26. _Vad_, der Ized des Windes, giebt Kraft und Mut.

27. _Venant_, Ized des Rigel[165], schützt im Mittage und giebt Kraft und

Gesundheit.

28. _Zemiad_ giebt ewigen Thron, thut alles Gute, wenn sie gepflegt wird,

und ist ein weiblicher Ized.[166]

So viel über die himmlische Welt.

Die sichtbare Welt, Himmel und Erde, schuf Ahuramazdâ in sechs

Reihenfolgen, und die Amschaspands waren dabei thätig.

Zuerst schuf Ahuramazdâ das _Licht_ zwischen Himmel und Erde, die Fixsterne

und Planeten.

Alsdann schuf er das _Wasser_, welches die ganze Erde bedeckte, in die

Tiefen der Erde stieg und durch den himmlischen Wind, der es durchdrang wie

der Geist den Leib, in die Höhen getrieben wurde, damit sich Wolken

bildeten. Darauf schloß Ahuramazdâ dieses Wasser ein und gab ihm die Erde

zur Grenze.

Hierauf ward die _Erde_, bei deren Schöpfung -- wie auch bei der des

Wassers -- Angrômainyus mit thätig war, denn diese Elemente besitzen einen

Teil Finsternis, und alle Finsternis kommt von Angrômainyus. Albordj[167]

wurde zuerst geboren, darauf die übrigen Gebirge. Albordj ist der Erde

Kern, Wurzel, Herz und Nabel.

Ferner wurden die _Bäume_ aller Art geschaffen. Im Anfang ließ Ahuramazdâ

einen Baum erstehen, aber der war dürr. Aber der Amschaspand Amerdad,

welchem Ahuramazdâ die Bäume anvertraut hat, setzte den Keim dieses Baumes,

als Taschter über die ganze Erde Regen ausgoß, in Taschters Wasser. Darauf

wuchsen Bäume aus der Erde wie Haare auf des Menschen Haupt.

Zum Fünften wurden die _Tiere_ geschaffen. Zuerst wurde der _Stier_

gebildet. Dieser starb, und aus seinem Schweif gingen fünfzig Heilpflanzen

hervor, die sich auf Erden mehrten. Die Izeds brachten den Samen dieses

Stieres in den Mondhimmel, durch dessen Licht er gereinigt wurde, so daß

Ahuramazdâ einen neuen, schönen Körper daraus bildete, den er belebte.

Hieraus wurde ein neues Paar erzeugt, welches Vater und Mutter aller

Tiergeschlechter wurde, die auf Erden sind, der Vögel in den Wolken und der

Fische im Wasser.

Am Ende wurde der _Mensch_ geschaffen, dessen Keim ebenfalls dem Urstier,

dem Vorbild aller lebenden und sich bewegenden Geschöpfe entstammt. Der

Urvater der Menschheit war _Kaiomorts_.[168] Er war lichtglänzend mit zum

Himmel schauenden Augen, rein durch seinen Feruer und lebte noch dreißig

Jahre nach dem Tode des Urstiers. Als er starb, weissagte er den künftigen

Triumph des Menschengeschlechts über Angrômainyus. Bei seinem Tod ließ er

seinen Samen zurück, den die Sonne reinigen, und von welchen Neriosengh

zwei Teile und Sapandomad den dritten aufbewahren mußte. Aus diesem Samen

erwuchs der Baum Reivas aus der Erde, welcher ein Zwitter[169] war,

anzusehen, wie zwei, die aufs Innigste vereinigt sind. Ahuramazdâ bildete

diesen Baum zum Doppelmenschen um, worauf er anstatt Früchte zehn

Menschenpaare trug. Das erste Paar war _Meschia_ und _Meschiane_, die

Stammeltern des Menschengeschlechts. Sie waren anfangs rein und unschuldig,

und der Himmel sollte ihnen werden, wenn sie rein wären in Gedanken, rein

und demütig im Herzen, rein in ihren Thaten. Anfangs waren sie das und

erkannten Ahuramazdâ als den einzigen Schöpfer aller Dinge und beteten auch

keine Dews an. Sie lebten aber schon in dem Jahrtausend, da Angrômainyus

Gewalt hatte, Böses unter das Gute zu mischen, und so wurde zuerst das Weib

Meschiane und darauf Meschia von Angrômainyus, der sich der Gedanken und

Begierden ihres Herzens bemächtigt hatte, verführt, und beide wurden

Darvands (Sünder). Jedoch vermehrte sich ihr Geschlecht durch immer neue

Zeugungen.

Als Ahuramazdâ seine Schöpfung vollendet hatte, feierte er ihr zu Ehren die

himmlischen Gahanbars.[170]

Von der Lichtwelt Ahuramazdâs wenden wir uns zur finstern Welt des

Angrômainyus.

Angrômainyus, der grundarge Feind Ahuramazdâs und alles Guten, gedachte,

sobald er nur könne, eine Reihe von Wesen zu schaffen, die ihm ähnlich

sind, Feinde Ahuramazdâs und aller reinen und guten Geschöpfe wie er, und

die wie Angrômainyus aus dem innern Quell der Bosheit und Feindschaft an

Zerrüttung der Welt Ahuramazdâs arbeiten. Wie auf Erden Tier gegen Tier

ist, so ist im Reiche der unsichtbaren Wesen Geist gegen Geist. Die ersten

sieben Dews sind das im Reiche der Finsternis, was die Amschaspands im

Reiche des Lichts sind. Jeder hat seinen besondern Namen und einen

besondern Widersacher unter den Amschaspands, mit dem er zunächst zu

kämpfen hat. Die sieben _Erzdews_[171] sind an die sieben Planeten

gekettet. Sie kommen von Norden, sind männlichen und weiblichen

Geschlechts, und alle Übel kommen von ihnen. Jeder ist eine besondere

Quelle eines besonderen Übels; andere Dews wiederum sind deren Gehilfen,

gerade so wie die Amschaspands ihre Gehilfen (Hamkars) an den Izeds, und

diese wieder an den geringeren Izeds besitzen. Sie erscheinen unter

allerlei Gestalten auf der Erde, als Schlange, Mensch, Wolf, Fliege &c.

Am Ende der Welt und Zeit sollen alle Dews bis auf Angrômainyus ausgerottet

werden.

Ihre Zahl ist -- wie die der guten Geister -- über zehntausendmal

zehntausend.

Folgende sind die wichtigsten:

1. _Akuman_, welcher unter allen Dews zuerst von Angrômainyus geschaffen

wurde. Er ist der Widersacher Bahmans, in seinen Gedanken ganz Gift und der

häßlichste der Dews. Er plagt vorzüglich die gut und edel lebenden

Menschen.

Der Occultismus des Altertums · 第 71 / 155 题