Aus diesen und vielen anderen Versuchen geht eindeutig hervo

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe so weit wie

möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler wurden

stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr

verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;

fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.

Besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der

folgenden Symbole gekennzeichnet:

fett: =Gleichheitszeichen=

gesperrt: +Pluszeichen+

Antiqua: ~Tilden~

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Chemische

Unterhaltungen

Von

Ludwig Wunder

in Sendelbach bei Lohr a. M.

Mit 52 Abbildungen

Verlag Peter J. Oestergaard

Berlin-Schöneberg

+Alle Rechte+, insbesondere das Recht der

Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten.

== Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. ==

~Copyright by

Peter J. Oestergaard Verlag,

Berlin-Schöneberg.~

8955. Berliner Buch- und Kunstdruckerei, G. m. b. H.,

Berlin W. 35–Zossen.

Inhalt.

1. Wie man chemische Kenntnisse erwirbt (ein Brief) 7

2. Was ein Chemiker sich unter einer Verbrennung vorstellt 10

3. Über die Unterschiede zwischen chemischen und physikalischen

Vorgängen (ein Brief) 22

4. Atom und Molekül (ein Gespräch) 28

5. Die Wärmeänderung bei chemischen Vorgängen 39

6. Säuren, Basen und Salze (ein Gespräch) 48

7. Die Salpetersäure und was man daraus macht 58

8. Kohlehydrate und Alkohol 68

9. Brennstoffe 84

10. Fette, Öle, Seifen und Kitte 111

11. Die größte chemische Fabrik der Welt (ein Gespräch) 123

12. Das periodische System der Elemente (ein Gespräch) 144

Vorwort.

Dieses Buch bedarf einer kurzen Erläuterung; nicht sowohl wegen seines

Inhalts (von dem ich mit der Eitelkeit des Verfassers hoffe, daß er

für sich selbst spricht), als vielmehr wegen seiner Darstellung. Denn

ich habe in zwei Kapiteln die Briefform und in vier Kapiteln die

noch subjektivere Form des Zwiegesprächs angewendet, und dies gerade

bei solchen Stoffen, die unzweifelhaft schwieriger zu erklären sind

als der übrige Inhalt. Ich hoffe nicht, daß mir jemand daraus den

Vorwurf schmiedet, ich wolle den Ernst der Wissenschaft durch eine

theatermäßige Spielerei profanieren; aber vielleicht ist es doch gut,

die Gründe zu nennen, warum ich diese uralte, von den griechischen

Philosophen geübte, von unseren eigenen Vorfahren bis vor 100 Jahren

viel gepflegte Darstellungsform wieder aufgreife. Wer immer sich mit

der Kunst der volkstümlichen Darstellung befaßt hat, der wird zugeben

müssen, daß das eigentliche Wesen alles Erklärens darin beruht, daß

man die +Gegensätze+ betont und heraushebt; gerade, wie man eine

mathematische Formel oft dadurch am besten begreift, daß man für die

veränderliche Größe die gegensätzlichen Grenzwerte Null und Unendlich

einsetzt. Für die Betonung der Gegensätze eignet sich nun nach

meinen Erfahrungen die Form des Zwiegesprächs ganz außerordentlich;

sie schneidet mit Messerschärfe die Gegensätze heraus und rundet

so überraschend schnell alle Begriffe, auch solche, über die man

sonst wohl lange vergeblich reden könnte. Freilich ist es nicht

immer leicht, Klippen zu vermeiden, die den Fragensteller als bloßen

Statisten erscheinen lassen könnten, oder die darin bestehen, daß der

Fragende alle Schwierigkeiten des Stoffes geschickt umgeht, und so zwar

leichte, aber den Leser wenig befriedigende Antworten erhält. Der Leser

wird zweifellos selbst am besten beurteilen können, wieweit es mir

gelungen ist, diese Fehler zu vermeiden.

+Sendelbach bei Lohr a. M.+

=L. Wunder.=

1. Wie man chemische Kenntnisse erwirbt.

(Ein Brief.)

Lieber Freund!

