung des

Stoffwechsels vermehrte Ausgabe aller Körperbestandtheile, mit Ausnahme

der einzigen Phosphorsäure bedingt, nach welcher Beschleunigung des

Stoffwechsels und Körpergewichtszunahme zwei sich gegenseitig bedingende

Momente sind?--Steht dasselbe nicht im Einklang mit Allem, was ich in

Betreff dieser Verhältnisse gesagt habe? Und solcher Beispiele lassen

sich in der That viele beibringen; täglich wird man sie in der Praxis

finden können, wenn man nur darnach sucht; alljährlich werden sie uns

geliefert durch die Gebirgsreisenden, die bei nicht unbedeutenden

körperlichen Anstrengungen und ohne Frage beschleunigter Metamorphose

dennoch mit gehobenem Embonpoint in die Heimath zurückkehren.--

Doch zurück zu unsern Untersuchungen. Ich habe noch über den Chlorgehalt

des Urins der letzten Periode zu sprechen. Derselbe war in der That im

Verhältniss zu allen vorhergehenden Perioden nicht unbeträchtlich

vermehrt. Während in der badefreien Zeit täglich 10,59, in der ersten

Badezeit 9,33 Grm. Chlor entleert wurden, belief sich die Menge

desselben in der letzten Zeit täglich auf 12,019 Grm. Wie ist diese

Zunahme zu erklären? Ich war Anfangs geneigt zu glauben, dass meine

obige Annahme, es werde im Bade keinenfalls eine irgend erhebliche Menge

Kochsalz aufgenommen (cf. pag. 64), unrichtig sei; dass in jener ersten

Badezeit vielmehr mit den beträchtlichen Schweissen dem Körper so viel

Chlor entzogen sei, dass trotz vermehrter Ausgabe an Chlor in Summa, der

Gehalt desselben im Urin vermindert erschien, und dennoch also eine

Salzresorption im Bade Statt gehabt habe. Allein ich halte diesen

Schluss dennoch nicht für zulässig. Würde Salz im Bade resorbirt, d. h.

gelangte es wirklich in den Blutkreislauf, so würde es sicher binnen der

nächsten 6 Stunden im Urin wieder erscheinen. Solches lässt sich

namentlich nach Falck's Beobachtungen[17] mit Sicherheit annehmen. Wir

finden nun aber, dass grade in den 6 Morgenstunden die Quantität des

Chlor im Urin zur Badezeit nicht höher, sondern eher geringer war, als

zur badefreien Zeit. Während der letztern wurden 4,54 Grm., während der

ersten Badezeit 3,28 Grm. und während der spätern Badezeit 4,89 Grm.

Chlor ausgeschieden. Das Plus fiel dagegen in der letzten Periode in die

Nachmittags- und Nachtzeit--und ich glaube danach nicht anstehen zu

dürfen, dasselbe aus einer vermehrten Kochsalz-Einnahme mit den Speisen

zu erklären. Diese Erklärung wird dadurch unterstützt, dass an den

beiden Tagen der letzten Periode, an welchen nicht gebadet wurde (6. und

7. Aug.), sehr hohe Quantitäten Chlor im Urin enthalten waren; am 6. =

12,526 Grm., am 7. = 13,667 Grm.--Doch, wird man fragen, weshalb war

denn der Chlorgehalt des Urins in der ersten Badezeit, wo doch der

Consum dem der Schlussperiode sehr nahe stand, nicht vermehrt, sondern

sogar vermindert? Dafür glaube ich nur mit der einen Hinweisung auf die

bedeutend vermehrten Schweisse einen Grund angeben zu können und ich

möchte es nicht in Abrede stellen, dass mit ihnen in der ersten Badezeit

um 3 Grm. Chlor mehr den Organismus auf dem Wege durch die Haut

verliessen, als in der letztern.--Bei der Unmöglichkeit, die Quantität

des durch die Haut entweichenden Chlors zu bestimmen, wird es immer ein

missliches Ding sein, mit aller Entschiedenheit die Aufnahme von

Kochsalz im Bade zu leugnen. Allein zugegeben, dass sie stattfinde,

zugegeben, dass in 8-10 Minuten eine See-Wasserresorption von doppelter

Grösse stattfinde, wie sie Lehmann bei 1/4 - 1/2 stündigen Sitzbädern

von gewöhnlichem Wasser fand, also von etwa 20 Grm., so würde damit noch

nicht 1 Gramm Chlor aufgenommen werden, und einen die Heilwirkung des

Seebades mitbedingenden Einfluss glaube ich solcher Quantität kaum

zuschreiben zu können.--

[17] l. c.

