3. Fam. Rhinocerotidae.

Die ältesten Rhinoceroten schliessen sich sehr nahe an gewisse

Tapiriden an; die Gattungen Hyrachyus und Amynodon aus dem

Bridger-Eocän von Nordamerika stehen der direkten Stammform der

Rhinoceroten jedenfalls sehr nahe. Bei diesen Formen erreicht auch ein

vorderer Basalhöcker a’, der bei den Tapiriden oft an den oberen M

auftritt (vgl. Fig. 949 A), eine bedeutende Höhe. Derselbe nimmt bei

Rhinoceroten an der Bildung der Aussenwand Theil und veranlasst einen

sehr charakteristischen Vorsprung (Fig. 951 a’), der oft durch eine

mehr oder weniger deutliche Kante von der eigentlichen, sehr flachen

Aussenwand abgesetzt ist. Alle Joche sind verhältnissmässig hoch; das

Vorderjoch der unteren M ist stark, fast ∧-förmig, das Hinterjoch nur

schwach gebogen (Fig. 951). An den oberen M sind die Querjoche fast

gerade, stehen aber mehr oder weniger schräg auf der Aussenwand. Das

hintere Querjoch trägt gewöhnlich einen nach vorne gerichteten Sporn

b’’. Am unteren M₃ tritt nie mehr ein dritter Lobus auf, der obere M₃

ist stets etwas verkümmert. Oberer C und mehrere J fehlen.

[Illustration: Fig. 951. A Aceratherium incisivum Kaup. Miocän von

Winterthur. Oberer Molar. B Aceratherium lemanense. Unter-Miocän der

Auvergne. Unterer Molar.]

Bei der Weiterentwicklung des Stammes werden die oberen P allmählich

den M ähnlich; die J werden immer mehr rudimentär, ebenso die unteren

C; auf einer Linie jedoch bleibt im Unterkiefer der stets stark nach

vorn geneigte C kräftig (Fig. 953). Ferner können unpaare äussere

Hörner auf den mächtig entwickelten, mit einander verschmolzenen und

wulstig verdickten Nasenbeinen auftreten (Fig. 954-957). Doch sind

auch einige Formen mit paarigen Nasenhörnern bekannt. Die Last der oft

gewaltigen Hörner bewirkt bei den extremsten Arten eine Verknöcherung

der Nasenscheidewand (Fig. 956 u. 957). Die anfangs niedrigen

Zahnkronen erhöhen sich, aber nur eine Form (Elasmotherium) bringt es

zu ausserordentlich hohen prismatischen Zähnen. Die älteren Formen sind

4/3-zehig, die jüngeren 3/3-zehig.

[Illustration: Fig. 952. Rhinoceros pachygnathus Wagn. Pliocän von

Pikermi. a = Astragalus; c = Calcaneus; cb = Cuboid; n = Naviculare; 2,

3 = 2. u. 3. Cuneiforme; II-IV = 2.-4. Metatarsale.]

Die ältesten echten Rhinoceroten kommen neben den Rhinoceros-ähnlichen

Hyracodontinae im nordamerikanischen White River-Oligocän vor;

ihre Nachkommen finden sich daselbst noch im Miocän und Pliocän,

erreichen aber keine sehr bedeutende Grösse und entwickeln dort auch

keine unpaaren Hörner. In Europa erscheint die Familie zuerst im

oberen Oligocän und erreicht in der alten Welt vom Miocän an eine

ausserordentliche Entwicklung. Hier entstehen auch die riesenhaften

Formen mit unpaaren Hörnern auf der Nase, von denen jetzt noch mehrere

Arten in Indien und Afrika leben.

Die verschiedenen hier aufgezählten Gattungen und Untergattungen sind

(mit Ausnahme von Elasmotherium) nicht scharf zu trennen.

Aceratherium Kaup. Oligocän bis Pliocän. Alte Welt und Nordamerika:

Caenopus Cope sind verhältnissmässig kleine, schlanke, hornlose

Formen aus dem Oligocän von Nordamerika, die primitivsten echten

Rhinoceroten.

C. occidentalis Leidy. Zahlreich im White River-Oligocän von

Nebraska.

Ronzotherium Aym. scheint sehr nahe verwandt zu sein mit Caenopus

und ist einer der ältesten Vertreter der Familie aus der alten Welt.

