4. Klasse: Amphibia (Lurche).

Amphibien sind insofern die niedrigsten Quadrupeda, als sie,

(gewöhnlich) in sehr unentwickeltem Zustande aus sehr kleinen Eiern

zur Welt kommend, in der Jugend noch durch Kiemen athmen und erst

später in den Besitz von Lungen gelangen (meist unter Verlust der

Kiemen und unter auffallender Metamorphose). In ihren früheren

Entwickelungszuständen zeigen sie noch zahlreiche fischartige

Charaktere, während ihre Quadrupedennatur erst im späteren Alter voll

zur Geltung kommt.

Die Wirbel sind bei einigen fossilen Formen nur unvollkommen

verknöchert; sonst sind sie amphicöl (nicht selten mit persistirender

Chorda), procöl oder opisthocöl. Die Rippen sind meist sehr kurz,

bei den Anura gar nicht abgegliedert; sie sind oft doppelköpfig oder

zeigen ein auffallend breites proximales Ende. Der erste Wirbel ist

oft einfacher gebaut als die übrigen, ohne Rippen und wird dann

als Atlas (der einzige Halswirbel) bezeichnet. Ein echtes, von den

Rippen abstammendes und mit denselben zusammenhängendes Brustbein

ist nicht nachzuweisen. Bis zum Kreuzbein (Fig. 743 sr) zeigen oft

noch sämmtliche Wirbel bewegliche Rippen. Es tritt stets nur ein

Kreuzbeinwirbel auf, dessen Rippenfortsatz als bewegliche Rippe

abgegliedert sein kann, ebenso der der vorderen Schwanzwirbel (Fig.

743).

Das Primordialcranium verknöchert gar nicht oder nur zum geringen

Theil; das Hinterhauptsgelenk ist doppelt (Fig. 756 co). Die

Deckknochen des Schädels erreichen bei den primitiveren Formen (Fig.

741) eine ausserordentliche Ausdehnung und bedecken fast lückenlos den

ganzen Kopf; sie sind hier unter allen Quadrupeda am vollkommensten

entwickelt und erinnern an den gepanzerten Schädel mancher der älteren

Teleostomi; unter den moderneren Amphibien treten Deckknochen viel mehr

zurück.

Ein mächtiges Parasphenoid (Fig. 744 ps) bedeckt stets die knorpelig

bleibende Basis des Primordialcraniums. Der Vomer (v) ist meist paarig.

Zähne treten bei einzelnen Formen noch an allen Mundknochen auf

(Fig. 745), auf dem Vomer (v), Pterygoid (pt) und Parasphenoid (ps)

haufenweise, sonst wesentlich einreihig. Zahnwechsel findet fortwährend

statt.

Die Gliedmassen sind oft nur theilweise verknöchert, besonders

ist der Carpus und Tarsus häufig nur knorpelig vorhanden; die

übrigen Beinknochen zeigen oft nur eine äussere Knochenrinde mit

unverknöcherten Gelenkenden (fossil nur als hohle Röhren erhalten);

auch am Schultergürtel und Becken bleiben grössere oder geringere

Theile zeitlebens knorpelig. Die Füsse (selten verkümmert) sind

primitive Gehfüsse, hinten mit 5, vorn mit 4 oder 5 Zehen versehen

(Fig. 743).

Die meisten der älteren Formen zeigen eine Hautbedeckung aus

verknöcherten Schuppen, die am Bauch oft panzerförmig wird; die

modernen Formen haben grösstentheils eine nackte Haut. Die Endphalangen

sind nur ganz ausnahmsweise mit Krallen versehen.

Die Amphibien leben in oder an süssem Wasser oder wenigstens an

feuchten Orten; sie kommen fossil nie in rein marinen Ablagerungen vor.

Amphibien sind seit dem Carbon bekannt. Es lassen sich vier Ordnungen

unterscheiden:

1. Ordnung Stegocephala. Schwanz wohl entwickelt; Thoracalplatten oder

ein Bauchpanzer vorhanden. Carbon bis Trias.

2. Ordnung Urodela. Schwanz wohl entwickelt; weder Thoracalplatten noch

ein Bauchpanzer. Kreide bis Gegenwart.

Elemente der Paläontologie · 第 335 / 606 题