ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1880. Nº 3. März.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Das Inventar eines Würzburger Domherrnhofes vom Jahre 1557.

(Schluß.)

+Im kemmerlein neben der grossen kammern+: Ein tisch deppich, ein

altter tisch, ein kuessen one ziechen.

+Ime dem hindtern klein stublein+: Ein schefflin, funff schweinspieß,

ein liechtharnisch sampt einer sturmhauben vnnd faustkolben, ein

seidener schwartzer huet mit einer gulden schnuer, ein schwartz

harnisch ruck vnnd krebs schurtz vnnd ermel, ein schwartzer taffeter

huet mit einer gulden schnur, zwey bar flanckert, zwen dürckische

bogen sampt kechern in einem fuetter, ein rudenhornlein mit zweyen

windtstricken, ein turckisch rott bar stiffel, ein weis turckisch

huetlein, ein turckischer sebel, zwey fecht schwerdt, ein sewschwerdt,

vier langer reitling, drey reitschwerdt, ein rapier, ein handdegen,

ein otterzunglein, drey dolchen, ein geetzt turckisch sebelein, vier

buchsen hulfftern, vier buechsen, ein feuer zeug mit einem hanen, drey

daschlein darinnen kugel vnnd rustung zu den puxen, ein puluerflaschen,

zwen stiffel vnnd sporn, ein feuerspiegel soll 5 fl. costen, ein Marie

pilde, ein pilde darinnen das kindle Jhesus, ein fuetter darinn ein

barbirzeugkh, ein fuetter mit zwolff messern mit messe platten, ein

fuetter mit sechs messern alle von eisen, ein perspectiue taffel. +Ane

buechern+: Ein missalbuch, ein teutsch geschichtbuech des Tewerdancke,

ein Titus Liuius, Chronica Munstry, Seneca, ein teutsch thurnierbuch,

epistolæ Ciceronis eiusdemque philosophica opera, rethorica Ciceronis

et forensia offitia, Aristoteles, descriptio nouy orbis, offitia

Ciceronis teutsch, Calepinus, Plutarchus teutsch, commentaria Cæsaris,

adagia Erasmy, offitia Ciceronis teutsch mit illuminirten figuren,

Vergilius cum commentariis, notariatbuch, commentaria Cæsaris,

Laurentius Valla de lingna latina, chronographia Mintzers, ein

teutscher psalterium, Linacrj grammatica, Jordanus de ponderibus,

rethorica Ciceronis, von klaffern Lucianj, sechs vnnd dreissig stuck

kleiner buecher, ein psalterium, ein sandt vhrlein in einem schwartz

fuetter; ein verschlossener disch, darinnen zwue presentz rechnung

des 53 vnnd 54 jare, ein adiunctrechnung des 54 jars, ein schwartzer

sammeter beuttel, darinnen ein gulden ketten mit einem anhangendem

rhehpfeifflein mit des herrn wappen, eine silbere loffel, ein glader

gedenckring, ein gulden ring mit einem achat stein, ein gulden ring mit

einem turckas, ein gedenckh ring mit einem rubin vnnd einem demut, ein

gulden ring mit einem rubin, ein silbere insigel.

+In der gast kammer bey der stiegen+: Ein gemallt verschlossene truhen

mit zweyen wappen, darinnen sieben neuer tischduecher, ein bar neuer

grober laylacher; eine altte verschlossene truhen darinnen sechs bar

flachs leylacher, ein einigs neue leylach, drey grober bar leylacher,

drey schoner tischtuecher, funff tischtuecher, acht fatscheinlein

trischefftig, sechs schlechte fatscheinlein, zwue vmblege, sechzehen

handtswelen, vier kussen ziechen, ein grosse wulle tapet mit byldtnuß;

ein sponbeth mit einem gantzen himel vnnd zweien antritten, darinnen

ein stroesackh, ein vnterbeth mit colischen ziehen, ein deckbeth mit

weissen ziehen, ein pfulben mit colischen ziehen; ein spanbeth mit

einem halben himel sampt zweyen antrytten, darinnen ein stroesack,

ein vnterbeth mit colischen ziehen, ein deckbeth mit einer zwilichen

ziehen, ein pfulben mit colischen ziechen; ein schlecht sponbeth darinn

ein vnterbeth mit schlechten colischen ziechen, ein deckbeth mit einer

zwilichen ziehen, ein einig schlecht deckbettlein mit gestraichten

ziehen, ein kuß mit einer schlechten ziechen: drey zine kammerscherben.