Sie fragen mich, ob ein Laie, der noch niemals in Chemie unterrichtet

worden ist, imstande sei, sich durch eigene Belehrung eine richtige

Vorstellung von chemischen Vorgängen zu machen. Diese Frage darf

ich getrost bejahen. Freilich handelt es sich bei der Belehrung

in chemischen Fragen um wesentlich andere Methoden als etwa beim

Selbststudium der Geschichte. Denn Geschichte kann man zur Not allein

aus Büchern und mit Büchern lernen. Soll ich Ihnen klarmachen, warum

diese Methode für das Studium der Chemie unbrauchbar ist, so möchte

ich die Chemie mit einer modernen Fremdsprache, etwa Französisch oder

Englisch, vergleichen. Wenn Sie versuchen wollten, diese Sprachen

+allein+ aus Lehrbüchern zu lernen, ohne jemals sich von einem Kundigen

die Laute, Wörter und Sätze vorsprechen zu lassen und Ihr Ohr am

lebendigen Klang der Sprache zu üben, so werden Sie mir zugeben,

daß Ihre erste Unterhaltung in dieser Sprache mit einem wirklichen

Beherrscher derselben recht merkwürdig klingen müßte. +Man muß also mit

dem Ohr Erfahrungen sammeln, um mit dem Verstand Sprachen lernen zu

können.+ In einer ganz ähnlichen Lage befinden Sie sich, wenn Sie die

Sprache der Chemie lernen wollen: da müssen Sie die chemischen Vorgänge

aus zahlreichen Experimenten zu sich reden lassen, um gleichsam Ihr

Ohr an den Ton der chemischen Sprache zu gewöhnen, um eine Vorstellung

davon zu bekommen, was im Bereich der Chemie möglich ist und was

unmöglich ist. Das Experiment ist nicht bloß in der Chemie, sondern

in allen Naturwissenschaften die Grundlage alles Lernens und die

letzte, ja die einzige +maßgebende+ Instanz für die Beantwortung aller

Fragen. In unseren Schulen wird das noch viel zu wenig beachtet. Dort

herrscht leider auch bei zahllosen Lehrern noch der Irrglaube, als ob

man chemische Tatsachen aus Büchern lernen könne, aus Büchern, die uns

doch im besten Fall nur zum Studium der Natur +anregen+ können. Hätten

diese Lehrer eine Ahnung davon, welch entsetzliche Vergewaltigung ihre

unnatürliche Lehrmethode für den Geist der Schüler bedeutet, so müßte

sich ihr Verantwortungsgefühl dagegen aufbäumen. Aber selbst wenn ihnen

diese Ahnung aufdämmern möchte, stehen ihnen noch hundert Ausflüchte

offen: die uralte scholastische Überlieferung, der Mangel an Zeit, an

Geld und Laboratoriumseinrichtungen, Arbeitsüberhäufung, ungenügende

Entschädigung für Vorbereitungsarbeit, Disziplinschwierigkeiten im

Laboratoriumsunterricht, die Gefahren und die gesetzliche Haftpflicht

des Lehrers für Unfälle usw. -- Da wird wohl noch eine lange Zeit

vergehen, bis die Laboratorien unserer Schulen aus dem Stadium

des „Renommierlaboratoriums“ in das der wirklichen Arbeitsstätte

übergetreten sein werden. Und doch müssen wir unerbittlich an der

Erkenntnis festhalten, daß es kein wirkliches Lernen der chemischen

Sprache gibt, außer in jenem Zwiegespräch mit der Natur, welches

durch die +eigene+ Experimentiertätigkeit des Lernenden geführt

wird. Es genügt auch nicht, daß der Lernende bloß den Experimenten

des Lehrers zusieht; er muß selbst nach eigenem Ermessen Fragen an

die Natur stellen können. Denn die Experimentalvorträge des Lehrers

sind recht häufig nichts anderes als eine ~pia fraus~, ein frommer

Betrug gegen den Schüler, der dem Lehrer meistens gar nicht voll zum

Bewußtsein kommt. Denn der Lehrer wird aus naheliegenden Gründen

stets solche Versuche auswählen, welche für die von ihm vorgetragenen

Behauptungen sprechen; er wird Versuche, welche dagegen sprechen,

nicht machen, vielleicht in der redlichen Absicht, den Schüler nicht

durch Widersprüche zu verwirren. So dient er wohl der Klarheit, aber

gewiß nicht der Wahrheit. Drei Viertel aller Experimentalvorträge

unserer naturwissenschaftlichen Hoch- und Mittelschullehrer sind mit

diesem Fehler behaftet und zwingen unter dem Scheine der Objektivität

das Gehirn des Schülers in ausgefahrene Geleise. Es gibt nur ein

einziges wirksames Mittel gegen solche Selbsttäuschung: das ist die

+eigene+ Experimentiertätigkeit des Schülers, und zwar nicht jene

„planvoll durch den Lehrer geleitete“ unserer an unfreiwilliger Komik

so überreichen Schullehrpläne und Ministerialverordnungen, sondern die

aus eigenem Denken hervorgegangene, vielleicht gerade durch die Lust

am Widerspruch, durch den Zweifel an den einseitigen Ausführungen des

Lehrers angeregte. In der Schule der Zukunft wird für diese eigene

Versuchstätigkeit des Schülers unbeschränkte Zeit, unbeschränkte

Gelegenheit und -- unbeschränkte Lust vorhanden sein. Dann wird auch

kein Experimentalvortrag des Lehrers, sei er noch so einseitig und

unwahr, Schaden anstiften können.

Sie aber, lieber Freund, möchte ich mit diesen Worten angeregt haben,

auch +meine+ folgenden Belehrungen und Behauptungen als einen Anreiz

zum +Zweifel+ auf sich wirken zu lassen, der in Wahrheit der Vater

aller Erkenntnis ist. Ich werde es mir zur Aufgabe machen, Ihren

Zweifel förmlich herauszufordern. Ich werde Ihren Zweifel als den

Stempel Ihres Geistes achten und ehren und werde Ihnen im Gefühl dieser

Achtung nach meinen Kräften helfen, die Natur selbst zu befragen.

Ihr getreuer

L. W.

2. Was ein Chemiker sich unter einer Verbrennung vorstellt.

Die Verbrennung gilt dem Laien als das sicherste Mittel, um einen

Gegenstand unwiderbringlich zu vernichten. Aber auch der Chemiker wird,

wenn er unliebsame Briefe vernichten will, zum Feuer greifen, und es

wird ihm auch nicht gelingen, die jammernde Hausfrau zu überzeugen,

daß ein in die Tischdecke gebranntes Loch nur auf einer Täuschung

beruhe. Holz und Kohle im Ofen verbrennen auf Nimmerwiederkehr, die

brennende Kerze scheint wahrhaft spurlos zu verschwinden. Selbst die

katholische Kirche, die doch den Glauben an unser Fortleben nach dem

Tode unerschütterlich festhält, wußte in der Inquisitionszeit kein

besseres Mittel zur vollständigen Vernichtung der Ketzer als den

Feuertod. -- Angesichts solcher Tatsachen ist es keine leichte Aufgabe,

nachzuweisen, daß die Substanz keines einzigen verbrannten Gegenstands

von der Erde verschwunden ist, daß kein Brief, kein Holzscheit, keine

Kohle noch Kerze, kein ketzerischer Leib durch das Verbrennen auch nur

um ein Milligramm leichter geworden ist, daß alle seit Urzeiten auf

Erden verbrannten Dinge noch mit ihrem vollen Gewicht und ihren ganzen

Bestandteilen auf Erden vorhanden sind.

Die Geschichte des Begriffs „Verbrennung“ ist nämlich geradezu ein

Schulbeispiel für die Richtigkeit des Satzes, daß der Schein trügt.

Wenn man das gerade Gegenteil von derjenigen Auffassung glaubt, die

einem zunächst als die richtige erscheint, so kommt man auf diesem

Gebiet in den meisten Fällen der Wahrheit am nächsten. Denn wenn z.

B. ein Stück Schwefel verbrennt, so sieht es aus, als ob seine Masse

beim Brennen leichter würde, und wird doch schwerer; die schöne blaue

Flamme scheint anzudeuten, daß ein Stoff aus dem Schwefel entweicht --,

aber in Wirklichkeit ist sie ein Zeichen der Verbindung des Sauerstoffs

mit dem Schwefel, also kein Symbol des Abgangs, sondern vielmehr ein

Symbol des Zugangs eines Stoffes zum Schwefel; beim Brennen sieht es

aus, als ob der Schwefel auf Nimmerwiedersehen verschwände, aber die

Wahrheit ist, daß man ihn aus dem gasförmigen Verbrennungsprodukt

leicht wieder abscheiden kann. Also jede unserer ersten Vermutungen

erweist sich bei genauerer Prüfung als trügerischer Schein.

Ich will nun eine Reihe von Versuchen beschreiben, welche jedermann

in den Stand setzen, sich von der Richtigkeit meiner Behauptungen zu

überzeugen.

Zunächst ist nachzuweisen, daß jeder brennbare Körper beim Verbrennen

nicht an Gewicht verliert, sondern im Gegenteil zunimmt. Dieser

Nachweis ist am leichtesten, wenn +sämtliche+ Verbrennungsprodukte

des Körpers +fest+ sind, wenn er sich also ausschließlich in +Asche+

verwandelt. Diese Eigenschaft besitzen die verbrennbaren Metalle, z.

