WELLINGTON.

Erste Eindrücke. Lage der Stadt. Sehenswürdigkeiten. Das Museum, der

botanische Garten, das Athenäum, der Gerichtshof. Allgemeines über

Neuseeland. Der Königin Geburtstag. Die Maoris. Mortalität auf

Auswanderersegelschiffen.

Was mir an Wellington, der Metropole Neuseelands, zuerst auffiel, war, dass

es durchaus nicht amerikanisch aussah, wie ich von einer so jungen Stadt

erwartet hatte. Es fehlte vor Allem jenes Charakteristikum amerikanischer

Städte, welches in der Lotterigkeit und Unreinlichkeit der Strassen, in

einem gewissen Bombast der Architektur und in der bunten Farbenmenge der

Aufschriften besteht. Die Häuser von Wellington sind klein, bescheiden

und anmuthig, die Strassen sauber und zu beiden Seiten mit wohleingefassten

Trottoiren versehen. Das Ganze trägt den Charakter Old Englands.

Eine Hügelkette tritt nahe ans Ufer vor und zwingt einen Theil der Stadt,

sich sowohl terrassenförmig an ihr aufzubauen als auch den seichteren

Partieen des Hafens Land abzugewinnen, womit Geröll herbeischleppende

Eisenbahnzüge auf der nur wenige Kilometer am westlichen Rande der Bai

hin nach einem Dorf namens Hutt River führenden Strecke fortwährend

beschäftigt sind. Mag dieses auch viel Geld kosten, und wird auch deshalb

viel wegen verfehlter Anlage geschimpft -- und wo in der Welt wird

nicht geschimpft -- die Ansicht von Wellington ist durch solche

Terrainschwierigkeiten nur um so hübscher. Der Tourist kümmert sich

bekanntlich egoistischer Weise nicht um die Kosten, die eine schwierige

Landschaft macht, wenn sie nur das Auge befriedigt.

Ein langes und mächtig breites Pier führt hinaus zum tieferen Wasser, wo

die grossen Schiffe liegen. Ihm gegenüber steht das Zollgebäude und

die Post. In Folge eines Erdbebens, welches vor etwa zwölf Jahren die

Bevölkerung in einen noch jetzt nicht ganz verklungenen Schrecken gesetzt

hat, sind alle Häuser von Holz bis auf zwei von Backstein, die deshalb als

Merkwürdigkeiten gezeigt werden. Das Holz als Baumaterial thut übrigens

dem Styl der Bauwerke keinen Eintrag. Das neue Regierungsgebäude ist ein

stattlicher Palast in der gediegensten Renaissance, und die Hauptkirche

täuscht dem Fremdling von ferne eine stolze gothische Kathedrale aus

weissem Marmor vor, bis er näher tritt, und der Marmor in eitel Tünche

sich auflöst. Ueberall sind Gärten zerstreut, in denen der zwar

höchst dankbare und nützliche aber unschöne aus Australien importirte

Eukalyptusbaum vorherrscht.

Die ersten Tage in Wellington vergingen mir wie die meisten ersten Tage in

überseeischen Städten. Man wird von dem deutschen Bruder und Landsmann

in Beschlag genommen und als neueste Merkwürdigkeit überall herumgezeigt,

man lässt sich treaten und treatet zur Abwechselung selbst, und legt sich

am Abend mit schwerem Kopf und mit dem Gedanken, dass es eigentlich sehr

viel langweilige Menschen giebt, zu Bett. Das in allen jungen Ländern

aufrechterhaltene schöne Prinzip der Ständegleichheit und der in

Abstrakto gewiss unanfechtbaren Hochhaltung der Arbeit scheint im grossen

Ganzen auf den deutschen Gevatter Schneider und Handschuhmacher nicht

sehr vortheilhaft einzuwirken. Er wird leicht unverhältnissmässig

selbstbewusst.

Man trägt in Wellington fast niemals Handschuhe und befleissigt sich

einer löblichen Enthaltung von Luxus und Kleiderpracht. Rothbackige Kinder

tummeln sich auf den freien Plätzen. Reiter mit Marktkörben sprengen vom

Lande herein um Vorräthe zu kaufen. Zeitungsjungen schreien mit denselben

gellenden Stimmen wie in England oder Amerika ihre Blätter aus.

