+Loburg.+ E. +Wernicke+.
Hechlinger Rechtsalterthum.
Das nachfolgende Schriftstück ist mir von Herrn +Pfarrer Bauer+ in
Hechlingen mitgetheilt und, wie derselbe nach der Hand urtheilt,
von einem Pfarrer Braun zu Hechlingen zwischen 1620-31 geschrieben.
Das Einzelblatt ist in Fasc. 1^{b}, Fach Nr. 8 der Hechlinger
Pfarrregistratur eingeheftet, die Schrift mehr in Folge des
ursprünglich schlechten Schreibmaterials als durch äußere Einflüsse an
einigen Stellen unleserlich geworden.
Auß einem alten monumento so ich von Ahaußen (_Auhausen_) bekommen,
sequentia desumpta.
1) Zu Hechling ist alte Ehehaft der Markgrefischen Brandenburgischen
Herrschaft zu Feld und zu Dorf, Frevel und Einnung, klein und groß,
Holzeinung, wie sie die von Hohentruding[314] setzen, hoch oder nider;
vnd ein Holzwart soll den Grafen von Oting vnterthan sein, vnd soll der
Herrschaft zu Hohentruding geloben vnd schweren, wie sich denn geburt,
vnd waz er ruget im Holz.... in der...[315] anzeigen[316]; vnd sind
(_nämlich die Strafen_) der Herrschaft Brandenburg vnd der Grafen nicht.
2) Item Brandenburg vnd Oting hatt jeder ein Nider gericht (_oder
gerecht_),.....[317] vmb nichten zu rechten haben denn[318] wenn eins
den andern vmb Schuld beklagt, vnd sonst vmb nichten. Waz ander sachen
furfallen mochten sollen vor dem Markgrefischen Gericht gerechtfertigt
werden, es sei vmb frevel oder Einnung vnd vmb ander vnrecht: das
hat ein Herschaft zu Hohentruding zu straffen, vnd die Grafen nicht:
denn waz uff der Grafen Guetern (hie ist ein verkehrt verdunkelt Wort
gestanden, so ich nicht lesen oder aussinnen können) (_etwa freveler_)
handlungen durch ihre Leut geschicht mogen sie straffen.
3) Item, es mag ein Vogt von Hohentruding einigen uff waz Herren
Gutern die sein, die feilschaft oder feile sachen haben uff ziehen, die
Leineweber, welcher unrecht erfunden wurd, vnd die Grafen nicht.
4) Hechling ist ein frey dorff gewest. Hatt aber die Herschaft
Brandenburg einen Armen Man gehabt, der inß Holz gefahren und in der
Markung Holz gehauen. Do haben sich die von Hechling unterstanden den
markgrefischen Man zu tod zu schlagen.
Darauff Brandenburg von ihnen begert so schwer golt als der Mann
gewest. Hechling aber hatt sich Brandenburg dahin bewilliget der Frevel
Einung zu Feld und zu Dorff, innerhalb vnd auserhalb der Ettern[319] in
ewige unwidersprechliche Zeit volgen zu lassen, ohne aller menniglicher
Fürsten und Hern widersprechen.
5) Item es mag ein Vogt die Mühl besichtigen und soll nehmen einen
Heller strik und ein Knopf dran machen und ziehen zwischen dem stein
und der Zargen im Lauff, damit die Richtmaß erfunden werde und gemacht.
Und welche unrecht erfunden hatt die Herschaft Brandenburg zu straffen
und anderst keine, sei wer sie woll.
6) Item, wenn einer ein Messer zeucht, ist verfallen der Herschaft 30 ₰
-- wenn einer den andern wund schlegt, (_ist_) der Herrschaft verfallen
72 ₰ -- und den (_dem_, _den_) er verwundet auch alß vil.
Item wenn einer den andern beklagt rechtlich, und nicht erscheint,
ist das erste Recht verfallen der Herschaft 25 ₰, das andere Recht 1
[Pfund], das dritte Recht 2 [Pfund], das vierte Recht soll ihm das
Endrecht verkundet sein. Bleibt er auß, so hat klager ein gewunnen
Recht laut seiner zugelegten Klag.
+G. Baist.+
Sprüche aus Stammbüchern des 16. und 17. Jahrh.
Wer im Lentzen spatzieren geht,
Vnnd in dem Sommer Fische feht,
Auch in dem Herbst nach Vogeln dut Stelln,
Hatt Verderbt manchen guten gselln.