B. Eisen, Magnesium, Blei, Zinn. Nun brennen solche Metalle natürlich

nicht so leicht, wie etwa Holz oder Kohle, und man muß sie daher

in eine lockere Form bringen, am besten in Pulverform, um sie gut

brennbar zu machen. Sehr gut eignet sich für unseren ersten Versuch

das pulverförmige Magnesiummetall, welches in jeder Drogerie billig zu

kaufen ist. Wir legen auf eine Tafelwage oder Briefwage, welche noch

ein halbes Gramm Belastung deutlich durch einen Ausschlag erkennen

läßt, ein Stückchen Ziegel oder Dachschiefer und schütten darauf etwa

10 Gramm Magnesiumpulver, so daß es einen kleinen Berg bildet. Dann

stellen wir die Wage, falls es eine Tafelwage ist, durch Belastung der

anderen Schale genau ins Gleichgewicht und zünden sodann mit einem

Streichholz den Gipfel unseres Magnesiumberges an. Der ganze Berg

gerät in kurzer Zeit in schöne Rotglut, und durch die Hitze wird ein

aufsteigender Luftstrom erzeugt, welcher zunächst die Wagschale mit

emporreißt, so daß es aussieht, als ob das Magnesium beim Verbrennen

leichter würde. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, daß

ein kleiner Teil der weißen Asche als Rauch emporgewirbelt wird und

daß die übrige Asche merklich zusammensinkt und einen geringeren

Raum einzunehmen scheint, als vorher das Metallpulver einnahm. Aber

trotz dieser Verluste und Sinnestäuschungen erkennt man bereits nach

wenigen Minuten, daß die Wagschale mit der Asche tiefer und tiefer

herabsinkt und offensichtlich schwerer wird, als sie zuerst war. Die

Gewichtszunahme wächst noch mehr, wenn man mit Hilfe einer Stricknadel

den glühenden Berg vorsichtig auseinanderbreitet, so daß auch sein

Inneres verbrennen kann.

Auch mit pulverförmigem +Eisen+, welches in den Apotheken und Drogerien

unter der lateinischen Bezeichnung ~Ferrum limatum~ zu kaufen ist,

läßt sich der Versuch unter gewissen Bedingungen leicht anstellen.

Diese Bedingungen bestehen darin, daß man das Eisenpulver mittels eines

+Magneten+ an einer Wage aufhängt. Man benutzt dazu einen sogenannten

Hufeisenmagneten, den man, gewöhnlich ziegelrot lackiert, bei jedem

Optiker bekommt, und taucht seine Pole in das Eisenpulver, welches

in dicken Büscheln daran hängen bleiben muß. Dann befestigt man den

Magneten vorsichtig so an einer Schale einer Hornschalenwage oder

anderen Balkenwage, daß der „Bart von Eisen“ nirgends anstößt, sondern

allseitig frei hängt. Nun wird die Wage in genaues Gleichgewicht

gebracht. Dann hält man eine Flamme, am besten eine Spiritusflamme

oder einen Bunsenbrenner, unter den Eisenbart. Er entzündet sich und

verglimmt langsam, während zugleich der Wagenarm sich senkt, an dem er

befestigt ist.

[Illustration: Abb. 1. Gewinnung von Bleioxyd durch Veraschen von Blei.]

Auch Blei und Zinn werden bedeutend schwerer, wenn man sie durch

Erhitzen an der Luft in Asche verwandelt. Man füllt zu diesem Zweck

einen kleinen Porzellantiegel, welchen man in der Regel beim Optiker

kaufen kann, zu dreiviertel mit zusammengeknülltem Stanniol oder

kleingehacktem Blei und wägt ihn auf einer Hornschalenwage oder guten

Briefwage. Hornschalenwagen wägen mit einer Genauigkeit bis zu ¹⁄₁₀₀

Gramm. Dann erhitzt man den Tiegel auf einem passenden Gestell in

+schräger+ Lage, wie Abb. 1 zeigt. Die Schrägstellung des Tiegels ist

notwendig, damit die Luft gut über das schmelzende Metall streichen

kann. Zum Erhitzen muß man eine rußfreie und heiße Flamme haben,

also entweder einen Bunsenbrenner oder eine Benzingebläselampe. Das

geschmolzene Metall wird mit einer Stricknadel fleißig umgerührt. Nach

20–30 Minuten ist es größtenteils in Asche verwandelt, die sich beim

Wägen (nach dem Erkalten) als bedeutend schwerer erweist.

Niemand wird zweifeln, daß es sich in allen diesen Fällen um echte

Verbrennungen handelt, wenn auch eine eigentliche Flamme nicht

sichtbar wird. Die „Flamme“ entsteht nämlich nur dann, wenn der

Brennstoff durch die Hitze oder durch andere Umstände wenigstens

teilweise in Dampf verwandelt wird. Da nun Metalle, wie Eisen und

Blei, nicht leicht verdampfen, so brennen sie auch nicht leicht mit

Flamme. Schwefel dagegen oder Phosphor, welche leicht verdampfen, oder

auch Wachs, Petroleum, Paraffin usw., bilden beim Brennen Flammen.

Das Magnesiummetall nimmt eine Mittelstellung ein, da es in heller

Glühhitze ebenfalls verdampft: zündet man einen Streifen Magnesiumband

an, so kann man deutlich eine lodernde, blendend weiße Flamme

beobachten. +Jede „Flamme“ ist ein brennender Dampf.+

[Illustration: Abb. 2. Gewichtszunahme bei der Verbrennung einer Kerze.]

Ein Stoff, der mit Flamme brennt, scheint nun merkwürdigerweise beim

Brennen stets leichter zu werden. In Wahrheit wird er aber doch nicht

leichter, sondern gleichfalls schwerer. Aber sein Verbrennungsprodukt,

seine „Asche“, ist eben meistens gasförmig und entweicht unsichtbar

in die Luft. Was wir aber nicht sehen, das glaubt bekanntlich unser

Herz nicht gern, und so sträuben wir uns gegen die Annahme, daß

eine Kerze beim Brennen schwerer wird, weil wir die gasförmige,

unsichtbare „Asche“ der Kerze nicht beobachten können. Nun ist es

aber gar nicht schwer, diesen Zweifel zu entkräften. Die gasförmigen

Verbrennungsprodukte der Kerze haben nämlich die Eigenschaft, von

festem +Ätznatron+ (auch „Laugenstein“ oder „scharfe Soda“, „kaustische

Soda“ genannt) aufgeschluckt und festgehalten zu werden. Wenn man

daher über einer brennenden Kerze einen Lampenzylinder befestigt,

dessen Höhlung mit Stücken von festem Ätznatron gefüllt ist, so hält

dieser alle Verbrennungsprodukte der Kerze fest. Nun kann man mit

einer Wage leicht feststellen, ob Kerze und Lampenzylinder zusammen

beim Verbrennen der Kerze leichter werden oder schwerer. Der Versuch

ergibt das letztere. Man muß dabei, wie Abb. 2 zeigt, einen gewissen

Kunstgriff anwenden. Das feste Ätznatron hat nämlich die Eigenschaft,

an der Luft ganz von selbst schwerer zu werden, weil es die in der

Luft stets vorhandene Feuchtigkeit begierig anzieht. Würden wir also

auf die eine Wagschale die Kerze und den Zylinder voll Ätznatron,

auf die andere aber nur die Tariergewichte setzen, so könnte man mit

Recht gegen das Versuchsergebnis einwenden, daß das Ätznatron durch

heftige Anziehung der Luftfeuchtigkeit schwerer geworden sei. Dieser

Einwand wird dadurch entkräftet, daß man auch auf die andere Wagschale

einen ebensogroßen Zylinder voll Ätznatron bringt. Nun zeigt sich,

daß trotzdem die Wagschale mit der brennenden Kerze schwerer wird.

Gegen diesen Befund kann auch der scharfsinnigste Kritiker nichts

einwenden: +die Gewichtsabnahme der brennenden Kerze ist nur eine

Sinnestäuschung+. Auch die mit Flamme brennenden Körper werden beim

Brennen nicht leichter, sondern schwerer.

