A. E.

Vermischte Nachrichten.

28) In +Genf+ wurde bei Aufstellung einer hydraulischen Maschine in der

Rhone bei der Coulouvrenière ein kleines scharfes Schabmesser aus Jade

gefunden.

(Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 1.)

29) Im vorigen Herbste fand ein Fischer bei +Locras+ (Lüscherz) im

Bielersee eine aus reinem Kupfer bestehende zweischneidige Streitaxt

von 0,42 m. Länge und einem Gewicht von mehr als 5 kg. In der Mitte

dick und massiv, breitet sie sich gegen die beiden Ende zur elegant

gearbeiteten Schneide von 0,12 m. aus.

(Daselbst.)

30) Die Mittheilungen der k. k. Central-Commission für Kunst- u.

histor. Denkmale veröffentlichen im 1. Hefte des 6. Bandes Berichte

des Conserv. Hrase über neuere Gräberfunde zu Hoch-Oujezd und Jaroměř;

in Böhmen und des Oberingenieurs Leinmüller über solche bei Sajovic in

Krain.

31) In der Versammlung des historischen Vereins von Oberpfalz

und Regensburg am 3. März 1880 zeigte Herr Pfarrer Dahlem einige

merkwürdige Alterthümer aus Bronze namentlich einen interessanten

breiten Armreif, zwei Haarnadeln und Zieraten vor, welche auf dem Gute

Ankofen des Vereinsmitgliedes Herrn Hamminger gefunden wurden.

Sodann referierte der nämliche über ein neu aufgefundenes

Reihen-Gräberfeld zwischen Regensburg und Prüfening, gegenüber von

Winzer. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß dasselbe aus merovingischer

Zeit stammt, und daß hier die Bewohner des jenseits der Donau liegenden

uralten, im Jahre 680 schon urkundlich genannten Ortes Winzer ihre

Todten begruben, da das jenseitige, steil ansteigende Terrain für die

Anlegung einer Begräbnissstätte keinen Raum bot. Bisher wurden 37

Beerdigungen bloßgelegt; dieselben gruppieren sich in fünf ungefähr

parallele Reihen; die Leichen blicken ostwärts, die Tiefe der Gräber

wechselt zwischen 5-8 Fuss; bei tieferen Beerdigungen finden sich

mehrfach Doppelgräber; letztere scheinen nach der Gesichtsähnlichkeit

in der Regel Verwandte zu bergen.

Sämmtliche Leichen lagen in Holzsärgen, wovon sich noch regelmässig

Holzmoder erhalten hat; Eisennägel fanden sich an denselben im

Gegensatze zu den zahlreichen römischen, die wir hier früher

aufdeckten, niemals vor. Ueber Funde und Beigaben ist zu bemerken, dass

sich Kohlen häufig, öfter auch Thierreste vorfanden; von Artefakten

kommen häufig eiserne Messer, einige Eisenschnallen, Kammüberreste und

+eine+ Bronzepincette vor.

Die Schädel tragen durchgehends den Charakter der Dolichokephalie,

indem der mittlere Schädelindex etwas unter 73 beträgt; sohin gehören

sie der nahezu unvermischten altgermanischen Race der Merovingerzeit

an und dürften aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammen und ungefähr

Zeitgenossen der berühmten Lombardenkönigin Theodelinde aus dem

Agilolfingischen Hause sein.

(Autogr. Sitzungsbericht.)

32) In +Gnigl+ bei Salzburg wurden durch das Salzburger Museum Reste

eines Mosaikfußbodens ausgegraben.

33) +Rottenburg.+ Wie früher, so wurden auch in den letztvergangenen

Jahren beim Rigolieren von Hopfengärten und Graben von Kellern etc.

verschiedene, meistens bronzene römische Münzen aufgefunden. Im vorigen

Jahre aber wurde ein guter Fund gemacht: es kam nämlich beim Umgraben

eines Grundstücks im Kalkweiler Feld (wo überhaupt schon verschiedene

Alterthümer entdeckt wurden und wol noch zu finden sein werden) eine

echt +goldene+ römische Münze mit vorzüglichem Gepräge vom Jahre 163

(nach Christi Geburt) zum Vorschein, welche nun für 40 Mark an einen

Alterthumsfreund, Freih. Rich. v. König-Warthausen, veräußert wurde.

Dieselbe hatte allein einen Goldwerth von 20 M.

(Schwarzw. Bote, Nr. 49.)

34) Heinrichs des Löwen Burg Tanquarderode zu +Braunschweig+, die

ehemals einen Gebäudekomplex mit dem Dome bildete, hat sich, zu großem

Theile eingebaut, in der spätern Burgkaserne zu Braunschweig erhalten.

Eine große Bogenstellung im Erdgeschosse gab sich als zum Palas gehörig

zu erkennen. In letzter Zeit hat man leider begonnen, diese Reste

abzutragen, nachdem sie in Besitz der Stadt übergegangen waren. Es

ist auch hier das alte Lied, so oft da und dort gesungen. Mangel an

Pietät schiebt Verkehrsrücksichten vor, wo es sich doch nur um eine dem

modernen Auge willkommene Liniierung der Stadtanlage handelt, und das

schief dastehende, alte Gebäude soll fallen, weil äußerlich besondere

Architekturformen nicht vorhanden sind, dasselbe also „unschön“ ist.

