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Säugethiere sind mit Haaren bedeckte warmblütige Quadrupeda, die nur

durch Lungen athmen und Milch absondern zur Ernährung ihrer Jungen.

An den Wirbeln und den langen Gliedmassenknochen der Säuger verknöchern

die Gelenkenden (auch andere hervorragende Enden) von besonderen

Ossificationspunkten aus und bilden »Epiphysen« (Fig. 834 e), die erst

bei Erwachsenen mit dem früher verknöchernden Mittelstücke (Diaphyse)

des Knochens verschmelzen, während sie in der Jugend nur durch Nähte

mit demselben verbunden sind und sich sehr leicht davon ablösen

(derartige getrennte Epiphysen finden sich auch bei Anura).

Wirbelsäule der Säugethiere.

Wirbel biplan, selten opisthocöl, durch elastische

Zwischenwirbelscheiben mit einander verbunden, bei Erwachsenen

vollkommen verknöchert, nur in der Jugend mit neurocentraler Naht und

getrennten Epiphysen am Vorder- und Hinterende. (Vgl. auch p. 587-591.)

[Illustration: Fig. 827. Brustwirbel (links), bez. Halswirbel (rechts)

eines Säugethieres, schematisch. c = Wirbelcentrum; ca = Rippenkopf

(Capitulum); f = Foramen transversarium; ob = oberer Bogen; od =

Dornfortsatz; r = Rippe; r₁ = oberer Rippenfortsatz (Querfortsatz); r₂

= unterer Rippenfortsatz; st = Sternum; t = Rippenhöcker (Tuberculum);

z = Gelenkfortsatz; N = Rückenmarkscanal.]

[Illustration: Fig. 828. Loxolophodon (Dinoceras) mirabile Marsh.

Bridger-Eocän von Wyoming. Zweiter Brustwirbel von links. ca = vordere,

ca’ = hintere Gelenkgrube für das Capitulum am Wirbelkörper; d =

Dornfortsatz; t = Gelenkgrube für das Tuberculum am Querfortsatze; z =

vorderer, z’ = hinterer Gelenkfortsatz.]

Hals-, Brust-, Lenden-, Kreuzbein- und Schwanzwirbel vorhanden (nur bei

rudimentären Hintergliedmassen fehlt die Kreuzbeinregion). Fast stets

sieben Halswirbel (Fig. 827 rechts), mit unbeweglichen Querfortsätzen

und mit Foramen transversarium (f -- fehlt bei Macrauchenia und

Camelidae). Atlas ringförmig, mit breiten Querfortsätzen, vorn mit zwei

Gelenkgruben; Epistropheus mit Zahnfortsatz und hohem Dornfortsatze.

Brust- (Fig. 827 links) und Lendenwirbel mit einfachen Querfortsätzen

(r₁); über den vorderen und unter den hinteren Gelenkfortsätzen finden

sich bei ihnen oft besondere, manchmal sehr lange Fortsätze, die

Processus obliqui (Metapophyse der vordere, Anapophyse der hintere).

Vordere Rippen zweiköpfig (Fig. 827 r -- einköpfig bei Monotremata und

Cetacea); Tuberculum (t) articulirt an dem Querfortsatze (r₁), das

Capitulum (ca) am Vorderrande des Wirbelkörpers (Fig. 828 ca), meist

auch am Hinterrande (ca’) des vorhergehenden Wirbels; hintere Rippen

meist nur mit Capitulum. Brustbein stets verknöchert, meist schmal

und mehrgliederig (Fig. 833 st). Sacralwirbel (2-13) mit einander

verschmolzen. Untere Bögen am Schwanze häufig wohlentwickelt, zwischen

präcaudalen Wirbeln sehr selten nachzuweisen.

Schädel der Säugethiere.

Das Gehirn ist bei den ältesten und primitivsten Säugern

ausserordentlich klein, durchaus reptilienähnlich (Fig. 829 A u. B);

je näher der Gegenwart, um so bedeutender wird die relative Grösse des

Gehirnes innerhalb der verschiedensten Gruppen der Säuger (C). Vor

allem ist es das Grosshirn, das an Ausdehnung gewinnt und das Kleinhirn

mehr und mehr bedeckt; anfangs noch glatt (Lissencephala), erhält es

eine immer stärker gefurchte Oberfläche (Gyrencephala). Die extremste

Stufe hat in diesen Beziehungen der Mensch erreicht.