Also sind die Holzscheite und Steinkohlen, welche wir und unsere

Vorfahren in den Öfen verbrannt haben, und die Leiber der armen Ketzer

und Hexen, welche die Inquisition durch den Flammentod zu vernichten

glaubte, in Wahrheit nicht verschwunden, sondern sie schweben noch als

unsichtbare Gase in der Luft -- wenn diese Gase nicht im Haushalt der

Natur eine andere Verwendung gefunden haben. Darüber werden wir noch

Näheres hören.

Stellen wir als vorläufiges Ergebnis unserer Untersuchungen fest: +es

gibt keinen einzigen brennbaren Körper, der nicht bei der Verbrennung

an Gewicht zunimmt+.

Die Gewichtszunahme ist nur dadurch erklärbar, daß der brennende Stoff

während der Verbrennung einen anderen Stoff an sich zieht. Dieser

andere Stoff kann nur in der Luft enthalten sein: es ist bekanntlich

das +Sauerstoffgas+, welches ziemlich genau den fünften Teil der

Luft ausmacht. Aus diesem Grund vermag kein Körper, der in der Luft

brennbar ist, im luftleeren Raum oder in einer Luft zu brennen,

aus welcher man das Sauerstoffgas entfernt hat. Aus diesem Grund

verlöschen auch brennende Körper nach einiger Zeit, wenn man sie in

einem abgeschlossenen Luftraum hat brennen lassen: z. B. verlischt

eine kleine Kerze sehr bald, wenn man sie mit Hilfe eines Drahtes in

eine leere Flasche versenkt, weil das in der Flaschenluft enthaltene

Sauerstoffgas sich bald mit der Kerze chemisch verbunden hat. Taucht

man einen brennenden Streifen Magnesiummetall in eine leere Weinflasche

und stöpselt man sie sofort, gleichzeitig, fest zu, so ist es nicht

schwer nachzuweisen, daß das Magnesium beim Brennen einen Teil der

Luft in sich aufgenommen hat: wenn man nämlich nach 10 Minuten die

Flasche mit der fest verschlossenen Mündung unter Wasser taucht und nun

entkorkt, so strömt Wasser hinein. Also ist beim Brennen des Magnesiums

soviel Luft verbraucht worden, als nun durch Wasser ersetzt wurde.

Diese Luft, oder vielmehr dieser Luftbestandteil, der Sauerstoff, ist

es, welcher die Gewichtszunahme brennender Stoffe verursacht.

Eine derartige Behauptung bleibt unverständlich für jeden Menschen,

der über die Natur der Gase noch keine Erfahrungen gesammelt hat.

Denn er kann sich nicht vorstellen, daß Luft ein Gewicht haben soll,

oder wenn er es für möglich hält, so glaubt er, daß dieses Gewicht

viel zu gering sei, um mit der gewöhnlichen Wage meßbar zu sein.

Nimmt doch eine brennende Kerze weit mehr an Gewicht zu (wenn man die

Verbrennungsprodukte wiegt), als ihr eigenes Gewicht beträgt. Und hätte

die Luft wirklich ein Gewicht, so müßte sie doch zu Boden sinken.

Ferner müßte sie auf die Wagschalen, auf den Tisch, ja, auf unseren

eigenen Körper einen Druck ausüben.

Es ist nicht schwer, diese Einwände zu entkräften. Daß die Luft trotz

ihres Gewichtes nicht zu Boden sinkt, ist auf denselben Zusammenhang

zurückzuführen, durch welchen ein Fisch im Wasser nicht zu Boden sinkt,

obgleich er doch sicherlich ein recht wahrnehmbares Gewicht besitzt.

Daß sie auf die Wagschalen, auf den Tisch, auf unseren Körper drückt,

entgeht der gewöhnlichen Beobachtung aus einem ähnlichen Grund: denn

wenn man eine Wage in eine Kufe voll Wasser stellt, so zeigt sie auch

keinen Ausschlag an, obwohl das Wasser auf die Wagschalen drückt. Es

drückt eben in diesem Fall nicht bloß auf beide Wagschalen gleichstark,

sondern es drückt auch von unten und von den Seiten gegen die Schalen.

So spüren wir auch von dem gewaltigen Druck der Luft auf unseren Körper

nichts, weil die Luft durch Mund und Nase in unsere Lungen und in unser

Blut gelangt und von hier aus dem Druck auf die äußere Körperfläche

das Gleichgewicht hält. Unsere sämtlichen Körpergewebe sind sozusagen

mit Preßluft gesättigt und infiltriert; bringt man eine Schale voll

frisches Blut in einen luftleeren Raum, so schäumt und moussiert es wie

eine entkorkte Brauselimonadenflasche, weil die eingepreßte Luft durch

keinen Gegendruck in der Flüssigkeit mehr festgehalten wird. Denn der

Druck der Luft ist in der Nähe des Erdbodens (in hohen Luftschichten

ist er viel geringer) gewaltig stark: er beträgt etwa 1 Kilogramm auf

jeden Quadratzentimeter. Auf die Oberfläche des menschlichen Körpers

ausgerechnet, macht dies für einen Erwachsenen von 1½–2 Quadratmeter

Hautoberfläche wohl einen Druck von 15000 bis 20000 Kilogramm, also

von 300 bis 400 Zentnern, aus. Es sieht fast merkwürdig aus, daß

wir unter dieser entsetzlichen Last nicht zusammenbrechen. Folgende

Tatsache wird uns das Verständnis erleichtern: Die Chemiker benutzen

zum Erhitzen ihrer Flüssigkeiten sehr dünnwandige Glaskolben mit ebenem

Boden, sogenannte Kochflaschen. Stellt man eine solche Kochflasche

in ein großes Druckgefäß und läßt man nun in dieses Druckgefäß

komprimierte Luft oder verdichtetes Kohlensäuregas einströmen, so

platzt die Kochflasche nicht, trotz ihrer dünnen Wandung, auch wenn man

den Druck der Preßluft auf 200 Atmosphären steigert. Denn der Druck

wirkt ebensostark auf die Innenseite, wie auf die Außenfläche der

Kochflasche. Schließt man sie jedoch vorher luftdicht zu, so wird sie

durch den Außendruck zusammengepreßt.

Aus diesen und vielen anderen Versuchen geht eindeutig hervor, daß die

Luft einen Druck ausübt, und dieser Druck kann nur von ihrem Gewicht

herrühren. Tatsächlich besitzt die Luft ein recht wahrnehmbares

Gewicht, welches für den Liter 1¼ Gramm beträgt. Man kann es leicht

mit Hilfe einer alten, ausgedienten Glühlampe nachweisen. Da diese

Lampen luftleer gepumpt sind, so müssen sie, wenn man durch Abbrechen

der Spitze Luft hineindringen läßt, schwerer werden um das Gewicht der

eingedrungenen Luft. Man wäge also eine möglichst große, unversehrte

Glühlampe ab oder tariere sie auf einer Hornschalenwage, breche dann

die Spitze, nachdem man sie mit einer kleinen Dreikantfeile angefeilt

hat, ab, und wäge nun die Glühlampe samt der abgebrochenen Spitze

wieder. Sie ist sehr merkbar (um 0,2–0,3 Gramm für die 16kerzige Lampe

gewöhnlicher Größe) schwerer geworden.

