Schnur, J. Die Brachiopoden der Eifel. (Palaeontographica Bd. III. 1854.)

Waagen, W. Salt Range fossils. I. Productus limestone fossils 4. (Memoirs of the

geolog. Survey of India. Palaeontologia Indica Ser. XIII. Calcutta 1882-1885.)

Die Brachiopoden sind ausschliesslich marine, in der Regel festsitzende

Thiere, die zwar niemals Colonien bilden, wie die Bryozoen, aber

gewöhnlich gesellig vorkommen. Das Thier wird von einer zweiklappigen,

kalkigen oder kalkig-hornigen Schale eingeschlossen, die sich nach

einer Mittelebene in zwei symmetrische Hälften theilen lässt (Fig. 192

s-s). Die beiden Klappen sind ungleich und werden nach ihrer Grösse

und Wölbung als grössere und kleinere, oder entsprechend ihrer Lage

zum Thier als Bauchklappe und Rückenklappe unterschieden. Man hat sich

aber gewöhnt, die Schale nicht in ihrer natürlichen Lage (liegend),

sondern aufrecht mit dem Vorderrande (Stirnrande) nach unten, dem

Hinterrande (Schlossrande) nach oben und gegen die kleinere (Rücken-)

Klappe, zu betrachten. Bei dieser Stellung wird derjenige Theil der

grösseren Klappe, welcher die kleinere überragt (Schnabel -- Fig. 192

a d f), sichtbar; die Symmetrieebene (Fig. 192 s-s) läuft von oben

nach unten durch die Mitte der beiden Klappen. Es ergeben sich dann

die Bezeichnungen: Länge = Ausdehnung von oben nach unten, Breite =

Ausdehnung von links nach rechts und Dicke = Ausdehnung von vorn nach

hinten. Der Unterrand der Schale (Vorderrand) heisst Stirnrand, der

Oberrand (Hinterrand), an welchem sich bei den schlosstragenden Formen

das Schloss befindet, Schlossrand, die seitlichen Ränder Seitenränder.

Beide Klappen stossen an einer Naht oder Commissur zusammen, deren

einzelne Theile in gleicher Weise bezeichnet werden (Stirnnaht,

Schlossnaht, Seitennähte).

[Illustration: Fig. 192. Eine Brachiopodenschale (Stringocephalus

Burtini) in der gewöhnlichen Stellung (gegen die kleinere Klappe

gesehen). Oben = hinten. Unten = vorn. Der über die vordere (kleinere)

Klappe hinausragende Schnabel der grösseren Klappe zeigt die Area (a),

das Schnabelloch (f) und das dasselbe umfassende Deltidium (d). s-s =

Symmetrielinie.]

Bei der Mehrzahl der Brachiopoden zeichnet sich die Bauchklappe vor der

Rückenklappe durch bedeutendere Grösse aus, indem der sog. Schnabel

der ersteren über den Schlossrand hinausragt (Fig. 192 a, d). Wenn

die vordere Fläche des Schnabels eben (oder concav) und durch die

sog. Schnabel- oder Arealkanten (Fig. 218 A k) von dem übrigen Theile

der Schale abgesetzt erscheint, spricht man von einer Area (Fig. 192

a). Zwischen Schnabelspitze und Schlossrand schaltet sich in der

Regel eine aus zwei Stücken bestehende dreieckige Kalkplatte ein, das

Deltidium (Fig. 192 d, d). Das Schnabelloch (Foramen -- Fig. 192 f)

wird entweder vom Deltidium umschlossen -- umfassendes Deltidium (Fig.

