10) +Die medicinischen Classiker Deutschlands.+ Von +Heinrich
Rohlfs+. Zweite Abtheilung. Stuttgart, Verlag von Ferdinand Enke.
1880. Gr. 8. 566 S.
Für jeden, welcher sich mit geschichtlichen Quellenstudien befaßt
und weiß, welchen Zeitaufwand die Herbeischaffung, Durchdringung und
Ordnung des Materials verlangt, wenn alle Vorarbeiten fehlen, ist
der zweite Band des vorliegenden umfassenden Werkes in unglaublich
kurzer Zeit erschienen, freilich nicht zu früh, wenn wir in Anschlag
bringen, daß damit nur ein weiterer Schritt zur Ausführung des
großen Planes gethan ist, eine vollständige Geschichte der deutschen
Heilkunst überhaupt zu liefern. Der neuerschienene Band behandelt
die klassischen Vertreter derselben vom Ende des vorigen und aus dem
Beginn dieses Jahrhunderts. Wir übergehen hier die Namen derselben,
die ja doch nur in Fachkreisen bekannt sind, zu deren Würdigung aber
auch der Laie an der Hand des Verfassers sich gerne wird führen
lassen. Wir begnügen uns, abgesehen vom entlegenen Stoffe, auf die
Vorzüge der wissenschaftlichen Behandlung desselben hinzuweisen, die
an sich geeignet ist, jenen näher zu bringen und ein weiter gehendes
Interesse zu erregen. Denn bis jetzt hat sich kaum eine Stimme gegen
den Irrthum erhoben, in welchem fast ohne Ausnahme die Behandlung der
Kulturgeschichte im allgemeinen, wie besonderer Sparten derselben sich
befindet, indem sie annimmt, der Gesammtgehalt ihres Gegenstandes habe
sich einfach weiter entwickelt und es bedürfe nur einer Darlegung der
mitwirkenden Ursachen und der besonderen Gestaltung ihres Erfolges, um
unter stillschweigender Voraussetzung der Hauptsache die Aufgabe für
vollzogen zu erachten. Und doch überzeugt ein unbefangener Blick sich
gar bald, daß jede Entwickelung oft genug von bloßen Zufälligkeiten
bedingt und unterbrochen wird und nicht selten die werthvollsten
Errungenschaften einer früheren Epoche in späterer Zeit verloren
gehen. Was wir als Hauptaufgabe jeder Geschichtschreibung bezeichnen
möchten, die positiven Elemente vergangener -- keineswegs stets
einfach überwundener Bildungsstufen wenigstens für die Wissenschaft zu
retten, hat Rohlfs in seinem Buche in glänzender Weise vollzogen. Wir
erfahren nicht nur, +daß+ und +wie+ seine Klassiker etwas
geleistet, sondern auch und vor allem, +was+ sie geleistet. Er
geht dabei so ins Einzelne ein, daß wir uns sehr wundern müßten, wenn
nicht auch der reine Praktiker Vieles daraus lernen könnte; seine
Schilderungen, in welchen er das Biographische in umfassendem Maße mit
berücksichtigt, runden sich zugleich zu so kunstgerechter Plastik,
daß, wie bemerkt, auch der Laie sie gerne betrachten und mit Staunen
wahrnehmen wird, wie vielleicht in Tagen, in welchen er selbst geboren,
ein Heroengeschlecht gelebt hat, das uns als Vorbild dienen könnte. --
Kleine Verwechslungen, wie auf Seite 225 der „Inder Sakontala“ statt
Kalidaso, sind lapsus calami, die den nicht stören werden, der den
Zusammenhang auffaßt.
v. +Eye+.
Vermischte Nachrichten.
