Dritte Szene

In Armentieres. Marys Wohnung. Mary und Desportes sitzen beide

ausgekleidet an einem kleinen gedeckten Tisch. Stolzius nimmt

Servietten aus.

Desportes. Wie ich dir sage, es ist eine Hure vom Anfang an gewesen,

und sie ist mir nur darum gut gewesen, weil ich ihr Präsente machte.

Ich bin ja durch sie in Schulden gekommen, daß es erstaunend war, sie

hätte mich um Haus und Hof gebracht, hätt' ich das Spiel länger

getrieben. Kurzum, Herr Bruder, eh' ich's mich versehe, krieg ich

einen Brief von dem Mädel, sie will zu mir kommen nach Philippeville.

Nun stell dir das Spektakel vor, wenn mein Vater die hätte zu sehen

gekriegt. (Stolzius wechselt einmal ums andere die Servietten um, um

Gelegenheit zu haben, länger im Zimmer zu bleiben.) Was zu tun, ich

schreib meinem Jäger, er soll sie empfangen, und ihr so lange

Stubenarrest auf meinem Zimmer ankündigen, bis ich selber wieder nach

Philippeville zurückkäme, und sie heimlich zum Regiment abholte.

Denn sobald mein Vater sie zu sehen kriegte, wäre sie des Todes. Nun

mein Jäger ist ein starker robuster Kerl, die Zeit wird ihnen schon

lang werden auf einer Stube allein. Was der nun aus ihr macht, will

ich abwarten, (lacht höhnisch) ich hab ihm unter der Hand zu

verstehen gegeben, daß es mir nicht zuwider sein würde.

Mary. Hör, Desportes, das ist doch malhonett.

Desportes. Was malhonett, was willst du--Ist sie nicht versorgt

genug, wenn mein Jäger sie heuratet? Und für so eine- Mary. Sie war

doch sehr gut angeschrieben bei der Gräfin. Und hol mich der Teufel,

Bruder, ich hätte sie geheuratet, wenn mir nicht der junge Graf in

die Quer' gekommen wäre, denn der war auch verflucht gut bei ihr

angeschrieben.

Desportes. Da hättest du ein schön Sauleder an den Hals bekommen.

(Stolzius geht heraus.)

Mary (ruft ihm nach). Macht, daß der Herr seine Weinsuppe bald

bekommt--Ich weiß nicht, wie es kam, daß der Mensch mit ihr bekannt

ward, ich glaube gar, sie wollte mich eifersüchtig machen, denn ich

hatte eben ein paar Tage her mit ihr gemault. Das hätt' alles noch

nichts zu sagen gehabt, aber einmal kam ich hin, es war in den

heißesten Hundstagen, und sie hatte eben wegen der Hitze nur ein

dünnes, dünnes Röckchen von Nesseltuch an, durch das ihre schönen

Beine durchschienen. Sooft sie durchs Zimmer ging, und das Röckchen

ihr so nachflatterte--hör, ich hätte die Seligkeit drum geben mögen,

die Nacht bei ihr zu schlafen. Nun stell dir vor, zu allem Unglück

muß den Tag der Graf hinkommen, nun kennst du des Mädels Eitelkeit.

Sie tat wie unsinnig mit ihm, ob nun mich zu schagrinieren, oder weil

solche Mädchens gleich nicht wissen, woran sie sind, wenn ein Herr

von hohem Stande sich herabläßt, Ihnen ein freundlich Gesicht zu

weisen. (Stolzius kommt herein, trägt vor Desportes auf, und stellt

sich totenbleich hinter seinen Stuhl.) Mir ging's wie dem

überglühenden Eisen, das auf einmal kalt wie Eis wird. (Desportes

schlingt die Suppe begierig in sich.) Aller Appetit zu ihr verging

mir. Von der Zeit an hab ich ihr nie wieder recht gut werden können.

Zwar wie ich hörte, daß sie von der Gräfin weggelaufen sei.

Desportes (im Essen). Was reden wir weiter von dem Knochen? Ich

will dir sagen, Herr Bruder, du tust mir einen Gefallen, wenn du mir

ihrer nicht mehr erwähnst. Es ennuyiert mich, wenn ich an sie denken

soll.

(Schiebt die Schale weg.)

Stolzius (hinter dem Stuhl, mit verzerrtem Gesicht). Wirklich?

(Beide sehen ihn an voll Verwunderung.)

Die Soldaten · 第 46 / 50 题