Pirro und bald darauf Angelo.
Pirro. Die sich nur aus Neugierde melden lassen.--Was bin ich seit
einer Stunde nicht alles ausgefragt worden!--Und wer kömmt da?
Angelo (noch halb hinter der Szene, in einem kurzen Mantel, den er
über das Gesicht gezogen, den Hut in die Stirne). Pirro!--Pirro!
Pirro. Ein Bekannter?--(Indem Angelo vollends hereintritt und den
Mantel auseinanderschlägt.) Himmel! Angelo?--Du?
Angelo. Wie du siehst.--Ich bin lange genug um das Haus herumgegangen,
dich zu sprechen.--Auf ein Wort!
Pirro. Und du wagst es, wieder ans Licht zu kommen?--Du bist seit
deiner letzten Mordtat vogelfrei erkläret; auf deinen Kopf steht eine
Belohnung.
Angelo. Die doch du nicht wirst verdienen wollen?
Pirro. Was willst du?--Ich bitte dich, mache mich nicht unglücklich.
Angelo. Damit etwa? (Ihm einen Beutel mit Gelde zeigend.)--Nimm! Es
gehöret dir!
Pirro. Mir?
Angelo. Hast du vergessen? Der Deutsche, dein voriger Herr.
Pirro. Schweig davon!
Angelo. Den du uns, auf dem Wege nach Pisa, in die Falle
führtest.
Pirro. Wenn uns jemand hörte!
Angelo. Hatte ja die Güte, uns auch einen kostbaren Ring zu
hinterlassen.--Weißt du nicht?--Er war zu kostbar, der Ring, als daß
wir ihn sogleich ohne Verdacht hätten zu Gelde machen können. Endlich
ist mir es damit gelungen. Ich habe hundert Pistolen dafür erhalten,
und das ist dein Anteil. Nimm!
Pirro. Ich mag nichts--behalt alles.
Angelo. Meinetwegen!--wenn es dir gleichviel ist, wie hoch du deinen
Kopf feil trägst--(Als ob er den Beutel wieder einstecken wollte.)
Pirro. So gib nur! (Nimmt ihn.)--Und was nun? Denn daß du bloß
deswegen mich aufgesucht haben solltest.
Angelo. Das kömmt dir nicht
so recht glaublich vor?--Halunke! Was denkst du von uns?--daß wir
fähig sind, jemand seinen Verdienst vorzuenthalten? Das mag unter den
sogenannten ehrlichen Leuten Mode sein: unter uns nicht.--Leb wohl!
--(Tut, als ob er gehen wollte, und kehrt wieder um.) Eins muß ich
doch fragen.--Da kam ja der alte Galotti so ganz allein in die Stadt
gesprengt. Was will der?
Pirro. Nichts will er; ein bloßer Spazierritt. Seine Tochter wird
heut abend auf dem Gute, von dem er herkömmt, dem Grafen Appiani
angetrauet. Er kann die Zeit nicht erwarten.
Angelo. Und reitet bald wieder hinaus?
Pirro. So bald, daß er dich hier trifft, wo du noch lange verziehest.
--Aber du hast doch keinen Anschlag auf ihn? Nimm dich in acht. Er
ist ein Mann.
Angelo. Kenn ich ihn nicht? Hab ich nicht unter ihm
gedienet?--Wenn darum bei ihm nur viel zu holen wäre!--Wenn fahren die
junge Leute nach?
Pirro. Gegen Mittag.
Angelo. Mit viel Begleitung?
Pirro. In einem einzigen Wagen.--die Mutter, die Tochter und der Graf.
Ein paar Freunde kommen aus Sabionetta als Zeugen.
Angelo. Und Bediente?
Pirro. Nur zwei; außer mir, der ich zu Pferde voraufreiten soll.
Angelo. Das ist gut.--Noch eins: wessen ist die Equipage? Ist es
eure? oder des Grafen?
Pirro. Des Grafen.
Angelo. Schlimm! Da ist noch ein Vorreiter, außer einem handfesten
Kutscher. Doch!
Pirro. Ich erstaune. Aber was willst du?--Das
bißchen Schmuck, das die Braut etwa haben dürfte, wird schwerlich der
Mühe lohnen.
Angelo. So lohnt ihrer die Braut selbst!
Pirro. Und auch bei diesem Verbrechen soll ich dein Mitschuldiger
sein?
Angelo. Du reitest vorauf. Reite doch, reite! und kehre dich an
nichts!
Pirro. Nimmermehr!
Angelo. Wie? ich glaube gar, du willst den Gewissenhaften spielen.
Bursche! ich denke, du kennst mich.--Wo du plauderst! Wo sich ein
einziger Umstand anders findet, als du mir ihn angegeben!--Pirro. Aber,
Angelo, um des Himmels willen!
Angelo. Tu, was du nicht lassen
kannst! (Geht ab.)
Pirro. Ha! Laß dich den Teufel bei einem Haare fassen, und du bist
sein auf ewig! Ich Unglücklicher!