55) Aus Oberfranken. (+Höhlen- und Gräberfunde+). Der bekannte Forscher
Hans Hösch auf Neumühle hat in diesem Winter 4 Höhlen in Oberfranken
ausgraben lassen, davon eine im Wiesentthal zwischen Behringersmühle
und Muggendorf, zwei im Püttlachthal, eine bei Bärenfels und eine im
Ailsbachthal. In sämmtlichen Höhlen fanden sich mehrere Aschenschichten
übereinander und in der untersten Schicht Stein-, Knochen- und
Hornwerkzeuge und eine Menge zerschlagener und verbrannter Knochen. In
einer derselben fanden sich auch in der 2. Schicht 2 Bronzeringe und
eine Fibel. Außerdem wurden auch in einer Höhle nur fossile Knochen
ausgegraben und die kleineren Knochen Herrn Dr. Nehring in Wolfenbüttel
zur wissenschaftlichen Bearbeitung geschickt. Mehrere Grabhügel ließ
Herr Hösch bei Geiselhöhe, südwestlich von Pottenstein, öffnen und
wurden in einem derselben 2 lange Nadeln, einige Schildbuckeln, einige
defekte Gegenstände von Bronze und eine sehr starke, aber ganz roh
gearbeitete eiserne Lanzenspitze gefunden. In den übrigen Hügeln waren
die Skelette ohne Beigabe. Ebenso war es unmöglich, einen Schädel
herauszubringen, da dieselben von den darauf liegenden Steinen ganz
zerdrückt waren. Bis jetzt sind ohngefähr etliche 30 Grabhügel von
Hösch geöffnet und circa 12 Höhlen und Urwohnungen ausgegraben worden.
Zur Zeit werden einige Grabhügel bei Breitenlesau geöffnet.
(Nürnb. Presse, Nr. 113.)
56) Die auf dem Reinhardt’schen Grundstücke vor dem Königsthore in
+Bautzen+ vorgenommenen +Ausgrabungen+ sind, wie wir hören, für
jetzt geschlossen worden. Die Art und große Zahl der Funde, (außer
vielen Bronzegegenständen über 500 Gefäße in ca. 80 Gruppen) haben
auch mehrere auswärtige Autoritäten auf diesem Gebiete zu eigener
Besichtigung und persönlicher Vornahme der betr. Arbeiten veranlaßt,
durch welche soeben festgestellt wurde, daß das früher erwähnte
Steinbanquet nicht eine Leichenverbrennungsstätte, sondern ein nur
durch solchen Steinbau ausgezeichnetes Grab (wahrscheinlich eines
Häuptlings) ist. Es fanden sich darunter verschiedene Urnen und
andere Gefäße, welche jedoch durch die Steinlast auffallend gelitten
haben, sowie auch Ringe und Nadeln aus Bronze. Uebrigens gewinnen die
Funde um so mehr an Interesse, als sie nach dem bewährten Urtheil des
Herrn Dr. Voß aus Berlin nicht wendischen Ursprungs sind, sondern von
altgermanischen Völkern aus der vorrömischen Kulturperiode unseres
Landes, das heißt aus dem fünften bis dritten Jahrhundert vor Christi
Geburt, herrühren, mithin über 2000 Jahre alt sind. Ist diese Ansicht
richtig, woran bei der Fachkenntniß der genannten Autorität kaum
zu zweifeln, so erregt der wohlerhaltene Zustand und die relativ
geschmackvolle Ausführung der meisten Fundgegenstände gerechte
Bewunderung.
(Zittauer Morgenzeitung vom 9. Mai.)
57) +Fund eines Germanengrabes bei Düsseldorf.+ Als man kürzlich auf
dem Grundstücke des Herrn Inspektors Remkus in Kleineller, in der
Nähe einer wasserreichen Niederung und nicht weit von der Fundstelle
der hübschen terra sigillata-Schüsseln entfernt, ein Sandlager
abtrug, stieß man auf das Grab eines Germanen. Es bestand aus einer
einfachen Grube in der eine Thonvase beigesetzt, welche außer
halbverbrannten Menschenknochen eine Gewandspange aus Erz und ein
Klümpchen zusammengeschmolzenes Metall barg. Die Vase von 13½ Ctm.
Höhe und 18 Ctm. Durchmesser ist mit Zuhilfenahme der Töpferscheibe
aus unserem gewöhnlichen blauen Thon, dem zur größeren Festigkeit fein
gestampftes Gestein beigemengt ist, gebildet. Die Gestalt erinnert an
die napfartigen römischen Schüsseln mit hohem Fuße.
