BLASHAMMER. Keine Zeit verloren.
V. ZITTERWITZ (für sich). Die Sache wird höchst kritisch! — Viel
Vergnügen mein Fräulein.
BLASHAMMER (ihm nachrufend). Nur den Finger auf dem Munde!
Zweite Scene.
DIE VORIGEN ohne V. ZITTERWITZ.
BLASHAMMER (zu Adelgunde in melancholischem Tone seufzend). Wer kann
sagen, ob man morgen noch am Leben ist! (Er setzt sich zu ihr.)
ADELGUNDE. Was fehlt Dir mein Vater?
BLASHAMMER. Die Freude und Seligkeit des Herzens! . . . Wo andere
singen, springen und scherzen, bin ich zum Weinen aufgelegt.
ADELGUNDE. Woher kommt das?
BLASHAMMER. Gott weiß! . . Ich denke, Du wirst Deinen Vater nicht mehr
lange besitzen. . .
ADELGUNDE. Einbildungen, Väterchen, nichts als Einbildungen.
BLASHAMMER. Könnt' ich ihnen widerstehen! sie nehmen aber meine ganze
Seele gefangen! — fast alle Nächte träumt mir von Hobelspänen,
Kirchhöfen, Särgen, Priestern in schwarzen Talaren — Wie Du weißt, ging
ich in früheren Jahren nur höchst selten zur Kirche, jetzt darf ich
keinen Sonntag versäumen und häufig drängt's mich noch Dienstag's und
Donnerstag's die Wochenpredigt dem wichtigen Geschäft an der Börse
vorzuziehen. — Alles das bedeutet nichts Gutes! Aufgerieben ist meine
Gesundheit, abgenutzt meine Seele! Die geringste Aufregung wirkt
schädlich auf die Verdauung, der kleinste Schreck verursacht mir
schlaflose Nächte . . .
ADELGUNDE. Du mußt auf solche Kleinigkeiten nicht achten.
BLASHAMMER. 's ist leicht gesagt! — Um jedoch von einer wichtigeren
Sache zu sprechen! Sieh', dieweil mich solche traurige Ahnung erfüllt,
wirst Du's natürlich finden, daß ich mein Gewissen mit dem Himmel in
Harmonie zu bringen trachte. . . Schon vor einigen Tagen gab ich Dir
einige Winke in Betreff — Erräthst wohl schon mein Täubchen? Schlag'
Deine Augen nur auf, blicke mich nur liebreich an. Das Heirathen ist
keine schamhafte Angelegenheit, sondern etwas ganz Gewöhnliches, 's ist
von Gott eingesetzt und unsere erste und oberste Pflicht vor allen
andern Dingen . . . Ich will Dich indessen schonen, wenn Du davon ungern
hörst: hi, hi, hi, im Augenblick wird Dein Ehekandidat erscheinen.
ADELGUNDE. Hier?
BLASHAMMER. Ja.
ADELGUNDE. Aber mein Vater.
BLASHAMMER. 's ist ein schmucker junger Mann. — Du sah'st ihn wohl schon
oft auf der Promenade in dem schönen blauen Frack mit den goldenen
Knöpfen. — Sicherlich findet er Deinen Beifall.
ADELGUNDE. Was soll ich dazu sagen!
BLASHAMMER. Traun, schönen Dank, wie's sich ziemt. — Da, küss' mir die
Hand.
ADELGUNDE (die Hand küssend). Das Alter macht Dich kindisch. . . Jesus,
wie schnell geht das!
BLASHAMMER. Wundre Dich acht Tage! — Ich höre Tritte. — Er wird's
sein . . .
ADELGUNDE. Du jagst mir doch nur einen Schreck ein, Papa.
BLASHAMMER. — Man darf mich nicht bei Dir finden. . . Komm' ihm auf
halbem Wege entgegen. — (Ihre Stirne küssend.) Sei hübsch artig. . . (Er
geht.)
ADELGUNDE (nachrufend). — Papa?
BLASHAMMER. Meine Tochter?
ADELGUNDE. Wer ist denn der Herr Candidat?
BLASHAMMER (lächelnd). Er heißt, mein Püppchen, er heißt — Wozu aber!
sogleich siehst Du ihn. . .