Somit kann es nicht mehr zweifelhaft sein, daß die Gewichtszunahme

brennender Stoffe durch das Hinzutreten einer bestimmten Menge Luft

erfolgt. Demnach muß also in dem Verbrennungsprodukt einesteils der

Brennstoff, andernteils die hinzugetretene Luft enthalten sein.

Durch geeignete Mittel muß es also gelingen, aus der „Asche“ beide

Bestandteile wieder abzuscheiden. Es muß möglich sein, die matte,

graugelbe Bleiasche wieder in glänzendes metallisches Blei zu

verwandeln, indem man den Sauerstoff herauslockt. Aus der weißgrauen,

glanzlosen Zinnasche muß sich Zinnmetall, aus dem unsichtbar

gasförmigen Kohlensäuregas schwarze Kohle wiedergewinnen lassen.

Freilich hängt der Luftsauerstoff so fest an den Metallen und an der

Kohle, daß die Trennung einige Schwierigkeiten macht. Nur die Aschen

des Quecksilbers und der edlen Metalle zerfallen schon beim bloßen

Erhitzen in Metall und Sauerstoffgas. Aber wir können uns diese Aschen

nicht selbst herstellen, haben daher auch an ihrer Zerlegung kein

rechtes Interesse. Wollen wir aber die Aschen unedler Metalle zerlegen,

so müssen wir nicht bloß Hitze anwenden, sondern auch dem Sauerstoff

sozusagen einen Ersatz anbieten für das Metall, das er freigeben soll.

Ein solcher Ersatz ist z. B. gepulverte Holzkohle. Wir mischen unsere

Bleiasche mit Holzkohlenpulver, füllen das Gemisch in einen Tiegel,

decken ihn mit einem Blech oder Scherben zu und erhitzen ihn über dem

Bunsenbrenner oder am Herdfeuer auf Rotglut: nach dem Erkalten finden

wir am Grund des Tiegels schön glänzendes, metallisches Blei. Wie der

Vogel Phönix ist es aus der Asche neu erstanden. (Mit Zinnasche ist

dieser Versuch viel schwieriger, da das Zinn den Sauerstoff fester hält

als Blei.)

Ebenso können wir leicht aus dem unsichtbaren, gasförmigen

Verbrennungsprodukt der Kohle, dem Kohlensäuregas, wieder schwarze

Kohle abscheiden, wenn wir dem Sauerstoff als Ersatz für die

freizugebende Kohle das Metall Magnesium anbieten. Wir benutzen dazu

die Versuchsanordnung der Abbildung 3. Das Magnesiumpulver wird in eine

sogenannte Kugelröhre aus schwer schmelzbarem Glas gefüllt (man bekommt

sie in den Geschäften für chemische Apparate oder bei Optikern) und

von außen durch eine Flamme erhitzt, nachdem man begonnen hat, durch

die Röhre einen Strom von Kohlensäuregas zu leiten. Zwischen den rot

erglühenden Metallspänen scheidet sich eine Menge schwarzer Kohle ab.

[Illustration: Abb. 3. Zurückgewinnung der Kohle aus dem Kohlendioxyd

durch glühendes Magnesiummetall.]

In der Natur kommt eine große Anzahl von Erzen vor, welche ihrer

Zusammensetzung nach nichts anderes sind als Metallaschen, verbrannte

Metalle. Man kann aus allen diesen Erzen die darin enthaltenen Metalle

gewinnen, indem man die Erze mit Kohle zusammen erhitzt. Manche von

diesen Erzen geben das Metall schon bei mäßigem Erhitzen mit Kohle

frei, z. B. der weiße Arsenik das Arsen: man bringt (Abb. 4) in ein

spitz zulaufendes Glasrohr aus schwer schmelzbarem Glas eine Spur eines

feinzerriebenen Gemisches von Arsenik und Holzkohle, überdeckt dieses

Gemisch mit einem winzigen Holzkohlensplitter und erwärmt es in einem

kleinen Flämmchen. Das abgeschiedene Arsen verdampft in der Hitze und

scheidet sich etwas oberhalb an den kälteren Wänden des Glasrohrs als

schwarzer, glänzender Spiegel ab. Da weißer Arsenik als Rattengift

Verwendung findet und nicht selten durch Verwechslung mit Zucker zu

Vergiftungsfällen Anlaß gibt, so kann man verdächtige Stoffe auf diese

Weise leicht auf Arsenik prüfen.

[Illustration: Abb. 4. Darstellung schwarzen Arsens.]

Auch aus den Eisenerzen wird nach demselben Verfahren das Eisen

abgeschieden, wozu nur deshalb eine größere Hitze erforderlich

ist, weil das abgeschiedene Eisen erst bei Gelbglut schmilzt und

zusammenfließt. Der riesenhafte chemische Apparat, in welchem dieser

wichtige Vorgang stattfindet, heißt bekanntlich Hochofen. Abb. 5

zeigt einen solchen aus Steiermark, dessen Höhe nicht weniger als

25 Meter beträgt. Die innere Weite nahe der Mitte ist 6½ Meter. Der

ganze, gemauerte Schacht wird mit abwechselnden Lagen von Kohle und

Erz gefüllt. Da das Erz aber nicht bloß aus Eisenasche, sondern

auch zum großen Teil aus Gestein („Gangart“) besteht, welches das

Zusammenfließen des geschmolzenen Eisens erschweren oder verhindern

würde, so muß es mit einem sogenannten „Zuschlag“ versetzt werden. Dies

ist (je nach Beschaffenheit der Gangart) eine quarz- oder kalkreiche

Gesteinsart, welche sich mit der Gangart zu einer leicht schmelzbaren

Schlacke verbindet. Besteht die Gangart aus Quarz, so muß der Zuschlag

ein Kalkgestein sein; ist die Gangart umgekehrt kalkreich, so muß der

Zuschlag viel Quarz enthalten: denn stets verbinden sich Quarz und

Kalk, die für sich fast unschmelzbar sind, miteinander zu einer leicht

schmelzbaren Schlacke.

[Illustration: Abb. 5. Hochofen.]

Der Hochofen ist infolge seiner großen Höhe sozusagen sein eigener

Kamin. Der Zug dieses Kamins würde aber bei weitem nicht ausreichen,

um die Hitze zu liefern, welche um raschen Ausschmelzen des Eisens

notwendig ist. Deshalb wird durch besondere Öffnungen („Düsen“) von

unten in den Hochofen Preßluft („Wind“) eingeblasen. Eine dieser Düsen

ist in unserer Abbildung rechts unten zu sehen. Diese Preßluft wird,

um recht wirksam zu sein, vor dem Eintritt ins Feuer um den ganzen

Hochofen herumgeleitet und dadurch vorgewärmt. Diese Vorwärmeleitung

sieht man etwas unterhalb der Ofenmitte im Querschnitt. Aus der

oberen Öffnung („Gicht“) des Hochofens sind früher ungeheure Mengen

brennbarer Gase („Gichtgase“) ungenutzt in die Luft entwichen. Jetzt

fängt man sie mit Hilfe der in der Abbildung sichtbaren Vorrichtung

auf und benutzt sie teils zur Vorwärmung des Windes, teils zum

Betrieb von Gasmotoren. Die Konstruktion dieser Gasmotoren ist eine

der größten technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte.