(Düsseldorfer Anzeiger, Nr. 110.)
58) +Augsburg+, 25. April. Während der größte Theil der Aschenurnen
des hiesigen Museums dem Gräberfeld entnommen ist, das sich zwischen
dem von Wohnlich’schen Gartengut und dem Theil des Rosenauberges
hinzog, auf dem jetzt die Hauptgebäude des Bahnhofes stehen, haben
neuere Ausgrabungen gezeigt, daß auch auf der Nordseite der alten
Stadt ähnliche Reihen von Graburnen sich vorfinden. In dem Anwesen
des Brauereitechnikers Madlener (Eisenhammerstraße J 32 4/a), der
vor. Sommer in seinem Garten eine Sandgrube öffnen ließ, wurden nach
und nach gegen 20 Urnen ausgegraben, die anfangs leider nicht gehörig
beachtet wurden, weswegen auch nur einige Bruchstücke derselben zu
Tage kamen; später, da dieselben in einer gewißen Regelmäßigkeit
sich vorfanden, wurde mit größerer Vorsicht vorgegangen, daß nun
wenigstens vier ziemlich unversehrt zu Tage gefördert wurden. In
denselben fand sich unter anderen ein vortrefflich erhaltenes
Grablämpchen mit dem Stempel ATIMET, ganz so wie das in M. Mezger
„Die römischen Steindenkmäler im Maximiliansmuseum zu Augsburg“ 1862,
S. 63 beschriebene, sowie eine ziemlich von Rost zerstörte Münze von
Augustus; dieselbe zeigt auf dem Avers: divus Augustus pater, dessen
Haupt mit der Zackenkrone; Revers: ein Altar, zu den Seiten SC., unter
demselben: PROVIDENT.
(Augsb. Postztg. Nr. 100, nach der Allg. Ztg.)
59) +Worms+, 26. April. In der Nähe des Gymnasiums kamen beim Ausgraben
für das Fundament eines Neubaues fränkische Gräber zum Vorschein.
Nachdem schon vor einigen Wochen mehrere aufgedeckt worden waren,
wobei eine fränkische Lanze, ein Hiebmesser (Scramasax), 2 kleine
Messer, eine Gürtelschnalle aus Bronze, Perlen, Gefäße etc. gewonnen
wurden, schritt man gestern ebenfalls zur Eröffnung eines solchen. Es
barg die Gebeine einer alten fränkischen Frau. Es fanden sich ferner
die charakteristischen Attribute der Frau: eine Anzahl Perlen, ein
Fingerring, eine Spindel, der Rest einer größeren Gürtelschnalle
von Eisen, ein fränkischer Krug in Scherben und eine Messerklinge.
Werthvollere Schmucksachen, wie sie in den Gräbern bei Wies-Oppenheim
gefunden wurden, waren nicht vorhanden.
(Wormser Ztg., Nr. 98).
60) In der Nähe von +Randers in Jütland+ ist in der letzten Aprilwoche
ein interessanter, aus dem Beginn der Eisenzeit stammender Fund gemacht
worden. Beim Pflügen auf einer kleinen Höhe stieß man nämlich auf ein
+Hünengrab+. Der hiervon benachrichtigte historische Verein in Randers
ließ nun eine Ausgrabung vornehmen, unterbrach jedoch die Arbeit, als
rund um die Höhe eine Menge Urnen und in derselben, wie es schien, ein
mit Eisen beschlagener Sarg angetroffen wurden. Auf telegraphische
Mittheilung von dem Funde wurden seitens des hiesigen altnordischen
Museums sogleich die Professoren +Engelhardt+ und M. +Petersen+ dorthin
gesandt, um die weitere Untersuchung zu leiten. Es zeigte sich nun,
daß die in dem Grabe beigesetzte Leiche in einem eichenen, mit starken
eisernen Reifen beschlagenen Sarge gelegen hatte. Von der Leiche war
keine Spur mehr übrig und von dem Sarge nur noch einige Stückchen,
während das Eisen, wenn auch stark verrostet, noch so gut erhalten war,
daß man danach die Höhe und Breite des Sarges berechnen konnte. In
letzterem war augenscheinlich ein weiblicher Leichnam in prachtvoller
Ausstattung beigesetzt worden. Außer einer Menge Schmuckgegenstände
wurden eine Nähnadel, eine Scheere und ein kleiner Schleifstein
gefunden, ferner Ueberreste von einer Art Pelz, der reich mit Perlen
besetzt gewesen und von denen mehrere in Gold gefaßt waren. Einige
stark oxydierte Münzen werden nach der Reinigung Auskunft darüber
geben, aus welcher Zeit der Fund stammt. Eine sofort vorgenommene
Untersuchung der Umgebung dieses Grabes ergab nach der „Voss. Ztg.“
die Thatsache, daß man es hier mit einem schon seit dem Steinalter
benützten Begräbnißplatze zu thun habe; es soll in Folge dessen in
diesem Sommer eine systematische Aufdeckung desselben vorgenommen
werden.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 219.)