[Illustration: Fig. 829. Schädel mit Gehirn. A Palaeosyops laticeps

Marsh. Bridger-Eocän. B Hyrachyus Bairdi Marsh. Bridger-Eocän. C

Dicotyles torquatus Cuv. Recent.]

Hirnkapsel vollständig verknöchert (Fig. 830; vgl. p. 591), mit

Basioccipitale (o.b), sowie mit den meist zu einem Keilbein

verwachsenen Basi- (s.b), Prae-, Ali- (as) und Orbitosphenoiden;

Hinterhauptsgelenk (co) doppelt, von den Exoccipitalia gebildet,

die auch den Processus paramastoideus (pm) tragen. Ein Temporale (t

-- Schläfenbein) vorhanden, das entstanden zu denken ist aus der

Verschmelzung des Quadratum (Fig. 831 g, der das Unterkiefergelenk

tragende Theil) mit Squamosum (t, der Schuppe) und Quadratojugale

(z, dem Jochfortsatz oder Processus zygomaticus). Die Schuppe

des Schläfenbeins (Squamosum) bildet einen Theil der Wandung

der Hirnkapsel. Schläfengrube einfach, mit einem (dem unteren)

Schläfenbogen oder Jochbogen, nach hinten offen. Prae- und

Postfrontale, sowie Postorbitale nie als besondere Knochen entwickelt,

oft aber ein Lacrymale (Fig. 729 l). Ein Petrosum oder Felsenbein

(Fig. 830 pe) umschliesst das Gehörorgan, von einem das Trommelfell

tragenden Deckknochen, dem Tympanum (ty -- Paukenbein), bedeckt;

zwischen beiden befindet sich die öfter (unter Theilnahme benachbarter

Knochen) stark aufgeblähte Paukenhöhle oder Bulla ossea, in welcher

drei Gehörknöchelchen (Hammer, Ambos und Steigbügel oder Stapes)

liegen. Ein von der Augenhöhle nach vorn verlaufender Canal mündet auf

der Aussenseite des Maxillare (Fig. 831 fo -- Foramen infraorbitale);

mitunter ist derselbe ausserordentlich weit (Rodentia). Maxillare

(Fig. 830 mx) und Palatinum (pl), selten auch Pterygoid (pt) mit

Gaumenplatten, den harten Gaumen bildend, hinter dem die Choanen (C)

münden (vgl. p. 595). Zwischen der äusseren und inneren Wand der

Stirnbeine ist die innere Knochensubstanz (Diploe) oft schwammig,

mit Lufträumen erfüllt (Stirnsinus oder Stirnhöhlen), die mitunter

eine erstaunliche Ausdehnung erreichen, sich auch auf andere Knochen

ausdehnen können und die äussere Gestalt des Schädels ausserordentlich

beeinflussen (Hystrix, Elephantidae, Bovidae etc.).

[Illustration: Fig. 830. Sus scrofa L. Lebend. Schädel von unten. co =

Hinterhauptshöcker an den Occipitalia lateralia; im = Intermaxillare;

j = Jugale; mx = Maxillare; ob = Occipitale basilare; os = Occipitale

superius; pe = Petrosum; pl = Palatinum; pm = Processus paramastoideus;

pt = Pterygoid; sb = Basisphenoid; t = Temporale; ty = Tympanicum; v =

Vomer; C = Choanenöffnung; F = Foramen magnum; dc = Milcheckzahn; di₁₋₃

= Milchschneidezähne; d₁₋₄ = Milchbackzähne; m₁₋₂ = Molaren.]

[Illustration: Fig. 831. Leptictis Haydeni Leidy. Oligocän von

Nebraska. A Schädel von der Seite, B von unten. C = Choanen; F

= Foramen magnum; f = Frontale; fo = Foramen infraorbitale; g =

Gelenkfläche für den Unterkiefer am Temporale; im = Intermaxillare; j =

Jugale; mx = Maxillare; n = Nasale; p = Parietale; pl = Palatinum; pp

= Processus postglenoidalis; t = Temporale (Schuppe); ty = Tympanum; z

= Processus zygomaticus; i₁, i₂ = Schneidezähne; c = Eckzähne; p₁-p₄ =

Prämolaren; m₁-m₃ = Molaren.]

