Der Soldat und auch der Hund gehören in den Krieg hinein, der
Schuljunge, die Großmutter und der Gnom eigentlich nicht; aber da auch
diese letzten drei in dieser Geschichte eine Rolle spielen, so mußten
sie in der Überschrift mit angeführt werden. Und es wird nachher viele
in Erstaunen setzen, daß auch der Gnom in den Krieg zog, obwohl er
wegen seiner geringen Größe dienstuntauglich war; denn er war nur so
lang, wie eine Ohrfeige und ein Nasenstüber zusammen sind. Und jetzt
beginnt das Märchen.
Es war einmal ein schöne goldene Zeit, da noch kein Krieg war im Lande,
da der Vater bei seinen Kindern, der Bräutigam bei seiner Braut und der
Sohn bei seiner Mutter war. Der König des Landes konnte sich alle Tage,
wenn er wollte, seine goldene Krone aufsetzen oder auf die Jagd ziehen
oder auf seinem Prachtschiff spazieren fahren oder seine Hofjungfern
tanzen lassen; die Bürger lachten, wenn sie Geschäfte machten oder bei
Bier und Wein saßen, und die Schulbuben hatten alle Hosentaschen voll
Apfel und Butterstullen. Damals ging es in unserem Vaterlande zu wie
in Schlaraffenland; wer am Abend zwei Schinkenstullen gegessen und ein
Hühnerei geschluckt hätte, wäre noch lange nicht als ein Verschwender
angesehen worden; die Bauern konnten soviel Korn auf dem Boden und so
viele Schweine im Koben haben, wie sie wollten; die Bäcker buken Tag
und Nacht Semmeln und Zuckerringe; die braunen Würste waren auf den
Jahrmärkten zahlreicher als die Eicheln im Walde; aus tausend Hähnen
floß alle Tage roter und weißer Wein, und jeder Leierkasten spielte zum
Tanze.
Das war in der schönen, längst vergangenen Friedenszeit. Alle Leute im
Lande dachten, das müsse so sein, und »sie aßen und tranken und hielten
Hochzeiten«.
Auf einmal fingen an in den dunklen Hausbalken der Schwarzwaldhäuser
und Alpenhütten bis hin zu den Fischerkojen am Meer unheimlich viele
Totenuhren zu ticken, und selbst der arme Bauer in Masurenland hörte,
wie die schaurige Uhr ging, und fühlte, wie der Wind von Osten her
leichenkalt durch die Ritzen seiner Hütte drang. Blutregen fiel, als
die Abendsonne über Deutschland stand; alle Vögel flogen aufgeregt um
die Spitzen der Kirchtürme; alle Männer hatten sehr blasse oder sehr
rote Gesichter.
Der Tod wetzte die allergrößte Sense, die in seiner schwarzen Scheune
hängt.