Bei den Abbruchsarbeiten haben sich nun aber jene Bogenfenster mit

Säulchen gefunden, wie beim Kaiserhause zu Goslar, der Wartburg, im

Palaste Kaisers Friedrich I. zu Gelnhausen u. s. w., so daß auch die

Umfassungsmauern sich aus der Zeit Heinrichs des Löwen herrührend

zeigen; nach einer uns vorliegenden autographisch vervielfältigten

Aufnahme läßt sich die ganze Langseite des alten Palas ohne Mühe und

Aufwand wieder herstellen.

Hoffentlich wird dieser Fund Veranlassung geben, daß der merkwürdige

Bau, statt demoliert zu werden, einer entsprechenden Restauration

unterzogen wird und neben dem Dome in ursprünglicher Gestalt als Zierde

der Stadt wieder ersteht.

35) In +Basel+ hat sich nach dem Anzeiger für schweizerische

Alterthumskunde (Nr. 1) ein Komité gebildet, welches die Begründung

eines Münsterbauvereins bezweckt, dessen Streben darauf gerichtet

sein soll, das Aeußere des Münsters, das von den 1854-1856 und

1871 vorgenommenen Restaurationen unberührt geblieben ist und

einem zunehmenden Verfalle entgegensieht, in würdiger Weise

wiederherzustellen.

36) Die malerisch hoch auf dem Berge oberhalb Eichstätt gelegene

ehemalige Residenz der Bischöfe von Eichstätt, die uralte, allerdings

wiederholt, zuletzt im 17. Jahrh., umgebaute Willibaldsburg sollte,

nachdem sie in letzter Zeit als Kaserne gedient, am 1. März d. J.

versteigert werden. Es fanden sich jedoch keine Kaufliebhaber für das

riesige Gebäude, so daß später dortige Bürger die Summe von 500 Mark

boten. Zu den Ankaufsbedingungen gehört auch die, das Hauptgebäude im

baulichen Zustande zu erhalten.

37) Im Verein für Geschichte der Mark Brandenburg legte Herr Stadtrath

+Friedel+ die Proben eines zu Klementinenhof bei Sonnenwalde gemachten

Münzfundes vor, der aus Wendenpfennigen der Zeit von 1000-1030 im

Gesammtgewichte von mehr als zwei Pfund Silber besteht und besonders

dadurch merkwürdig ist, dass die einzelnen Stücke so neu, wie sie aus

der Pfanne gekommen, vergraben worden sind, und daß nicht nur die

irdenen Töpfe, sondern auch die Reste der Leinenbeutel, in denen seiner

Zeit der Besitzer seinen Schatz geborgen hat, noch vorhanden sind.

(Nordd. Allgem. Ztg., Nr. 93.)

38) Nach der „Karlsruher Zeitung“ wurde in den letzten Tagen des

Monats Februar ein für die Wissenschaft interessanter +Fund+ gemacht,

der mit Recht die Aufmerksamkeit der Philologen und Theologen auf

sich zieht. Bekanntlich wurden im 8., 9. und noch im 10. Jahrh. in

folgenden Klöstern (bis jetzt wenigstens nachgewiesen): Bobbio in

Italien, Verona, Reichenau, Lorsch, Trier, Weißenburg i. E. und

andern Orten alte Pergamenthandschriften, welche Werke des Cicero,

Sallustius, des Granius Licinianus, Livius oder lateinische und

gothische Bibelübersetzungen etc. enthielten, von den Mönchen

abgewaschen oder abgeschabt und hierauf zum zweiten Male geglättet und

wiederum beschrieben. Dies geschah, weil das Pergament damals sehr

theuer war und die Technik der Bereitung dieses werthvollen Materials

Rückschritte gemacht hatte. Auf diese Weise wurden die interessanten

und wichtigen Funde von Gaius’ Kommentaren zum römischen Rechte,

Cicero’s Werke über den Staat, die gothische Bibelübersetzung etc. in

den reskribierten Handschriften wieder aufgefunden. Es ist kaum ein

Land in Europa so reich an derartigen reskribierten, d. h. zum zweiten

Male beschriebenen, Handschriften, als gerade das Ober-Rheinland.

In Weißenburg i. E., in der Reichenau und in der Lorsch haben sich

eine Anzahl solcher Handschriften erhalten und zu den werthvollsten

Bereicherungen der Philologie Veranlassung gegeben. Im städtischen

Archive in +Freiburg+ i. Br. fand neuerdings der städtische Archivar

Poinsignon ein reskribiertes Blatt oder einen Palimpsesten, wie man

diese Pergamentblätter nennt. Dasselbe wird von Sachkennern in die

zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts verlegt. Es umfaßt Psalmen Davids und

ist, da es alle Merkmale merowingischer, bezw. karolingischer Schrift

trägt, wol aus einem überrheinischen Kloster nach Freiburg gekommen.

(Deutscher Reichs-Anzeiger, Nr. 64.)