[Illustration: Fig. 832. Myodes torquatus Keys. u. Blas. Diluviallöss

von Vögtlinshofen, Elsass. Rechte Unterkieferhälfte von der Innenseite.

a = Processus angularis; c = Gelenkfortsatz; cor = Kronfortsatz;

i = Nagezahn, dessen Wurzel sich bis x erstreckt; m₁-m₃ = Molaren

(prismatisch).]

Verwachsungen treten sehr häufig zwischen verschiedenen Schädelknochen

ein; besonders verschmelzen oft die Occipitalia mit einander, ferner

die Sphenoide mit einander und mit dem Basioccipitale, das Petrosum mit

dem Tympanum und Temporale etc.

Jeder Unterkieferast (Fig. 832) besteht aus einem einzigen

Knochenstück, an welchem der Unterkieferwinkel (a -- Processus

angularis), der Gelenkfortsatz (c -- Pr. articularis) und der

Kronfortsatz (cor -- Pr. coronoideus) oft ansehnliche Fortsätze bilden.

[Illustration: Fig. 833. Schultergürtel von Echidna von der Seite und

etwas von unten. c = Coracoid; cl = Clavicula; e = Episternum; g =

Schultergelenk; pc = Praecoracoid; r₁-r₆ = 1. bis 6. Rippe, sternaler

Theil; s = Scapula; st = Sternum.]

Zähne stehen nur auf den Kieferrändern (Fig. 830), stets in einer

Reihe und stets in Alveolen; die hinteren sind fast stets mehrwurzelig

(Fig. 838). Zahnwechsel findet höchstens ein Mal statt (vgl. p. 687).

Durch die verschiedene Ausbildung der Zähne wird der Gesichtstheil des

Schädels ausserordentlich beeinflusst, ebenso der übrige Schädel durch

die Kaumuskeln; sind letztere stark entwickelt oder die Hirnkapsel sehr

klein, so erhebt sich u. a. die Hirnkapsel oberhalb der Schläfengruben

zu einer medianen Leiste (Crista sagittalis oder Sagittalkamm).

Gliedmassen der Säugethiere.

Nur bei den primitivsten Formen (Fig. 833) besteht der Schultergürtel

noch aus den wohlentwickelten und selbständigen Scapulae (s),

Coracoiden (c), Claviculae (cl) und Episternum (e) wie bei vielen

Sauropsida; fast immer aber ist das Coracoid rudimentär, mit der

Scapula verwachsen, den kurzen Processus coracoideus bildend;

auch das Episternum ist meist rudimentär oder fehlt; ebenso fehlt

die Clavicula bei allen Formen, deren Vordergliedmassen nur zur

Locomotion auf dem Lande oder im Wasser benutzt werden. Scapula

fast stets gross, plattenförmig, mit hoher Leiste, die meist nach

unten in einen Fortsatz, das Acromion, endet, an welchem sich die

Clavicula befestigt. Beckenknochen (manchmal rudimentär) stets mit

einander verschmolzen zum Os innominatum, bilden meist Sitz- und

Schambeinsymphyse und umschliessen ein paariges Foramen obturatorium.

Bei einigen Säugethieren sind zwei sogenannte Beutelknochen am

Schambein befestigt. Humerus (Fig. 834 A) und Femur (Fig. 834 B) zeigen

meist stark hervortretende Gelenke und Muskelansätze (als Trochanter,

Tuberositäten, Tuberculum etc. bezeichnet). Ulna stets am proximalen

Ende mit einem kräftigen Fortsatze, dem Olecranon (Fig. 945 o).