61) Die Bloßlegung jener interessanten Theile der Burg Heinrichs
des Löwen zu Braunschweig scheint nicht die Folge zu haben, daß die
Reste in der einzigen Art, wie sie dauernd erhalten werden können,
der Nachwelt aufbewahrt werden sollen, nämlich durch Restauration und
Wiederaufbau, insbesondere durch Schutz mittelst eines Daches. Die
deutsche Bauzeitung schreibt darüber in ihrer Nummer 37: „Nach der
Mittheilung in Nr. 25 u. Bl. hat es sich vollkommen bestätigt, daß die
sog. Burgkaserne in Braunschweig „+der Saalbau Dankwarderodes, des von
Heinrich dem Löwen erbauten Palatiums+“ ist. Es schien uns nach jener
Bestätigung die Erhaltung dieses höchst werthvollen Profanbaues des 12.
Jahrhunderts nicht mehr zweifelhaft zu sein, und doch haben neuerdings
erstaunliche Vorfälle in Braunschweig gelehrt, daß an maßgebender
Stelle daselbst sich Gelüste zeigen, nicht eine ruhige, bereits
angeordnete Untersuchung des Saalbaues abzuwarten, um sich danach über
die Art der Wiederherstellung entschließen zu können, sondern dem von
den städtischen Kollegien einmal gefaßten Beschlusse nachzugehen,
und das in sich starke Gebäude mit einer Ostwand, in welcher sich,
ähnlich wie in Goslar, Gelnhausen, Wimpfen und an der Wartburg,
Fensterarkaturen zeigen, zu einer kleinen, von Akazienbäumchen und
Syringen umgebenen Ruine umzugestalten.
Der Arch.- und Ing.-Verein in Braunschweig hat bereits durch einen
Entwurf von Straßenzügen an der betreffenden Stelle zur Genüge
dargethan, wie bei Erhaltung und Ergänzung der Dankwarderoder Burg
in vollkommenster Weise dem von Westen nach Osten aufzubessernden
Verkehrswege genügt werden und der östlich sich anschließende
ausgedehnte fiskalische Grund und Boden zu der Anlage großartiger,
für die Stadt nothwendiger Bauten verwendet werden kann, so daß die
alte Burg mit der Burgkirche inmitten einer reichen neuen Welt einen
gebührenden ehrenvollen Platz einnehmen würde. Hoffen wir, daß der
Sinn für Historisches und Erhaltung alter ehrwürdiger Monumente in
Braunschweig so überwiegend groß sein möge, daß an maßgebender Stelle
die Ruinenfreunde unterliegen, oder sich zum Besseren bekehren, damit
wir ihnen freundlich die Hände wieder reichen können.“
62) +Regensburg+, 23. April. In der St. +Ulrichskirche+, die
gegenwärtig dem historischen Vereine zur Unterbringung seiner römischen
und germanischen Alterthümer eingeräumt ist, wurden dieser Tage
interessante Ueberreste von +Freskomalerei+ aus dem 13. Jahrhundert
entdeckt. Besonders sehenswerth ist die ornamentale Einfassung des
aufgedeckten Bildes, welche den Uebergangsstil aus der romanischen zur
gothischen Bauart zur Anschauung bringt.
