Graf Appiani. Claudia Galotti.
Appiani (indem er ihr mit einer niedergeschlagenen Miene nachsieht).
Perlen bedeuten Tränen!--Eine kleine Geduld!--Ja, wenn die Zeit nur
außer uns wäre!--Wenn eine Minute am Zeiger sich in uns nicht in Jahre
ausdehnen könnte!
Claudia. Emiliens Beobachtung, Herr Graf, war so
schnell als richtig. Sie sind heut ernster als gewöhnlich. Nur noch
einen Schritt von dem Ziele Ihrer Wünsche--sollt' es Sie reuen, Herr
Graf, daß es das Ziel Ihrer Wünsche gewesen?
Appiani. Ah, meine Mutter, und Sie können das von Ihrem Sohne
argwöhnen?--Aber, es ist wahr; ich bin heut ungewöhnlich trübe und
finster.--Nur sehen Sie, gnädig Frau:--noch einen Schritt vom Ziele
oder noch gar nicht ausgelaufen sein, ist im Grunde eines.--Alles was
ich sehe, alles was ich höre, alles was ich träume, prediget mir seit
gestern und ehegestern diese Wahrheit. Dieser eine Gedanke kettet
sich an jeden andern, den ich haben muß und haben will.--Was ist das?
Ich versteh es nicht.
Claudia. Sie machen mich unruhig, Herr
Graf.
Appiani. Eines kömmt dann zum andern!--Ich bin ärgerlich;
ärgerlich über meine Freunde, über mich selbst.
Claudia. Wieso?
Appiani. Meine Freunde verlangen schlechterdings, daß ich dem Prinzen
von meiner Heirat ein Wort sagen soll, ehe ich sie vollziehe. Sie
geben mir zu, ich sei es nicht schuldig; aber die Achtung gegen ihn
woll' es nicht anders.--Und ich bin schwach genug gewesen, es ihnen zu
versprechen. Eben wollt' ich noch bei ihm vorfahren.
Claudia (stutzig). Bei dem Prinzen?