Die Haut der Fische ist nur selten ganz nackt; meist sind dieselben mit
Schuppen bedeckt, die oft reichliche Verknöcherung zeigen und mitunter
durch grössere Knochenplatten ersetzt sind.
Unter den Schuppen sind zu unterscheiden:
1. Placoidschuppen, meist sehr kleine Hautverknöcherungen, die
körnchen-, kegel-, stern- oder blattförmige Gestalt zeigen und ein
mehr oder weniger dichtes Pflaster auf der Haut bilden, welche sich
in Folge davon eigenthümlich rauh anfühlt (Chagrin); mitunter tragen
diese Schüppchen einen spitzen nach hinten gekrümmten Stachel (Fig.
633). Die Placoidschuppen zeigen eine aus verknöchertem Bindegewebe
bestehende Basalplatte (Fig. 634 B), auf der sich der aus Dentin oder
Vasodentin (V, vgl. p. 526) bestehende obere Theil der Schuppe erhebt
(s. auch »Zähne« p. 532). Von ihnen sind die meisten übrigen Formen von
Hautverknöcherungen abzuleiten.
[Illustration: Fig. 633. Auffallend grosse Placoidschuppe mit Stachel
von Raja.]
[Illustration: Fig. 634. Längsschnitt durch eine Placoidschuppe
von Scymnus lichia. B = Basalplatte; V = Vasodentin mit baumförmig
verästelten Canälen und kleiner Pulpahöhle (P); Vi = Vitrodentin.]
[Illustration: Fig. 635. A = Cycloidschuppe von Gadopsis. B =
Ctenoidschuppe von Lethrinus.]
2. Ganoidschuppen sind verhältnissmässig grosse, meist in sehr
regelmässigen Reihen angeordnete Schuppen von beträchtlicher Dicke,
die aus einem knöchernen Basaltheil, aus Dentinsubstanz und einer
oft sehr dicken und dann stark glänzenden äusseren Schmelzschicht
bestehen; letztere ist häufig zierlich skulptirt (Fig. 636), trägt
aber nie grössere stachelähnliche Fortsätze. Ganoidschuppen sind
meist rhombisch, der Hinterrand manchmal gezähnt (Fig. 636); sie
sind oft durch Leisten und Zapfen auf der Innenseite gelenkig mit
einander verbunden (Fig. 637 u. 638) und stellen dann ein äusserst
regelmässiges Pflaster dar, das panzerartig den Körper umhüllt (Fig.
644); doch kommen auch rundliche (cycloide) Ganoidschuppen vor, die
dachziegelartig über einander liegen (Fig. 680).
[Illustration: Fig. 636. Dapedius Leachii Ag. Unterer Lias. Lyme Regis.
Ganoidschuppen von der Aussenseite.]
[Illustration: Fig. 637. Lepidotus semiserratus Ag. Lias. Whitby.
Ganoidschuppe von der Aussenseite. g = glatte, von der Nachbarschuppe
überdeckte Fläche; z = Gelenkzapfen.]
[Illustration: Fig. 638. Gelenkig verbundene Ganoidschuppen von
Palaeoniscus von der Innenseite mit Leisten und Zapfen.]
3. Cycloid- und Ctenoidschuppen sind dünne, durchscheinende,
meist rundliche Schuppen, die, wenn sie nicht rudimentär sind,
dachziegelartig sich bedecken und in ziemlich regelmässigen Reihen
angeordnet liegen. Sie sind nur in sehr geringem Maasse verkalkt,
daher biegsam und erscheinen gewöhnlich dicht concentrisch gestreift
mit einer kleinen Anzahl radiär verlaufender Linien. Leisten oder
Zapfen auf der Innenseite sind nie vorhanden; ebenso fehlt die äussere
Schmelzbedeckung. Der Hinterrand ist entweder glatt (Cycloidschuppen
-- Fig. 635 A) oder gezähnt (Ctenoidschuppen -- Fig. 635 B); auch der
freiliegende Theil der Oberfläche kann bei Ctenoidschuppen von Zähnchen
bedeckt sein (Fig. 635 B).
