Und ich entgegnete ihr: „über das Weib soll man nur zu Männern reden.“

„Rede auch zu mir vom Weibe, sprach sie; ich bin alt genug, um es

gleich wieder zu vergessen.“

Und ich willfahrte dem alten Weiblein und sprach also zu ihm:

Alles am Weibe ist ein Räthsel, und Alles am Weibe hat Eine Lösung: sie

heisst Schwangerschaft.

Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kind.

Aber was ist das Weib für den Mann?

Zweierlei will der ächte Mann: Gefahr und Spiel. Desshalb will er das

Weib, als das gefährlichste Spielzeug.

Der Mann soll zum Kriege erzogen werden und das Weib zur Erholung des

Kriegers: alles Andre ist Thorheit.

Allzusüsse Früchte—die mag der Krieger nicht. Darum mag er das Weib;

bitter ist auch noch das süsseste Weib.

Besser als ein Mann versteht das Weib die Kinder, aber der Mann ist

kindlicher als das Weib.

Im ächten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen. Auf, ihr

Frauen, so entdeckt mir doch das Kind im Manne!

Ein Spielzeug sei das Weib, rein und fein, dem Edelsteine gleich,

bestrahlt von den Tugenden einer Welt, welche noch nicht da ist.

Der Strahl eines Sternes glänze in eurer Liebe! Eure Hoffnung heisse:

„möge ich den Übermenschen gebären!“

In eurer Liebe sei Tapferkeit! Mit eurer Liebe sollt ihr auf Den

losgehn, der euch Furcht einflösst!

In eurer Liebe sei eure Ehre! Wenig versteht sich sonst das Weib auf

Ehre. Aber diess sei eure Ehre, immer mehr zu lieben, als ihr geliebt

werdet, und nie die Zweiten zu sein.

Der Mann fürchte sich vor dem Weibe, wenn es liebt: da bringt es jedes

Opfer, und jedes andre Ding gilt ihm ohne Werth.

Der Mann fürchte sich vor dem Weibe, wenn es hasst: denn der Mann ist

im Grunde der Seele nur böse, das Weib aber ist dort schlecht.

Wen hasst das Weib am meisten?—Also sprach das Eisen zum Magneten: „ich

hasse dich am meisten, weil du anziehst, aber nicht stark genug bist,

an dich zu ziehen.“

Das Glück des Mannes heisst: ich will. Das Glück des Weibes heisst: er

will.

„Siehe, jetzt eben ward die Welt vollkommen!“—also denkt ein jedes

Weib, wenn es aus ganzer Liebe gehorcht.

Und gehorchen muss das Weib und eine Tiefe finden zu seiner Oberfläche.

Oberfläche ist des Weibes Gemüth, eine bewegliche stürmische Haut auf

einem seichten Gewässer.

Des Mannes Gemüth aber ist tief, sein Strom rauscht in unterirdischen

Höhlen: das Weib ahnt seine Kraft, aber begreift sie nicht.—

Da entgegnete mir das alte Weiblein: „Vieles Artige sagte Zarathustra

und sonderlich für Die, welche jung genug dazu sind.

Seltsam ist’s, Zarathustra kennt wenig die Weiber, und doch hat er über

sie Recht! Geschieht diess desshalb, weil beim Weibe kein Ding

unmöglich ist?

Und nun nimm zum Danke eine kleine Wahrheit! Bin ich doch alt genug für

sie!

Wickle sie ein und halte ihr den Mund: sonst schreit sie überlaut,

diese kleine Wahrheit.“

„Gieb mir, Weib, deine kleine Wahrheit!“ sagte ich. Und also sprach das

alte Weiblein:

„Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!“—

Also sprach Zarathustra.

Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen · 第 27 / 116 题