Es wurde schon oben bemerkt, dass ich während der ersten Tage der

letzten Untersuchungsreihe einen gewissen Grad von Fatigue fühlte, eine

allgemeine Abspannung, einen Mangel an gewohnter Frische. Dieser Zustand

sprach sich auch in den Resultaten der chemischen Analyse aus. Es wurden

am 4ten und 5ten August durchschnittlich in 24 St. nur ausgeschieden:

26,4 Grm. Harnstoff, 1,58 Grm. Schwefelsäure und 10,22 Grm. Chlor;

dagegen 0,305 Grm. Harnsäure und 2,832 Grm. Phosphorsäure, also wieder

Vermehrung der letztern mit Retardation der Stoffmetamorphose im

Allgemeinen. Ich hielt es deshalb geeignet, zwei Tage lang das Bad

auszusetzen, um zu erfahren, ob der bezeichnete Zustand dadurch

beseitigt werden würde. Meine Erwartungen wurden in Uebereinstimmung mit

dem, was Seebad-Aerzte in dieser Beziehung versichern, erfüllt. Nicht

nur, dass das Gefühl früherer Frische alsbald wiederkehrte, auch in den

Ergebnissen der chemischen Analyse sprach sich sofort die Beschleunigung

des Stoffwechsels, die Wiederkehr des frühern Zustandes aus. Es wurden

an den beiden Tagen in je 24 Stunden entleert: 28,49 Grm. Harnstoff,

1,881 Grm. Schwefelsäure und 13,096 Grm. Chlor; dagegen nur 0,281 Grm.

Harnsäure und 2,685 Grm. Phosphorsäure--also wieder das umgekehrte

Verhältniss wie oben, ganz in Uebereinstimmung mit dem, wie oben des

Weitern auseinandergesetzt wurde.--Es geht daraus wieder der der

Badewirkung gegenüber bedeutende Einfluss des ausschliesslichen

Luftgenusses hervor; andrerseits aber enthält diese Thatsache auch eine

dringende Warnung für alle diejenigen, die, nicht zufrieden mit der

schon an und für sich fatiguirenden Einwirkung des Bades, täglich noch

durch excessive körperliche Bewegung u. s. w. die Wirkung ihrer Cur zu

erhöhen glauben. Der Zustand der Depression, der Abspannung, in welcher

Weise dieselbe auch zu Stande kam, ist allemal mit Retardation der

Stoffmetamorphose verbunden; Alles aber, was eine solche herbeiführt,

ist auch direct dem segensreichen Einflusse des Seebades und

Aufenthaltes an der Küste entgegengesetzt.--Ich habe oft mit Bedauern

Kranke am Strande auf- und niederlaufen sehen, und mich oftmals nicht

ohne Erfolg bemüht, dem Wunsche derselben, es recht gut zu machen, die

richtigen Wege zu weisen. Für Niemand weniger, als für den Seebadenden,

sind ~in der Regel~ excessive körperliche Anstrengungen geeignet;