39) Der steiermärkische Landesausschuß beabsichtigt vom nächsten

Landtage einen Kredit von 6000 fl. zu verlangen, um das Landeszeughaus

mit historischer Treue in jenen Zustand wieder zu versetzen, in welchem

es sich als Waffenmagazin für 30000 Streiter vor zwei Jahrhunderten

befand. Der Gedanke, dasselbe durch Ausmusterung der zu Tausenden

vorhandenen ordinären Piken, Lunten und Radschloß-Musketen u. s. w.

in ein Waffenmuseum umzuwandeln, wurde aufgegeben; es sollen vielmehr

die Waffen genau so aufgestellt und geordnet bleiben, wie sie vor

200 Jahren zum Kriegsgebrauche bereit standen. Wenn die Ordnung und

Reinigung des Waffenhauses durchgeführt und dasselbe den Fremden

entsprechend zugänglich gemacht sein wird, dann wird niemand, der Graz

berührt, versäumen, das Unicum eines completen historischen Zeughauses

sich anzusehen. Der Landesausschuß beabsichtigt auch, zur Verwaltung

und Beaufsichtigung des Zeughauses einen eigenen Zeughauswart

anzustellen.

(Oesterreich.-Ungarische Kunst-Chronik, Nr. 8.)

40) In +Pritzwalk+ und in der Umgegend hat sich ein Komité

gebildet, um in der Stadt Pritzwalk in den Tagen vom 15. bis 23.

Mai eine +Ausstellung von Alterthümern aus der Priegnitz und den

angrenzenden Kreisen+ zu veranstalten. Die Ausstellung soll in den

Sälen des Garnatzschen Lokals stattfinden und sich erstrecken auf

das kulturgeschichtliche Gebiet des Alterthums, des Mittelalters und

der Neuzeit; auf Fundstücke aller Art; auf kirchliche Gegenstände;

auf Waffen- und Rüststücke; auf Haus- und Wirthschaftsgeräthe; auf

Richt-, Straf- und Folterwerkzeuge; auf Raritäten jeder Art; endlich

auf das naturgeschichtliche Gebiet der Mineralogie und Geologie,

der Botanik und Zoologie. Das Komité richtet an die Freunde des

Alterthums, an Behörden, Kirchen, Schulen, Korporationen, Vereine,

Innungen und Familien, besonders an die Rittergutsbesitzer, die

Bitte, es durch leihweise Hergabe der in ihrem Besitz befindlichen

Gegenstände der obenbezeichneten Arten zu unterstützen. Die Kosten

für den Transport werden nach Maßgabe der bei der Ausstellung zu

erwartenden Einnahmen auf Wunsch gerne vergütet, auch ist das

Komité erbötig, die Gegenstände selbst abholen zu lassen und

nach Schluß der Ausstellung den Eigenthümern unversehrt wieder

zuzustellen. Der Reinertrag des Unternehmens dient der Unterstützung

des +Johanniter-Kreiskrankenhauses+ in Pritzwalk. Anmeldungen von

Gegenständen mögen unter Bezeichnung des Ursprungs, soweit dies eben

möglich ist, an den Schriftführer, Bürgermeister Beyer in Pritzwalk,

gerichtet werden.

(Deutscher Reichs-Anzeiger, Nr. 55.)

41) Die Société Dunkerquoise pour l’encouragement des sciences hat je

eine goldene Medaille von 200 Fcs. Werth für die beste Studie über das

Leben und die Arbeiten des Charles Coquellin, sowie die Geschichte der

Wissenschaften, Literatur und Künste in Seeflandern ausgeschrieben.

Einreichungstermin 1. Okt. 1880.

=Oeffentliche Bitte an Bibliothekvorstände.= Im Begriffe, den in

genauer, von dem Bibliothekar des Prämonstratenser-Stiftes Tepl,

Hrn. +Philipp Klimês+, besorgter, Abschrift vorliegenden Tepler

Pergament-Codex s. a. (1350?) (sig. ψ VI. 139), welcher eine =Deutsche

Uebersetzung des Neuen Testaments= enthält, herauszugeben, gestattet

sich die Unterfertigte an die TT. HH. Bibliothekvorstände und

B.-Besitzer die ergebene Bitte zu richten, ihr von dem Vorhandensein

weiterer, vor der ersten gedruckten deutschen Bibel geschriebener

+deutscher+ Uebersetzungen des Neuen Testaments gefälligst Kenntniß

zu geben, damit dadurch der Entscheidung der Frage, ob es mehrere

selbständige oder nur +eine+ deutsche Hauptübersetzung gewesen, welche

den vor Luther gedruckten deutschen Bibelübersetzungen zu Grunde

gelegen, von der die übrigen nur als mit mannigfachen Veränderungen im

Ausdrucke gefertigte Abschriften sich erweisen dürften, näher getreten

werden könne. Für eine genauere Beschreibung der fraglichen Codd.

würden wir ganz besonders dankbar sein.

=Die Verlagshandlung des Literar. Instituts von Dr. M. Huttler in

Augsburg.=

Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in

Nürnberg.

Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums · 第 39 / 173 题