(Fränk. Kurier Nr. 213).
63) Anfangs April d. J. fand man bei Erweiterung des Kirchhofes zu
Kleinschönau bei Zittau in ½ Meter Tiefe in geringer Entfernung von
einander zwei Thongefäße mit alten Silbermünzen. In dem einen Gefäße
befanden sich lauter Prager und Meißener Groschen und in dem anderen
außer erwähnten Groschen noch eine größere Anzahl kleiner Meißener
Münzen. Das Gefäß ist leider von den Arbeitern zerschlagen worden, und
in die Münzen haben sich dieselben getheilt.
64) +Nürnberg+, 17. April. Am vergangenen Donnerstag wurde in
dem zwischen Stein und Zirndorf gelegenen Orte +Oberasbach+ ein
interessanter Fund gemacht, indem beim Vergrößern einer Dungstätte eine
große Anzahl +Münzen+, wol gegen 2000 Stück aufgefunden wurden. Es
befinden sich darunter zwei Nürnberger Lorenzer Goldgulden von 1533 und
1538, 1 Thaler der Stadt Kaufbeuren und 10 weitere brandenburgischen,
sächsischen, öttingen’schen etc. Gepräges, einige Halb- und
Drittelsthaler, meist ebenfalls sächsischen Gepräges. Die übrige große
Masse besteht aus Scheidemünzen des 16. Jahrhunderts; sie sind so stark
oxydiert, daß von vielen das Gepräge nicht mehr zu erkennen ist. Da
die jüngsten der gefundenen Münzen aus den Fünfziger Jahren des 16.
Jahrhunderts herrühren, so ist der Schatz wahrscheinlich 1555-60 an den
Fundort gebracht worden.
(Fränk. Kurier, Nr. 199).
65) In +Neunkirchen+ bei Leutershausen hat, wie die „Fränk. Ztg.“
mittheilt, der Gutsbesitzer Uebelhör beim Ausgraben eines alten, in
seinem Garten stehenden Baumes 11 +Goldmünzen+ gefunden. Mehrere
derselben tragen die Jahrzahl 1588, die neueste ist aus dem Jahre 1642.
(Fränk. Kurier, Nr. 197).
66) +Schneeberg i. S.+ Beim Graben einer Schleuse fanden Arbeiter eine
stark verrostete, verschlossene Büchse aus dickem Eisenblech; sie war
in einer alten Grundmauer in einem hiesigen Hausgrundstück versenkt.
Beim Graben vielleicht schon wurde die Wand des Gefäßes verletzt,
und es kamen Münzen zum Vorschein. Die Arbeiter verhehlten den Fund
und suchten ihn bei einem hiesigen Goldschmied umzusetzen, der ihnen
auch einen Theil davon abnahm. Mittlerweile wurde die Sache ruchbar,
und es gelang, den größten Theil des Fundes wieder zu erlangen, der
jetzt auf dem Rathhause liegt. Fehlen sollen einige Ringe, die schon
eingeschmolzen worden sind; vorhanden sind noch 126 Stück, zum Theil
gehenkelte Goldmünzen von der Größe eines Silber-Fünfmarkstückes
bis zu der eines 50-Pfennigstückes. Das Gepräge zeigt verschiedene
Abstammungen; wir sahen darunter außer sächsischen englische und
salzburgische Münzen. Das Gesammtgoldgewicht beträgt etwas über 500
Gramm. Außer den Münzen fanden sich noch 2 kleine silberne, grob
gearbeitete Kruzifixe und 1 Ringstein, ein Onyx mit einem Wappen, 4
wagerechte Querbalken im Felde darüber die Buchstaben M D Z B. Der
größere Theil der Goldmünzen ist zusammengerollt, ob ursprünglich oder
neuerdings, ist ungewiß. Die Jahreszahlen auf den Münzen scheinen nicht
über 1620 hinauszugehen, so daß man es muthmaßlicher Weise mit einem im
30 jährigen Kriege vergrabenen Schatze zu thun hat.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 191.)