Placoidschuppen sind die ursprünglichsten Formen von
Hautverknöcherungen, die sich wesentlich bei Chondropterygii finden;
die meisten übrigen Formen von Hautverknöcherungen sind als
vergrösserte bez. mit einander verwachsene Placoidschuppen zu
betrachten. Ganoidschuppen sind als plattenartig ausgebildete
Placoidschuppen aufzufassen; sie sind charakteristisch für die meisten
der älteren Euichthyes, während die den moderneren Teleostomi
eigenthümlichen Cycloid- und Ctenoidschuppen aus Ganoidschuppen
herzuleiten sind, deren Verkalkung ganz oder grösstentheils
unterbleibt; zwischen letzteren finden sich in der That alle
Uebergänge.
[Illustration: Fig. 639. Längsschnitt (schematisch) durch einen
Selachierzahn mit eigentlichem Dentin (D) und einfacher Pulpahöhle (P).
B = Wurzel; Vi = Vitrodentin.]
[Illustration: Fig. 640. Längsschnitt durch einen Selachierzahn mit
typischem Vasodentin (V, mit weiten anastomosirenden Canälen). B =
Wurzel; Vi = Vitrodentin.]
Zähne können bei den Fischen an sämmtlichen die Mund- und Kiemenhöhle
begrenzenden Skelettheilen auftreten; sie können leicht beweglich
sein oder sind mit ihrer Unterlage fest durch Ligament verbunden oder
endlich innig damit verwachsen. Bei manchen Haien sind die Zähne
selbst der Gestalt nach nicht von den Placoidschuppen der Haut zu
unterscheiden; der feinere Bau ist ebenfalls der gleiche. Zähne und
Schuppen müssen daher als homologe Bildungen angesehen werden. Auch
bei den Zähnen (Fig. 639, 640) ist ein aus Knochengewebe bestehender
Basaltheil (B) vorhanden. Der übrige Theil des Zahnes besteht aus
eigentlichem Dentin (Fig. 639) oder aus Vasodentin, letzteres mit
groben, gewöhnlich anastomosirenden Haversischen Canälen (Fig. 640);
die Krone ist meist von einer mehr oder weniger dicken Schmelzschicht
bedeckt; bei Chondropterygii ist der Schmelz nicht durch eine scharfe
Grenze von der Dentinsubstanz unterschieden und wird oft Vitrodentin
(Vi) genannt.
Die Zähne sind meist nadel- oder kegelförmig, nur zum Festhalten
geeignet (Fangzähne), selten meiselförmig (Schneidezähne) oder bohnen-
und plattenförmig (Mahlzähne). Sehr häufig finden sie sich in grosser
Menge zu Bürsten (hechelförmig), Polstern, Bändern und Pflastern
vereinigt, oder sie stehen wenigstens in mehreren Reihen hinter
einander, seltener einreihig oder einzeln. Aeltere ausfallende Zähne
werden fortwährend durch neben ihnen entstehende junge Zähne ersetzt.
[Illustration: Fig. 641. Hybodus reticulatus Ag. Rückenflossenstachel
(Ichthyodorulit). Oberer Lias (ε). Ohmden in Württemberg.]
[Illustration: Fig. 642. Flossenstrahlen. A, B hart und ungegliedert; C
einfach gegliedert; D fächerförmig gegliedert.]
[Illustration: Fig. 643. Schwanzwirbel eines Fisches, schematisch. N =
Rückenmarkscanal; c = Chordascheide; ch = Chorda dorsalis; ob = oberer
Wirbelbogen; od = oberer Dornfortsatz; ub = unterer Wirbelbogen; ud =
unterer Dornfortsatz. Schraffirt sind die Theile der Wirbelbögen, die
an der Bildung des Wirbelkörpers (k) theilnehmen. ft = Flossenträger;
fs = Flossenstrahl.]