192), oder das Deltidium berührt das Schnabelloch nur von unten --

berührendes Deltidium (Fig. 219 B d), oder das Deltidium wird durch das

Schnabelloch in 2 getrennte Hälften getheilt -- getrenntes Deltidium

(Fig. 194 L d). Wenn die sonst vom Deltidium zum Theil geschlossene

Spalte (Deltidialspalte) von oben her durch eine einfache Kalkplatte

ganz oder theilweise verschlossen wird, so spricht man von einem

falschen oder Pseudodeltidium (Fig. 211 B ps). Area, Deltidialspalte

und Pseudodeltidium können auch in der kleinen Klappe auftreten. In

der Regel zeigen beide Klappen eine mehr oder weniger gleich starke

Wölbung. Zuweilen ist jedoch die kleinere Klappe flach oder gar

eingesenkt (Fig. 205 B), selten die grössere. Eine mittlere Einsenkung

einer Klappe wird als Sinus (Fig. 193 B s), eine entsprechende

Auftreibung in der anderen Klappe als Wulst (Fig. 193 A w) bezeichnet.

Falten nennt man wenig zahlreiche, symmetrisch zur Mittelebene

gestellte Depressionen einer Klappe und die entsprechenden Aufwölbungen

in der anderen Klappe (Fig. 217 K f’), während die zahlreichen,

feineren Fältelungen der Schale Rippen (Fig. 193 A, B) heissen.

[Illustration: Fig. 193. Rhynchonella cuboides Phill. Oberdevon.

Grund am Harz. A Schale von vorn, B von unten gesehen. Der mittleren

Einbuchtung (Sinus -- B s) der grösseren Klappe entspricht eine

Auftreibung (Wulst -- A w) in der kleineren. Die ganze Schale ist

gerippt.]

[Illustration: Fig. 194. Rhynchonella psittacea Lmk. Lebend. K

kleinere, L grössere Klappe von innen gesehen. Die zwei symmetrisch

gestellten Zähne der grösseren Klappe (z) greifen in entsprechende

Zahngruben in der Schlossplatte (p’) der kleinen Klappe ein. f =

Schnabelloch, d = Deltidium, durch das Schnabelloch getrennt, s =

Schliessmuskel-, di = Oeffnungsmuskeleindrücke der grösseren Klappe. m

= Mittelleiste, cr = Crura, s’ = Schliessmuskeleindrücke der kleineren

Klappe.]

Die beiden Klappen der Brachiopodenschale können vom Thiere mit Hülfe

von Muskeln von einander entfernt und fest geschlossen werden. Bei

den schlosslosen Formen -- Ordn. Ecardines -- sind die beiden Klappen

nicht durch eine Schalenangel, sondern nur durch Muskeln verbunden.

Das Oeffnen der Schale geschieht hier durch seitliche Verschiebung

der beiden Klappen gegen einander senkrecht zur Symmetrieebene mit

Hülfe von Oeffnungs- (Fig. 196 A s’) und Gleitmuskeln (Fig. 196 A d),

das Schliessen mit Hülfe von Schliessmuskeln (Fig. 196 A s). Bei den

schlosstragenden Formen -- Ordn. Testicardines -- ist der Oberrand der

beiden Klappen häufig verbreitert und verdickt. Auf dem Schlossrande

der grösseren Klappe erheben sich gewöhnlich 2, symmetrisch zur

Mittelebene gestellte, zahnartige Vorsprünge (Zähne -- Fig. 194 L

z), welche sich in 2 entsprechende Zahngruben der kleineren Klappe

(Fig. 194 K p’) fest einfügen und einen Vorsprung des Schlossrandes

der kleineren Klappe (Schlossfortsatz -- Fig. 198 SI) zwischen sich

nehmen, so dass eine seitliche Verschiebung der beiden Klappen

unmöglich gemacht ist. Das Oeffnen der Schale geschieht durch Klaffen

der beiden Klappen innerhalb der Symmetrieebene an der Stirn (vorn)

und an den Seiten, wobei die Zähne als Angeln wirken. Die zweiseitige

Symmetrie der Schale wird dabei nicht gestört. Die Zähne erhalten

nicht selten durch sog. Zahnplatten, senkrecht zur Schale gestellte,

vom Schlossrande nach den Wirbeln oder auch bis zur Schalenmitte

verlaufende Leisten oder Platten, eine grössere Festigkeit. Bei

starker Entwickelung der Zahnplatten (Fig. 216 B zp, C zp) können die

Zähne selbst ganz verschwinden. Die Zahngruben sind Aushöhlungen des

Schlossrandes der kleineren Klappe (Fig. 198 z’), nach unten (vorn)

zu oft durch quere, vorstehende Zahngrubenplättchen (Fig. 217 F sp)

begrenzt. Letztere können sich auch nach vorn zu Zahnplatten (Fig. 215

B zp’) verlängern.