Ganz besonders unangenehm sind hier die meteorologischen

Eigenthümlichkeiten des stürmereichen neuseeländischen Herbstes wegen

der Fülle von Staub, die der sandige Boden liefert. Die Windstösse kommen

so plötzlich und heftig, dass man oft mehrere Schritte zurückgedrängt

wird, und einmal sah ich den grossen Jagdhund meines Hotelwirths von einem

solchen dermassen überrascht, dass er schleunig sich umwandte und entsetzt

mit eingekniffenem Schwanze davon lief. Es werden schauerliche Geschichten

von der Gewalt des Windes erzählt. Manchmal soll es nicht möglich sein

das Landungspier zu betreten ohne Gefahr ins Wasser geweht zu werden.

Unter den Sehenswürdigkeiten der Metropole nimmt das Museum die erste

Stelle ein. Wie alle derartigen Institute ausserhalb Europas ist dasselbe

ziemlich universeller Art. Naturalien und Kunstgegenstände, lebende Thiere

und ein Münzkabinett, Waffen und getrocknete Pflanzen, alles Mögliche

findet sich neben einander aufgestellt. Von hervorragender Schönheit

ist das Innere eines Maoriversammlungsgebäudes, aus stylvollen

Holzschnitzereien zusammengesetzt. Unter den Münzen sah ich einen

bairischen Sechser neben chinesischen und brasilianischen Geldstücken

paradiren. Ein grosser botanischer Garten war erst im Entstehen begriffen.

Vorläufig erinnerte in der Wildniss hinter der Stadt, welche diesen Namen

trug, nichts als das Verbot Pflanzen abzureissen und Hunde mitzubringen an

ihre Bestimmung.

Ich besuchte das Hospital, das Irrenhaus und die Kaserne für die

Immigranten, in welcher diese von der Regierung verpflegt werden, bis

sie Arbeit gefunden haben, und fand Alles sehr gut und zweckmässig

eingerichtet. Meinem Hotel gegenüber lag der Gerichtshof, ein griechischer

Säulentempel. Die Richter schwitzen hier unter denselben altmodischen

Perrücken wie zu Hause in England. Es wurde eben ein Ehescheidungsprozess

verhandelt. Ein Chinese, der erste und letzte, den ich in Neuseeland sah,

liess sich von seiner abwesenden weissen Gemahlin, die mit einem Anderen

durchgegangen war, trennen. Das zahlreiche Publikum benahm sich ernst und

würdig, obwohl das sonderbare Pidschin English des Mongolen die Lachlust

erregte, so oft er den Mund aufthat. Neben dem Gerichtshof ist das

Athenäum, ein Lesesaal, in welchem alle möglichen Zeitschriften

aufliegen. Jede noch so kleine Stadt Neuseelands hat ihr Athenäum, in

welchem der gebildete Fremde als Gast stets willkommen ist. Auch einen

feinen Klub besitzt Wellington, unser Konsul hatte die Güte mich dort

einzuführen. Im grossen hölzernen Theater wurde nicht gespielt, weil

keine Schauspieler vorhanden waren. Man erwartete eben aus Melbourne eine

für den Winter engagirte amerikanische Mimengesellschaft mit etlichen

»Stars«.

Neuseeland macht unter allen Ländern, die ich kenne, den solidesten

Eindruck. Man sieht keine Bettler. Es scheint ein mehr allgemeiner

Wohlstand zu herrschen ohne die Extreme von Reichthum und Armuth. Die

servilen noch immer mit dem Stempel ihrer einstigen Leibeigenschaft

gebrandmarkten Bauerngestalten fehlen gleichwie in Amerika. Jedermann ist

sich bewusst, im grossen Ganzen eben so viel werth zu sein wie ein Anderer.