Als Ichthyodoruliten (Fig. 641) werden eigenthümliche Stacheln
bezeichnet, die nur niederen Fischformen (besonders primitiveren
Chondropterygii und Acanthodidae) zukommen, oft sehr bedeutende Grösse
erreichen und gewöhnlich isolirt gefunden werden. Meist gehören sie dem
Vorderrande der unpaaren Flossen an; ihr feinerer Bau gleicht durchaus
dem der Zähne und Placoidschuppen; in der Regel (bei allen Selachii)
stecken sie nur lose im Fleisch und zeigen daher sehr selten ein Gelenk
an der Basis. Fast sämmtliche paläozoische Ichthyodoruliten sind stark
skulptirt oder bedornt, die späteren meist glatt.
Zu den Hautgebilden gehören auch die den äusseren Theil der paarigen
und unpaaren Flossen stützenden Flossenstrahlen (Fig. 644), welche den
Fischen eigenthümlich sind. Sie finden sich zuerst als feine Hornfäden
(Fig. 646 A fs, Chondropterygii und viele Dipnoi) in ausserordentlicher
Anzahl. Bei höheren Fischen sind dieselben ersetzt durch knöcherne
Strahlen (Fig. 642) in geringerer Zahl, welche entweder durch Quernähte
gegliedert (C) und dabei oft fächerförmig getheilt sind (D u. Fig. 651
c -- weiche oder gegliederte Flossenstrahlen) oder durch einfache,
in eine Spitze endende Stacheln dargestellt sind (A, B -- harte oder
ungegliederte Flossenstrahlen oder Stachelstrahlen). Harte und weiche
Strahlen finden sich oft in der nämlichen Flosse und zwar sind dann
stets die vorderen Strahlen ungegliedert. Das Vorhandensein mehrerer
harter Strahlen in einer Flosse ist charakteristisch für die Mehrzahl
der Physoclysti (Fig. 719 u. 720 -- Acanthopteri), der modernsten
Fischgruppe.
[Illustration: Fig. 644. Lepidotus Elvensis Blv. Oberer Lias (ε).
Holzmaden. a = Analflosse; c = Caudalflosse (hemiheterocerk); d =
Dorsalflosse; p = Pectoralflosse; v = Ventralflosse; f = Fulcra (am
Vorderrande aller Flossen); k = Kiemendeckel.]
Gliedmassen der Fische.
Allen Fischen kommen unpaare senkrechte Flossen (Fig. 644) zu, die
man ihrer Lage nach unterscheidet als Rücken- oder Dorsalflosse (d),
Schwanz- oder Caudalflosse (c) und After- oder Analflosse (a -- hinter
dem After; vgl. auch Fig. 645). Selten hängen diese dreierlei Flossen
noch ununterbrochen zusammen, den ganzen Rücken (Fig. 645 u. 674 d u.
c) und die Ventralseite des Schwanzes einnehmend, wie es wenigstens
ontogenetisch der ursprüngliche Zustand ist; ihre Ausdehnung ist sehr
verschieden[D]. Rücken- und Afterflosse (Fig. 645 an) können auch in
mehrere Abschnitte zerfallen, selten fehlt eine dieser Flossen ganz.
Stets sind die unpaaren Flossen durch Flossenstrahlen (Fig. 643 u. 645
fs) gestützt, welche meist auf Flossenträgern (ft, ft’; vgl. auch Fig.
714) ruhen, mit denen sie in Gelenkverbindung (Fig. 642) stehen können;
die Flossenträger, oft in mehrere Stücke gegliedert, lehnen sich
gewöhnlich an die Dornfortsätze (Fig. 643 od) der Wirbel an, erscheinen
aber selten als deren unmittelbare Fortsetzung (Dipnoi).
[Illustration: Fig. 645. Pleuracanthus Decheni Goldf. Rothliegendes.
Lebach bei Saarbrücken. Knorpelskelet restaurirt (Schwanzende fehlt).