+Vor der stuben+: ein altter tisch, ein altter behaltter mit zwey

vachen, nichts darinnen.

+In der hindtern kammern+: Ein ausgestochene altte bethladen mit einem

halben himel, nichts darinnen, ein schlechte bethladen mit einem halben

himel sampt zweyen antritten, darinnen ein stroesack, ein vnterbeth mit

barcheten ziechen, zwey kussen mit ziehen, zwey kussen one ziehen, ein

pfulb mit barcheten ziechen.

+In der obern stuben ob dem thor+: Ein tisch mit einem kunstreichen

blat von neun vachen, darinen schon schnitzwerck versetzt sampt einem

gryen gemalten plat, ein giesbeheltter verschlossen, nichts darinnen,

drey wullener vmbhengk vm einen tisch, funff schoner gewirckten tapeten

von schonen zugen, mit goldt schon belegt, ein pappiere zusamengeleimbt

stuck vom marggrauisch krieg, ein schlechter tisch, ein altter

vmbgehender schwaitzer stuel.

+In der kammer ob dem thoer+: Eylff neue pfannen groß vnd klein, ein

dribainter stuel.

+In der kuchen+: Funffzehen pfannen groß vnnd klein, zwue kupffere

schussel, drey durchschleg, ein kupffere beckelein ein kupffere

stendtener, ein bretter (_sic_) sampt vier bratspiessen, zwey

vogelspießlein, drey hackmesser, drey riebeysen, ein roest, neun

eisene loffel, ein brottpfannen, vier zine, zwey zine tellerlein,

zwen kupffere heffen, ein kupfferling, ein stuckmesser, ein eisere

pfannenholtz, ein altter kuchenbehaltter, ein altte fleischbeyhel.

+In der vntern hoffstuben+: Ein schlechten tisch mit einer schubladen,

ein altt loderbettlein, ein vorbanck mit einem glender, ein

beheltterlein an der wandt, ein eingefast mappen.

+In der kammern bey der stuben+: Zwen kessel, ein grosser trifueß, eine

altte kisten, zwoe metzen, ein neu kaltter seil.

+Ime hoff+: Ein lange eichene rinnen, ein kurtze eichene rinnen, 600

ziegel ongeuerlich, ein heufflein kalchs in einem kemmerlein, ein

schleuffstein.

+Ime kaltterhauß+: Ein neue kaltter hat der herr seliger lassen machen,

ettliche altte vaß.

+Ime summerhaus+: Ein lange schießtaffel, ein schießtisch mit einer

grunen deckh, darauff man mit kugeln scheubt, ein herrlich mansbildt,

auff ein tuch gemalet, ein eingefast tuch, darauff die histori vom

Lott, ein eingefast tuch, darauff die histori vom heydnischen weyblein,

ein eingefast tuch, darauff die histori von Sodom vnnd Gomorra, ein

zine giesfas vnnd ein kupfere becken, ein kupffere kuelkessel, ein

tisch, zwue vorbenck mit gelendter, ein grosser altter schranck, nichts

darinnen, ein zehen eimerich vas, zwue vorbanck one glender.

+Ime Keller+: Ongeuerlich funff fuetter weins in sechs vassen, ein

achzehen eimerig leer vas, sieben halb fuetterige vas, sieben vesslein

ongeuerlich 2. 3. oder 4 eimer, ein grosser ablashanne.

+Schwarzenberg.+ A. +Mörath+.

Initial vom 11. Jahrhundert.