Die inneren Merkmale der Schale werden durch Erläuterung der

Weichtheile des Thieres (Fig. 195) am besten verständlich. Das Innere

der Schale zerfällt in einen vorderen (in der Zeichnung unteren), vom

Mantel des Thieres (m) ausgekleideten, und einen hinteren (oberen)

von den Muskeln und Eingeweiden eingenommenen Theil. Im vorderen

befinden sich die 2 fleischigen, spiral aufgerollten, symmetrisch zur

Mittelebene gestellten Mundanhänge (Spiralarme -- sp), häufig durch ein

am Schlossrande der kleineren Klappe befestigtes, kalkiges Armgerüst

(ag) gestützt. Sie dienen zur Respiration und zur Herbeiführung der

Nahrung.

Die Muskeln zerfallen nach ihrer Thätigkeit in 3 Gruppen:

Schliessmuskeln (adductores), welche das Schliessen der Schale

besorgen, Oeffnungsmuskeln (Schlossmuskeln oder divaricatores), welche

das Oeffnen der Schale bewirken, und Stielmuskeln (adjustores), welche

zur Bewegung des selten fehlenden Haftorganes, des Stieles (Fig. 195

st’) dienen. Die Muskeln befestigen sich in Vertiefungen, selten auf

Erhöhungen der Innenfläche der Schale. Die Form und Stellung der

Eindrücke, welche sie daselbst hinterlassen, sind von systematischer

Wichtigkeit.

[Illustration: Fig. 195. Terebratula (Waldheinia) flavescens Val.

Lebend. Australien. Querschnitt der Schale parallel und etwas vor der

Mittelebene, um die Lage der Weichtheile zu zeigen. v = vorn; h =

hinten; s = grössere (Bauch-) Klappe; s’ = kleinere (Rücken-) Klappe;

m = Mantel, die vordere Schalenhöhlung auskleidend; sp = Spiralarme,

durch ein schleifenartiges Armgerüst (ag -- unschraffirt) gestützt; o =

Mund; x = Darm; ml = Mittelleiste in der kleinen Klappe (unschraffirt);

sf = Schlossfortsatz derselben; d, d’ = Oeffnungsmuskeln

(divaricatores); a = Schliessmuskeln (adductores); st = Stielmuskel;

st’ = Stiel, aus dem Schnabelloche der grösseren Klappe austretend.]

[Illustration: Fig. 196. A Lingula anatina Brug. Lebend.

Philippinen. Grössere Klappe von innen. st = Stiel; s = unpaarer

Oeffnungsmuskeleindruck; s’ = paarige Schliessmuskeleindrücke; d =

seitliche Gleitmuskeleindrücke; a = Stielmuskeleindrücke. B, C Schalen

fossiler Lingula-Arten, von aussen gesehen.]

Bei den mit Schloss versehenen Formen (Testicardines -- Fig. 195)

heften sich die 2 Paare von Oeffnungsmuskeln (d und d’) an einen

medianen Vorsprung des Schlossrandes der kleineren Klappe, den

Schlossfortsatz (Fig. 195 sf; Fig. 198 SI) und an die gegenüber

liegende Wand der grösseren Klappe an. Die Eindrücke des vorderen

(unteren), stärkeren Muskelpaares (d’) treten etwa in der Mitte der

grösseren Klappe als grosse, meist dreieckige und nach hinten (oben)

