Diese bisher fast nur aus dem nordamerikanischen Eocän (Puerco bis
Bridger) bekannte Ordnung umfasst eine Anzahl primitiver Säuger von
höchstem Interesse. Das Gehirn bei diesen Formen ist sehr klein
und glatt; Gebiss (Fig. 887) zeigt Schneide-, Eck- und Backzähne,
der Eckzahn meist nicht verlängert; Unterkiefergelenk quer und die
Gelenkgrube nach hinten durch einen Fortsatz abgeschlossen. Der Femur
zeigt meist einen dritten Trochanter und der Humerus ein Foramen. Bei
all diesen Formen ist oben und unten ein Paar der J vergrössert (unten
J₂), mit meist lebenslänglich offener Pulpahöhle; diese J besitzen
wenigstens im Unterkiefer nur auf der Vorderseite eine Schmelzschicht,
so dass sie sich meiselförmig abkauen (Nagezähne). Die übrigen Zähne
können vollständige Schmelzbedeckung haben, oder dieselbe wird bei
einigen oder allen Zähnen ebenfalls defekt. Je grösser das eine Paar J
wird, um so kleiner werden die benachbarten Zähne, bis einzelne ganz
rudimentär werden. M trigonodont.
Aus dieser Gruppe lassen sich die Rodentia ableiten unter Annahme einer
excessiven Ausbildung der Nagezähne, wobei die benachbarten Zähne
functionslos werden und ausbleiben. Auf der anderen Seite konnten durch
Zunahme der Schmelzdefekte auf den Zahnkronen und durch Ausbildung
prismatischer Zähne die Edentata entstehen.
Die Tillodontia zeigen ausserdem so nahe Beziehungen zu den Insectivora
und Creodonta (Vorfahren der Raubthiere), dass Cope vorschlägt, diese
verschiedenen primitiven Formen der Krallenthiere zu einer Gruppe, den
Bunotheria, zu vereinigen, denen dann folgende Charaktere zukämen:
kleines glattes Hirn, ähnlich dem der Marsupialia, Edentata und
Rodentia; sämmtliche Zähne besitzen Schmelz; Molaren bunodont; oben
wie unten sind mehrere M gleich ausgebildet; Unterkiefer mit querem
Gelenk, dessen Gelenkgrube durch einen Processus postglenoideus
abgeschlossen ist. Füsse fünfzehig und plantigrad, alle Zehen mit
Krallen versehen. Scaphoid und Lunare nicht verwachsen; Femur meist mit
drittem Trochanter; Humerus mit Foramen.
Diese Bunotheria würden sich zugleich den primitivsten Ungulata (den
Condylarthra) und primitivsten Primates (den Prosimiae) sehr nahe
anschliessen und von diesen wesentlich nur durch den Charakter der
Endphalangen getrennt sein.
Die Möglichkeit einer solchen Zusammenfassung all dieser primitiven
Ordnungen des Säugethierstammes zeigt, wie nahe verwandt mit einander
die wahrscheinlichen Vorfahren der so ausserordentlich differenzirten
moderneren Ordnungen der Säugethiere (Carnivora, Edentata, Rodentia,
Primates und die Ungulata) gewesen waren.
Unter den Tillodontia sind 3 Familien zu unterscheiden, die Cope als
ebenso viel Unterordnungen der Bunotheria ansieht.
1. Der obere verlängerte J vollständig von Schmelz bedeckt. C mässig
entwickelt, normal; Lücken im Gebiss.
1. Fam. Esthonychidae.
2. Der obere verlängerte J trägt nur auf der Vorderseite ein
Schmelzband. C rudimentär; Lücken im Gebiss.
2. Fam. Tillotheriidae.
3. C gross, nicht verlängert, mahlzahnähnlich; keine Lücken im Gebiss.
Oberkiefer unbekannt.
3. Fam. Calamodontidae.