6) Allgemeine deutsche Biographie. Lieferung XLVII.-LVI.

Andere Werke sind bereits im Drucke, so daß sie im Laufe des

nächsten Jahres werden veröffentlicht werden können. Wie schon so

oft mit Dank erkannt ist, erwächst allen Arbeiten der Commission

eine außerordentliche Förderung durch die große Liberalität und

Bereitwilligkeit, mit welcher dieselben von den Vorständen der Archive

und Bibliotheken unterstützt werden.

Das große Unternehmen: „Geschichte der Wissenschaften in Deutschland.

Neuere Zeit“, welches die Commission so lange Zeit beschäftigt,

wird in wenigen Jahren zum Abschluß kommen. Von der Geschichte der

Jurisprudenz, bearbeitet vom geheimen Justizrath +von Stintzing+ in

Bonn, tritt die erste Abtheilung jetzt in die Oeffentlichkeit und wird

ihr bis 1882 die zweite weniger umfängliche Abtheilung folgen. Im Laufe

des nächsten Jahres hofft man die Geschichte der Historiographie und

die Geschichte der Geologie publizieren zu können, denen sich dann

unmittelbar die Geschichte der klassischen Philologie anschließen wird.

Für die Geschichte der Kriegswissenschaften ist es gelungen, jetzt

in Major +Max Jähns+ in Berlin einen in allen Beziehungen geeigneten

Bearbeiter zu gewinnen, und wird die Vollendung dieser Abtheilung bis

zum Jahre 1884 in Aussicht gestellt.

Von der durch Professor +C. Hegel+ herausgegebenen Sammlung der

Deutschen Stadtchroniken ist der 16. Band erschienen, welcher den 2.

Band der Braunschweiger Chroniken in der Bearbeitung des Stadtarchivars

+Hänselmann+ bildet. Es ist damit das ungedruckte Material, welches

Letzterer zu bearbeiten übernommen hat, noch nicht völlig erschöpft;

eine Paraphrase des Schichtspiels, Berichte über die Stadtfehden von

1492-1493, Diarien über die Belagerung von 1553 sind einem dritten

Bande vorbehalten, der überdies eine Helmstädter Chronik von Hennig

Hagen bringen wird. Im kommenden Jahre wird die vom Herausgeber

selbst unter Beihilfe von Dr. +Rob. Pöhlmann+ und Dr. +Albr. Wagner+

bearbeitete Chronik „von alten Dingen zu Mainz“ aus der Mitte des

15. Jahrhunderts gedruckt werden. Mit der Bearbeitung der Lübecker

Chroniken ist Dr. +Koppmann+ beschäftigt.

Die Arbeiten für die deutschen Reichstagsakten haben sich auch im

verflossenen Jahre auf die Perioden König Ruprechts und Kaiser

Sigmunds concentriert. Für den vierten Band, mit welchem die Akten

aus König Ruprechts Zeit beginnen werden, ist besonders Professor +J.

Weizsäcker+, der Leiter des Unternehmens, unter Beihilfe von Dr. +E.

Bernheim+ und Dr. +Friedensburg+ thätig gewesen. Der vierte Band der

Reichstagsakten ist im Manuscript vollendet, und der Beginn des Drucks

nur durch äußere Umstände verzögert. Für den achten Band, welcher die

Akten aus König Sigmunds Zeit fortführen wird, sind aus den deutschen

Bibliotheken und Archiven, wie aus Rom, noch zahlreiche Ergänzungen

gewonnen worden. Direktor +Schmidt+ in Halberstadt verdankt man den

kritisch festgestellten Text einiger für den Nürnberger Reichstag

von 1422 wichtigen Abschnitte des Eberhard Windeck. Im Ganzen sind

die Arbeiten auch für den achten Band so weit vorgeschritten, daß im

nächsten Jahre der Druck desselben wird beginnen können.

Von der Sammlung der Hanserecesse ist der fünfte Band vollendet worden.

Nach den Mittheilungen des Herausgebers Dr. +K. Koppmann+ ist das

Material für die Jahre 1411-1430 so umfassend, daß noch zwei Bände zum

Abschluß des Werks erforderlich sind.

Von den Jahrbüchern des deutschen Reichs ist der zweite, die Regierung

Heinrichs III. betreffende Band, bearbeitet von Professor +E.

Steindorff+ in Göttingen, weit im Druck vorgeschritten und wird in

kurzer Zeit veröffentlicht werden. Mit dem zweiten, abschließenden Band

für die Regierung Konrads II. ist Professor +H. Bresslau+ in Berlin

beschäftigt. Professor +W. Bernhardi+ in Berlin hofft die Jahrbücher

König Konrads III. schon in nächster Zeit der Presse übergeben zu

können. Auch die Vollendung der Jahrbücher Karls des Großen durch

Professor +B. Simson+ in Freiburg i. Br. steht in nicht ferner

Aussicht. Professor +G. Meyer von Knonau+ in Zürich hat die Bearbeitung

der Jahrbücher Heinrichs IV. begonnen.

