Und ich antwortete: „Ich schäme mich.“

Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Du musst noch Kind werden und

ohne Scham.

Der Stolz der Jugend ist noch auf dir, spät bist du jung geworden: aber

wer zum Kinde werden will, muss auch noch seine Jugend überwinden.“—

Und ich besann mich lange und zitterte. Endlich aber sagte ich, was ich

zuerst sagte: „Ich will nicht.“

Da geschah ein Lachen um mich. Wehe, wie diess Lachen mir die

Eingeweide zerriss und das Herz aufschlitzte!

Und es sprach zum letzten Male zu mir: „Oh Zarathustra, deine Früchte

sind reif, aber du bist nicht reif für deine Früchte!

So musst du wieder in die Einsamkeit: denn du sollst noch mürbe

werden.“—

Und wieder lachte es und floh: dann wurde es stille um mich wie mit

einer zwiefachen Stille. Ich aber lag am Boden, und der Schweiss floss

mir von den Gliedern.

—Nun hörtet ihr Alles, und warum ich in meine Einsamkeit zurück muss.

Nichts verschwieg ich euch, meine Freunde.

Aber auch diess hörtet ihr von mir, _wer_ immer noch aller Menschen

Verschwiegenster ist—und es sein will!

Ach meine Freunde! Ich hätte euch noch Etwas zu sagen, ich hätte euch

noch Etwas zu geben! Warum gebe ich es nicht? Bin ich denn geizig?“—

Als Zarathustra aber diese Worte gesprochen hatte, überfiel ihn die

Gewalt des Schmerzes und die Nähe des Abschieds von seinen Freunden,

also dass er laut weinte; und Niemand wusste ihn zu trösten. Des Nachts

aber gieng er allein fort und verliess seine Freunde.

Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen · 第 67 / 116 题