67) Aus Meklenburg, 13. März. Ein +seltener Fund+ wurde, wie aus dem
Städtchen +Lübz+ gemeldet wird, kürzlich in dortiger Gegend von einem
Erbpächter gemacht. Derselbe ließ einen an Altersschwäche leidenden
Koffer zu Brennholz zerschlagen. Beim Abspalten des Holzes fällt aus
einer unter der sogen. Beilade befindlichen kleinen Lade ein Beutel
mit 32 Geldstücken heraus, welche die Größe eines Thalerstückes und
die Dicke eines Markstückes haben. Es waren meist ⅔ Thalerstücke von
Meklenburg und Braunschweig-Lüneburg u. A. aus den Jahren 1691 und
1699. Die älteste dieser Münzen enthält die Jahreszahl 1683, die
jüngsten dagegen diejenige von 1795. Außer diesen Münzen fand sich eine
Quittung von der Größe eines Quartblatts vom Jahre 1771 in der Beilade.
(Numism. sphrag. Anzeiger, Nr. 4).
68) +Meppen+, 19. März. Wie uns mitgetheilt wird, sind in der
vergangenen Woche in Geeste, Amts Meppen, beim Aufbrechen des Fußbodens
in einer Scheune alte Münzen und +Gold+- und Silbersachen in einem
Topfe gefunden worden. Die Münzen sollen dem 17. Jahrhundert stammen.
(Daselbst).
69) +Vilshofen+, 27. April. Unsere +Stadtgemeinde+ besaß einen
+Pokal+, ein Straußenei vorstellend, mit Silberverzierung und in
Gold gefaßt, ein Geschenk eines ehemaligen Kammerers Kilian Sidler,
Gutsbesitzers in Hinterholzen bei Beutelsbach, aus dem Jahre 1567.
In der Kunstausstellung zu München erregte der Pokal bereits die
Aufmerksamkeit des Herrn v. Rothschild in Frankfurt, und schon im
Vorjahr hatte ein Antiquitätenhändler 5000 m. dafür geboten. Dortmals
scheiterte das Kaufsangebot, weil man den Preis zu gering fand. Vor
einigen Tagen nun wurde der Pokal an einen Herrn aus München um 6500 m.
verkauft.
(Fränk. Kurier, Nr. 220).
70) Unter den Auspicien des hochwürdigsten Bischofs +Pancratius+ von
Augsburg ist bekanntlich in sehr geeignetem Lokale nächst der Domkirche
in Augsburg ein sogenanntes „+Diöcesan-Museum+“ entstanden, welches
bereits so manche beachtenswerthe Gegenstände alter Zeit und Kunst,
z. B. Bücher, Bilder, Münzen, hl. Gefäße etc. in sich begreift. Ein
hierüber erschienenes oberhirtliches Ausschreiben hat sowohl den Stand
dieser Sache klargelegt, als auch dazu Veranlassung gegeben, diese
Sammlung durch geeignete Beiträge zu vermehren, und es sind seitdem
auch so manche schätzbare Beiträge dem benannten Museum zugewendet
worden.
(Augsb. Postzeitung, Beilage Nr. 42).
71) In Berlin hat in den Tagen vom 15.-17. April die jährliche
Plenarversammlung der Centraldirection der Monumenta Germaniae
stattgefunden. Dem Berichte über dieselbe entnehmen wir Folgendes.
Im verflossenen Jahre sind folgende Bände ausgegeben worden: von der
Abtheilung der _Auctores antiquissimi_:
1) Tomi III. P. 2. +Corippi+ _Africani grammatici libri qui supersunt.
Recensuit Josephus_ +Partsch+:
von der Abtheilung _Scriptores_:
2) Tomus XXIV (über dessen Inhalt schon im vorjährigen Bericht
Mittheilung gemacht ist);
3) +Brunonis+ _de bello Saxonico liber. Editio altera. Recognovit_ +W.
