Die Feigen fallen von den Bäumen, sie sind gut und süss; und indem sie
fallen, reisst ihnen die rothe Haut. Ein Nordwind bin ich reifen
Feigen.
Also, gleich Feigen, fallen euch diese Lehren zu, meine Freunde: nun
trinkt ihren Saft und ihr süsses Fleisch! Herbst ist es umher und
reiner Himmel und Nachmittag.
Seht, welche Fülle ist um uns! Und aus dem Überflusse heraus ist es
schön hinaus zu blicken auf ferne Meere.
Einst sagte man Gott, wenn man auf ferne Meere blickte; nun aber lehrte
ich euch sagen: Übermensch.
Gott ist eine Muthmaassung; aber ich will, dass euer Muthmaassen nicht
weiter reiche, als euer schaffender Wille.
Könntet ihr einen Gott _schaffen_?—So schweigt mir doch von allen
Göttern! Wohl aber könntet ihr den Übermenschen schaffen.
Nicht ihr vielleicht selber, meine Brüder! Aber zu Vätern und Vorfahren
könntet ihr euch umschaffen des Übermenschen: und Diess sei euer bestes
Schaffen!—
Gott ist eine Muthmaassung: aber ich will, dass euer Muthmaassen
begrenzt sei in der Denkbarkeit.
Könntet ihr einen Gott _denken_?—Aber diess bedeute euch Wille zur
Wahrheit, dass Alles verwandelt werde in Menschen—Denkbares,
Menschen—Sichtbares, Menschen—Fühlbares! Eure eignen Sinne sollt ihr zu
Ende denken!
Und was ihr Welt nanntet, das soll erst von euch geschaffen werden:
eure Vernunft, euer Bild, euer Wille, eure Liebe soll es selber werden!
Und wahrlich, zu eurer Seligkeit, ihr Erkennenden!
Und wie wolltet ihr das Leben ertragen ohne diese Hoffnung, ihr
Erkennenden? Weder in’s Unbegreifliche dürftet ihr eingeboren sein,
noch in’s Unvernünftige.
Aber dass ich euch ganz mein Herz offenbare, ihr Freunde: _wenn_ es
Götter gäbe, wie hielte ich’s aus, kein Gott zu sein! _Also_ giebt es
keine Götter.