In der Miniaturensammlung des germanischen Museums befindet sich als

Nr. 22 ein Pergamentblatt eines Kleinfoliomanuscriptes, welches auf

der Rückseite einen zweispaltigen Text in Schriftzeichen des 11.

Jhdts., auf der Vorderseite aber in einer Umrahmung einen großen

Anfangsbuchstaben B trägt, an welchen sich in kleiner Schrift die

Widmung (B) „eatissimo pape Stephano Ambrosius Autbertus presbiter“

anschließt. Die äußeren Linien des Rahmens haben eine Länge von 17,8

bei einer Höhe von 24,7 cm. Der Rand sowie der Buchstabe B sind

mit Minium gezeichnet, vier Brustbilder in den Eckfeldern, hinter

welchen der Grund grün angelegt ist, mit schwarzer Tinte, ebenso

die vier Brustbilder von Heiligen mit goldenem Nimbus in silbernen

Kreiseinfassungen auf blauem Grunde; rothe Punkte auf den Wangen,

sowie bei dreien unter den letzteren Brustbildern goldene Gewandsäume

und Spangen vervollständigen den Farbenschmuck. Auch im Initial

selbst ist das Grüne und Blaue, theilweise Gelb, verwendet, um den

Hintergrund zwischen den Ornamenten auszufüllen. Goldene Bänder sowie

zwei Goldrosetten halten die Ranken zusammen. Der Grund hinter dem

Initial ist rothbraun gefärbt, wovon sich die Majuskeln der Schrift

in weißem Auftrage abheben. Die Figürchen in den Ecken, welche keine

Nimben tragen, sind bezeichnet: G. E. G. (radiert), Engelo, Cunr̄,

Teodor̄; sämmtliche sind durch die Tonsur als Kleriker bezeichnet.

Welchem Kloster sie entstammen und welcher Zeit, geht jedoch daraus

nichts hervor. Das obere Brustbild in Mitte ist als Sanctus Vitus, das

untere als Sancta Maria bezeichnet. Die beiden Heiligen zur Seite, von

welchen der eine durch die Tiare als Papst charaktrisiert ist, haben

keine Beischrift. Auch die Spruchbänder sind leer. Der Charakter des

Ornaments erinnert noch an die zur Zeit der Ottonen übliche Ornamentik

der Initialen; ebenso der Hintergrund, der sicher nur schlechter und

deshalb verschossener Purpur ist. Die um den senkrechten Stamm des

B kriechenden Drachen, der aus Ornament gebildete Mensch und das

Fratzenhafte mit Thierklauen sind aus anderen ähnlichen Werken des

Mittelalters bekannt genug; das ganze Blatt zeigt kaum etwas Neues,

aber es ist ein gutes Beispiel der Buchverzierung des 11. Jhdts.

Der Text der Rückseite beginnt mit einem kleinen Initial S, gleich dem

großen mit Mennig gezeichnet, und theils blauer, theils gelber Bemalung

des Grundes. Er lautet, in Majuskeln fortgesetzt: Sanctorum ecclesia,

que corpus redemptoris sui est, cujus tu quoque pontificalis ordinis

primatum sortitus es inter cetera sua miracula verbo, (worauf in

Minuskeln der Text sich fortsetzt) predicationis eminet. Vt enim........

Das Blatt kam mit der frhrl. v. Aufseß’schen Sammlung in das Museum

und enthält von der Hand des Herrn v. Aufseß die Notiz mit Bleistift:

Ambrosius Autbertus † 778, Abt zu St. Vincenz in Abruzzo. Homelien.

Sind gesammelt Martène Tom. IX., Zeit K. Heinrichs II. Mit letzterer

Angabe als Zeitbestimmung für die Herstellung des Codex, dem das

Blatt angehörte, stimmen auch wir vollständig überein. Die Notiz

über den Verfasser genügt, um diejenigen Leser, welche sich für

dieselbe interessieren, auf den richtigen Weg zu lenken, ihn zu

suchen. Wir haben blos die Absicht, in der beistehenden Abbildung die

charakteristische Zeichnung, wenn auch zur Hälfte verkleinert, als

Beitrag zur Buchverzierung der romanischen Kunstperiode wiederzugeben,

die uns so viele kostbare Schöpfungen hinterlassen hat. Auf einige

ältere Initialen, die das Museum besitzt, werden wir gelegentlich

hinzuweisen haben; auch jüngere sollen folgen.

