14 Ueber Stag gehn, wenden, kreuzen.

15 Man sagt auf See, wenn der Wind günstiger wird, »er räumt auf«, im

entgegengesetzten Falle aber »er schrahlt weg!«

16 Es läßt sich denken, daß auf See nicht immer ein günstiger Wind

weht, den Schiffer gerade dahin zu treiben, wohin er eben will. Wenn

die Schiffe also nicht ihren gewünschten Cours steuern, oder (auf

dem Compaß) »anliegen« können, so müssen sie eben _laviren_ oder

gegen den Wind aufkreuzen. Dies ist aber nur durch die verschiedene

Stellung der Segel möglich und der Raaen, an denen die Segel

festsitzen können deshalb nach den verschiedenen Seiten hin angeholt

(gebraßt) werden. Das Princip des Segelns, unter diesen

Verhältnissen, ist ungefähr das der schräggestellten

Windmühlenflügel; die Windmühle steht aber fest, und das Schiff

würde durch einen Seitenwind zu viel abgetrieben werden (Abdrift

machen) wenn es eben nicht so tief im Wasser ginge, und der scharfe

Kiel so stark wiederhielte. Das Steuer hilft dabei ebenfalls mit,

das Schiff trotz ungünstigem Winde gegen diesen anzuhalten, und den

Segeln Gelegenheit zu geben es vorwärts zu treiben, was selbst

geschehen kann, wenn der Wind nicht einmal mehr blos von der Seite,

sondern sogar mehr von vorn kommt. Der Compaß ist in 32 Striche

getheilt, und es wird angenommen daß ein mit Querraaen versehenes

Schiff mit _sechs_ Strichen in den Wind liegen kann d. h. wenn der

Wind z. B. von Norden weht, im Stande ist nach West-Nord-West oder

nach Ost-Nord-Ost zu liegen. Das, bald nach der einen bald nach der

anderen Richtung hinüberhalten nennt man eben laviren oder

aufkreuzen; das Schiff gewinnt dabei jedesmal etwas in seinem

Fortgang nach Norden, und was es über den einen Bug zu viel nach

Osten hinüberkommt, macht es, wenn es über den anderen Bug nach

Westen liegt, wieder gut. Es ist klar daß ein Schiff, je dichter es

im Stande ist am Wind zu liegen, auch desto leichter und

erfolgreicher laviren und sich zu luv- oder windwärts hinaufarbeiten

wird.

Das Wenden des Schiffes geschieht dadurch, daß man die, z. B. erst

zu Backbord scharf angebraßten Segel löst, und nach Starbord oder

auf die andere Seite hinüberbraßt, oder anzieht — und umgekehrt. Mit

dem Steuer wird dann nachgeholfen, und die Segel, welche den Wind

erst von der einen Seite faßten, fassen ihn nun von der anderen.

17 Ein Auswandererschiff erreichte vor einer Reihe von Jahren eines

Abends den Hafen von New-York, aber die Nacht brach ein, es wurde

dunkel und die Brise heftiger, so daß der Capitain lieber den Morgen

abwarten wollte, einzulaufen. Die Nacht erhob sich ein Nord-Wester,

das Schiff wurde wieder in See zurückgeworfen und brauchte nachher

noch drei volle Wochen, ehe es im sicheren Hafen Anker werfen

konnte.

18 Clüverbaum ist das was die Stenge auf den Masten ist, die

Verlängerung des Bugspriets, an der die vorderen dreieckigen Segel

(Clüver) befestigt sind.

Nach Amerika! Ein Volksbuch. Zweiter Band. · 第 19 / 19 题