Ganghofer bietet das nicht alltägliche Schauspiel eines Dichters,
der nach einer dreißigjährigen Produktion noch jugendfrisch, ohne
Altersrunzeln der Ermüdung dasteht, und dessen jüngste Schöpfung im
Glanz edler Meisterschaft alle Qualitäten seiner Dichternatur in
unverminderter Kraft offenbart. In keinem seiner früheren Werke hat
er seine kompositorische Kraft in so hohem Maße wie hier bewiesen. Er
fesselt den Leser gleich mit dem dramatisch wuchtigen Auftakt des Romans
und läßt ihn bis zur letzten Zeile nicht los. Das Mittelalter mit seiner
wilden Brutalität, mit seiner derben Erotik, mit seinem Elend, seiner
Pestilenz und mit seiner bei alldem doch urwüchsigen Kraft, steht, mit
realistischen Mitteln hervorgezaubert, in leuchtenden Visionen vor uns.
Markig sind die Hauptgestalten des Romans gezeichnet, mit überzeugendem
Leben gefüllt. Eine Figur verdient ganz besonders hervorgehoben zu
werden: der Söldner Malimmes, ein köstlicher Bursche, der in seiner
Art das deutsche Wesen ebenso vollwichtig repräsentiert, wie Cyrano de
Bergerac das Franzosentum. Hier hat ein Poet seine Löwenklauen gezeigt.
Der »Ochsenkrieg« ist ein meisterhaftes Kulturgemälde; als Roman ist das
Buch durch seine Naturschilderungen, durch seine Charakterzeichnung und
durch die suggestive Kraft der Sprache dem Besten ebenbürtig, was die
deutsche Kunst auf erzählendem Gebiet gezeitigt hat.
(=Neues Wiener Tagblatt.=)
[Illustration]
Ullstein & Co
Berlin SW 68