Proximale Reihe des Carpus (Fig. 835) ausser dem Pisiforme (pi) mit

drei Knochen (s, l, p), distale Reihe mit vier (1-4). Ist ein freies

Centrale (c) vorhanden, so trennt dasselbe fast immer das Magnum (3)

von dem Scaphoid (s); im anderen Falle ist das Centrale mit einem

dieser beiden Knochen verwachsen, so dass dieselben dann gewöhnlich

zusammenstossen. Proximale Reihe des Tarsus (Fig. 836) stets mit zwei

Knochen, Astragalus (a) und Calcaneus (c), distale Reihe mit 4 (1-3 u.

cb), dazwischen stets das Naviculare (n). Calcaneus (c -- Fersenbein)

stets mit starkem hinteren Fortsatze, öfter noch mit der Fibula in

Verbindung; Astragalus (a -- Sprungbein) mit grosser Gelenkfläche für

die Tibia, oft ein kopfförmig abgesetztes, ausgezeichnetes Rollengelenk

bildend (Fig. 836). Zehen (incl. Finger) fast immer mit 2, 3, 3, 3,

3 Phalangen. Die Zahl der Zehen ist vielfach reducirt; die Reduction

beginnt fast immer an der ersten Zehe. Endphalangen ursprünglich

kegelförmig oder comprimirt, gekrümmt und spitz, oft gespalten, Krallen

tragend; bei vielen Formen aber stumpf, deprimirt oder dreikantig, Hufe

(Ungulata) oder Nägel (Primates) tragend.

[Illustration: Fig. 834. Periptychus rhabdodon Cope. Puerco-Eocän von

Neu-Mexico. A rechter Humerus von vorn. c = oberer Gelenkkopf; d =

Deltoidleiste; e = Naht zwischen Epiphyse und Körper des Knochen; ent =

Foramen entepicondylare; er = radialer, eu = ulnarer Epicondylus; g =

Gelenkrolle für Radius und Ulna; t = Tuberculum majus, t’ = T. minus.

B rechter Femur von hinten. c = Oberer Gelenkkopf; ca = äusserer, ci =

innerer Condylus (Gelenk für die Tibia); ea = äusserer, ei = innerer

Epicondylus; f = Fossa intercondylea; tr₁ = grosser, tr₂ = kleiner, tr₃

= dritter Trochanter.]

[Illustration: Fig. 835. Hyrax capensis. Recent. Linke Hand. R =

Radius; U = Ulna; c = Centrale; l = Lunare; p = Pyramidale; pi =

Pisiforme; s = Scaphoid; 1 = Trapez; 2 = Trapezoid; 3 = Magnum; 4 =

Unciforme; mt₁-mt₅ = 1.-5. Metacarpale; ph₁-ph₃ = 1.-3. Phalange des

dritten Fingers; I-V = 1.-5. Finger.]

[Illustration: Fig. 836. Phenacodus primaevus Cope. Wasatch-Eocän

von Wyoming. Linker Hinterfuss. a = Astragalus mit rollenförmigem

Tibialgelenk; c = Calcaneus; cb = Cuboid; n = Naviculare; 1-3 =

Cuneiforme I-III; I-V = Metatarsale der 1.-5. Zehe.]

Die Füsse der Säuger, ursprünglich kurze, plantigrade, fünfzehige,

bekrallte Gehfüsse (vgl. p. 599), erfahren eine ausserordentlich

verschiedenartige Ausbildung bei den verschiedenen Gruppen. Bei

Füssen, die zum Graben oder zum Zerreissen der Beute dienen, selten

auch bei Kletterthieren, sind die Krallen mächtig entwickelt; die

Basis der Endphalangen ist dann meist kragenförmig umgeschlagen, eine

Scheide bildend, in welche die Basis der Hornkralle eingesenkt ist.

Die eigentlichen Kletterthiere (besonders Primates) tragen Nägel

statt der Krallen; bei solchen setzt eine unbedeutende Aenderung im

Carpo-Metacarpalgelenk den ersten Finger (Daumen oder Pollex) in Stand,

in einer anderen Richtung als die übrigen Finger sich zu beugen, und

macht ihn opponirbar; ebenso wird die erste Zehe des Fusses (Hallux)

opponirbar (Vorder- und Hinterhand). Bei Kletterthieren sind Arm- und

Beinknochen sehr verlängert und der Radius um die Ulna drehbar.

