27. _Venant_, Ized des Rigel[165], schützt im Mittage und giebt Kraft und
Gesundheit.
28. _Zemiad_ giebt ewigen Thron, thut alles Gute, wenn sie gepflegt wird,
und ist ein weiblicher Ized.[166]
So viel über die himmlische Welt.
Die sichtbare Welt, Himmel und Erde, schuf Ahuramazdâ in sechs
Reihenfolgen, und die Amschaspands waren dabei thätig.
Zuerst schuf Ahuramazdâ das _Licht_ zwischen Himmel und Erde, die Fixsterne
und Planeten.
Alsdann schuf er das _Wasser_, welches die ganze Erde bedeckte, in die
Tiefen der Erde stieg und durch den himmlischen Wind, der es durchdrang wie
der Geist den Leib, in die Höhen getrieben wurde, damit sich Wolken
bildeten. Darauf schloß Ahuramazdâ dieses Wasser ein und gab ihm die Erde
zur Grenze.
Hierauf ward die _Erde_, bei deren Schöpfung -- wie auch bei der des
Wassers -- Angrômainyus mit thätig war, denn diese Elemente besitzen einen
Teil Finsternis, und alle Finsternis kommt von Angrômainyus. Albordj[167]
wurde zuerst geboren, darauf die übrigen Gebirge. Albordj ist der Erde
Kern, Wurzel, Herz und Nabel.
Ferner wurden die _Bäume_ aller Art geschaffen. Im Anfang ließ Ahuramazdâ
einen Baum erstehen, aber der war dürr. Aber der Amschaspand Amerdad,
welchem Ahuramazdâ die Bäume anvertraut hat, setzte den Keim dieses Baumes,
als Taschter über die ganze Erde Regen ausgoß, in Taschters Wasser. Darauf
wuchsen Bäume aus der Erde wie Haare auf des Menschen Haupt.
Zum Fünften wurden die _Tiere_ geschaffen. Zuerst wurde der _Stier_
gebildet. Dieser starb, und aus seinem Schweif gingen fünfzig Heilpflanzen
hervor, die sich auf Erden mehrten. Die Izeds brachten den Samen dieses
Stieres in den Mondhimmel, durch dessen Licht er gereinigt wurde, so daß
Ahuramazdâ einen neuen, schönen Körper daraus bildete, den er belebte.
Hieraus wurde ein neues Paar erzeugt, welches Vater und Mutter aller
Tiergeschlechter wurde, die auf Erden sind, der Vögel in den Wolken und der
Fische im Wasser.
Am Ende wurde der _Mensch_ geschaffen, dessen Keim ebenfalls dem Urstier,
dem Vorbild aller lebenden und sich bewegenden Geschöpfe entstammt. Der
Urvater der Menschheit war _Kaiomorts_.[168] Er war lichtglänzend mit zum
Himmel schauenden Augen, rein durch seinen Feruer und lebte noch dreißig
Jahre nach dem Tode des Urstiers. Als er starb, weissagte er den künftigen
Triumph des Menschengeschlechts über Angrômainyus. Bei seinem Tod ließ er
seinen Samen zurück, den die Sonne reinigen, und von welchen Neriosengh
zwei Teile und Sapandomad den dritten aufbewahren mußte. Aus diesem Samen
erwuchs der Baum Reivas aus der Erde, welcher ein Zwitter[169] war,
anzusehen, wie zwei, die aufs Innigste vereinigt sind. Ahuramazdâ bildete
diesen Baum zum Doppelmenschen um, worauf er anstatt Früchte zehn
Menschenpaare trug. Das erste Paar war _Meschia_ und _Meschiane_, die
Stammeltern des Menschengeschlechts. Sie waren anfangs rein und unschuldig,
und der Himmel sollte ihnen werden, wenn sie rein wären in Gedanken, rein
und demütig im Herzen, rein in ihren Thaten. Anfangs waren sie das und
erkannten Ahuramazdâ als den einzigen Schöpfer aller Dinge und beteten auch
keine Dews an. Sie lebten aber schon in dem Jahrtausend, da Angrômainyus
Gewalt hatte, Böses unter das Gute zu mischen, und so wurde zuerst das Weib
Meschiane und darauf Meschia von Angrômainyus, der sich der Gedanken und
Begierden ihres Herzens bemächtigt hatte, verführt, und beide wurden
Darvands (Sünder). Jedoch vermehrte sich ihr Geschlecht durch immer neue
Zeugungen.
Als Ahuramazdâ seine Schöpfung vollendet hatte, feierte er ihr zu Ehren die
himmlischen Gahanbars.[170]
Von der Lichtwelt Ahuramazdâs wenden wir uns zur finstern Welt des
Angrômainyus.
Angrômainyus, der grundarge Feind Ahuramazdâs und alles Guten, gedachte,
sobald er nur könne, eine Reihe von Wesen zu schaffen, die ihm ähnlich
sind, Feinde Ahuramazdâs und aller reinen und guten Geschöpfe wie er, und
die wie Angrômainyus aus dem innern Quell der Bosheit und Feindschaft an
Zerrüttung der Welt Ahuramazdâs arbeiten. Wie auf Erden Tier gegen Tier
ist, so ist im Reiche der unsichtbaren Wesen Geist gegen Geist. Die ersten
sieben Dews sind das im Reiche der Finsternis, was die Amschaspands im
Reiche des Lichts sind. Jeder hat seinen besondern Namen und einen
besondern Widersacher unter den Amschaspands, mit dem er zunächst zu
kämpfen hat. Die sieben _Erzdews_[171] sind an die sieben Planeten
gekettet. Sie kommen von Norden, sind männlichen und weiblichen
Geschlechts, und alle Übel kommen von ihnen. Jeder ist eine besondere
Quelle eines besonderen Übels; andere Dews wiederum sind deren Gehilfen,
gerade so wie die Amschaspands ihre Gehilfen (Hamkars) an den Izeds, und
diese wieder an den geringeren Izeds besitzen. Sie erscheinen unter
allerlei Gestalten auf der Erde, als Schlange, Mensch, Wolf, Fliege &c.
Am Ende der Welt und Zeit sollen alle Dews bis auf Angrômainyus ausgerottet
werden.
Ihre Zahl ist -- wie die der guten Geister -- über zehntausendmal
zehntausend.
Folgende sind die wichtigsten:
1. _Akuman_, welcher unter allen Dews zuerst von Angrômainyus geschaffen
wurde. Er ist der Widersacher Bahmans, in seinen Gedanken ganz Gift und der
häßlichste der Dews. Er plagt vorzüglich die gut und edel lebenden
Menschen.