+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.

Wundermenschen.

Zwei Abbildungen des 14. Jahrhunderts.

Die Naturanschauung des Mittelalters beruhte wesentlich auf der

Antike, deren Lehren als solche sich fortpflanzten, was freilich

nicht verhinderte, daß das Bild, das man sich vom Ganzen wie von den

Einzeltheilen machte, in formaler Beziehung sich soweit von der Antike

entfernte, als eben die Kunst und Kunstideale des Mittelalters, von ihr

losgelöst, selbständigen Bahnen folgten.

[Illustration]

Dies ist insbesondere in Bezug auf das Bild der Fall, das man sich von

verschiedenen angeblichen Geschöpfen machte. Letztere spielen, wie in

der Antike, eine wesentliche Rolle. Aber die Kentauren und Sirenen

haben im Mittelalter ganz andere Formen als in der klassischen Zeit,

ebenso die Greife und Harpyien und so manches Andere. Sie finden

sich aber nicht blos in Buchillustrationen, sie haben auch in die

monumentale Kunst durch die Kirche Aufnahme gefunden und gehören zum

christlichen Bilderkreise, entweder als Repräsentanten des Bösen,

als Dämonen, oder als Repräsentanten der wunderbaren Schöpferkraft

Gottes. Wenn auch die Betrachtung der Natur nicht mit der heutigen

Genauigkeit erfolgte, wenn man die Tausende von Arten und Gattungen

nicht kannte, die heute der Wissenschaft geläufig sind, so sah man

doch die unendliche Mannigfaltigkeit und nahm ebenso wenig Anstand,

fabelhafte Geschöpfe als wirklich existierend zu betrachten, als man

Bedenken trug, existierenden fabelhafte Eigenschaften anzudichten.

Wie weit hier jene Männer, welche wirklich die Natur zu erforschen

suchten, auf anderem Standpunkte standen, als die Mehrzahl der

Zeitgenossen, und wie groß oder gering ihre Anzahl war, kommt hier

nicht in Betracht, weil sie auf die Volksanschauung keinen Einfluß

hatten. Diese aber gab der bildenden Kunst wie der Dichtung ihre

Richtung. Die Volksanschauung beschäftigte sich viel damit, die

Menschen auch in großer Mannigfaltigkeit sich zu denken, und wenn man

wußte, daß im fernen Afrika unter heißer Sonne Menschen von schwarzer

Farbe lebten, so malte man sich gerne das Bild der in weit entfernten

fremden Ländern wohnenden Menschen noch phantastischer aus, wozu ja

die Ueberlieferungen der klassischen Zeit viel beitrugen. So finden

wir den Einfuß, die einäugigen Menschen (Kyklopen), jene mit dem

Gesichte auf der Brust, mit Hundsköpfen, mit Kranichleibern u. s. w.

sowohl in steinernen Bildwerken, als in Miniaturgemälden, und später

im Holzschnitt nicht selten dargestellt, am schönsten wol, zu einer

ganzen Serie vereinigt, in Wohlgemuths Darstellungen zur Schedel’schen

Weltchronik und nach ihm noch das ganze 16. Jahrhundert hindurch in den

verschiedenen Ausgaben der Münsterschen Kosmographie.

Die Dichtung läßt den Herzog Ernst alle jene Länder bereisen, in denen

diese merkwürdigen Menschen, die Riesen und Zwerge wohnten, und noch

Jonathan Swift hat in „Gullivers Reisen“ seinen Helden dieselben Wege

geschickt. Es ist sehr schade, daß der Codex 998 des german. Museums,

der ja in sehr reicher Weise den trojanischen Krieg und Wilhelm

von Orlens illustriert, den Herzog Ernst ohne Illustrationen gibt.