Schädel und Visceralskelet: o = Augenregion; pq = Palatoquadratum; nd
= Mandibula; hm = Hyomandibulare; hy = Hyoideum; k = Kiemenstrahlen am
Zungenbeinbogen; kb = Kiemenbögen; z = Kieferzähne; sz = Schlundzähne;
st = Nackenstachel.
Wirbelsäule: o.b = obere Bögen; hc = Intercentra, die Basaltheile
der unteren Bögen in der Rumpfregion; r = Rippen; ub = untere Bögen
in der Schwanzregion mit Dornfortsätzen. (Chordascheide ist nicht
erhaltungsfähig.)
Unpaare Flossen: d = Dorsalflosse; c = Caudalflosse; an = 2
Analflossen; fs = Flossenstrahlen; ft, ft’ = Flossenträger.
Vordere Extremität: sg, sg’ = Schultergürtel; ax = vielgliedrige
Hauptachse der Brustflosse; ss = Radien (zweizeilig); bs =
Nebenstrahlen; sch = Schuppen.
Hintere Extremität: p = Becken; ax’ = vielgliedrige Hauptachse der
Bauchflosse; ss’ = Radien (einzeilig); bs’ = Nebenstrahlen; sch =
Schuppen; cop = männliches Begattungsorgan.]
Von den paarigen Gliedmassen (Fig. 644) stehen die Brust- oder
Pectoralflossen (p) mit dem Schultergürtel, die Bauch- oder
Ventralflossen (v) mit dem kleinen Becken in Gelenkverbindung (vgl.
auch Fig. 645). Der Schultergürtel, ursprünglich nur aus einem Paar oft
ventral verwachsener Knorpelspangen bestehend (primärer Schultergürtel
der Chondropterygii Fig. 646 A, co + sc u. 645 sg, sg’), wird bei den
Euichthyes zum grösseren Theile von Deckknochen gebildet (secundärer
Schultergürtel -- Fig. 646 B u. C cl, pcl, scl, pt) und steht dann
mit dem Schädel in Verbindung; gewöhnlich verknöchert dabei auch der
primäre Theil des Schultergürtels (co und sc).
Das gewöhnlich bauchständige kleine Becken (Fig. 645 p) tritt nie mit
Wirbeln in directen Zusammenhang.
[Illustration: Fig. 646. Schultergürtel und Brustflossen von
A Heptanchus (Selachier), B Polypterus (Crossopterygier mit
quastenartiger Brustflosse) und C Salmo lacustris (Physostome mit
fächerartiger Brustflosse).
Primärer Schultergürtel: co = Coracoideum; sc = Scapulare.
Secundärer Schultergürtel: cl = Clavicula; pcl = Postclavicula; scl =
Supraclavicula; pt = Posttemporale (zur Befestigung am Schädel).
Primäres Flossenskelet (= I): p = Propterygium; ms = Mesopterygium; mt
= Metapterygium; r = Radien.
Secundäres Flossenskelet (= II): fs = Flossenstrahlen; 1 = erster
Flossenstrahl.]
Die freien Flossen werden auch hier durch Flossenstrahlen (Fig. 646
fs) gestützt, die bei den niederen Fischen von einem wohlentwickelten,
meist knorpeligen primären Flossenskelet (Fig. 646 I) getragen
werden. Dasselbe besteht entweder (Fig. 645) aus einer langen,
vielgliedrigen Hauptachse (ax, ax’) mit ein- oder zweizeilig
angeordneten Seitenstrahlen (ss, ss’ -- Radien), dem Archipterygium;
einige Nebenstrahlen (bs, bs’) können direct vom Gliedmassengürtel
(sg u. p) entspringen (quastenförmige Flosse mit langer Achse bei
Proselachii, Dipnoi und Crossopterygii). Oder es bilden sich durch
umfangreiche Verwachsungen wenige plattenförmige Stücke (Basalplatten
-- Fig. 646 A; p, ms, mt), denen Radien (r) wesentlich einzeilig
aufsitzen (Selachii und Holocephali); ähnlich sind die quastenförmigen
Flossen mit kurzer Achse mancher Crossopterygii (Fig. 646 B). Bei den
übrigen Teleostomi (Fig. 646 C) findet sich das primäre Flossenskelet
(I) allmählich immer kümmerlicher ausgebildet unter sehr bedeutender
Reduction der Radienzahl (r), und dafür das secundäre Flossenskelet
(II) um so mächtiger entwickelt, das aus den knöchernen Flossenstrahlen
(fs) besteht, von denen wenigstens der äusserste (1) direct mit dem
Schultergürtel articulirt (fächerförmige Flossen).
