DREIZEHNTER BRIEF.

Frau Mathilde von Wustrow an Herbert Gröndahl.

Lieber, süsser Herzensschatz!

Denke Dir meinen Schrecken, als Achim mit Dir hereinkam! Aber nur einen

Moment hab ich mich erschrocken. Du bist ja so verständig und lieb und

gut. Ach und die süssen, grünen Gläser, die Du mir geschenkt hast! Das

sieht Dir ähnlich. Es war zu entzückend himmlisch bei Dir. Ich werde es

_nie_, _nie_ vergessen und Dich ewig lieb haben. Du musst uns jetzt oft

besuchen, nächsten Sommer, wenn wir hier auf dem Gute sind. Jetzt

verreisen wir – nach Italien. Achim hat mir ein Diamantkollier geschenkt.

Himmlisch, sage ich Dir. – Wir sprechen dann über Alles, Du musst mir

erzählen, wen Du jetzt hast. Du bist ja so verständig. Wenn Du doch Achim

wärst! Ach, das Leben ist doch sehr schwer oft!

Fandest Du, dass ich gut aussah bei der Trauung? Der dumme Kirchenmensch

hatte die Schleppe ganz verkehrt gelegt. Ich ärgerte mich die ganze Zeit

darüber, und die Myrte stand zu hoch über der Stirn.

P. S. Du hast doch auch die Briefe verbrannt, alle? und Martin sagt

nichts? Es wäre schrecklich.

Deine M.

Nixchen. Ein Beitrag zur Psychologie der höheren Tochter · 第 19 / 20 题