15 Man sagt auf See, wenn der Wind günstiger wird, »er räumt auf«, im
entgegengesetzten Falle aber »er schrahlt weg!«
16 Es läßt sich denken, daß auf See nicht immer ein günstiger Wind
weht, den Schiffer gerade dahin zu treiben, wohin er eben will. Wenn
die Schiffe also nicht ihren gewünschten Cours steuern, oder (auf
dem Compaß) »anliegen« können, so müssen sie eben _laviren_ oder
gegen den Wind aufkreuzen. Dies ist aber nur durch die verschiedene
Stellung der Segel möglich und der Raaen, an denen die Segel
festsitzen können deshalb nach den verschiedenen Seiten hin angeholt
(gebraßt) werden. Das Princip des Segelns, unter diesen
Verhältnissen, ist ungefähr das der schräggestellten
Windmühlenflügel; die Windmühle steht aber fest, und das Schiff
würde durch einen Seitenwind zu viel abgetrieben werden (Abdrift
machen) wenn es eben nicht so tief im Wasser ginge, und der scharfe
Kiel so stark wiederhielte. Das Steuer hilft dabei ebenfalls mit,
das Schiff trotz ungünstigem Winde gegen diesen anzuhalten, und den
Segeln Gelegenheit zu geben es vorwärts zu treiben, was selbst
geschehen kann, wenn der Wind nicht einmal mehr blos von der Seite,
sondern sogar mehr von vorn kommt. Der Compaß ist in 32 Striche
getheilt, und es wird angenommen daß ein mit Querraaen versehenes
Schiff mit _sechs_ Strichen in den Wind liegen kann d. h. wenn der
Wind z. B. von Norden weht, im Stande ist nach West-Nord-West oder
nach Ost-Nord-Ost zu liegen. Das, bald nach der einen bald nach der
anderen Richtung hinüberhalten nennt man eben laviren oder
aufkreuzen; das Schiff gewinnt dabei jedesmal etwas in seinem
Fortgang nach Norden, und was es über den einen Bug zu viel nach
Osten hinüberkommt, macht es, wenn es über den anderen Bug nach
Westen liegt, wieder gut. Es ist klar daß ein Schiff, je dichter es
im Stande ist am Wind zu liegen, auch desto leichter und
erfolgreicher laviren und sich zu luv- oder windwärts hinaufarbeiten
wird.
Das Wenden des Schiffes geschieht dadurch, daß man die, z. B. erst
zu Backbord scharf angebraßten Segel löst, und nach Starbord oder
auf die andere Seite hinüberbraßt, oder anzieht — und umgekehrt. Mit
dem Steuer wird dann nachgeholfen, und die Segel, welche den Wind
erst von der einen Seite faßten, fassen ihn nun von der anderen.
17 Ein Auswandererschiff erreichte vor einer Reihe von Jahren eines
Abends den Hafen von New-York, aber die Nacht brach ein, es wurde
dunkel und die Brise heftiger, so daß der Capitain lieber den Morgen
abwarten wollte, einzulaufen. Die Nacht erhob sich ein Nord-Wester,
das Schiff wurde wieder in See zurückgeworfen und brauchte nachher
noch drei volle Wochen, ehe es im sicheren Hafen Anker werfen
konnte.
18 Clüverbaum ist das was die Stenge auf den Masten ist, die
Verlängerung des Bugspriets, an der die vorderen dreieckigen Segel
(Clüver) befestigt sind.