Wirbelsäule der Fische.
Die Wirbelsäule kann bei den Fischen die verschiedensten Stufen der
Ausbildung aufweisen (vgl. p. 516-518). Bei den Chondropterygii kann
der ursprüngliche Knorpel mehr oder weniger reichlich Kalkkörnchen
enthalten; unter den Euichthyes ist bei den höchsten Formen der Knorpel
vollständig durch Knochen ersetzt, und die Bögen sind mit dem Centrum
verschmolzen (Fig. 720). Die Wirbelkörper sind gewöhnlich amphicöl, bei
den niedersten Formen unterbleibt aber die Gliederung der Chordascheide
ganz (Fig. 649); Fischwirbel sind meist leicht kenntlich an tiefen
Gruben, die sie auf beiden Seiten zeigen (Fig. 662 B).
[Illustration: Fig. 647. A Rumpfwirbel, B Schwanzwirbel eines Fisches,
schematisch. N = Rückenmarkscanal; c = Chordascheide; ch = Chorda
dorsalis; i = Basaltheil des unteren Bogens (Intercentrum); ob = oberer
Wirbelbogen; od = oberer Dornfortsatz; r = Rippe (Pleuralbogen); ub
= unterer Wirbelbogen; ud = unterer Dornfortsatz. Schraffirt sind
die Theile der Wirbelbögen, die an der Bildung des Wirbelkörpers
theilnehmen. ft = Flossenträger; fs = Flossenstrahl.]
An der Wirbelsäule der Fische ist nur Rumpf- und Schwanzregion zu
unterscheiden. Die Rumpfwirbel tragen fast immer bewegliche Rippen
(Fig. 645 u. 647 r), während die Schwanzwirbel neben den oberen auch
untere Dornfortsätze zeigen (Fig. 645 ub u. 647 ud). Die vordersten
Wirbel verwachsen manchmal mit einander zu einem unbeweglichen Stücke;
nie vereinigen sich Rippen zur Bildung eines Sternums und nie bilden
sich Sacralwirbel aus als Träger des Beckens. Die Rippen der Fische
sind entweder seitliche, zwischen die Rumpfmuskulatur hineinragende
Anhänge der unteren Bögen oder sie sind (als Pleuralbögen Fig. 647 A r)
das abgegliederte Ende der unteren Bögen (ub) selbst, während, wie auch
an den Schwanzwirbeln (Fig. 647 B), die Basis der unteren Bögen (i,
Intercentrum) beträchtlichen Antheil an der Bildung aller Wirbelkörper
nimmt gleich der Basis der oberen Bögen.
Von ganz besonderer Wichtigkeit ist der letzte Abschnitt der
Wirbelsäule, dessen Dornfortsätze direct die Flossenstrahlen der
Schwanzflosse tragen.
[Illustration: Fig. 648. Diphycerke Schwanzflosse von Protopterus.]
[Illustration: Fig. 649. Heterocerke Schwanzflosse von Acipenser
sturio. k = ungegliederte Chordascheide.]
1. Nur selten findet sich der ursprüngliche Zustand, indem die
Wirbelsäule gerade verläuft bis an das Ende und oben und unten
gleichmässig (symmetrisch) von der Schwanzflosse umsäumt wird (Fig. 648
-- diphycerker Schwanz vieler Dipnoi und Crossopterygii).
