Wesener spaziert an der Lys in tiefen Gedanken. Es ist Dämmerung.
Eine verhüllte Weibsperson zupft ihn am Rock.
Wesener. Laß Sie mich--ich bin kein Liebhaber von solchen Sachen.
Die Weibsperson (mit halb unvernehmlicher Stimme). Um Gottes willen,
ein klein Almosen, gnädiger Herr!
Wesener. Ins Arbeitshaus mit Euch. Es sind hier der lüderlichen
Bälge die Menge, wenn man allen Almosen geben sollte, hätte man viel
zu tun.
Weibsperson. Gnädiger Herr, ich bin drei Tage gewesen, ohne einen
Bissen Brot in Mund zu stecken, haben Sie doch die Gnade, und führen
mich in ein Wirtshaus, wo ich einen Schluck Wein tun kann.
Wesener. Ihr lüderliche Seele! schämt Ihr Euch nicht, einem honetten
Mann das zuzumuten? Geht, lauft Euern Soldaten nach.
Weibsperson (geht fort, ohne zu antworten).
Wesener. Mich deucht, sie seufzte so tief. Das Herz wird mir so
schwer. (Zieht den Beutel hervor.) Wer weiß, wo meine Tochter itzt
Almosen heischt. (Läuft ihr nach, und reicht ihr zitternd ein Stück
Geld.) Da hat Sie einen Gulden--aber bessere Sie sich.
Weibsperson (fängt an zu weinen). O Gott! (Nimmt das Geld und fällt
halb ohnmächtig nieder.) Was kann mir das helfen?
Wesener (kehrt sich ab und wischt sich die Augen. Zu ihr ganz außer
sich). Wo ist Sie her?
Weibsperson. Das darf ich nicht sagen--Aber ich bin eines honetten
Mannes Tochter.
Wesener. War Ihr Vater ein Galanteriehändler?
Weibsperson (schweigt stille).
Wesener. Ihr Vater war ein honetter Mann?--Steh Sie auf, ich will
Sie in mein Haus führen. (Sucht ihr aufzuhelfen.)