Die Hotels sind gut und billig, billiger als bei uns und unvergleichlich

besser. Ich habe selten mehr als acht Mark pro Tag bezahlt. »Two Shillings

for the Bed and for every Meal« ist der beinahe allgemein übliche in ganz

Australien geltende mittlere Satz, wofür bis auf die Spirituosen Alles

gewährt wird, was die täglichen Bedürfnisse eines anständigen Menschen

verlangen. Dass zu diesen auch ein Badezimmer, bei uns leider noch als

Luxusartikel betrachtet, gehört, versteht sich in jedem Lande englischer

Zunge von selbst. Keinem Menschen fällt es ein, Trinkgelder zu geben, die

einer höheren Kulturstufe überhaupt unwürdig sind. Das Aufwartepersonal

wird vom Wirth so gehalten, dass es nicht zu betteln braucht. Die Rubriken

für »Bougies« und »Service« und ähnliche schmähliche Prellereien

sind unbekannte Dinge. Eine Prostitution weisser Rasse giebt es kaum,

oder sie ist auf das menschenmöglichste Minimum reduzirt. Bei der stark

überwiegenden Zahl der männlichen Bevölkerung hat jedes neuankommende

Mädchen die beste Aussicht, zu heirathen. Weibliche Dienstboten sind

deshalb ein äusserst gesuchter Artikel, und die Löhne und Anforderungen

derselben dürften nach den Begriffen deutscher Hausfrauen haarsträubend

zu nennen sein.

Der Königin Geburtstag (24. Mai), der in die Zeit meiner Anwesenheit

fiel, gab mir Gelegenheit, einem militärischen Schauspiel beizuwohnen. Die

gesammte Miliz Wellingtons, Infanterie und Artillerie, rückte zur Parade

aus. Sie ist ganz eben so gekleidet und equipirt wie die englische. Dass

sie im letzten Maorikrieg wenig Erfolge gewann, konnte nicht wundern,

wenn man sie sah. Eine grössere Strammheit zeigte die sehr geschmackvoll

uniformirte, dunkelgrüne Konstabulary Force, die stehende Söldlingsschaar

der Kolonie. Sie rekrutirt sich hauptsächlich aus Mauvais Sujets -- jene

Menschensorte, die in Bezug auf ritterliche Erscheinung dem Spiessbürger

allenthalben überlegen ist.

Meine grösste Aufmerksamkeit zogen natürlich die Maoris auf sich. Man

begegnet ihnen in Wellington ziemlich häufig auf der Strasse, und in

einem Wirthshaus Namens »Crown und Anchor Hotel«, das sie mit Vorliebe

besuchen, um dem Schnapstrinken zu fröhnen, kann man jederzeit sicher

sein, eingeborene Zecher zu finden, meist alte Häuptlinge, die hier ohne

Beschäftigung von dem Ertrag ihrer Landverkäufe leben. Das Frappanteste

bei ihrem ersten Anblick sind die kunstvollen Tätowirungen, in die Haut

einziselirte Arabesken von hohem Kunstwerth, welche über und über ihr

Gesicht bedecken, so dass es von ferne ganz blau zu sein scheint, und

welche ihren harten und grossen Zügen einen starken Ausdruck von Wildheit

verleihen. Einige hatten etwas Stolzes und Gebieterisches in ihrer Haltung

und trugen den Stempel einer ursprünglich edlen und hochbegabten, jetzt

aber immer mehr verkommenden Rasse. Ihre Kleidung ist im Ganzen die der

weissen Kolonisten und variirt in allen Graden der Verluderung. Es soll

auch Gentlemen unter ihnen geben, und drei davon sitzen im Parlament und

sehen nach Photographien zu urtheilen ganz respektabel aus, trotz ihrer

Tätowirung, die überhaupt keinem Maoriaristokraten älteren Datums fehlt.

Bei ihren Weibern sieht man zuweilen schöne wohlgebildete Gestalten, aber

naturgemäss giebt sich bei diesen die Verkommenheit noch viel deutlicher

kund als bei den Männern. Struppig hängen ihnen die ungekämmten Haare in

die Stirn herein, ihr meist grellfarbiger Anzug ist unordentlich, und die

europäischen Röcke stehen ihnen eben so abscheulich wie allen Wildinen.

Häufig hocken sie betrunken auf der Strasse herum. Die Weiber höherer

Abkunft sind kenntlich an eintätowirten blauen Ornamenten, die sich auf

das Kinn und die Lippen beschränken. Die Sprache der Maoris klang mir

äusserst wohllautend. Wenn sie sich unterhalten, so begleiten sie ihre

Reden gewöhnlich mit einem sehr lebhaften Mienen- und Geberdenspiel,

wie alle leicht erregbaren Menschen. Ihr Jähzorn ist bei den Kolonisten

sprichwörtlich geworden, sie sagen von einem jähzornigen Menschen, er

habe ein »Maori Temper«.

