Litteratur über Rhynchocephala.
Credner, H. Die Stegocephalen und Saurier aus dem Rothliegenden des
Plauenschen Grundes bei Dresden. VII. Theil. Zeitschr. d. deutschen
Geol. Ges. 1888.
Günther, A. Contribution to the Anatomy of Hatteria. Philos. Trans.
London. 1867.
Die Rhynchocephalen sind eidechsenähnliche beschuppte Reptilien
mit biconcaven Wirbeln (meist Ringwirbeln) und kleinen Intercentra
(Fig. 724 D) zwischen allen Wirbeln, die an dem langen Schwanze zu
Sparrknochen (Fig. 724 E) werden. Centrum selten mit den oberen
Bögen verwachsen. Die langen Rippen (Fig. 759) sind einköpfig und
zeigen nur noch am Halse Andeutung eines doppelten Rippenkopfes. Zwei
grosse seitliche Schläfenlücken mit oberem und unterem Schläfenbogen
(Fig. 760). Quadratum (Fig. 732 q u. g) unbeweglich; Foramen
parietale vorhanden. Praemaxillare kurz. Alle Deckknochen paarig. Am
Schultergürtel (Fig. 735) ist Scapula (s) und Coracoid (co), sowie
Clavicula (cl) und T-förmiges Episternum (e) wohlentwickelt. Es sind
die einzigen Reptilien, deren Humerus (Fig. 739 A u. B) ein Foramen
ectepicondylare (ect) nebst einem Foramen entepicondylare (ent) zeigen
kann. Fünfzehige Gehfüsse mit 2, 3, 4, 5, 3 Phalangen an den vorderen
(Fig. 739 A) und 2, 3, 4, 5, 4 Phalangen an den hinteren Füssen. Fünf
Carpalia in der distalen Reihe. Zahlreiche Bauchrippen (Fig. 759).
[Illustration: Fig. 759. Hatteria punctata Gray. Recent. Neuseeland.
Schema der Rippen und Bauchrippen. b = unpaare, b’ = paarige Spangen
der Bauchrippen, deren zwei auf ein Bauchsegment kommen; c =
Wirbelkörper; od = oberer Dornfortsatz; r, r’ = Rippe, aus mehreren
getrennten Stücken bestehend; u = Processus uncinatus.]
Unter allen bekannten Sauropsiden zeigen die Rhynchocephala noch die
meisten primitiven Merkmale; sie stehen daher den ursprünglichsten
Reptilien, von denen die übrigen Formen ausgegangen sind, noch sehr
nahe; andererseits sind es auch die Reptilien, welche den Stegocephala
weitaus am nächsten stehen (Palaeohatteria). Die Ordnung ist aus vielen
Formationen seit dem Perm bekannt, eine lebende Art findet sich noch
auf Neu-Seeland.
Fam. Palaeohatteriidae.
Pubis und Ischium bilden breite Platten mit sehr kleinem Foramen
obturatorium (ähnlich Fig. 757); 5 Tarsalia in der distalen Reihe.
Gelenkenden der Beinknochen nicht verknöchert. Vordere Schwanzwirbel,
sowie Halswirbel mit beweglichen Rippen. Intercentra vorhanden.
Hierher gehören die niederststehenden und ältesten von allen Reptilien,
die noch die meisten Beziehungen zu den Stegocephala zeigen. Perm.
Palaeohatteria Credn. (Fig. 724 D u. E, 735). Füsse mit Krallen.
Zähne akrodont, einreihig auf den Kieferrändern und dem Palatinum,
haufenweise auf dem Vomer. Perm von Sachsen.
P. longicaudata Credn. (Fig. 724 D u. E, 735). Rothliegendes des
Plauenschen Grundes bei Dresden.
Fam. Sphenodontidae.
Pubis und Ischium schlank mit einfachem weitem Foramen obturatorium.
Nur vier Tarsalia in der distalen Reihe. Gelenkenden verknöchert.
Schwanzwirbel ohne bewegliche Rippen. Intercentra vorhanden. Recent.
[Illustration: Fig. 760. Hatteria (Sphenodon) punctata Gray. Recent.
Neuseeland. Schädel von der Seite. A = Augenhöhle; D = Durchbruch
im Unterkiefer; F = Scheitelloch; N = Nasengrube; S = obere, S’ =
untere Schläfenhöhle. a = Angulare; as = Epipterygoid (Columella);
d = Dentale; f = Frontale; fa = Praefrontale; fp = Postfrontale;
im = Intermaxillare; j = Jugale; mx = Maxillare; n = Nasale; o =
Opisthoticum (der linken Seite); op = Postorbitale; p = Parietale; pa =
Palatinum; pt = Pterygoid; q = Quadratum der rechten, q’ = der linken
Seite; qj = Quadratojugale; sq = Squamosum.]
Hatteria Gray (= Sphenodon Gray Fig. 732, 739 A u. B, 759, 760)
mit akrodonter Bezahnung auf Intermaxillare, Maxillare, Palatinum
und Dentale; Zahnspuren auf dem Vomer und Pterygoid (Fig. 732).
Intermaxillare mit einem verlängerten Zahne. Rippen mit Processus
uncinatus (Fig. 759 u).
H. punctata Gray (Fig. 760), ca. 60 cm lang, lebt auf Neu-Seeland.
Zu den Rhynchocephala gehören ferner ausser zahlreichen anderen
Gattungen:
Proterosaurus H. v. Meyer. Zähne in Alveolen; ausser auf den
Kieferrändern finden sie sich auch am Palatinum, Pterygoid und Vomer.
Halsrippen lang und fadenförmig. Zahlreiche Halswirbel. Perm.
P. Speneri H. v. Meyer wird bis 8 Fuss lang. Kupferschiefer von
Deutschland.
Hyperodapedon Huxl. Halswirbel mehr oder weniger opisthocöl;
Nasenöffnungen äusserlich vereinigt; Prämaxillaria bilden einen
langen, spitzen, nach unten gekrümmten, zahnlosen Schnabel. Hintere
Kiefer- und Gaumenzähne sind mehrreihig. Trias von England und Indien.
H. Gordoni Huxl. Elgin-Sandstone (Keuper) von England.
Homoeosaurus H. v. Meyer sind kleine der Hatteria sehr ähnliche
Formen aus dem Malm mit akrodonter Bezahnung und kurzem breitem
Schädel.
H. Maximiliani H. v. Meyer. Lithographische Schiefer von Solnhofen.
Champsosaurus Cope (= Simoedosaurus Gerv.). Schädel gavialartig;
Zähne auf den Kieferrändern, sowie auf Palatinum und Pterygoid. Die
winzigen Gaumenzähne stehen haufenweise. Halsrippen sind doppelköpfig.
Kreide und Eocän.
Ch. profundus Cope. Judith River beds (obere Kreide der
Felsengebirge).
Ch. Lemoinei Gerv. Unteres Eocän bei Reims und bei Erquelinnes
(Belgien).
Ch. australis Cope. Puerco-Eocän von Neu-Mexico.