Ueber Schwimmfüsse und Flossen (Cetacea, Pinnipedia, Sirenia) vgl. p.

599, über Flughände (Chiroptera) vgl. p. 708.

Füsse, die wesentlich oder ausschliesslich der Locomotion auf

festem Boden dienen, können durch eine Reihe allmählich erworbener

Veränderungen zuletzt zu sehr vereinfachten, extrem ausgebildeten

Laufbeinen (vgl. p. 600) werden. Diese Umänderungen können folgende

sein (vgl. Fig. 942):

1. Der ursprünglich plantigrade Fuss wird digitigrad, indem nur noch

die Phalangen den Boden berühren und bei Ungulata zuletzt nur noch

die mit Hufen versehenen Endphalangen (unguligrad).

2. Die Metapodien (Metacarpalia und Metatarsalia) legen sich dicht

an einander, so dass sie nicht mehr einzeln beweglich sind; zugleich

ordnen sie sich, und mit ihnen die Carpalia und Tarsalia, bogenförmig

an, eine der Quere nach convexe Dorsalfläche und concave

Ventralfläche darstellend; dadurch erhält der Fuss geringere Breite

und grössere Tiefe.

3. Die mittleren Zehen, welche die Hauptarbeit leisten, und mit ihnen

die Metapodien, werden kräftiger auf Kosten der äusseren, welche

schwächer werden und allmählich ganz verschwinden können. Zuerst

verschwindet stets die erste Zehe. Im extremsten Falle bleibt nur

eine einzige Zehe noch übrig (Equus). Mit den Zehen erleiden auch die

Metapodien, Carpalia und Tarsalia, die Fibula sowie der distale Theil

der Ulna eine Reduction.

4. Es tritt eine mehr oder minder umfangreiche Verschmelzung von

Knochen in den einzelnen Abschnitten der Extremitäten ein. Der

Radius verschmilzt mit der Ulna, die Tibia mit der Fibula, manchmal

verschiedene Carpalia und Tarsalia mit einander, ebenso die

Metapodien.

5. Die ganzen Gliedmassen werden länger, besonders die Metapodien,

während Carpus und Tarsus kürzer werden.

6. Die ursprünglich glatten distalen Metapodialgelenke erhalten einen

mittleren Kiel (Fig. 942 k).

Bei den auf festem Boden laufenden Thieren ist regelmässig die hintere

Extremität der vorderen einen Schritt in der Entwickelung voraus. Bei

manchen (hüpfenden) Formen wird nur die Hinterextremität zu einem

Laufbein entwickelt, das dann die Locomotion allein bewerkstelligt.

* * * * *

In folgender Uebersicht ist links der primitivste, rechts der

fortgeschrittenere Zustand verzeichnet, den einzelne Skelettheile bei

den Säugern aufweisen können:

Primitiver Zustand. Fortgeschrittener Zustand

(progressiv oder retrogressiv).

Zwei Sacralwirbel. Mehr als zwei Sacralwirbel, oder

keine.

Langer und kräftiger Schwanz mit Schwanz kurz bis rudimentär;

unteren Bögen. untere Bögen fehlen.

Hirn sehr klein, reptilienähnlich; Hirn gross, zuletzt

Hirnkapsel schmal (Fig. 829 A, B). ausserordentlich gross; Hirnkapsel

gewölbt (Fig. 829 C).

Schädelprofil fast gerade, Kiefer Schädelprofil gewölbt, Kiefer kurz.

verlängert.

Sagittalkamm vorhanden. Sagittalkamm fehlt.

Nasenbeine lang; Nasenöffnung klein, Nasenbeine kurz, zuletzt

an der Schnauzenspitze gelegen. rudimentär; Nasenöffnung gross,

weit nach hinten sich erstreckend.

Jochbogen vollständig (Fig. 831). Jochbogen unterbrochen (Sorex,

Myrmecophaga).

Augenhöhle von der Schläfenhöhle Augenhöhle durch eine Brücke von

nicht getrennt (Orbitalrand hinten der Schläfenhöhle getrennt

offen, Fig. 882). (Orbitalrand vollständig, Fig. 902

A), im extremsten Falle (Simiae)

durch eine vollständige Wand.