Vielleicht mochte gerade dem Osnabrücker Kleriker, der so treu alles

dem Leben seines Landes und seiner Zeit nachzeichnete, der Sinn für

Phantasiegebilde gefehlt haben, für die er in seiner Umgebung keine

Vorbilder fand.

Indessen haben wir im Museum eine ältere Darstellung wenigstens von

einigen dieser wunderbaren Menschen, des Einfußes und der Kyklopen, in

einem Bruchstücke von Enenkels Weltchronik, einer Papierhandschrift des

14. Jahrhunderts, Nr. 7217 unserer Bibliothek.

+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.

Liebespaar.

Abbildung von 1441.

[Illustration]

Weniger um der Lieblichkeit des Paares willen, als um die Tracht der

höheren Stände jener Zeit zu charakterisieren, geben wir aus dem Codex

des trojanischen Krieges von 1441 die Liebesscene zwischen Paris und

Helena wieder, wobei wir auf seine Kopfbedeckung und seinen auf der

rechten Schulter gehefteten Mantel, die Schellen, sowie die Zaddeln

an ihren Aermeln aufmerksam machen. Es läßt sich manche ähnliche

undatierte Darstellung durch den Vergleich mit dieser Zeichnung

bestimmen. Das Interessanteste am Bild ist die Rasenbank, auf welcher

sie sitzen. Eine aus Brettern zusammengenagelte, mit Erde gefüllte

Kiste, deren obere Fläche mit Rasen bewachsen ist, im Schatten einiger,

hier klein dargestellten Bäume zeigt, wie einfach im 15. Jahrhunderte

die Gärten vornehmer Besitzer gewesen sein müssen, während wir die

Nachklänge der Antike noch in den Dichtungen des 12. und 13. Jahrh.

finden.

+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.

Herkules, Nessus und Dejanira.

Zeichnung des 14. und 15. Jahrhunderts.

Den Wundermenschen reihen wir füglich die hier folgende Darstellung an,

welche nicht blos den sich denselben anschließenden Kentauern Nessus

zeigt, sondern auch die Auffassung im allgemeinen wiedergibt, in der

sich das zu Ende gehende Mittelalter, bevor die humanistischen Studien

einen Einfluß auf die Volksanschauung und damit auf die Künstler

ausüben konnten, die Antike dachte. Herkules und Dejanira sind ebenso,

wie die Trojaner und Trojanerinnen, Gestalten des 14. Jhdts. in der

Tracht der vornehmen Welt jener Zeit; selbst der Kentauer ist in seinen

menschlichen Theilen bekleidet.

[Illustration]

Das Bild ist dem Codex 973 des germanischen Museums entnommen, welcher

die Geschichte der Zerstörung Trojas in deutscher Prosa enthält, und

aus dem wir schon oben, Sp. 37 ff. eine Abbildung gegeben haben, bei

welcher Gelegenheit über die Entstehungszeit gesprochen ist, auf die

wir auch bei Mittheilung einer Reihe von Beiträgen zur Waffenkunde,

die wir ihm zu entnehmen haben, wieder zurückkommen werden, da in

der Bewaffnung sich die Zeit deutlicher ausspricht, als in der

Gesellschaftstracht.

+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.

Ein vornehmer Jüngling zu Pferd und ein Bote.

Abbildung von 1441.

[Illustration]

Der mehrerwähnte Codex von 1441 zeigt die Mitglieder der ritterlichen

Gesellschaft nur in jenen Scenen in Waffen, in denen sie kämpfen.

Sobald der Kampf zu Ende ist, legen sie die Waffen ab und erscheinen

in Gesellschaftstracht. So erscheint auch auf diesem Bild Wilhelm

von Orlens, dem ein Bote die Ladung zum Turniere bringt. Das Pferd

ist nicht anders ausgestattet als in der Kampfscene. Auch der Sattel

erscheint dort ganz ähnlich wie hier. Der Fuß steht ebenso stramm im

Bügel, wie im Augenblicke des Kampfes. Die kurze Tunika des Jünglings

ist unten mit Zaddeln besetzt und reicht mit diesen bis zum Knie.