Man erzählte mir, dass sie noch immer die alte Begrüssungsform des

Nasenreibens übten. Ich lauerte aber in Wellington vergebens darauf. Erst

später in Tauranga war ich so glücklich, diese eigenthümliche Sitte zu

beobachten.

Die Maoris von Wellington wohnen zerstreut in den äusseren ländlichen

Theilen der Stadt ungefähr ebenso wie ihre europäischen Nachbarn. Nur

im »Te Aro« Viertel sind noch die Ueberreste einer ehemals grösseren

Maori-Ortschaft gleichen Namens sichtbar, etwa sechs oder acht erbärmliche

schmutzige Holzhütten. Dorthin begleitete ich einst einen mir befreundeten

Arzt um einen alten Häuptling, der an Lähmung litt, zu elektrisiren. Ein

Dutzend brauner Kerls mit blauen Gesichtern liefen zusammen, Zeugen unserer

Zauberei zu sein. Schliesslich formirten wir eine Kette und elektrisirten

die ganze Gesellschaft. Es war höchst komisch wie furchtsam sie gegen die

geheimnissvoll brummende Maschine sich benahmen, und wie sie überrascht

und entsetzt zusammenfuhren, als sie ihre Wirkung fühlten. Obwohl der

Strom so schwach war, dass wir beide ihn durchpassiren liessen, ohne einen

nennenswerthen Schmerz zu empfinden, schnitten die braunen Kerls Grimassen

und stöhnten als ob sie gefoltert würden.

Der anständigste und zivilisirteste Maori meiner Bekanntschaft blieb immer

mein erster, jener Steuermann der Barkasse, welche bei unserer Ankunft

die Hafenkommission an die Euphrosyne gebracht hatte und während

meiner Quarantäne fast täglich nach Somes Island gekommen war. Als

Staatsangestellter lebt er nüchtern und in geordneten Verhältnissen und

pflegt an schönen Sonntagen nebst seiner braunen Gattin und zwei hübschen

Kindern festlich geputzt spazieren zu gehen.

Da es mich interessirte, für die Mortalitätsziffer unserer Typhusepidemie

an Bord der Euphrosyne einen Massstab zu haben, opferte ich etliche Tage,

um in den Akten des Immigrationsamtes nach den entsprechenden Ziffern

anderer vor uns angekommener Schiffe zu suchen. Leider war das durch diese

gelieferte zweifellos sehr werthvolle statistische Material nicht des

Aufhebens werth erachtet worden. Kein Mensch hatte sich darum gekümmert,

es war verloren. Nicht einmal die Journale der Schiffsärzte waren

vorhanden. Nur durch die Geldabrechnungen der Kassabeamten, die man mit

der grössten Liebenswürdigkeit und Liberalität und ohne Bedenken mir

durchzumustern gestattete, und nur durch den Umstand, dass kontraktmässig

für die auf der Reise Gestorbenen kein Passagegeld gezahlt wird, weshalb

jeder Todesfall auch in den Quittungen eine Rolle spielt, erfuhr ich

einigermassen was ich wünschte.

Seit dem Beginn des gegenwärtigen Immigrationssystems im Juli 1871 waren

im Ganzen 262 Segelschiffe (248 englische, 12 deutsche, 2 norwegische)