Tympanum ringförmig, frei. Tympanum plattenförmig, oft stark

aufgeblasen, zuletzt in einen

röhrenförmigen Gehörgang

ausgezogen, meist mit dem Petrosum

verschmolzen.

Gelenk für den Unterkiefer flach, Unterkiefergelenk eine Längsrinne

hinten durch einen Vorsprung bildend, ohne Processus

(Processus postglenoidalis Fig. 831 postglenoidalis (Rodentia), oder

pp) abgeschlossen. eine tiefe Querrinne bildend mit

sehr starkem Processus (Carnivora).

Stirnhöhle fehlt oder klein. Stirnhöhle gross, im extremsten

Falle sich auf zahlreiche Knochen

erstreckend (Elephas).

Schädelknochen durch Nähte vereinigt. Schädelknochen vielfach mit

einander verschmolzen (Edentata).

Unterkieferäste durch Naht vereinigt. Unterkieferäste mit einander

verschmolzen (Fig. 902 B).

Coracoid selbständig, gross, bis zum Coracoid klein, mit der Scapula

Sternum reichend; Episternum gross verwachsen, das Sternum nicht

(Monotremata, Fig. 833). erreichend; Episternum rudimentär

oder fehlend.

Clavicula wohlentwickelt. Clavicula rudimentär oder fehlend.

Humerus mit Foramen entepicondylare Humerus ohne Foramen.

(Fig. 834 ent).

Femur mit drittem Trochanter (Fig. Femur ohne dritten Trochanter.

834 tr₃).

Ulna bez. Fibula so lang wie Radius Ulna bez. Fibula mehr oder weniger

bez. Tibia, selbständig. rudimentär, mit Radius bez. Tibia

verwachsen.

Tibiales Gelenk am Astragalus nicht Tibiales Gelenk am Astragalus

kopfförmig abgesetzt, einfach convex kopfförmig, und mit Längsfurche

(Fig. 907 B a). (rollenförmig, Fig. 907 A a).

Astragalus articulirt distal nur mit Astragalus articulirt distal auch

Naviculare (Fig. 907 A). mit Cuboid (Fig. 907 C).

Calcaneus mit Fibulargelenk. Calcaneus ohne Fibulargelenk.

Centrale am Carpus selbständig (Fig. Centrale am Carpus nicht

835). selbständig (Fig. 908, meist mit

Scaphoid verwachsen).

Scaphoid und Lunare gesondert (Fig. Scaphoid mit Lunare verwachsen

835). (Carnivora, Fig. 877).

Gliedmassen kurz. Gliedmassen verlängert.

Plantigrade, bekrallte Gehfüsse. Schwimmfüsse, Flossen, Flughände,

Laufbeine, Grab- und Kletterbeine;

Hinterfüsse können auch fehlen.

Fünf Finger bez. Zehen. Weniger als fünf Finger bez. Zehen.

Erster Finger, bez. Zehe nicht Erster Finger bez. Zehe opponirbar

opponirbar. (Didelphys, Phalangistidae,

Primates).

Endphalangen kegelförmig oder Endphalangen deprimirt, oder

comprimirt, gekrümmt, Krallen dreikantig, Nägel oder Hufe

tragend. tragend.

Endphalangen vorn gespalten. Endphalangen nicht gespalten.

Gebiss der Säugethiere[K].

Von grösster Wichtigkeit für den Paläontologen ist das Gebiss der

Säugethiere, da selbst nach einzelnen Zähnen, in Folge ihres meist

sehr charakteristischen Baues, die betreffende Art oft bestimmt werden

kann, was um so wichtiger ist, als Zähne die widerstandsfähigsten

und am häufigsten fossil erhaltenen Hartgebilde der Säuger sind. Doch

ist dabei zu berücksichtigen, dass sehr ähnlicher Zahnbau bei sehr

heterogenen Säugethierformen auftreten kann, so dass es immer sehr

bedenklich bleibt, ohne Kenntniss anderer Skelettheile nur nach der

Gestalt der Zähne die Verwandtschaftsbeziehungen einer Säugethierform

bestimmen zu wollen.