2. Gewöhnlich krümmt sich der letzte Theil der Wirbelsäule aufwärts;
unterhalb derselben wird die Schwanzflosse viel umfangreicher als
oberhalb, und zwar so, dass der ganze Schwanz unsymmetrisch wird, indem
er einen grossen oberen Lappen zeigt, den die Wirbelsäule nahezu bis
zum Ende durchzieht, und einen kleineren unteren Lappen (Fig. 649 --
heterocerker Schwanz der Selachii und Heterocerci). Soweit im Inneren
die Wirbelsäule reicht, ebenso weit erstreckt sich auch aussen die
Beschuppung (Fig. 689).
3. Endlich kann, vom heterocerken Schwanze ausgehend, der untere
Schwanzlappen dem oberen, die Wirbelsäule enthaltenden an Grösse und
Gestalt gleich werden, so dass wieder eine äusserlich symmetrische
Schwanzflosse (Fig. 650, 651 -- homocerker Schwanz der jüngeren
Teleostomi) entsteht. Der aufwärts gekrümmte Theil der Wirbelsäule
verkümmert dabei und setzt sich höchstens nur ein kurzes Stück weit in
die Schwanzflosse fort; die Wirbelsäule endet in einem Knochen- oder
Knorpelstab (u -- Urostyl). Während dabei die oberen Dornfortsätze
ganz verschwinden, werden die unteren überaus mächtig und tragen allein
fast die ganze Schwanzflosse, die eigentlich nur noch aus dem ventralen
Theile besteht. In den extremsten Fällen ist der aufwärts gekrümmte
Theil der Wirbelsäule überhaupt nicht mehr nachzuweisen.
Zwischen diesen drei Hauptformen des Fischschwanzes finden sich alle
Uebergänge. Innerlich heterocerk wird ein homocerker Schwanz genannt,
bei dem der aufwärts gekrümmte Theil der Wirbelsäule noch deutlich ist
(Fig. 650 u. 711). Als hemiheterocerker Schwanz (Fig. 644) wird eine
Form bezeichnet, die die Charaktere des homocerken Schwanzes bereits
zeigt, aber äusserlich noch etwas unsymmetrisch ist, indem besonders
die Beschuppung in der oberen Hälfte des Schwanzes weiter reicht als in
der unteren.
[Illustration: Fig. 650. Homocerke (innerlich heterocerke)
Schwanzflosse von Amia calva.]
[Illustration: Fig. 651. Homocerke Schwanzflosse von Salmo salar.
c = gegliederte Flossenstrahlen der Schwanzflosse, d = der
Rückenflosse; k = Wirbelkörper; ob = obere, ub = untere Dornfortsätze;
u = Urostyl.]
Sämmtliche paläozoische Fische haben diphycerken oder heterocerken
Schwanz; hemiheterocerke Schwanzformen treten erst in der Secundärzeit
auf; am spätesten erscheint die extrem homocerke Form. Die gleiche
Reihenfolge durchläuft die ontogenetische Entwicklung des homocerken
Schwanzes, der zuerst diphycerk ist, dann heterocerk und zum Schlusse
erst homocerk wird.
Schädel der Fische.
Der Schädel besteht bei den niederen Fischen (Chondropterygii) nur
aus dem knorpeligen Primordialcranium mit gleichfalls knorpeligen
Kiefer- und Kiemenbögen (Fig. 653 u. 645); durch Verknöcherung der
Knorpeltheile und Auftreten von zahlreichen Deckknochen, die zum
Theil mit Knorpelknochen verwachsen, entsteht allmählich (vgl. p.
522) ein rein knöcherner Schädel, der für die höchst stehenden Formen
charakteristisch ist. Sind Deckknochen vorhanden (Euichthyes), so
findet sich stets ein knöcherner Kiemendeckel (Fig. 644 k) sowie ein
Parasphenoid (Fig. 673 ps). Die äusseren Deckknochen sind bei den
älteren gepanzerten Formen häufig noch mit Schmelz bedeckt, den die
jüngeren Formen verlieren; auch sind die Deckknochen der ältesten
Formen oft sehr stark skulptirt. Der Schädel ist meist unbeweglich mit
der Wirbelsäule verbunden.