Ein Hauß dir bawe vor alle Ding,
Darnach ein ehelich Weib Drein nimb,
Zum dritten, Ochsen, schaff vnnd Vieh (Viech),
So wirstu voll ernehren dich. (Nürnberg, 1592.)
Trag Geddult vnnd Leid
Got wendt all Ding zu seiner Zeit.
O Mensch hab acht,
Die Stund Betracht,
Daran der thodt,
Bricht ein mit noth,
zu keiner frist
Du sicher Bist. (Augsburg, 1593.)
Welcher Ein Apfel Schält vnd den nitt Ist,
Ein Junckhfraw Herczt vnd sie nit Kist,
Hatt wein vnd Schenckht nit Ein,
Das mag Ein fauler Schelm sein.
Alle Zeitt frölich
Ist Vnnmüglich. (Augsburg, 16. Jahrh.)
Wer teglich lieget inn Lueder
vnnd aus der Schißl firt gros fueder,
Der weiss for fyll nicht, was er thut,
wie kan sein sach dan bleiben guet?
Der Mensch mus haben seine freüt,
drum soll er sich Iben alzeit
Erleicher Kurtzweil, doch das nicht aus
Er mach alltag ein handtwerckh draus,
Vnd als mit mas geschehen soll,
Sonsts seine sach nicht stehen woll. (17. Jahrh.)
Welchem nach herschafft ist sehr gach,
Vnnd im die Knecht lest thretten nach
Vnnd thut ein guet gewant außschneiden,
Der mus zuletzt selb Armut leidenn.
O Mensch schaughe mißig vnd flich
Der gsellen, so Junckher heissen dich,
Dann sie nur solches thun darumen,
Kleider vnnd Cost von dir bekhummen
Vnd wan du nicht mehr kanst hottenn[320]
Gehn sie dauon thun deiner spotten. (17. Jahrh.)
Ein fromm fraw mit frölichem mut,
Vnnd die ir Hauß hat wol inn Hut,
Vnnd die Gott Liebt vnnd iren mann,
Die tregt wol auff der Ehren kron.
Wenn man ein einfeltigen betreügt
vnnd wenn man auf ein fromes Leügt
Feindschafft zwischen Eeleuten macht,
Dieser Arbeit der Teuffel Lacht (17. Jahrh.)
Frisch vnd frey,
Keinn Heller dabey,
Ehrlich frisch vnd from
Ist mein Reichthumb.
Drey ding mehr dann gifft schädtlich seindtt
Böser Gesell arg Weib vnd falscher freundt. (Leipzig, 1612.)
In der Kirchen andechtigk
In der schulen fleissigk
Zu Hoffe Prechtigk
In sachen Richtigk
Bey herren fürsichtigk
Am tische fröligk
Im Ratte freundligk
Bey Jungfrawen liebligk
Wehr diese stücke alle helt
Gott vndt Menschen wolgefelt. (Königsberg, 1612.),
Ein Schweinen Braten kalt
Ein Jungfrau 18 Jahr alt
Wer diese Speis nicht mag
Den Hohl S. Veltin vff den Newen Jahrstag. (1627.)
Lieblichenn Geruch, schmack, Wärme, vndt schein,
Soll haben ein außerwehlter Wein.
Ohn schöne frauwen, vndt guten Wein,
Kann selten Jemandt frölich sein. (1627.)
Lieb ist so ein geferlich Giefft,
Wan sie Zwey Junger Hertzen drifft,
Da dringt sie durch Marck vnd Bein,
Wie der Donner durch Stal vnd Stein,
Biß sie Erlangt was sie Erwelt
Oder sie selbst zu Todte Quelt. (Nürnberg, 1629.)
Wan Nicht Wehren, Weiber vnd Wein
Was Wolt deß Menschen Leben sein.
Wer Bey einer Junkfrau Sitz, vnd die nicht Kist.
[Einen] Apffel Schelt, vnd den nicht Isst.
[Hat gu]ten Wein, vnd Schenckht nicht Ein.
[Das mu]ß ein Grosser Narre Sein. (Nürnberg, 1629.)
Halte frid mit Jederman
weil es immer sein Kan
Kan es dann nit anderst sein
so schlage mit Beeden Feusten drein. (Nürnberg, 1632.)
Die Stammbücher, welchen diese und die in Nr. 11 mitgetheilten Sprüche
entnommen sind, befinden sich im k. k. Museum für Kunst und Industrie zu
Wien unter Nr. 1825, 1925, 1928 und 1929.
+Stockerau+ in Niederösterreich. C. M. +Blaas+.
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.
Mit einer Beilage.