es pflegen sich im Gegentheil diejenigen Kranken am besten zu

befinden, die, so viel als möglich, ruhig, theils sitzend, theils

gehend am Strande verweilen. Insonderheit da, wo es auf Hebung

des Ernährungsprocesses, auf Gewinn an Phosphorsäure ankommt,

kann die gleichmässige Ruhe, wie Flügge[18] es so richtig thut,

nicht dringend genug empfohlen werden. Die wunderbare Genesung

scrophulöser, atrophischer, rhachitischer u. a. Kinder, die ich an

der englischen Küste in Margate beobachtete, findet nur in dem ruhigen,

tagelangen Verweilen derselben in der unschätzbaren Seeluft ihre

Erklärung.--Fatigue ist allemal Verlust an Kraft, und Ruhe eben da

Gewinn, wo die Luft allein schon fähig ist den Stoffwechsel zu heben,

die Oxydationsprocesse zu steigern. Dadurch gewinnt, wie meine

Untersuchungen nachweisen, der Organismus an jenem Material, das dem

gesunden Aufbau und Gedeihen desselben fehlte, dadurch bekommt allein

der Geist und mit ihm das gesammte Nervensystem die so oft vermisste und

doch so nothwendige, gleichmässige Ruhe.--

[18] Verhaltungsregeln beim Gebrauch der Seebäder vom Sanit.-Rath Dr.

Flügge. 3te Aufl. Hannover.

In der Vertheilung der Ausgaben dieser Untersuchungsreihe auf

Morgenstunden und übrige Tageszeit kamen zu geringe Differenzen von der

in der anfänglichen Badezeit beobachteten vor, als dass ich darüber ein

Mehres zu sagen für nöthig hielte. Im Wesentlichen äusserte das Bad die

gleichen Einflüsse. Vermehrte sich die Urinquantität, so wie der

Harnstoffgehalt derselben jetzt um etwas in den Morgenstunden, so mochte

der Grund dafür in der bereits oben erwähnten, weniger reichlichen

Hauttranspiration liegen: verminderte sich die Schwefelsäure um 0,038

Grm., so habe ich als Ursache davon schon oben die vermehrten

Darmentleerungen angesprochen; und verminderte sich ebenfalls

die Harnsäure um 0,017 Grm., so fand dafür Nachmittags eine

ganz entsprechende Vermehrung Statt; es kamen die 0,017 Grm. nur

zufällig etwas später zur Ausscheidung als zur anfänglichen

Badezeit.--Wesentliche Schlüsse lassen sich auf diese geringen

Differenzen nicht basiren; was sich mit Bestimmtheit folgern lässt, ist

bereits bei Besprechung der Mittelwerthe für die 24stündige Periode

gesagt.

Bis zum Tage der Abreise von Wangeroge, den 17. August, stand nur noch

eine kurze Zeit bevor.--Die 5 Tage wurden verlebt, wie die Tage der

arbeitsfreien Zeit vom 24. Juli--4. August. Am 18ten Nachmittags traf

ich in Oldenburg wieder ein.--Aber ich durfte meine Aufgabe noch nicht

als beendet betrachten; es galt die Frage zu lösen: wie sich der

Stoffwechsel jetzt, nach dem beendeten Bade, in Oldenburg verhielt, wie

die Gewichtsverhältnisse des Körpers sich gestalteten, wie die einzelnen

bisher betrachteten Bestandteile des Urins.--Ich liess also erst einige

Tage in den gewöhnlichen früher schon angedeuteten Lebensverhältnissen

vergehen und nahm dann am 29sten August die Untersuchungen wieder

auf.--Leider wurde ich durch unabwendbare Berufsgeschäfte verhindert,

eine längere, zusammenhängende Reihe von Tagen hindurch die

Beobachtungen fortzusetzen; ich wurde genöthigt, mit einem Zwischenraum

von 11 Tagen 2 Mal 3 Tage lang, statt, wie ich es wünschte, 6 Tage lang

in continuo zu beobachten. Allein da die Lebensweise in beiden Perioden

durchaus gleichartig war, so wird kein Fehler darin liegen, die

Mittelwerthe aus den 6 Tagen in summa zu berechnen, wenn auch die

bedeutende Verschiedenheit der Harnsäure- und Phosphorsäureausscheidung

in beiden Zeiträumen einer besondern Erwähnung bedarf.--

Ich lasse zunächst wieder die Resultate der einzelnen Untersuchungen

selbst folgen:

Ueber die Wirkung des Nordsee-Bades: Eine physiologisch-chemische Untersuchung · 第 14 / 17 题