Die Besucher Sofja Petrownas

Sofja Petrowna unterhielt nicht ihre Besucher: war dieser ein junger Mann

aus der Gesellschaft, der das Vergnügen liebte, dann hielt sie es für

nötig, zu all seinen witzigen, nicht ganz witzigen sowie ganz ernsten

Worten zu lachen; sie wurde purpurn vor Lachen, und ihre kleine Nase

bedeckte sich mit Schweißperlchen; der mondäne junge Mann wurde, weiß Gott

weshalb, auch purpurn, und seine Nase bedeckte sich mit Schweißperlchen;

der mondäne junge Mann wunderte sich über das junge, aber doch unmondäne

Lachen und räumte Sofja Petrowna innerlich einen Platz unter den

Demimondänen ein. Inzwischen erschien auf dem Tisch eine Sammelbüchse mit

der Inschrift »Für wohltätige Zwecke«, und Sofja Petrowna Lichutina rief

lachend: »Sie haben wieder eine >Fifka< gesagt -- Sie haben zu zahlen.«

Sofja Petrowna hatte seit kurzem eine Sammlung zugunsten der Arbeitslosen

angelegt, und jeder, der eine gesellschaftliche >Fifka<, d. h. eine

gewollte Dummheit, sagte, mußte -- zahlen; das Wort Fifka leitete sie von

»fi . . .«[*] ab. Und Baron Ommau-Ommergau, der gelbe, Ihrer Majestät

Kürassier, Graf Awen, der blaue Kürassier, der Leibhusare Sporyschew und

Werhefden, Sekretär im Amte Ableuchows, lauter mondäne junge Leute,

sprachen eine »Fifka« nach der anderen und warfen eine Silbermünze nach der

anderen in die Büchse.

[Fußnote *: pfui.]

Warum kamen nur zu ihr so viele Offiziere? Mein Gott, sie tanzte ja auf

Bällen; war hübsch, ohne Demimondäne zu sein; und schließlich war sie

selbst Offiziersgattin.

War ihr Besucher Musiker oder Musikliebhaber, erklärte ihm Sofja Petrowna,

daß ihre Götter -- die Duncan und der Nikisch seien (sie sagte aber Dunkàn

und Nikìsch), daß sie selbst Meloplastik zu erlernen gedenke, um den

Walkürenflug in -- ja, man denke nur! -- in Bayreuth zu tanzen. Doch

erschüttert durch die falsche Aussprache der Namen kam der Besucher bald zu

dem Schlusse, Sofja Petrowna Lichutina sei nichts weiter als einfach ein

Gänschen; und sein Verhalten wurde ein wenig »ungezwungen«; inzwischen aber

brachte das sehr hübsche Stubenmädchen das Grammophon ins Zimmer: und aus

der Kehle des roten Blechrohres ergoß sich über den Gast der Flug der

Walküre.

Sofja Petrownas Besucher zerfielen in zwei selbständige Gruppen: die zur

Gesellschaft Gehörenden und die _sozusagen_ Besucher, die keine waren, denn

sie waren -- gern Gesehene -- etwas für die Seele; diese sozusagen Besucher

gaben sich keine Mühe -- nicht die geringste! --, in das Treibhäuschen zu

gelangen. Mit Gewalt fast lockte sie Engel Peri -- wie die Offiziere sie

nannten -- zu sich; und war das geschehen, dann erwiderte sie sofort den

Besuch; in ihrer Gesellschaft saß Engel Peri mit geschlossenem Mündchen:

sie lachte nicht, kokettierte nicht im geringsten, war äußerst schüchtern

und, während die sozusagen Besucher stürmisch miteinander debattierten, war

sie stumm. Man hörte »Revolution -- Evolution«. Und wieder »Revolution --

Evolution«. Immer über dasselbe debattierten die _sozusagen_ Besucher; es

war nicht die Jeunesse doré, es war die einfache, arme Jugend, Studierende,

die mit den Fremdwörtern: soziale Revolution und soziale Evolution

stolzierten. Engel Peri verwechselte konsequent diese beiden Worte.

Petersburg · 第 23 / 112 题