Denn die Gichtgase sind an und für sich minderwertig und so arm an

brennbaren Bestandteilen, daß ihre Ausnutzung nur in Gasmotoren von

riesenhafter Größe möglich war, die erst erfunden werden mußten. So

werden jetzt bereits mehr als eine Million Pferdekräfte aus Gichtgasen

gewonnen, die früher ungenutzt in die Luft entwichen. Obwohl erst

ein Teil der deutschen Hochöfen mit Gichtgasmotoren verbunden ist,

kann die so gewonnene Kraft in den eigenen Betrieben bei weitem

nicht mehr verbraucht werden. Sie wird daher in unseren großen

Eisenhüttenanlagen an Ort und Stelle in Elektrizität verwandelt und

durch Überlandzentralen an die Städte und Ortschaften der weiteren

Umgebung verteilt.

Kehren wir nun zum Ausgangspunkt unserer Untersuchung zurück, so sehen

wir ein Hauptkennzeichen aller Verbrennungsvorgänge darin, daß der

brennende Körper sein Gewicht vermehrt um dasjenige einer gewissen

Sauerstoffmenge, mit welcher er sich im Verbrennungsvorgang verbindet.

Diese Sauerstoffmenge kann entweder aus der Luft entnommen werden,

wie bei allen Verbrennungen gewöhnlicher Art; oder sie kann aus

einem anderen Verbrennungsprodukt (einer Asche) stammen: so bei der

Verbrennung von Kohle durch Eisenoxyd, bei welcher das Eisenoxyd in

Eisen zurückverwandelt wird. Das Bild, welches sich ein Chemiker von

einer Verbrennung macht, unterscheidet sich also recht wesentlich von

der Auffassung der Laien: Der Brennstoff wird durch die Verbrennung

nicht +vernichtet+, sondern nur +verwandelt+. Er wird dabei nicht

+leichter+, sondern +schwerer+.

3. Über die Unterschiede zwischen chemischen und physikalischen

Vorgängen.

Lieber Freund!

Sie haben mir wieder eine Frage vorgelegt, deren Beantwortung (wenn

sie überhaupt möglich ist) jedenfalls weit schwieriger ist, als Sie

glauben. Ich soll Ihnen also eine scharfe Grenzlinie ziehen zwischen

den Begriffen des physikalischen und des chemischen Vorgangs, woraus

notwendig folgt, daß ich Ihnen erklären müßte, was ein physikalischer

und was ein chemischer Vorgang ist. Dies kann ich aber gar nicht,

wenigstens nicht in einer solchen Genauigkeit, daß die Erklärung für

alle Fälle gilt. Sie müssen mir also erlauben, die Antwort auf Ihre

Frage in dem Sinne einzuschränken, daß ich Ihnen die +scheinbaren+

Unterschiede zwischen chemischen und physikalischen Vorgängen nenne.

Sie werden mit dem Wachsen Ihrer chemischen Kenntnisse ganz von selbst

bemerken, daß diese Unterschiede eben nur scheinbare sind.

Betrachten wir als Beispiele für physikalische Vorgänge die Erhitzung

eines Metallstücks bis zur Glut, das Schmelzen eines Metalls, die

Verdampfung und das Gefrieren des Wassers. Was ist allen diesen

verschiedenen Vorgängen gemeinsam? -- Kein Mensch wird behaupten

können, daß ein Körper in einem +physikalischen+ Vorgang seine

Eigenschaften +nicht+ ändere. Ändert sich doch schon beim Glühen

das Aussehen aller Stoffe so außerordentlich, daß alle Farben und

Oberflächeneigenschaften schwinden, der Glanz erlischt, die Härte sich

außerordentlich verringert, die Leitfähigkeit für den elektrischen

Strom ganz anders wird. Tatsächlich kann man dem Aussehen nach einen

glühenden Stein von einem glühenden Eisenstück nicht unterscheiden, so

groß die Unterschiede dieser beiden Stoffe in der Kälte sind. Und nun

gar erst beim Schmelzen! Oder beim Verdampfen! Kann sich ein Körper

stärker verändern in bezug auf Aussehen, spezifisches Gewicht, Härte,

Zusammendrückbarkeit, Leitfähigkeit für den elektrischen Strom usw. als

es ein verdampfender Stoff tut? --

Man wird also nicht sagen dürfen, daß das Wesen eines chemischen

Vorgangs dadurch gekennzeichnet sei, daß sich die Eigenschaften des

Stoffes ändern, der dem Vorgang unterworfen wird. Denn wenn sich Blei

oder Magnesium durch den chemischen Vorgang der Verbrennung in Asche

verwandelt, so ist die Änderung der Eigenschaften kaum größer, als

wenn diese Metalle sich durch einen physikalischen Vorgang in Dampf

verwandeln.

Somit müssen wir die Kennzeichen chemischer Vorgänge in etwas

ganz anderem suchen. Nun ist es eine auffallende Tatsache, daß

bei chemischen Vorgängen stets und ohne Ausnahmen entweder Wärme

+entwickelt+ oder Wärme +verbraucht+ wird. Alle Verbrennungen

sind ja ein Beweis für den einen dieser Fälle, denn sie machen

die freiwerdende Wärme deutlich erkennbar. Man hat eine Zeitlang

geglaubt, in diesen Änderungen des Wärmeeinhalts das Hauptkennzeichen

+chemischer+ Vorgänge erblicken zu müssen. Aber wie unrichtig diese

Auffassung war, werden Sie mir sofort zugeben, wenn ich Sie daran

erinnere, daß auch die allerhäufigsten +physikalischen+ Vorgänge ohne

Wärmeinhaltsveränderungen nicht möglich sind: +kein+ Körper auf der

ganzen Welt kann schmelzen oder verdampfen, ohne gleichzeitig Wärme zu

verbrauchen; kein Gas kann sich verflüssigen, keine Flüssigkeit kann

erstarren, ohne zugleich Wärme an die Umgebung abzugeben. Kein Körper

kann von einem elektrischen Strom durchflossen, von einem Lichtstrahl

getroffen werden, ohne sich dadurch zu erwärmen, und es gibt auch

keinen Stoff auf der Erde, den man pressen oder hämmern könnte,

ohne ihn zugleich wärmer oder kälter (Eis wird durch Druck kälter)

zu machen. Also sind auch die Wärmezustandsänderungen kein sicheres

Kennzeichen der +chemischen+ Vorgänge allein.

Nun bleibt aber doch noch eine Gruppe von drei Möglichkeiten übrig,

welchen allein die chemischen Prozesse genügen können. Diese

Möglichkeiten sind:

1. das Zusammentreten zweier oder einiger Stoffe zu einem einzigen,

der in +allen+ Eigenschaften von seinen Bestandteilen abweicht,

2. der Zerfall eines Stoffes in zwei oder einige, die in allen

Eigenschaften von ihm verschieden sind,

3. der Austausch von Bestandteilen zwischen zwei Stoffen, so daß

beide dadurch in ganz neue Stoffe verwandelt werden.

