Die Graptolithen sind eine fast ganz auf die Silurformation
beschränkte, durch eine Chitinhülle ausgezeichnete Gruppe der
Hydroidea, welche die meiste Verwandtschaft mit den Calyptoblastea (p.
75) zeigt. Von den lebenden Plumulariden und Sertulariden unterscheiden
sie sich durch das Fehlen einer Wurzel oder Anwachsstelle und durch den
Besitz einer stabförmigen Achse.
Die Chitinhülle (oder Hydrosom) der Graptolithen besteht aus einer
geraden oder gebogenen, einfachen oder verästelten, soliden (vielleicht
auch hohlen) Achse und einem ungetheilten, cylindrischen Canale,
welcher die Achse begleitet, und an dessen einer Seite sich zahlreiche,
etwas schief gegen die Achse gerichtete, rechteckige, sackförmige
Zellen befinden, die mit dem Canal in ihrer ganzen Weite frei
communiciren. Meist berühren sich die Zellen so nahe, dass das Hydrosom
sägeförmig ausgeschnitten erscheint (Fig. 74 A, B, D-F), seltener
werden sie durch weitere Zwischenräume getrennt (Fig. 74 C). Zuweilen
verengt sich der äusserste Theil der Zelle und biegt sich um, oder
trägt auch Stacheln. Die meisten Graptolithen besitzen nur auf einer
Seite der Achse Zellen (= Monoprionidae, Fig. 74 A-E), solche mit zwei
Reihen von Zellen sind als zwei einzeilige aufzufassen, die mit ihrer
Rückseite an einander gewachsen sind und eine gemeinsame Achse besitzen
(= Diprionidae, Fig. 74 F, G). Der untere Theil der Achse ist zuweilen
frei von Zellen und heisst dann Stiel (Fig. 74 D). Das Embryonalende
des Hydrosoms ist meist von dolchförmiger Gestalt (sicula, Fig. 74 E).
In dem gemeinsamen Canale befand sich wahrscheinlich das Cönosark, in
den Zellen die Einzelthiere, analog wie bei den Calyptoblastea. Auch
Geschlechtszellen in der Form ovaler oder dreieckiger Anhänge sind
bekannt geworden.
Die zierlichen Skelete der Graptolithen finden sich in grossen Mengen
auf Schichtflächen der cambrischen und silurischen Formation. Das
Chitinskelet ist meist in Kohle (oder Guembelit oder Pyrit) umgewandelt
und flachgedrückt. Die
Graptoloidea Lapw.
besitzen eine sicula und für jede Zellenreihe einen eigenen Canal.