Auch der Bote trägt eine einfache, bis zum Knie reichende Tunika, ein

Kleidungsstück, das sich bis jetzt in manchen Gegenden als Bluse, auch

Staubkittel bezeichnet, beim Volke erhalten hat, wenn auch jetzt nicht

mehr um die Hüften mit dem Gürtel zusammengehalten, wie sie heute wol

nur noch Kinder tragen. Der Bote trägt als Zeichen seines Amtes ein

Schild auf der Brust und den Spieß in der Hand, wie seine Kollegen

auch noch im 17. Jhdt. ausgestattet abgebildet werden. Die offenbar

pelzüberzogene Mütze ist gleichfalls beachtenswerth und ein Beitrag zur

Mannigfaltigkeit, in welcher im 15. Jhdt. die Kopfbedeckungen gebildet

wurden.

+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.

Margarete von Schwangau, Gemahlin Oswalds von Wolkenstein.

Ueber die beiden Frauen des Minnesängers Oswald von Wolkenstein ist

äußerst wenig Zuverlässiges bekannt. Bis vor kurzem wußte man nicht

einmal bestimmt, ob Margareta von Schwangau seine erste Frau gewesen,

wofür sich Beda Weber in dem Werke: „Oswald von Wolkenstein und

Friedrich mit der leeren Tasche“ (Innsbruck, 1850) aussprach, oder Anna

von Hohenems, für die von Hormayr in seinen verschiedenen Arbeiten

über die Wolkensteiner und Schwangauer die erste Stelle in Anspruch

nahm. Die Quellen, aus welchen die genannten Autoren schöpften, sind

-- abgesehen von Oswalds Gedichten -- theils nicht bekannt, theils

nicht mehr aufzufinden, so daß in Ermangelung bestimmter urkundlichen

Nachrichten auch Ign. Zingerle in seiner Abhandlung: „Zur älteren

tirolischen Literatur I“[37] der Behauptung Beda Webers sich anschloß,

bis es ihm gelang, aus, dem gräflich Trapp’schen Archive zu Churburg

eine undatierte Urkunde zu erhalten, aus welcher hervorgeht, daß

Margareta von Schwangau ihren Gemahl Oswald überlebte; denn in

derselben -- durch welche Margareta, geb. von Schwangau, und Michel

von Wolkenstein, Domherr zu Brixen, ihrem Sohne und Bruder Oswald von

Wolkenstein das Schloß Hauenstein sammt Inventar abtreten, an ihrer und

ihrer Söhne, resp. Brüder, Gotthart, Leo und Friedrich statt -- wird

Margareta +Herrn Oswalds seligen Wittib+ genannt.[38]

Das gräflich Wolkenstein’sche Archiv, früher zu Rodenegg, nun Eigenthum

des germanischen Museums, enthält eine Anzahl von Stücken, durch welche

gleichfalls der Beweis gebracht wird, daß Margareta ihren Gemahl

Oswald überlebte und also dessen +zweite+ Frau gewesen sein muß, wenn

er überhaupt +zwei+ Frauen hatte. Sie bilden mit der in der Germania

abgedruckten Urkunde die einzigen authentischen Nachrichten über

Margareta von Schwangau -- über Anna von Hohenems sind unseres Wissens

solche nicht bekannt --; sie lassen uns Margareta in vortheilhaftem

Lichte sehen und bereichern zugleich unsere Kenntnisse über das Leben

Oswalds. Beinahe sämmtliche Stücke gehören dem Todesjahre Oswalds

(1445) oder dem Jahre 1447 an; nur eine Urkunde führt uns in eine

frühere Zeit zurück.