Wattenbach+;
4) _Chronica regia Coloniensis (Annales maximi Colonienses) cum
continuationibus in monasterio S. Pantaleonis scriptis aliisque
historiae Coloniensis monumentis. Recensuit_ +G. Waitz+;
von der Abtheilung _Diplomata_:
Die Urkunden der Deutschen Könige und Kaiser. Ersten Bandes erstes
Heft. Die Urkunden Konrads I und Heinrichs I (bearbeitet von Th.
+Siekel+);
von dem Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche
Geschichtskunde:
Band V, Heft 1 und 2, mit Beiträgen von +Arndt+, +Baumann+, +Bresslau+,
+Dümmler+, +Ewald+, +Foltz+, +Frensdorff+, +Gillert+, +Grandaur+,
+Heydenreich+, +König+, +Loserth+, +May+, +Mayr+, +Mommsen+, +Schum+,
+Waitz+, +Wattenbach+.
Andere Werke sind im Druck weit vorgeschritten oder doch in der
Vorbereitung begriffen.
Prof. +Mommsen+ hat die Bearbeitung von _Jordanis Romana_ und _Getica_
vollendet, und die der kleinen Chroniken des 5.-7. Jahrhunderts
begonnen. Der Druck des _Jordanis_ und ebenso der der von Dr. +Leo+
in Bonn bearbeiteten _Carmina_ des _Fortunat_ wird im Lauf des Jahres
vollendet; angefangen der des _Avitus_ von Dr. +Peiper+ in Breslau
und der des _Symmachus_ von Dr. +Seeck+. Die Arbeiten für _Ausonius_,
_Cassiodor_ und _Sidonius_ wurden fortgesetzt, die Ausgabe des
_Ennodius_ übernahm +Dr. Vogel+ in Ansbach.
In der Abtheilung der _Scriptores_ sind die Arbeiten hauptsächlich
auf die Weiterführung von Tomus XXV und XIII gerichtet gewesen. An
jenem haben sich die ständigen Mitarbeiter +Dr. Heller+ und Dr.
+Holder-Egger+ lebhaft betheiligt; der erste hat den umfangreichen
_Aegidius_ von Lüttich mit mehreren Anhängen, die Genealogie der
Herzoge von Brabant, die dem _Balduin_ von Avesnes zugeschriebene
französisch abgefaßte Chronik von Hennegau, sowie die _Genter_ Chronik
des _J. von Thilrode_, dieser die _Chronica principum Saxoniae_, die
des _Balduin_ von Ninove und _Sifrid_ von Balnhausen bearbeitet. Für
das Buch des _Christian_ von Mainz _De calamitate ecclesiae Moguntinae_
konnte der Herausgeber Archivar +Reimer+ in Marburg freilich nur
neuere Handschriften benutzen, aber unter ihnen die lange verschollene
Trefflers in Cheltenham und eine andere in Upsala. Eine österreichische
metrische Chronik edierte Prof. +Wattenbach+, die Geschichte des
_Richerus_ von Senonnes, andere von Villers in Brabant, Rastede,
Kremsmünster und mehrere kleinere Stücke der Leiter der Abtheilung.
Derselbe hat einen größern Theil des 13. Bandes übernommen, der,
soweit er gedruckt ist, Nachträge zu den Annalen der karolingischen,
sächsischen und fränkischen Periode, außerdem zum ersten Mal
vollständig die _Annales necrologici Fuldenses_ aus Handschriften
zu Rom, Fulda und München bringt, sowie reiche Auszüge aus den
angelsächsischen und englischen Geschichtsquellen, diese bearbeitet von
Prof. +Pauli+ in Göttingen und Dr. +Liebermann+. Für die Fortsetzung
des Bandes sind auch Prof. +Schum+ in Halle, +Dr. Simonsfeld+ in
München thätig; jener fand eine bisher unbekannte Handschrift des
_Chronicon Magdeburgense_ in der fürstlich Metternichschen Bibliothek
auf Schloß Königswart.
