_Dear Frederic!_
Ich fürchte, daß aus der vorgehabten Reise nichts wird. Bamberger kann
mir den Wechsel nicht diskontieren, und Friedländer, der halb
versprochen hatte, will _définitivement_[1] nicht. Ich habe deswegen an
Strohn geschrieben, halte es aber für eine bloße Formalität, die ich
_pour acquit de conscience_[2] und meiner Frau zuliebe erfüllt, ohne an
ein Resultat zu glauben.
Bei Gelegenheit einer Korrespondenz, worin ich der Tribune Mazzinis
Hiersein – jetzt wieder von seinen Freunden geleugnet, ich denke aber,
auf seinen Befehl – anzeige (dieselbe Korrespondenz enthält den ersten
Türkenartikel), macht sie einen kleinen _Leader_[3] über Mazzinis
glückliches Durchschlüpfen und bemerkt bei der Gelegenheit:
_„In this connection we may properly pay a tribute to the remarkable
ability of the correspondent by whom this interesting piece of
intelligence is furnished. Mr. Marx has very decided opinions of his
own, with some of which we are far from agreeing, but those who do not
read his letters neglect one of the most instructive sources of
information on the great questions of current European politics.“_[4] Du
siehst, ich sitze hier fest. Ich habe außerdem einen sehr interessanten
Brief von Cluß mit zwei Nummern von Hirschs Bekenntnissen (noch nicht
geschlossen) erhalten. Ich schicke die Geschichte noch nicht, da
vielleicht noch ein Zufall mich befähigt, selbst zu kommen und die Sache
zu bringen. Wenn ich komme, erhältst Du jedenfalls vorher Anzeige. Wann
rückt Dein Alter ein, mit dem ich nicht karambolieren will?
Wenn der Dana mir hier nur, worum ich ihn schon dreimal gebeten, ein
Haus anzeigte, so wäre ich wenigstens über das Dickste weg.
_Ad vocem_[5] Hirsch: Ich war ursprünglich Deiner Ansicht, aber doch
verhält sich die Sache anders. Stieber und Goldheim sind positiv hier,
um die Kossuthsche Pulververschwörung mit Berlin zu „vermitteln“.
Derselbe Kerl, der mir den anonymen Wisch schrieb, schrieb an demselben
Tage wörtlich folgendes an Schärttner und Göhringer:
„London, den 21. 4. 53.
_Bekanntmachung._
Seit kurzer Zeit hier angekommen: Polizeirat Stieber und der Jude
Goldheim, Polizeileutnant, beide von Berlin.
_Signalement_
_des Stieber:_ _des Juden Goldheim:_
Mittlere Statur (zirka 5 Fuß), zirka 6 Fuß,
Haare: schwarz, kurz, schwarz, kurz,
Schnurrbart: ditto, ditto, ditto, ditto
Gesichtsfarbe: gelb und abgelebt. gelb, aufgedunsenes Gesicht.
Trägt enge, dunkle Hose, einen Trägt schwarze Hose, einen
blauen Sack, einen Zeughut, weißgelben Sack, schwarzen
welchen man zusammenklappen Hut.
kann, und eine Brille.
_NB._ Beide gehen regelmäßig zusammen und sind begleitet von _Hirsch_,
Handlungsdiener aus Hamburg, Künig, Postexpedient, aus dem Geburtsort
Willichs. Stieber und Goldheim gehen regelmäßig alle Tage zwischen 11
und 3 Uhr auf die preußische Gesandtschaft.“
Ich glaube, der Verfasser ist Henry de l’Aspée, Freund und Landsmann von
O. Dietz, derselbe gekränkte Polizist, der, wie Du Dich erinnern wirst,
zu weiteren Enthüllungen[6] mit uns bei Deiner Ankunft hier haben
sollte. Du siehst, wie „Hirsch“ voranarbeitet. Nichts konnte den
Willich-Kinkel ungelegener kommen.
_Fare-well._[7]
Dein K. M.
Was das Pfund angeht, so werde ich jedem 10 Schilling geben, da Pieper,
soviel ich weiß, Aussicht hat, sein Geld jetzt ohne Prozeß zu erhalten.
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[1] Endgültig.
[2] Um mein Gewissen zu beruhigen.
[3] Leitartikel.
[4] In diesem Zusammenhang mag es angebracht sein, der
bemerkenswerten Fähigkeit des Korrespondenten, durch den [uns] diese
interessante Mitteilung zugeht, Anerkennung zu zollen. Herr Marx hat
seine sehr bestimmten eigenen Ansichten, die wir zum Teil weit
entfernt sind, zu teilen, aber diejenigen, die seine Briefe nicht
lesen, lassen sich eine der lehrreichsten Quellen der Informierung
über die großen Fragen der gegenwärtigen europäischen Politik
entgehen.
[5] Hinsichtlich.
[6] [Hier fehlt offenbar das Wort: Zusammenkunft.]
[7] Lebe wohl.
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