Das Becken der Lurchschildkröten (Chelydae) ist mit dem Rücken- und
Bauchschilde innig verbunden, indem das Darmbein mit der achten
Costalplatte, das Scham-, oft auch das Sitzbein mit dem Xiphiplastron
verwachsen. Sacralrippen atrophiren oder fehlen bei Erwachsenen
ganz. Plastronbrücke sehr stark, indem die aufsteigenden Pfeiler in
Nahtverbindung mit den Marginalplatten treten (Fig. 782), und auch auf
die Costalplatten oft ausserordentlich weit übergreifen. Neuralplatten
oft verkümmert, so dass die Costalplatten sich in der Mittellinie
berühren. Unpaares Intergularschild stets vorhanden. Diese Schildkröten
können den Kopf nicht unter die Schale zurückziehen, sondern biegen ihn
seitlich unter den Rand des Panzers.
[Illustration: Fig. 782. Pleurosternon Bullocki Gray. Purbeck von
England. Bauchschild und Randtheil des Rückenschildes in einer Ebene,
von unten. a = Abdominalschild; c = Caudalschild; en = Entoplastron; es
= Epiplastron; f = Femoralschild; g = Gularschild; h = Humeralschild;
hp = Hypoplastron; hs = Hyoplastron; ig = Intergularschild; m
= Marginalplatten; ms = Mesoplastron; p = Pectoralschild; xs =
Xiphiplastron. Die gezackten Striche sind Nähte, die geraden sind
Schilderfurchen.]
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die echten Pleurodira von
Cryptodira abstammen. Uebergangsformen finden sich fossil: so
verbindet Adocus, bei der nur das Ileum verwächst, die Gattung
Plesiochelys, deren Ileum und Pubis verwächst, mit der Gattung
Platychelys, wo alle Elemente frei sind. Die pleurodiren Schildkröten
spielten fossil, besonders im oberen Malm eine sehr hervorragende
Rolle; die Mehrzahl der Schildkröten von Solothurn gehört hierher.
Diese älteren Formen zeichneten sich durch unvollständigere
Verknöcherung des Panzers, lange offen bleibende Fontanellen vor den
moderneren Pleurodira aus. Noch im Eocän sind sie in Europa zahlreich.
Heute finden sie sich ganz auf die südliche Halbkugel beschränkt, auf
Südamerika, Afrika und Australien.