VORWORT.

Die »Elemente der Paläontologie« waren ursprünglich als eine kurze

Zusammenfassung des Wissenswerthesten aus dem Gesammtgebiete

der Versteinerungskunde unter besonderer Berücksichtigung der

stratigraphisch wichtigen Formen geplant und sollten dem Umfange

nach ein Gegenstück zu Credner’s Elementen der Geologie bilden.

Das inzwischen erfolgte Erscheinen zweier kürzerer Lehrbücher der

Phytopaläontologie liess aber eine vorläufige Ausschaltung der Pflanzen

zweckmässig erscheinen. So konnte der verfügbare Raum für eine weitere

Ausgestaltung solcher Abtheilungen des Thierreiches verwerthet werden,

welche in Folge relativ vollständiger Überlieferung ihrer Reste eine

einheitliche, d. h. genetische Behandlung gestatten.

Das Buch bezweckt, dem Studenten aus der überwältigenden Masse des

vorhandenen Stoffes das Wichtigste und Brauchbarste in möglichst klarer

und prägnanter Form an der Hand guter Abbildungen vorzuführen. Dabei

mussten manche, wenn auch umfangreiche Abtheilungen, wie die Insekten

u. a., kurz behandelt und gewisse isolirte, zur Zeit noch unvollkommen

gekannte Gruppen, wie die Archaeocyathidae, Receptaculitidae, ganz

fortgelassen werden.

Bei den ~Wirbellosen~ wurden stammesgeschichtliche Auseinandersetzungen

nur dort eingefügt, wo das vorhandene Material direct dazu aufforderte.

Es gilt das in erster Linie von den Cephalopoden, für welche eine

grössere Anzahl von Vorarbeiten bereits vorlag. Hier führte aber

eine einheitliche Bearbeitung des Stoffes zu Ergebnissen bezüglich

des Zusammenhanges zwischen fossilen, schalentragenden und lebenden,

schalenlosen Formen, welche folgerichtiger Weise auch eine ähnliche

Behandlung der anderen Molluskenklassen erheischt hätten. Leider konnte

dieses nicht mehr geschehen, da der Druck der betreffenden Bogen

bereits vollendet war.

Bei den ~Wirbelthieren~, besonders bei den Säugethieren, konnten

die phylogenetischen Beziehungen vielfach stark in den Vordergrund

gerückt werden. Es liegt dies in der Natur des Stoffes, da bei ihrem

immerhin recht seltenen Vorkommen Säugerreste z. B. als Leitfossilien

einen sehr viel untergeordneteren Rang einnehmen wie etwa Mollusken,

während andererseits, bei der unendlichen Modulationsfähigkeit von

Gebiss und Skelet, fossile Säuger ein ungemein dankbares Material sind

für phylogenetische Betrachtungen. Eine besondere Berücksichtigung

wurde aus diesem Grunde auch den nordamerikanischen Formen zu Theil,

welche aus der deutschen Litteratur kennen zu lernen bisher nur

sehr wenig Gelegenheit geboten war. Und doch verdienen gerade diese

ein ganz besonderes Interesse, nicht nur wegen ihrer erstaunlichen

Mannigfaltigkeit und ihrer oft höchst seltsamen Gestaltung, sondern

vor allem, weil es das klassische Material ist, auf Grund dessen zum

ersten Male mit wahrhaft grossartigem Erfolge der Versuch gemacht

werden konnte, die Stammesgeschichte für eine grosse Reihe von

Säugethiergruppen zu schreiben und bis in das älteste Eocän, ja sogar

bis zu den Reptilien zurückzuverfolgen. Bleiben auch heute noch sehr

grosse Lücken in dieser Beziehung auszufüllen, so ist doch eine sichere

Basis für weitere Untersuchungen gewonnen, besonders seit durch E.

D. Cope’s bahnbrechende Arbeiten eine einheitliche Auffassung des

Säugethiergebisses ermöglicht wurde.

Für gefällige Mittheilungen und Berichtigungen, bez. Ueberlassung von

Material sind wir zahlreichen Fachgenossen zu Danke verpflichtet,

insbesondere den Herren A. Andreae, E. W. Benecke, G. Böhm, H. Credner,

W. Deecke, A. Goette, E. Haug, O. Jaeckel, W. Kilian, A. Ortmann, A.

Ulrich, W. Waagen.

Herr L. v. Sutner in München überliess uns bereitwilligst seine

systematischen Zusammenstellungen der Ammoniten, welche mit nur

untergeordneten Änderungen und den nöthigen Kürzungen verwerthet

wurden. Ein hervorragendes Verdienst hat sich Herr E. W. Benecke um das

Zustandekommen des Buches erworben, indem uns derselbe die Hilfsmittel

des Strassburger Instituts sowie seine eigenen in zuvorkommendster

Weise zur Verfügung stellte und uns jederzeit bereitwilligst mit seinem

Rathe unterstützte.

Allen genannten Herren, der Verlagsbuchhandlung und dem Herrn

Universitätszeichner Herrn K. Scharfenberger in Strassburg i. E.,

welcher mit rühmenswerther Hingebung und mit grossem Verständnis sich

der Ausführung der Zeichnungen widmete, unsern aufrichtigsten Dank!

Freiburg i. B. und Strassburg i. E., im November 1889.

G. Steinmann. L. Döderlein.

Elemente der Paläontologie · 第 14 / 606 题