zugespitzte, gestreifte Felder hervor (Fig. 194 L di). Die ebenfalls

paarigen Schliessmuskeln (Fig. 195 a) hinterlassen im hinteren

(oberen) Theile der grösseren Klappe ein Paar in der Mittelebene

zusammenstossender (Fig. 194 L s), in der kleineren 2 über einander

liegende Paare kleinerer Eindrücke (Fig. 194 K s’). Die Eindrücke der

Stielmuskeln sind meist klein und schwierig zu erkennen. Das Haftorgan

selbst, der Stiel (Fig. 195 st’), tritt aus der Schnabelöffnung

(Foramen) (Fig. 192 f) hervor. Bei den frei lebenden oder mit der

Bauchklappe festgewachsenen Formen fehlt derselbe gänzlich.

Bei den schlosslosen Formen (Ecardines Fig. 196) treten ausser dem

unpaaren Eindruck des Oeffnungsmuskels (A s) und den paarigen,

medianen Eindrücken der Schliessmuskeln (s’) noch seitlich gestellte

Gleitmuskeleindrücke (d) auf. Der Stiel (sp) tritt in der Regel an der

Spitze der Schale zwischen beiden Klappen, seltener durch eine Oeffnung

in der Mitte der Bauchschale (Fig. 203 C o) hervor.

Die Gefässe des Mantels hinterlassen häufig auf der Innenfläche des

Mantels fingerförmig ausgebuchtete (Fig. 204 C g, D g) oder verzweigte

(Fig. 210 B gf, C gf; Fig. 217 J e) Eindrücke.

[Illustration: Fig. 197. Eine Brachiopode (Spirifer) mit

spiralgewundenem Armgerüst. Die Spiralkegel (sp) sind mit Hülfe der

Crura (cr) an den Schlossrand der kleineren Klappe befestigt. (Die

kleinere Klappe ist zum grössten Theile entfernt.)]

[Illustration: Fig. 198. Eine Brachiopode (Terebratella) mit

schleifenförmigem Armgerüst (a, a’), welches durch die Crura (cr) an

den Schlossrand der kleinen Klappe und durch Querbänder (q) an die

Mittelleiste derselben (s) befestigt ist. SI = Schlossfortsatz; z’ =

Zahngrube. (Die grössere Klappe ist entfernt.)]

Das Paar spiral gerollter, fleischiger Mundanhänge (Arme), welches

allen Brachiopoden eigen ist, erhält bei vielen Formen der

Testicardines durch ein kalkiges Gerüst eine grössere Festigkeit. Das

Armgerüst heftet sich stets an den Schlossrand der kleineren (Rücken-)

Klappe an (Fig. 195 ag). Im einfachsten Falle besteht dasselbe aus

2 kurzen, mehr oder minder gekrümmten Fortsätzen (Crura, Fig. 194 K

cr), die, symmetrisch zur Mittelebene angeordnet, nur wenig tief in

die Schale hinabreichen, oder aus 2 plattig verbreiterten, tiefer

hinabreichenden Kalkblättern (Cruralplatten -- Fig. 216 D cp). Bei

der ausgestorbenen Unterordnung der Spiriferacea verlängern sich die

Crura (Fig. 197 cr) jederseits in spirale Hohlkegel, deren Spitzen sich

entweder gegen die Seiten der Schale (Fig. 197 sp) oder gegen die Mitte

der kleineren Klappe zu richten (Fig. 213 B sp). Solche Spiralkegel

erfüllen den grössten Theil des Schaleninneren. Ein schleifenförmiges

Armgerüst findet sich besonders häufig bei den jüngeren Brachiopoden

(Terebratulidae) entwickelt. Die Schleife, an die Crura (Fig. 198

cr) sich anschliessend, ist kurz (Fig. 217 B, D, F) oder lang (Fig.

