8. Oktober 1853.

Lieber Engels!

Schon seit zehn Tagen kein Sou mehr im Haus. Daß Spielmann mich betrogen

hat, davon habe ich jetzt die Beweise in der Hand, aber _à quoi bon_?[1]

Die New Yorker Firma hat nämlich auf mein Verlangen den Wechsel nebst

einem Schreiben mir zurückgeschickt, woraus hervorgeht, daß sie schon am

22. _Juli_ gezahlt, während ich das Geld erst Ende September erhielt.

Ich habe nun wieder 24 Pfund Sterling zu ziehen. Seit Piepers

Einkerkerung habe ich sechs Artikel eingeschickt, darunter einen

fulminanten _acte d’accusation_[2] gegen Palmerston, worin ich seine

Karriere von 1808 bis 1833 verfolge. Die Fortsetzung werde ich

schwerlich bis Dienstag liefern können, da viele _blue-books_ und

Hansard [Parlamentsdebatten] nachzuschlagen und Freitag und heute mit

Geldlaufereien zum Teufel gegangen sind. Den Freitagsartikel habe ich in

der Nacht geschrieben, dann von 7 Uhr morgens bis 11 Uhr meiner Frau

diktiert, und dann mich auf die Beine nach der City gemacht. Freiligrath

verspricht – und wird alles dafür ins Werk setzen, als eigenes

_Endossement_[3] seinerseits usw. –, mir den Wechsel bei Bischofsheim zu

diskontieren, kann die Sache aber vor acht bis zehn Tagen nicht

bewerkstelligen.

Von den vielen Annehmlichkeiten, die ich seit Jahren hier durchmache,

sind mir die größten regelmäßig durch sogenannte Parteifreunde ...

bereitet worden. Heute erzählt mir Freiligrath, daß Franz Joseph Daniels

in London sei und mit dem roten Wolff bei ihm war. Zu mir, erklärte er,

nicht zu gehen, weil ich seinen Bruder durch X. zur Haft gebracht habe,

die sonst nicht stattgefunden hätte. X. kam im Februar 1852 zuerst zu

mir und Daniels wurde im Mai 1851 eingesperrt! Also sehr

_retrospective_[4] Wirkung. Dieser ganz infame Klatsch (der Lohn für

meine Bemühungen und Zeitverluste und sonstigen angenehmen Resultate,

durch den Prozeß verursacht) wird natürlich begierig ergriffen, um die

eigene Jämmerlichkeit mir gegenüber und das feige Zurückziehen zu

decken. Veranlaßt aber ist die Lumperei rein durch das hier und dorthin

kolportierte Knurren der Herren, die sich die bequeme Portion von der

Sache vorbehielten, den Kaviar, – sonst aber sehr willig waren, mir die

Arbeit zu überlassen.

Wenn ich bequem, [oder] wenigstens sorgenlos lebte, würde ich natürlich

pfeifen auf diese Gemeinheiten. Aber den bürgerlichen Dreck jahrelang

noch mit diesem und ähnlichem Dreck gewürzt zu bekommen, _c’est un peu

fort_.[5] Ich habe bei der nächsten Gelegenheit vor, _öffentlich_ zu

erklären, daß ich _mit keiner Partei etwas_ zu tun habe. Unter dem

Parteivorwand bin ich nicht länger geneigt, mich insultieren zu lassen

von jedem Biedermann der Partei.

Du siehst, wie nötig es ist, meine Broschüre nach Deutschland zu

bringen. Da du es nicht kannst, schicke mir die Adresse von Strohn, mit

dem ich mich über die Sache benehmen will.

Einliegend Brief von Cluß. In seinem Aufsatz gegen die Neu-England

Zeitung hat er, wie ich glaube, passend allerlei Passagen aus meinen

Briefen über Carey usw. zusammengestellt.

Dein K. M.

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[1] „Zu welchem Zweck?“

[2] Anklageschrift.

[3] Girounterschrift.

[4] Rückwärts gerichtet.

[5] Das ist ziemlich stark.

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Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band · 第 186 / 196 题