Für das weitumfaßende Unternehmen der Wittelsbachischen Correspondenz

sind die Arbeiten nach verschiedenen Richtungen unausgesetzt und mit

gutem Erfolge fortgeführt worden. Die ältere pfälzische Abtheilung

wird demnächst mit der wichtigen Correspondenz des Pfalzgrafen Johann

Casimir, bearbeitet durch Dr. +Friedr. von Bezold+, zum Abschluß

gelangen. Der Druck des ersten Bandes hat begonnen, und werden dem

ersten die beiden andern in Aussicht genommen bald folgen können.

Für die unter Leitung des Geheimraths +von Löher+ stehende ältere

bayerische Abtheilung ist Dr. +Aug. von Druffel+ sehr thätig gewesen.

Der zweite Band der von ihm bearbeiteten Briefe und Akten zur

Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts ist erschienen. Für die zweite

Abtheilung des dritten Bandes, welcher die größeren Aktenstücke des

Jahres 1552 aufnehmen soll, ist die Sammlung und Verarbeitung des

Stoffs so weit beendet, daß der Druck unverzüglich beginnen wird. Für

den vierten, abschließenden Band sind die Briefe und Akten aus den

Jahren 1553-1555 bestimmt. Die Sammlung des Materials ist auch für

diesen Band beinahe vollendet. Die Arbeiten für die jüngere pfälzische

und bayerische Abtheilung, geleitet von Professor +Cornelius+,

waren besonders darauf gerichtet, die im vierten Bande der Briefe

und Akten zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges begonnene

Darstellung der bayerischen Politik in den Jahren 1591 bis 1607 zum

Abschluß zu bringen. Dies ist inzwischen erreicht, und der Druck des

fünften Bandes, in welchem Dr. +Fel. Stieve+ die zweite Hälfte jener

Darstellung gibt, hat begonnen.

Von der Zeitschrift: „Forschungen zur deutschen Geschichte“ ist der

zwanzigste Band erschienen und demselben ein Autorenverzeichniß für

die letzten zehn Bände in gleicher Weise beigefügt worden, wie früher

dem zehnten Bande für die ersten zehn Bände. Ein Sachregister über

alle bisher erschienenen Bände ist gewünscht worden und wird als ein

besonderes Heft demnächst veröffentlicht werden. Die Zeitschrift wird

in der bisherigen Weise unter Redaktion des geh. Regierungsraths

+Waitz+, der Professoren +Wegele+ und +Dümmler+ fortgeführt werden.

Die Allgemeine deutsche Biographie, redigiert vom Klosterpropst

Freiherr +von Liliencron+ und Professor +Wegele+, erfreut sich einer

stets wachsenden Theilnahme und wird immer mehr nach ihrer nationalen

Bedeutung anerkannt. Die Publikation nimmt ihren regelmäßigen Fortgang:

Bd. 10 und 11 sind vollendet, und auch eine Lieferung des zwölften

Bandes befindet sich bereits im Buchhandel.

Nachdem +Seine Majestät König Ludwig II. und Seine Königliche

Hoheit Prinz Otto+ durch die hochherzige Gründung der Wittelsbacher

Stiftung für Wissenschaft und Kunst die Mittel gewährt haben, um die

erhabenen Absichten, welche den hochseligen +König Maximilian II.+

bei der Einsetzung der historischen Commission leiteten, zu voller

Verwirklichung zu bringen, ist die Commission nicht nur in den Stand

gesetzt, die monumentalen Unternehmungen, welche sie in Angriff

genommen hat, würdig zu vollenden, sondern sie kann auch, sobald es

die ihr zugewiesenen Mittel ermöglichen, neue große und fruchtbare

Aufgaben, die ihrem Stiftungszwecke entsprechen, in das Auge fassen.

141) Unter den Fragen, welche die Gesellschaft für Künste und

Wissenschaften zu Utrecht im Jahre 1880 zur Preisbewerbung

ausgeschrieben hat, befinden sich folgende historische:

Forschungen über die evangelischen Prediger bei der niederländischen

Gesandtschaft in Frankreich und deren Wirksamkeit zur Zeit der Republik

der vereinigten Provinzen.

Kritische Uebersicht der Resultate der germanistischen

Sprachforschungen seit J. Grimm. Termin für die erstgenannte Arbeit 1.

Dezember 1881, für die letztere 1. Dezember. 1882.

Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in

Nürnberg.

Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums · 第 116 / 173 题