218 B), hängt frei in die Schalenhöhlung hinab (Fig. 214 B) oder ist

ausser durch die Crura noch durch Querbänder mit der kleinen Klappe

verbunden (Fig. 198 q) oder fast ganz an dieselbe angewachsen. Man

unterscheidet den absteigenden, der kleineren Klappe genäherten und

längeren Ast (Fig. 198 a) von dem aufsteigenden, von der kleineren

Klappe entfernteren und kürzeren (Fig. 198 a’). Eine kürzere oder

längere Mittelleiste (Medianseptum -- Fig. 198 s’), welche sich auf

der Innenseite der kleineren, zuweilen auch der grösseren Klappe vom

Schlossrande nach unten zieht, kann für manche Gattungen als ein

bezeichnendes Merkmal gelten. Bei denjenigen schlosstragenden Formen,

welchen ein eigentliches Armgerüst fehlt, hinterlassen die Spiralarme

häufig charakteristische Eindrücke auf der Innenseite beider Klappen,

so z. B. bei der Gattung Productus (Fig. 205 B-D). Die Innenseite der

kleineren Klappe zeigt ein Paar von Leisten umgebener, nierenförmiger

Eindrücke im vorderen (unteren) Theile (D n), und der Mittellinie mehr

genähert ein Paar Spiralhöcker (D sp). Zwischen letzteren und den

Spiralnäpfen der grösseren Klappe (C sp’) waren die spiral gewundenen

Enden der Arme eingeschlossen (B sp-sp’).

[Illustration: Fig. 199. Prismatische Schalenstructur von Rhynchonella

psittacea Lmk. 100/1. Die Prismen sind schräg gegen die Oberfläche

gerichtet.]

[Illustration: Fig. 200. Schalenstructur von Terebratula. a =

Oberfläche der Schale, punktirt erscheinend (durch die Oeffnung der

feinen Canäle). Schwach vergrössert. b = Querschnitt durch die Schale,

die nach aussen erweiterten Canäle zeigend. 100/1. c = Innenfläche der

Schale, die schräg gerichteten Prismen und die Oeffnungen der Canäle

zeigend. 100/1.]

Die Schale der meisten Brachiopoden besteht vorwiegend aus kohlensaurem

Kalk; bei den Ecardines überwiegt aber phosphorsaurer Kalk, mit

hornigen (Chitin-) Lagen abwechselnd, über den kohlensauren. Die zum

Theil hornigen Schalen sind an ihrem starken Firnissglanze leicht

kenntlich (Lingula, Discina p. 204, 206). Die kalkigen Schalen der

Testicardines besitzen eine sehr bezeichnende Microstructur. Es besteht

nämlich die Schale (und auch die inneren Armgerüste, Mittelleisten

etc.) aus zahlreichen feinen, schräg gegen die Oberfläche gerichteten

Kalkprismen (Fig. 199), schon mit der Lupe als solche erkennbar. Bei

fossilen, etwas angewitterten Stücken fasert die Schale leicht auf

und die Ablösungsflächen zeigen einen bezeichnenden Seidenglanz. Ist

die Prismenschicht frei von senkrecht zur Oberfläche orientirten

Canälen (Fig. 199), so heisst die Schalenstructur faserig, treten

letztere hinzu (Fig. 200 a-c), so erscheint die Schale weniger

deutlich faserig, vielmehr punktirt. Die Canäle erweitern sich meist

gegen aussen (Fig. 200 b). Die inneren Gerüstbildungen (Armgerüst,

Schlossfortsatz, Mittelleiste, Zähne, Zahnplatten etc.) werden aber

nie von Canälen durchzogen. Der Schalenstructur kommt eine nicht

geringe classificatorische Bedeutung zu, da in gewissen Familien (z.

B. Rhynchonellidae) fast ausschliesslich faserige, in anderen (z. B.

Terebratulidae) nur punktirte Schalen vorkommen.

Die lebenden Brachiopoden finden sich ausschliesslich im Meere, wo sie

gesellig leben und sich an dem steinigen Boden oder anderen festen

Gegenständen (Korallen, Muschelschalen) anheften. Man kennt über 100

lebende Arten, von denen die Hälfte in einer Tiefe von weniger als 100

Faden angetroffen wird. In Tiefen von über 500 Faden kommen nur noch

ganz wenige Arten fort, die aber zum Theil bis zu Tiefen von 2900 Faden

hinabreichen.