Der Zahn (Fig. 837) besteht aus Dentin, das eine mässig weite, einfache

Pulpahöhle umgiebt; die Krone ist mit Schmelz bedeckt, die Wurzel

mit Cement; mitunter fehlt die Schmelzbedeckung, oder es kann (bei

Säulenzähnen) Cement auch den Schmelz der Krone überziehen.

[Illustration: Fig. 837. Längsschnitt durch einen Säugethierzahn,

schematisch. C = Cement; D = Dentin; P = einfache Pulpahöhle; S =

Schmelz.]

Die Ursäugethiere dürften gleichzeitig zahlreiche Zähne besessen haben

ohne Zahnwechsel (monophyodont wie die Pelycosauria, vgl. Fig. 762).

Bei den meisten Säugern aber gelangen unter Verkürzung der Kiefer von

diesen Zähnen eine Anzahl erst in späterem Lebensalter zum Durchbruch

(Ersatzzähne), wobei einer oder mehrere der früher erschienenen

(Milchzähne) durch sie verdrängt werden (diphyodont mit Milchgebiss und

definitivem Gebiss, Fig. 838). Das Milchgebiss ist bei vielen Formen

längere Zeit in Gebrauch; bei manchen (Insectivora) aber tritt der

Zahnwechsel schon kurz vor oder nach der Geburt ein, das Milchgebiss

bleibt also functionslos; endlich kann es selbst ganz unterdrückt

werden (secundär monophyodont, z. B. Sirenia).

Die im Zwischenkiefer stehenden Zähne (Fig. 830) heissen Schneidezähne

(Incisiven), der unmittelbar hinter der Naht folgende meist verlängerte

erste Zahn des Maxillare heisst Eckzahn (Canine), die übrigen heissen

Backzähne; ähnlich im Unterkiefer, wo als Eckzahn der gilt, welcher bei

geschlossenen Kiefern unmittelbar vor dem oberen Eckzahne eingreift.

Ist Zahnwechsel vorhanden, so werden die hinteren Backzähne, denen

kein Milchzahn vorausgeht, als Molaren unterschieden von den vorderen

Backzähnen, den Praemolaren, die an die Stelle von Milchbackzähnen

getreten sind. Auch bei monophyodontem Gebisse werden oft Praemolaren

und Molaren unterschieden (ohne dass jedoch die Begriffe sich decken),

wenn nämlich die hinteren Backzähne einen complicirteren Bau zeigen als

die vorderen (Fig. 846).

Die Zahl der Zähne ist meist sehr gering und dann sehr beständig.

Die meisten der eocänen Säugethiere zeigen ein Gebiss von ³⁄₃ J, ¹⁄₁

C, ⁴⁄₄ P, ³⁄₃ M, oder kürzer (3 · 1 · 4 · 3)/(3 · 1 · 4 · 3), d. h.

drei Schneidezähne, einen Eckzahn, vier Praemolaren und drei Molaren

jederseits im Ober- und Unterkiefer, zusammen 44 Zähne im definitiven

Gebisse, zu denen noch 32 Milchzähne kommen, da bei ihnen 3 Schneide-,

1 Eck- und 4 Backzähne gewechselt werden (Fig. 838). Von solchen Formen

(vielleicht von solchen mit ⁴⁄₄ M) stammen die meisten oder alle

Placentalia, die jedoch nur selten diese volle Zahnzahl (vollzähliges

Gebiss) bewahrt haben. Ursprünglich dürften alle Zähne durch kleine

Lücken von einander getrennt gewesen sein, in welche die Kronen der

alternirend gegenüberstehenden Zähne des anderen Kiefers passten, wie

das noch viele Säuger zeigen; gewöhnlich aber bilden die Schneidezähne

mit einander eine geschlossene Reihe, oft auch (besonders bei

Pflanzenfressern) jederseits die Backzähne, während die Eckzähne durch

Lücken (Diastema) von diesen Reihen getrennt sind. Nur selten bilden

alle Zähne eine geschlossene Reihe in jedem Kiefer wie beim Menschen.