Durch diese letztere, welche wir unter I hier zum Abdruck bringen,

überträgt Margareta am St. Jörgentage (24. April) des Jahres 1426

all ihre Rechte, Forderungen und Ansprüche, die ihr von ihrem Vater

seligen, Ulrich von Schwangau (dessen Tod wahrscheinlich kurz vorher

erfolgt sein dürfte), und von künftigen Sachen noch anfallen möchten,

ihrem lieben Mann Oswald von Wolkenstein.

Außer dieser Urkunde finden sich aus der Zeit, da Oswald lebte, nur

noch zwei Margareta betreffende Stücke, und zwar zwei Briefe derselben

vor, die sie beide im letzten Lebensjahre Oswalds, wenige Monate vor

seinem Tode, schrieb. Von dem ersteren, an ihren Diener Jörg gerichtet

(abgedruckt unter II), ist der Tag der Ausfertigung nicht genau zu

bestimmen, da eine vorgenommene Korrektur es unmöglich macht, den

Namen des Heiligen des betreffenden Tages zu entziffern; doch geht

aus dem Briefe hervor, daß er vor Ostern (28. März) 1445 geschrieben

wurde, da Margareta darin mittheilt, sie habe vernommen, daß sie in

den Osterfeiertagen heim solle gen Hauenstein, und sei bereit, dem

auch nachzukommen. Der übrige Inhalt des Briefes betrifft häusliche

Geschäfte; namentlich wird dem Diener Jörg noch anbefohlen, sich das

Wohl seines Herrn angelegen sein zu lassen.

Der zweite Brief, vom 28. Mai 1445, von Margareta an Oswald selbst

gerichtet (s. III), läßt uns dieselbe gleichfalls als tüchtige Hausfrau

und als eine um das Wohl ihres Mannes zärtlich besorgte Gattin

erkennen, die demselben auch in Sachen der Politik mit ihrem Rathe zur

Seite stehen durfte. Die in dem Briefe enthaltenen, auf politische

Angelegenheiten sich beziehenden Stellen beweisen, daß die Behauptung

Webers, Oswald habe seine letzten Lebensjahre in vollständiger

Zurückgezogenheit und zerfallen mit der Welt auf Hauenstein zugebracht,

auf Irrthum beruht, der wol hauptsächlich dadurch entstand, daß es

Weber nicht gelang, entsprechende urkundliche Nachrichten über Oswald

aus jener Zeit aufzufinden. -- In der interessanten Abbhandlung Albert

Jägers: „Der Streit der Tiroler Landschaft mit Kaiser Friedrich

III. wegen der Vormundschaft über Herzog Sigmund von Oesterreich

von 1439-1446“[39] wird zwar mitgetheilt, daß der Landtag zu Meran

(zusammengetreten am 3. November 1443) Oswald von Wolkenstein die

Verwesung des Eisak- und Pusterthales übertrug, die Frage jedoch,

welcher von den beiden Oswalden mit diesem Vertrauensposten beehrt

wurde, unerörtert gelassen. Da ein solcher einem jüngeren Manne,

der noch nicht Gelegenheit hatte, sich hervorragendes Ansehen zu

erwerben, gewiß +nicht+ anvertraut wurde, so ist darüber wol kein

Zweifel statthaft, daß es Oswald I., der Minnesänger, selbst war, der

hochbetagt -- er stand 1443 im 76. Lebensjahre -- noch seine Kräfte dem

Vaterlande widmete und treu auf Seite des Herzogs Sigmund aushielt.

Eine Bestätigung findet diese Annahme durch die unter IV abgedruckte

Bescheinigung vom 2. August 1445 (dem Todestage Oswalds) für Margareta

von Wolkenstein, geb. von Schwangau, über zwei Schlüssel, ausgestellt

vom Vogt Ulrich von Matsch, dem ältern Grafen zu Kirchberg und

dem Rathe zu Meran, als oberste Verweser des Herzogs Sigmund und

seiner Landschaft. Oswald war nämlich Mitglied der aus fünf Personen

bestehenden Kommission, welche das Original der von Friedrich V. von

Oesterreich 1439 zu Hall ausgestellten Verschreibung und das Inventar

des von Sigmunds Vater hinterlassenen Schatzes unter gemeinsamem

Verschluß hatte.[40]

Margareta wohnte auch nach dem Tode ihres Gemahles Oswald auf Schloß

Hauenstein, wie aus der unter V abgedruckten Urkunde vom 10. September

1445 hervorgeht, durch welche die Söhne Oswalds I. ihrer Mutter

Hauenstein nebst allen Einkünften übergeben.

