Lieber Engels!
Schon seit zehn Tagen kein Sou mehr im Haus. Daß Spielmann mich betrogen
hat, davon habe ich jetzt die Beweise in der Hand, aber _à quoi bon_?[1]
Die New Yorker Firma hat nämlich auf mein Verlangen den Wechsel nebst
einem Schreiben mir zurückgeschickt, woraus hervorgeht, daß sie schon am
22. _Juli_ gezahlt, während ich das Geld erst Ende September erhielt.
Ich habe nun wieder 24 Pfund Sterling zu ziehen. Seit Piepers
Einkerkerung habe ich sechs Artikel eingeschickt, darunter einen
fulminanten _acte d’accusation_[2] gegen Palmerston, worin ich seine
Karriere von 1808 bis 1833 verfolge. Die Fortsetzung werde ich
schwerlich bis Dienstag liefern können, da viele _blue-books_ und
Hansard [Parlamentsdebatten] nachzuschlagen und Freitag und heute mit
Geldlaufereien zum Teufel gegangen sind. Den Freitagsartikel habe ich in
der Nacht geschrieben, dann von 7 Uhr morgens bis 11 Uhr meiner Frau
diktiert, und dann mich auf die Beine nach der City gemacht. Freiligrath
verspricht – und wird alles dafür ins Werk setzen, als eigenes
_Endossement_[3] seinerseits usw. –, mir den Wechsel bei Bischofsheim zu
diskontieren, kann die Sache aber vor acht bis zehn Tagen nicht
bewerkstelligen.
Von den vielen Annehmlichkeiten, die ich seit Jahren hier durchmache,
sind mir die größten regelmäßig durch sogenannte Parteifreunde ...
bereitet worden. Heute erzählt mir Freiligrath, daß Franz Joseph Daniels
in London sei und mit dem roten Wolff bei ihm war. Zu mir, erklärte er,
nicht zu gehen, weil ich seinen Bruder durch X. zur Haft gebracht habe,
die sonst nicht stattgefunden hätte. X. kam im Februar 1852 zuerst zu
mir und Daniels wurde im Mai 1851 eingesperrt! Also sehr
_retrospective_[4] Wirkung. Dieser ganz infame Klatsch (der Lohn für
meine Bemühungen und Zeitverluste und sonstigen angenehmen Resultate,
durch den Prozeß verursacht) wird natürlich begierig ergriffen, um die
eigene Jämmerlichkeit mir gegenüber und das feige Zurückziehen zu
decken. Veranlaßt aber ist die Lumperei rein durch das hier und dorthin
kolportierte Knurren der Herren, die sich die bequeme Portion von der
Sache vorbehielten, den Kaviar, – sonst aber sehr willig waren, mir die
Arbeit zu überlassen.
Wenn ich bequem, [oder] wenigstens sorgenlos lebte, würde ich natürlich
pfeifen auf diese Gemeinheiten. Aber den bürgerlichen Dreck jahrelang
noch mit diesem und ähnlichem Dreck gewürzt zu bekommen, _c’est un peu
fort_.[5] Ich habe bei der nächsten Gelegenheit vor, _öffentlich_ zu
erklären, daß ich _mit keiner Partei etwas_ zu tun habe. Unter dem
Parteivorwand bin ich nicht länger geneigt, mich insultieren zu lassen
von jedem Biedermann der Partei.
Du siehst, wie nötig es ist, meine Broschüre nach Deutschland zu
bringen. Da du es nicht kannst, schicke mir die Adresse von Strohn, mit
dem ich mich über die Sache benehmen will.
Einliegend Brief von Cluß. In seinem Aufsatz gegen die Neu-England
Zeitung hat er, wie ich glaube, passend allerlei Passagen aus meinen
Briefen über Carey usw. zusammengestellt.
Dein K. M.
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[1] „Zu welchem Zweck?“
[2] Anklageschrift.
[3] Girounterschrift.
[4] Rückwärts gerichtet.
[5] Das ist ziemlich stark.
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