mit 71693 Einwanderern von Europa nach Neuseeland abgegangen und bereits

verrechnet. Die mittlere Passagierzahl für das einzelne Schiff war 300,

die geringste 6, die höchste 651 gewesen. Von diesen 262 Schiffen war

eines, der Kospatrick, im November 1874 beim Kap der Guten Hoffnung mit

sämmtlichen 429 Passagieren und der ganzen Mannschaft durch Feuer zu

Grunde gegangen. Von den übrigen 261 Schiffen hatten einige in Folge von

Havarie in Zwischenhäfen einlaufen müssen, wobei fast jedesmal etliche

Passagiere desertirten, was dann immer eine Menge Schwierigkeiten,

Requisitionen und Auseinandersetzungen für das Immigrationsamt

herbeiführte. Nur 38 Schiffe hatten auf der ganzen Reise von 90 Tagen

mittlerer Dauer keinen Todesfall zu verzeichnen gehabt. So glücklich waren

aber fast nur solche mit weniger als 200 Passagieren und ein einziges

mit mehr als 300 gewesen. Im Ganzen zählten die 261 Schiffe (ohne den

Kospatrick) 1404 Todesfälle, worunter 588 Säuglinge, 648 Kinder von 1 bis

12 Jahren, 168 Personen über 12 Jahre, »Statute Adults« genannt. Ueber

10 Todte hatten 37, und über 20 Todte 9 Schiffe gehabt. Diese letzteren

9 Schiffe repräsentirten ein Sterblichkeitsverhältniss von 4 bis 10

Prozent. Doch mochten auch unter den übrigen noch genug ebenso schlimme

relative Zahlen zu finden sein. Die zugleich relativ und absolut höchste

Todtenziffer war 34 von 340 Passagieren, = 10 Prozent. Da unter den 588

gestorbenen Säuglingen viele gewesen sein mögen, die während der Reise

geboren waren und deshalb nur als Abgänge nicht aber als Zugänge auf den

Listen standen, so fehlt für diese jeder Anhaltspunkt, ihre Mortalität

für sich zu beurtheilen. Und auch für die beiden anderen Alterskategorien

lässt sich kein spezielles Verhältniss angeben, weil nirgends die

gesammte Passagierzahl, sondern blos die Todesfälle nach solchen

unterschieden waren.

Da wo eine auffallende Sterblichkeit unter den Kindern herrschte,

mögen wohl Scharlach und Masernepidemieen, und wo die Erwachsenen sich

überwiegend an der Sterblichkeit betheiligten, vielleicht Typhusepidemieen

die Ursache derselben gewesen sein. Im Allgemeinen schien mir

hervorzugehen, dass die Sterblichkeit unter gewöhnlichen Verhältnissen

ziemlich wenig, durchschnittlich etwa 0,5 Prozent betrug, und dass da wo

diese Ziffer erheblich übertroffen wurde, Epidemieen zu Grunde gelegen

haben müssen. Immerhin konnte ich mit meiner Euphrosyne-Typhusmortalität

von 1,7 Prozent (6 Erwachsene, 1 dreijähriges Kind, aus 397 Personen) den

mindestens 9 Schiffen von 4 bis zu 10 Prozent gegenüber ganz beruhigt und

zufrieden sein.

Mit dem Hospital sollte ich noch eine intimere Bekanntschaft machen als

mir lieb war. Schon während ich die Akten des Immigrationsamtes für meine

Mortalitätsstatistik durchmusterte, litt ich so sehr an Kopfweh, dass ich

krank zu werden fürchtete, und als ich einige Tage darauf den 200 Meter

hohen Mount Viktoria bestiegen hatte, auf welchem die Signalstation für

die von draussen hereinkommenden Schiffe eine wundervolle Aussicht auf

die Südinsel und den Ozean beherrscht, überfiel mich ein starker

Schüttelfrost und eine Mattigkeit, dass ich kaum mehr nach Hause kam. Ich

mass meine Temperatur und fand 40 Zentigrade. Dies bewog mich am nächsten

Morgen aus dem Hotel ins Hospital überzusiedeln. Ich glaubte nun selbst

den Typhus zu haben. Eine Woche später aber war ich wieder gesund und voll

frischer Reiselust.

Es litt mich nicht länger mehr in Wellington. Meine anfängliche Absicht,

einige der blühenden Städte auf der Südinsel zu besuchen, gab ich auf,

da ich diese durch tagelange Dampferfahrten hätte erkaufen müssen. Von

der See hatte ich vorläufig genug, und ich beschloss deshalb, durch das

Innere der Nordinsel mit seinen berühmten Geysern und seiner zahlreichen

Maoribevölkerung nach Auckland zu gehen.

Das Reisen in diesen Gegenden hat heutzutage keine Schwierigkeiten mehr.

Poststrassen durchziehen die Wildniss, und fast überall findet man an den

Nachtstationen gute Hotels. Eine Menge Touristen aus sämmtlichen Theilen

Australiens treibt sich zu Fuss, zu Ross und zu Wagen dort herum.

Reise durch den Stillen Ozean · 第 41 / 85 题