Im Laufe der phylogenetischen Entwickelung können einzelne oder alle

Zähne einer Kategorie allmählich verloren gehen, und zwar beginnt die

Reduction gewöhnlich an den Enden einer geschlossenen Zahnreihe (z. B.

zuerst der erste oder der letzte Backzahn); auf ihre Kosten vergrössern

sich dabei gewöhnlich einige der übrig bleibenden Zähne. Sind oben und

unten J, C, P und M vorhanden, so ist das Gebiss ein vollständiges,

im Gegensatze zum unvollständigen, dem oben oder unten wenigstens

eine dieser Zahnarten fehlt. Fast in allen Entwickelungsreihen der

Säuger zeigen die moderneren Formen eine Reduction der Zahnzahl

gegenüber den primitiveren, oft auch verbunden mit einer Verkürzung der

Kiefer, welche bis zum Verschwinden aller Zahnlücken gehen kann. Eine

Vermehrung der ursprünglichen Zahnzahl dürfte bei einigen Cetacea und

Edentata anzunehmen sein; dieselbe ist vielleicht durch ein Auftreten

von überzähligen hinteren Backzähnen zu erklären.

[Illustration: Fig. 838. Unterkiefergebiss von Sus scrofa. A

Milchgebiss. di₁-di₃ = Milchschneidezähne; dc = Milcheckzahn; d₂-d₄

= Milchbackzähne. B Definitives Gebiss. i₁-i₃ = Schneidezähne; c =

Eckzahn; p₁-p₄ = Prämolaren; m₁-m₃ = Molaren.]

Bei den ersten Säugern müssen alle Zähne einwurzelig, mit einfacher

kegelförmiger Krone (isodont) gewesen sein (nur Fangzähne wie bei

den meisten Reptilien). Während die C diese Form meist behalten, und

gewöhnlich nur länger sind als die übrigen Zähne (Fig. 838 c), werden

die J meist meisel- oder schaufelförmig, mitunter hauerartig, bleiben

aber stets einwurzelig. Die Backzähne sind gewöhnlich, je nach der

Grösse ihrer Krone, zwei- oder mehrwurzelig (Fig. 838 d, p, m) und

unterscheiden sich dadurch mit Sicherheit von den Zähnen anderer

Wirbelthiere, die (mit Ausnahme einiger Selachier) nie mehr als eine

Wurzel besitzen. Einzelne oder alle Zähne eines Gebisses, die einer

sehr starken Abnutzung ausgesetzt sind, oder die eine besondere Länge

erreichen wie manche J und C (Stosszähne und Hauer), zeigen oft ein

sehr lange dauerndes, mitunter immerwährendes Längenwachsthum; solche

Zähne besitzen eine am unteren Ende (wo die Bildung neuer Zahnsubstanz

stattfindet) weit offene Pulpahöhle (wurzellos, Fig. 838 c, 844 C),

während Zähne, die nicht mehr in die Länge wachsen, mehr oder weniger

lange, unten fast ganz geschlossene Wurzeln bilden (Fig. 837, 838 i, d,

p, m).

Die ursprünglich kegelförmigen, nur zum Festhalten der Beute

geeigneten Backzähne zeigen fast bei allen Säugern das Bestreben,

Formen anzunehmen, durch welche sie zum Zerkleinern der Nahrung

tauglich werden. Dies geschieht zunächst durch Ausbildung einer

kleinen Kaufläche, indem sich die Zahnspitze etwas verbreitert und

mehrgipfelig wird (Fig. 839 C). Diese primitive Zahnform entwickelt

sich wesentlich nach zwei Richtungen weiter: 1) es bilden sich

einzelne Backzähne zu einer verlängerten scharfen Klinge aus und

werden secodont, zum Zerschneiden der Nahrung geschickt (Fig. 869,

besonders charakteristisch für Fleischfresser); 2) es zeigt sich

das Bestreben, die Backzahnreihe zu einer möglichst grossen und der

Abnutzung möglichst lange widerstehenden Kaufläche auszubilden, die

zum Zerreiben der Nahrung geeignet ist (Fig. 845, charakteristisch für

Pflanzenfresser).

Es kommen dabei hauptsächlich die folgenden, zum Theil unabhängig von

einander auftretenden Umbildungen der Zahnkrone in Betracht:

Elemente der Paläontologie · 第 425 / 606 题