Für den ersten Fall haben wir in den Verbrennungen viele treffliche

Beispiele kennen gelernt. Blei tritt mit Sauerstoffgas zu gelber

Bleiasche zusammen, welche in allen ihren Eigenschaften gänzlich

verschieden ist sowohl vom Blei als vom Sauerstoff. Ein prächtiger

Versuch zum Beweis des gleichen Falles ist die Bildung des

Jodquecksilbers aus Jod und Quecksilber. Sie kaufen sich eine

Zweikugelröhre aus schwer schmelzbarem Glas, wie Abb. 6, und bringen in

die eine Kugel etwas gepulvertes Jod, in die andere etwas Quecksilber.

Wenn Sie nun erst das Quecksilber und dann das Jod erwärmen, so

bilden sich prachtvoll glänzende Kristalle von rotem Jodquecksilber.

Dieser Versuch zeigt Ihnen zugleich, wie töricht es wäre, Chemie aus

Büchern lernen zu wollen, ohne Versuche zu machen. Denn der +Name+

„Jodquecksilber“ läßt die beiden Bestandteile so leicht erkennen,

daß man dadurch auf die falsche Meinung gebracht werden könnte, das

wirkliche Jodquecksilber lasse seine Bestandteile ebenfalls leicht

unterscheiden, so wie ein „Kesselwagen“ den Kessel und Wagen, ein

„Motorrad“ den Motor und das Rad. Man sieht aber im Versuch mit

Erstaunen, daß Jodquecksilber weder mit Jod, noch mit Quecksilber die

geringste Ähnlichkeit hat.

[Illustration: Abb. 6. Jod und Quecksilber.]

Die zweite Reihe von chemischen Vorgängen ist durch den +Zerfall+ eines

Stoffes in einige, von ihm verschiedene, gekennzeichnet. Beispiele

dafür kennen Sie schon längst; denn Sie wissen, daß man Wolle, Haare,

Kleiderstoffe, Holz usw. nicht erhitzen kann, ohne daß sie „sich

zersetzen“, d. h. eben in solche anderen Stoffe chemisch zerfallen.

Auch für die dritte Reihe von chemischen Vorgängen haben wir schon

Beispiele kennen gelernt. Sie ist dadurch gekennzeichnet, daß zwei

Stoffe durch den Austausch gewisser Bestandteile in zwei ganz neue

Stoffe verwandelt werden. So entstand durch solchen Austausch aus

+Bleiasche+ und +Kohlenpulver+: +Bleimetall+ und +Kohlensäuregas+, aus

+Kohlensäuregas+ und +Magnesiummetall+: schwarze +Kohle+ und weiße

+Magnesiumasche+.

Durch Nachdenken über Ihre Frage bin ich noch auf einen anderen

Unterschied zwischen physikalischen und chemischen Vorgängen gekommen:

durch physikalische Prozesse wird das Gewicht des Stoffes, welcher dem

Prozeß unterworfen wird, nicht verändert: ein Kilo Wasser behält sein

Gewicht bei, auch wenn es gefriert oder in Dampf verwandelt wird. Durch

chemische Vorgänge wird aber das Gewicht eines Stoffes stets vermehrt

oder vermindert, je nachdem er einem chemischen Aufbau oder Zerfall

unterworfen wird. Diese Gewichtsänderungen sind nun sehr interessant,

weil sie nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten erfolgen, welche ich mich

nun bemühen will, Ihnen klar zu machen.

Wir haben im Anfang unserer Unterhaltungen auf einer Wage einen kleinen

Berg aus Magnesiumpulver errichtet, haben ihn dann angezündet und

festgestellt, daß er durch Sauerstoffaufnahme aus der Luft sein Gewicht

vermehrte und dabei in weiße Magnesiumasche verwandelt wurde. Wir

können uns nun fragen: wieviel Sauerstoff enthält diese Asche? Gibt es

davon etwa verschiedene Qualitäten von verschiedenem Sauerstoffgehalt,

so wie man fettreichen und fettarmen Käse kennt? Wird etwa die weiße

Magnesiumasche noch reicher an Sauerstoff und noch schwerer, wenn

man sie an der Luft weiterhin glüht? -- Oder gibt es stets dieselbe,

einzigartige Verbindung einer ganz bestimmten Menge Magnesium mit einer

unabänderlichen Menge Sauerstoff? --

Diese Frage hat die Chemiker erst um die Wende vom 18. zum 19.

Jahrhundert zu interessieren angefangen, obgleich sie von so

beispielloser Wichtigkeit ist, daß erst von ihrer Beantwortung an

die Chemie ihren ungeheuren Aufschwung nehmen konnte. Da haben denn

zahllose Untersuchungen ergeben, daß es allerdings von einem und

demselben Metall verschiedene Aschen mit verschiedenem Sauerstoffgehalt

gibt. So gibt es z. B. vom Blei nicht weniger als drei verschiedene

Aschen, nämlich die gelbe Bleiglätte, das braunschwarze Bleisuperoxyd

und die rote Mennige. Aber trotzdem hat es damit eine ganz andere

Bewandtnis als mit den Käsesorten von verschiedenem Fettgehalt.

Denn der Fettgehalt eines Käses kann in jeder beliebigen Abstufung

reguliert werden; ist mir ein Käse von 20 % Fettgehalt noch ein wenig

zu mager, so kann ich den Fabrikanten veranlassen, den Fettgehalt um

1, 2 oder 3 % zu erhöhen -- ganz nach meinen Wünschen. Finde ich aber

die Bleiglätte, welche stets unabänderlich 7,17 % Sauerstoff enthält,

für meine Zwecke zu arm an Sauerstoff, so kann ich ihren Gehalt daran

allerdings auch erhöhen, +aber nicht nach Belieben+: ich kann sie nur

in +Mennige+ verwandeln, welche außer dem Metall Blei noch 9,34 %

Sauerstoff enthält, oder in Bleisuperoxyd, welches 13,81 % Sauerstoff

enthält. +Mittelstufen zwischen diesen gibt es nicht.+ Auch besteht

noch ein wichtiger Unterschied gegenüber den Käsesorten: diese sind

doch im Grund, trotz ihres verschiedenen Bleigehalts, von gleicher Art

und gleichartigen Eigenschaften. Die drei Sauerstoffverbindungen des

Bleis sind dagegen +grundverschieden+ voneinander: Bleiglätte ist gelb,

Mennige zinnoberrot, Bleisuperoxyd dunkelbraun. Bleiglätte löst sich

in Essigsäure und in Salpetersäure leicht auf, Bleisuperoxyd in keiner

von beiden Säuren, Mennige wird durch Salpetersäure in Bleisuperoxyd

verwandelt usw.

Es werden also die Verhältnisse bei chemischen Vorgängen von einem

Gesetz beherrscht, welches der Engländer +John Dalton+, Lehrer in

Manchester, um 1803 herum entdeckte und als „+Gesetz der bestimmten

Gewichtsverhältnisse+“ bezeichnete.