Als classificatorische Merkmale muss die Paläontologie vor Allem

die Art und Weise der Schalenverbindung und die Form der Armgerüste

verwerthen. Auch die Schalenstructur wird mit Vortheil benutzt. Häufig

muss man die Schalen anschleifen, um die inneren Merkmale sichtbar zu

machen.

Uebersicht der Familien.

A. Ecardines (Schlosslose Formen). Die beiden Klappen ohne

Schlossverbindung, nur durch Muskeln gegen einander verschiebbar.

Schale meist theilweise hornig (Fig. 201-204).

a. Schale aus Horn- und Kalksubstanz bestehend, glänzend.

1. Schale fast gleichklappig, verlängert-zungenförmig, ohne

Stielöffnung (Fig. 201) 1. Fam. Lingulidae.

2. Schale ungleichklappig, gerundet, oft mit Stielöffnung.

α. Schale meist dick, vorwiegend kalkig, ohne auffallende

Stielöffnung (Fig. 202) 2. Fam. Obolidae.

β. Schale dünn, hornig. Untere Klappe mit schlitzförmiger

Stielöffnung, kleiner als die Rückenklappe (Fig. 203)

3. Fam. Discinidae.

b. Schale kalkig, matt; rundlich oder vierseitig. Untere Klappe meist

aufgewachsen. Obere Klappe napfförmig, radial gerippt, grösser als

die Bauchklappe (Fig. 204) 4. Fam. Craniadae.

B. Testicardines. Die beiden Klappen durch ein Schloss mit einander

verbunden. Schlossfortsatz und kalkiges Armgerüst meist vorhanden

(Fig. 205-220). Schale rein kalkig.

a. Ein kalkiges Armgerüst fehlt. Schlossfortsatz entwickelt.

Schlosslinie stets gerade. Kleinere Klappe meist flach oder

eingesenkt (Fig. 205-210) I. Unterordn. Productacea.

1. Schale in der Regel mit hohlen Stacheln besetzt. Kleinere Klappe

stets flach oder eingesenkt. Grössere Klappe meist ohne

Schlosszähne (Fig. 205-207) 5. Fam. Productidae.

2. Schale ohne Stacheln. Kleinere Klappe gewölbt, flach oder

eingesenkt. Grössere Klappe mit 2 starken Schlosszähnen (Fig.

208-210) 6. Fam. Orthidae.

b. Ein kalkiges Armgerüst vorhanden. Schlosslinie gerade oder gebogen.

In der Regel beide Klappen gewölbt.

1. Das Armgerüst bildet 2 hohle Spiralkegel (Fig. 211-213)

II. Unterordn. Spiriferacea.

α. Die Spitzen der Spiralkegel gegen die Seiten der Schale

gerichtet (Fig. 211, 212) 7. Fam. Spiriferidae.

β. Die Spitzen der Spiralkegel gegen die Mitte der kleineren

Klappe gerichtet (Fig. 213) 8. Fam. Atrypidae.

2. Armgerüst nicht spiral aufgerollt, 2 Hörner (oder Platten) oder

eine Schleife bildend (Fig. 214-220)

III. Unterordn. Terebratulacea.

α. Armgerüst aus 2 hakenförmigen Fortsätzen oder 2 Platten

bestehend. Schnabel spitz, gekrümmt. Schale fast stets faserig

(Fig. 214-216) 9. Fam. Rhynchonellidae.

β. Armgerüst eine Schleife bildend. Schale fast immer punktirt.

Schnabel meist abgestutzt.

* Schale punktirt. Schnabel abgestutzt, durchbohrt (Fig.

217-219) 10. Fam. Terebratulidae.

** Schale faserig. Schnabel spitz; Schnabelloch unterhalb der

Spitze (Fig. 220) 11. Fam. Stringocephalidae.

*** Schale punktirt. Schnabel undurchbohrt

12. Fam. Thecideidae.

Elemente der Paläontologie · 第 113 / 606 题