Fünfte und letzte Szene

Des Obristen Wohnung. Der Obriste Graf von Spannheim. Die Gräfin La

Roche.

Gräfin. Haben Sie die beiden Unglücklichen gesehen? Ich habe das

Herz noch nicht. Der Anblick tötete mich.

Obrister. Er hat mich zehn Jahre älter gemacht. Und daß das bei

meinem Corps--ich will dem Mann alle seine Schulden bezahlen, und

noch tausend Taler zu seiner Schadloshaltung obenein. Hernach will

ich sehen, was ich bei dem Vater des Bösewichts für diese durch ihn

verwüstete Familie auswirken kann.

Gräfin. Würdiger Mann! nehmen Sie meinen heißesten Dank in dieser

Träne--das beste liebenswürdigste Geschöpf! was für Hoffnungen fing

ich nicht schon an von ihr zu schöpfen.

(Sie weint.)

Obrister. Diese Tränen machen Ihnen Ehre. Sie erweichen auch mich.

Und warum sollte ich nicht weinen, ich, der fürs Vaterland streiten

und sterben soll; einen Bürger desselben durch einen meiner

Untergebenen mit seinem ganzen Hause in den unwiederbringlichsten

Untergang gestürzt zu sehen.

Gräfin. Das sind die Folgen des ehlosen Standes der Herren Soldaten.

Obrister (zuckt die Schultern). Wie ist dem abzuhelfen? Schon Homer

hat, deucht mich, gesagt, ein guter Ehmann sei ein schlechter Soldat.

Und die Erfahrung bestätigt's.--Ich habe allezeit eine besondere

Idee gehabt, wenn ich die Geschichte der Andromeda gelesen. Ich sehe

die Soldaten an wie das Ungeheuer, dem schon von Zeit zu Zeit ein

unglückliches Frauenzimmer freiwillig aufgeopfert werden muß, damit

die übrigen Gattinnen und Töchter verschont bleiben.

Gräfin. Wie verstehen Sie das?

Obrister. Wenn der König eine Pflanzschule von Soldatenweibern

anlegte; die müßten sich aber freilich denn schon dazu verstehen, den

hohen Begriffen, die sich ein junges Frauenzimmer von ewigen

Verbindungen macht, zu entsagen.

Gräfin. Ich zweifle, daß sich ein Frauenzimmer von Ehre dazu

entschließen könnte.

Obrister. Amazonen müßten es sein. Eine edle Empfindung, deucht

mich, hält hier der andern die Waage. Die Delikatesse der weiblichen

Ehre dem Gedanken, eine Märtyrerin für den Staat zu sein.

Gräfin. Wie wenig kennt ihr Männer doch das Herz und die Wünsche

eines Frauenzimmers.

Obrister. Freilich müßte der König das Beste tun, diesen Stand

glänzend und rühmlich zu machen. Dafür ersparte er die Werbegelder,

und die Kinder gehörten ihm. O ich wünschte, das sich nur einer

fände, diese Gedanken bei Hofe durchzutreiben, ich wollte ihm schon

Quellen entdecken. Die Beschützer des Staats würden sodann auch sein

Glück sein, die äußere Sicherheit desselben, nicht die innere

aufheben, und in der bisher durch uns zerrütteten Gesellschaft Fried'

und Wohlfahrt aller und Freude sich untereinander küssen.

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Die Soldaten, von Jakob Michael

Reinhold Lenz.

Die Soldaten · 第 50 / 50 题