Hinter dem Zungenbeinbogen sind gewöhnlich 5 (3-7) Paar Kiemenbögen
entwickelt, die ebenso wie der Zungenbeinbogen mit Reihen von
Kiemenstrahlen besetzt sein können (Fig. 653 br u. k).
Fußnoten:
[D] Fische von auffallend hohem und dabei schmalem Körper haben stets
eine sehr lange, wenigstens die hintere Hälfte des Rückens einnehmende
Dorsalflosse und eine fast ebenso lange Analflosse.
* * * * *
Es lassen sich sechs Ordnungen unter den Fischen annehmen, welche zwei
natürliche Gruppen bilden:
A. Knorpelskelet, ohne Deckknochen; Schultergürtel nicht am Schädel
befestigt; primäres Skelet der paarigen Flossen stets mächtig
entwickelt (Fig. 645 u. 646 A); Zähne nur auf dem Unterkiefer und
dem Palatoquadratum. Nur Placoidschuppen entwickelt. Bauchflosse
des Männchens mit einem Begattungsapparat (Fig. 645 cop) endend.
1. Unterklasse Chondropterygii.
a. Palatoquadratum und Hyomandibulare selbständig (Fig. 653); Zähne
der Mundhöhle in zahlreichen regelmässigen Reihen; Kiemenspalten
unbedeckt.
1. Obere Wirbelbögen und Rippen wohl entwickelt; Rückenflosse
sehr lang mit zahlreichen stabförmigen Flossenträgern;
paarige Flossen mit vielgliedriger Hauptachse (Fig. 645).
1. Ordnung Proselachii (p. 541).
2. Obere Wirbelbögen und Rippen rückgebildet; Rückenflossen
kurz mit wenigen, dicht gedrängten und vielfach verwachsenen
Flossenträgern. Paarige Flossen mit wenigen grossen
Basalplatten (Fig. 646 A).
2. Ordnung Selachii (p. 543).
b. Palatoquadratum und Hyomandibulare verwachsen mit dem Cranium
(autostyl). Wenige, aber mächtige Zähne vorhanden (Fig. 668).
Kiemenspalten von einer Hautfalte bedeckt. Rückenflosse sehr
lang mit zahlreichen Flossenträgern; paarige Flossen mit wenigen
grossen Basalplatten.
3. Ordnung Holocephali (p. 550).
B. Schädel und Schultergürtel mit Deckknochen versehen. Schultergürtel
fast immer am Schädel befestigt. Meist Ganoid-, Cycloid- oder
Ctenoidschuppen. Obere Wirbelbögen und Rippen meist wohl entwickelt;
Rückenflosse mit stabförmigen Flossenträgern (Fig. 720).
Kiemenspalten von einem knöchernen Kiemendeckel (Fig. 644 k)
bedeckt. Kein Begattungsorgan an der Bauchflosse.
2. Unterklasse Euichthyes.
a. Brustflossen gepanzert, ohne Seitenstrahlen (oder fehlend). Kopf
und Vordertheil des Rumpfes gepanzert. Bauchflossen unbekannt
(Fig. 669).
? 4. Ordnung Placodermi (p. 551).
b. Brustflossen nicht gepanzert, mit Radien und Flossenstrahlen.
Bauchflossen fast immer wohl entwickelt.
α. Palatoquadratum und Hyomandibulare verwachsen mit dem
Cranium. Wenige grosse Zähne am Gaumen und Unterkiefer.
Paarige Flossen mit vielgliedriger Hauptachse (Fig. 673 u.
674).
5. Ordnung Dipnoi (p. 553).
β. Palatoquadratum und Hyomandibulare selbständig. Fast stets
sind gegliederte und fächerförmig getheilte knöcherne
Flossenstrahlen vorhanden (Fig. 644 u. 650).
6. Ordnung Teleostomi (p. 556).