In der oben erwähnten neuen Ausgabe der _Chronica regia Coloniensis_
ist vereinigt, was in drei Bänden der _Scriptores_ nur nach und nach
veröffentlicht werden konnte, der Text des ältern Theils, auf Grund
der Handschriften in Wien, Wolfenbüttel, Rom und Brüssel kritisch
festgestellt, außerdem eine Reihe von Denkmälern hinzugefügt, die
entweder als Quellen der _Chronica_ in Betracht kommen, oder zur
Erläuterung der Kölner Geschichte dienen, darunter eine ungedruckte
Fortsetzung des _Martinus_, aus einer in Polen in Privatbesitz
befindlichen Handschrift abgeschrieben von Prof. +Arndt+.
Die Vorarbeiten sowohl für den 26. wie für den 15. Band sind
lebhaft fortgesetzt. Für diesen hat Professor +Thaner+ wichtiges
handschriftliches Material in Admont gefunden. Dr. +Krusch+ hat die
Ausgabe des sogenannten _Fredegar_ nahezu vollendet; Dr. +Lichtenstein+
arbeitete in Wien, Admont und Berlin, wohin die Stockholmer Handschrift
gesandt ward, für _Ottokars_ steirische Reimchronik.
In der Abtheilung _Leges_ ist die neue Ausgabe der fränkischen
Capitularien von Prof. +Boretius+ in Halle so weit vorgeschritten,
daß der Anfang des Druckes im Laufe des Jahres stattfinden kann.
Dasselbe gilt von den fränkischen Formelsammlungen, deren Bearbeitung
Dr. +Zeumer+ nahezu vollendet hat. Für die Edition der fränkischen
Concilien hat Prof. +Maassen+ in Wien die beiden alten, früher dem
_Collegium Claromontanum_ angehörigen Handschriften in Cheltenham
verglichen.
Die neue Bearbeitung von Band II der _Leges_ ist, nachdem Prof.
+Lörsch+ zurückgetreten, von Prof. +L. Weiland+ in Gießen, dem
langjährigen ständigen Mitarbeiter der _Monumenta_, übernommen.
Die Ausgabe der _Acta imperii saeculi_ XIII. _inedita_, die Hofrath
Prof. +Winkelmann+ in Heidelberg aus seinen, Hofrath +Fickers+ in
Innsbruck und den Sammlungen der _Monumenta_ veranstaltet hat, ist bis
auf die Register im Druck vollendet und bietet ein reiches Material zur
Geschichte jener Zeit, besonders Friedrichs II. Es sind, von einigen
Nachträgen abgesehen, über 1000 Nummern zusammengebracht: 1-580 _Acta
regum et imperatorum_, 581-756 _Acta ad imperium et regnum Siciliae
spectantia_, 757-1001 _Acta Sicula (Registrum Friderici II Massiliense;
Formulae magnae curiae; Statuta officiorum)_. Der stattliche Band wird
in einigen Wochen veröffentlicht werden.
Daran wird sich, in mancher Beziehung ergänzend, anschließen die
Ausgabe der von +G. H. Pertz+ aus den Vaticanischen Regesten gemachten
Abschriften in der Abtheilung _Epistolae_, unter Prof. +Wattenbachs+
Leitung besorgt von +Dr. Rodenberg+. Der erste Band, der die Zeit
Honorius III. umfassen soll, ist so weit vorgeschritten, daß der Druck
noch im Laufe des Sommers beginnen kann.
Prof. +Dümmler+ in Halle hat in der Abtheilung _Antiquitates_ den Druck
der Sammlung karolingischer Gedichte begonnen. Daneben wird der Anfang
mit der Bearbeitung der wichtigen Nekrologien gemacht in der Weise,
daß die vor 1300 begonnenen vollständig mitgetheilt werden sollen; die
Ausgabe wird sich an die Diöcesen anschließen und mit den alamannischen
beginnen, die +Dr. Baumann+ in Donaueschingen übernommen hat.
Mit besonderem Dank ist der mannigfachen Förderung zu gedenken, welche
die Behörden und Vorsteher von Archiven und Bibliotheken fortwährend
den Arbeiten durch Mittheilung von Handschriften haben zutheil werden
lassen.
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.