Etwas schwieriger war die Entdeckung eines zweiten Gesetzes über

denselben Gegenstand, welche durch denselben Forscher wenige

Jahre später erfolgte. Ich kann sie Ihnen ebenfalls an den drei

Sauerstoffverbindungen des Bleis klarmachen. Wir haben vorhin folgende

Prozentgehalte Sauerstoff für diese drei Verbindungen erwähnt:

Bleiglätte 7,17

Mennige 9,34

Bleisuperoxyd 13,81

Rechnet man nun diese Sauerstoffgehalte um auf je einen Gewichtsteil

Bleimetall, so findet man:

in +Bleiglätte+ sind mit 1 g Blei verbunden: 0,0773 ~g~ Sauerstoff

„ +Mennige+ „ „ „ „ „ „ 0,1030 „ „

„ +Bleisuperoxyd+ „ „ „ „ „ „ 0,1546 „ „

Betrachtet man diese Zahlen genauer, so erkennt man leicht, daß das

Bleisuperoxyd genau doppelt soviel, die Mennige genau um ein Drittel

mehr Sauerstoff enthält als die Bleiglätte. Dieselbe Beobachtung

macht man, wenn man die Aschen anderer Metalle, z. B. des Eisens, mit

der Wage und rechnerisch kontrolliert. +Stets ergeben sich zunächst

komplizierte Zahlen, die aber stets untereinander in einem einfachen

Verhältnis stehen.+ Diese Verhältnisse sind so einfach, daß man sie

stets durch einstellige ganze Zahlen bezeichnen kann, also z. B. 1 : 2,

oder 3 : 4, oder 4 : 7 usw.

Dieses Gesetz heißt: „+Gesetz der mehrfachen Gewichtsverhältnisse+“.

Durch die beiden Gesetze der „bestimmten“ und der „mehrfachen“

Gewichtsverhältnisse sind alle chemischen Vorgänge scharf

gekennzeichnet. Ich hoffe, damit Ihre Frage in verständlicher Form

beantwortet zu haben, und bitte Sie nur, mir Ihre Zweifel stets

mitzuteilen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

L. W.

4. Atom und Molekül.

(Eine Unterhaltung zwischen einem Laien und einem Chemieprofessor im

Laboratorium.)

+Der Laie+: Lieber Professor, gestatten Sie mir, daß ich Ihren

wissenschaftlichen Theorien den Vorwurf mache, daß sie unserem

Laienverstand oft ein wenig +naiv+ vorkommen. Was will Ihre

Wissenschaft z. B. mit der +Atomtheorie+ sagen! Ist es wirklich Ihr

Ernst zu behaupten, daß die Teilbarkeit einmal eine Grenze haben soll?

Daß man z. B. den Feinheitsgrad eines Pulvers durch Mahlen nicht

über eine gewisse Stufe erhöhen könne? Uns Laien erscheint, offen

gesagt, die Annahme geradezu lächerlich, daß ein so winziges Teilchen

plötzlich gegen jeden weiteren Teilungsversuch eine unüberwindliche

Widerstandskraft entwickeln soll, während wir mit unseren Sprengstoffen

doch sogar Nickelstahlpanzer bequem in Teile zerlegen können. Wer ist

eigentlich zuerst auf diesen absurden Gedanken gekommen?

+Der Professor+: Der Gedanke lag am Ende des 18. Jahrhunderts sozusagen

in der Luft; klar ausgesprochen wurde er am Beginn des 19. Jahrhunderts

zum erstenmal von demselben +John Dalton+ in Manchester, der die beiden

Gesetze der einfachen und mehrfachen Gewichtsverhältnisse zuerst

entdeckt hat. Was nun Ihre Einwände betrifft, so können Sie sich mit

der Tatsache trösten, daß auch wir Fachgelehrten in der Anfangszeit

unseres Chemiestudiums ebenso gedacht haben, wie Sie jetzt denken. Um

so mehr dürfte es Sie interessieren, daß die Atomlehre in den hundert

Jahren ihrer Entwicklung an Wahrscheinlichkeit nicht verloren, sondern

im Gegenteil soviel gewonnen hat, daß heute wohl kein Chemiker im Ernst

daran zu zweifeln wagt.

+Der Laie+: Das ist mir ganz unbegreiflich, und Sie machen mich

ordentlich neugierig, die Gründe zu hören.

+Der Professor+: Die ältesten und noch immer nicht widerlegbaren

Gründe für die Atomtheorie liefern uns die beiden Daltonschen

Verbindungsgesetze (das der bestimmten und das der vielfachen

Gewichtsverhältnisse). Hätte nämlich die Teilbarkeit der Stoffe keine

Grenze, so müßten sich z. B. Blei und Sauerstoff in beliebigen Mengen

miteinander verbinden lassen, so wie man etwa Spiritus und Wasser in

beliebigen Verhältnissen miteinander mischen kann. Denn wenn schon das

Blei den Sauerstoff anzieht und sich chemisch mit ihm verbindet, so

ist nicht einzusehen, warum diese Verbindung nicht +kontinuierlich+

bis zu einem gewissen Sättigungsgrad erfolgt. Daltons Gedanke, die

Eigenschaft der Teilbarkeit der Stoffe nur bis zur Größe der Atome

gelten zu lassen, erklärt diese Tatsache augenblicklich in einer

verblüffend einfachen Weise: ein kleinstes Bleiteilchen (Blei+atom+)

verhält sich zu einem kleinsten Sauerstoffteilchen (Sauerstoffatom)

dem Gewichte nach wie 1 zu 0,0773. Also besteht der chemische Prozeß

bei der Verbrennung des Bleis einfach darin, daß sich je ein Bleiatom

mit einem Sauerstoffatom verkettet. So erklärt sich sozusagen spielend

das bestimmte Gewichtsverhältnis zwischen Blei und Sauerstoff, denn

das sind eben die Gewichte der Atome. So erklärt es sich auch, warum

es keine Übergangszustände gibt zwischen reinem Blei und reiner

Bleiglätte, so etwa, wie man solche Übergangszustände zwischen reinem

und verdünntem Spiritus kennt.

+Der Laie+: Das scheint mir wirklich überzeugend. -- Woher kommt denn

der sonderbare Name „Atom“ für diese kleinsten Teilchen?

+Der Professor+: Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet

„unteilbar“, unzerschneidbar.

+Der Laie+: Wie erklärt aber Daltons Atomtheorie die Tatsache, daß es

außer der Bleiglätte noch zwei andere Sauerstoffverbindungen des Bleies

gibt?

+Der Professor+: Hier gerade zeigt sich die Stärke dieser Lehre: sie

betrachtet die kleinsten Teilchen des Bleisuperoxyds als Verkettungen

von je +einem+ Bleiatom mit +zwei+ Sauerstoffatomen, wie folgende

Zeichnung andeutet:

[Illustration: Abb. 7. Ein Molekül Bleisuperoxyd, wie es nach Daltons

Vorstellung aussieht.]

und die Mennige als eine Verkettung von +drei+ Bleiatomen mit +vier+

Sauerstoffatomen:

[Illustration: Abb. 8. Ein Molekül Mennige enthält dagegen ein

vierarmiges und zwei zweiarmige Bleiatome.]

Chemische Unterhaltungen · 第 1 / 12 段