Lieber Engels!
Vergiß ja nicht, bis _Dienstag_ mir den Rest der Sache zu schicken. Der
Abschnitt von den Tories allein ist zu klein. Aus doppeltem Grunde muß
diesmal nicht in zu kargen Portionen dem Dana geschickt werden. 1. Der
biedere Heinzen ist in Cincinnati für die Whigs gegen die Demokraten
aufgetreten, weil er mit Recht diese _electioneering time_[1] für die
rechte [Zeit] hält, um gekauft werden zu können. Greeley hat seine
dortige Rede in der Tribune mitgeteilt und Heinzen gelobt. Also droht
mir ein Ungewitter von dieser Seite. 2. Da ich seit Wochen, namentlich
aber seit den letzten vierzehn Tagen täglich sechs Stunden laufen muß,
um 6 Pence für das Fressen aufzutreiben und zudem noch von der Landlady
von neuem gequält werde, so blieb mir nichts übrig, als gestern Johnson
zu schreiben und bei ihm anzufragen, ob er mir einen Wechsel auf die
Tribune diskontieren will. Sollte der Mann so verständig sein, hierauf
einzugehen, was noch _in dubio_,[2] so muß ich also dem Dana das
schreiben, und erhält er kleine Artikel, so betrachtet er die Sache als
Schneiderei und wirft mich zum Tempel hinaus, da er jetzt so reichlichen
_supply_[3] von Heinzen, Ruge und B. Bauer hat. Zum größeren Pech sah
ich heute noch aus der Times, daß die Daily Tribune protektionistisch
ist. Also das alles _very ominous_.[4] Man muß so rasch an den Kerl
schicken als möglich, ehe Konterorder kommt. Meine Depesche kann ich
noch nicht fortschicken, da ich scheußliche Kopfschmerzen habe, wenn
auch nicht infolge von _pale ale_.[5]
Ich habe allerlei Zeug auch von Cluß an Dich zu schicken, die Du
erhältst, sobald Du mir einige Stamps einlegst, da die Geschichte Dir
sonst das Doppelte kostet, und ich _pour le moment_[6] keinen Penny zu
entsenden habe.
Salut!
Dein K. M.
----------
[1] Wahlagitationszeit.
[2] Zweifelhaft.
[3] Zufuhr.
[4] Sehr verhängnisvoll.
[5] Helles Bier.
[6] Im Augenblick.
174
Freitag, 6. August 1852.
Lieber Marx!
Die erste Hälfte des Artikels wirst Du gestern nachmittag Englisch und
Deutsch zurückerhalten haben. Die zweite hast Du Dienstag morgen. Was
die Schutzzöllnerei angeht, so schadet das nichts. Die amerikanischen
Whigs sind alle industrielle Schutzzöllner, aber darum noch lange keine
grundaristokratischen Derby-Protektionisten. So dumm sind sie auch
nicht, daß sie nicht ebensogut wie List wüßten, daß für die englische
Industrie der _freetrade_[1] am konvenabelsten ist. Übrigens kann ich im
Notfall bei den _freetraders_ hier und da ein Wort deshalb einschieben,
was Du ja wieder ausstreichen kannst, wenn es Dir nicht gefällt. Es ist
aber nicht einmal nötig.
Ich dachte, Du hättest das Diskontogeschäft mit Johnson seit lange
gemacht, und hoffe sehr, daß es zustande kommt. Was mich betrifft, so
reite ich mich täglich tiefer in Geldsachen fest. Vater Dronkes Besuch
ist mir zwar sehr angenehm, da aber abends nicht gearbeitet werden kann,
so wird ziemlich Geld verbummelt, und dazu die laufenden
_disbursements_,[2] nebst 20 Pfund Schulden im Haus, das setzt einen
fest. Nächste Woche (Anfang) will Dronke zurück, und dann werde ich eine
Zeitlang tüchtig arbeiten, Stoff genug habe ich hier, und dann auch bis
Ende September wieder einiges Geld disponibel bekommen – ein paar Pfund
im Dezember [September] gewiß. Zum äußersten Pech hat mich in einer
bösen Stunde auch noch Herr Pindar angepumpt, der noch immer auf drei
Stunden herumreitet und sich rührend verliebt zu haben scheint – _pauvre
garçon, il faut l’avoir vu sous l’empire de l’émotion plus ou moins
vierge_.[3] –
Ich weiß nicht, wie ich es anstellen soll, daß ich einen Artikel Germany
für Dana hinter Dr[onke]s Rücken mache, der die Sache nicht kennt; auf
dem Kontor habe ich jetzt alle Hände voll bis nach 7 Uhr abends, da kann
ich es also nicht. _Cependant je verrai._[4]