MARIE. Wie geht's Dir, mein Theuerster? — —

ALBERT. Welche Stimme?

MARIE. — Kennst Du sie nicht mehr — Traun, schlag' Dein Auge auf! Ich

bin — bin Marie — die Gottverlassene, welche heuchlerisch, grausam,

unnatürlich — blos um Dich zur Verzweiflung zu treiben — blos um Dich

zu zermalmen — ja, blos, blos deshalb, Albert — den braven Eltern sich

— als Verbrecherin sich — — — Albert, dem Doctor, — ich vergab ihm

nichts! — Seine Versuchungen — ich wies sie ab — wies sie ab, Albert,

wie es Deine — wie es meine Ehre gebot!

FRAU ZIEMENS. Tochter, o Tochter!

MARIE. Ach, wie blind, wie blind war ich!

ALBERT. Sei's jetzt nicht, Mädchen!

MARIE. Jetzt, Albert, jetzt sehe ich klar — Du bist der Edelste der

Edlen!

ALBERT. Was — was versichert Dich dessen? — Sage nicht Dein Herz! das

richtete über mich! — Sage nicht Dein Herz! — Wer Jahre lang die

köstliche Zeit müßigen Spiels verträumte, nichts, nichts unternahm, die

Hoffnungen zu erfüllen, die ein theures Mädchen in ihn setzte —

plötzlich das Bündel packte und ging — dann wiederkehrte — wieder — auf

Grund eines — o die Scham erstickt mir das Wort! — Wer so handelte, war

ein entnervter Sclave des Elends, ein schnöder Kuppler des Lasters und

mußte, mußte verdammt werden! — Keine Reue, kein Mitleid mir! Wohl

erkannte ich meine Schuld!

MARIE. Eben, — sühntest Du sie nicht!

Der Bankerott: Eine gesellschaftliche Tragödie in fünf Akten · 第 161 / 167 题