Außer diesen bisher erwähnten Stücken finden sich in dem ehem.

Rodenegger Archive noch zwei an Margareta gerichtete Briefe aus dem

Jahre 1447. Den ersten, vom 24. Januar, hat Matthäus Mochinger, Bürger

zu Brixen, geschrieben, der hiedurch Mittheilung über verschiedene

für Margareta besorgte Geschäfte macht. Da er Neues über dieselbe

nicht enthält, unterlassen wir dessen Abdruck. Diesem Briefe liegt

die Abschrift einer Empfangsbescheinigung bei, durch welche „ritter

viczencz von der guldein rosen“ bestätigt, von Frau Margareta, weiland

Herrn Oswalds seligen Wittib von Wolkenstein, mancherlei Gegenstände

und einzelne Geldbeträge, darunter 10 Pfund seines verdienten Soldes,

erhalten zu haben.

Der zweite Brief, vom 10. Febr. 1447, ist gleichfalls ein reiner

Geschäftsbrief, und zwar von Hanns Krafft, Richter in Taufers,

geschrieben, welcher von Margareta Wein gekauft hat und ihr meist auf

dieses Geschäft bezügliche Nachrichten mittheilt. Wir erfahren durch

den Inhalt dieses und des vorher erwähnten Briefes, daß Margareta

damals Hauenstein sammt den Einkünften höchst wahrscheinlich noch

besaß, und daß sie erst im weiteren Verlaufe des Jahres 1447,

vielleicht durch zunehmendes Alter und Gebrechlichkeit veranlaßt,

Hauenstein an Oswald abtrat, so daß die in der Germania a. a. O.

mitgetheilte Urkunde in die Zeit nach dem 15. Februar 1447 zu setzen

sein dürfte. Hiemit stimmt auch, daß Margaretas Tod jedenfalls in

den ersten Tagen des Jahres 1448 erfolgt ist. In einer Urkunde vom

26. Februar 1448 (Original auf Pergament) verzichtet nämlich Michael

von Wolkenstein, Domherr zu Brixen, zu Gunsten seiner Brüder Oswald,

Leo und Friedrich (seltsamer Weise fehlt Gotthart) auf das gesammte

väterliche Erbe und was ihm von seiner +lieben Mutter seligen+

im Rückfall zukommen sollte, behält sich jedoch die lebenslängliche

Nutznießung einiger Gült und Zinsen, nämlich 2 Ctr. Käs auf dem Hofe

genannt Pilatus, gelegen in Greden, und 18 Pfund Berner Geldes aus dem

Haus, gelegen zu St. Lorenzen, das jetzt der Schaider inne hat, und

zwei Pfund Geldes, aus dem Hofe zu Mastrol, alles Meraner Münze, vor,

sowie drei Fuder Wein, Clausner Maß, welche ihm seine Brüder jährlich

liefern müssen, endlich das Recht, im Falle es nothwendig, sich auf

der Veste Hauenstein mit seinen Dienern aufhalten zu dürfen. Zins und

Gült sollen nach Michels Tod wieder an seine Brüder oder ihre Erben

fallen. Was ihm jedoch an Erbe von mütterlicher Seite anfallen möchte,

darauf verzichtet er nicht, sondern will mit seinen Brüdern zu gleichen

Theilen erben. Offenbar ist diese Urkunde kurze Zeit nach dem Tode

Margaretas ausgestellt worden, so daß die obige Annahme bezüglich des

Zeitpunktes desselben gerechtfertigt erscheint.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums · 第 31 / 173 题