R. velaunum Aym. aus dem Oberoligocän von Ronzon.

Aceratherium Kaup. s. str. (Fig. 953) kommt schon im oberen Oligocän

von Europa vor und findet sich hier und in Indien bis zum Pliocän.

A. minutum Cuv. Untermiocän von Europa; von sehr geringer Grösse.

A. incisivum Cuv. (Fig. 951 A u. Fig. 953). Obermiocän und

Unterpliocän von Europa.

A. lemanense Pom. (Fig. 951 B). Miocän von Frankreich und

Süddeutschland.

A. perimense Falc. u. Cautl. Siwaliks von Indien.

Aphelops Cope (oben 1 J) und Peraceras Cope (ohne obere J) stammt

aus dem nordamerikanischen Miocän und Pliocän und schliesst sich nahe

an Aceratherium an.

P. superciliosus Cope. Loup-Fork-Pliocän.

A. fossiger Cope, A. megalodus Cope. Loup-Fork-Pliocän.

Diceratherium Marsh mit paarigen kleinen Hörnern. John Day-Miocän.

[Illustration: Fig. 953. Aceratherium incisivum Kaup. Pliocän von

Eppelsheim. Schädel.]

[Illustration: Fig. 954. Dihoplus Schleiermacheri Kaup. Pliocän von

Eppelsheim. Schädel. h, h’ = vordere und hintere Hornbasis.]

Rhinoceros L. Obermiocän bis Gegenwart in der alten Welt:

Dihoplus Brandt (Fig. 954), von sehr bedeutender Grösse, mit

wohlentwickelten Hörnern versehen. Miocän und Pliocän von Europa.

D. Schleiermacheri Kaup (Fig. 954) vom oberen Miocän von Sansan bis

zum unteren Pliocän von Eppelsheim und Pikermi.

Ceratorhinus Gray, mit einem oder zwei unpaaren Hörnern; J

vorhanden, und die unteren C von bedeutender Grösse. Dahin gehören die

lebenden Arten von Indien und mehrere Arten aus den Siwaliks.

C. palaeindicus Falc. und Cautley, sehr gross. Siwaliks von Indien.

C. indicus Cuv. Diluvial und recent in Indien (fehlt auf den

Sundainseln).

C. sondaicus Cuv. Diluvial und recent in Indien (incl. Sundainseln).

Atelodus Pom. (Fig. 955) mit zwei Hörnern; J und C rudimentär oder

fehlend. Pliocän und Diluvium von Europa, pliocäne Siwaliks von Indien.

Hierher gehören auch die lebenden Arten von Afrika.

A. pachygnathus Wagn. (Fig. 944, 952, 955). Unteres Pliocän von

Südeuropa.

A. leptorhinus Cuv. Ziemlich häufig im oberen Pliocän von Italien

und Frankreich; auch in England und Deutschland.

A. platyrhinus Falc. und Cautl. Siwaliks (Pliocän) von Indien.

A. bicornis L. und A. simus Burch. lebend in Afrika.

Coelodonta Bronn (Fig. 956) unterscheidet sich von der vorigen

Untergattung nur durch die verknöcherte Nasenscheidewand. Oberpliocän

und Diluvium von Europa und Sibirien.

C. etruscus Falc. Oberes Pliocän von Frankreich und Italien.

C. antiquitatis Blum. (syn. C. tichorhinus Fischer, Fig. 956); das

wollhaarige Rhinoceros aus dem europäischen und sibirischen Diluvium;

fehlt südlich von den Alpen und Pyrenäen; ist eines der häufigsten und

bezeichnendsten Säugethiere der Eiszeit. Vollständige Leichen dieses

Thieres fanden sich wohlerhalten im sibirischen Eise eingefroren; es

war mit dichten wolligen Haaren bedeckt.

C. Mercki Jäg. Diluvium von Europa und Sibirien; findet sich fast

überall neben C. antiquitatis.

[Illustration: Fig. 955. Atelodus pachygnathus Wagn. Pliocän von

Pikermi. Schädel.]

[Illustration: Fig. 956. Coelodonta antiquitatis Blum. Diluvium.

Schädel.]

[Illustration: Fig. 957. Elasmotherium sibiricum Fisch. Diluvium von

Russland. A oberer, B unterer Molar von der Kaufläche. C Schädel. h =

Hornbasis.]

Elemente der Paläontologie · 第 526 / 606 题