Makar Alexejewitsch!
Was ist das mit Ihnen? Sie fürchten wohl Gott nicht mehr? Und mich
bringen Sie um meinen Verstand. Schämen Sie sich denn nicht!? Sie
richten sich zugrunde. So denken Sie doch an Ihren Ruf! Sie sind ein
ehrlicher, ehrenwerter, strebsamer Mensch – was werden die Menschen
sagen, wenn sie das erfahren? Und Sie selbst, Makar Alexejewitsch, Sie
werden doch vergehen vor Scham! Oder tut es Ihnen nicht mehr leid um
Ihre grauen Haare? So fürchten Sie doch wenigstens Gott!
Fedora sagt, daß sie Ihnen jetzt nicht mehr helfen werde, und auch ich
kann Ihnen unter diesen Umständen kein Geld mehr schicken. Was haben Sie
aus mir gemacht, Makar Alexejewitsch! Sie denken wohl, es sei mir ganz
gleichgültig, daß Sie sich so schlecht aufführen. Sie wissen noch nicht,
was ich Ihretwegen auszustehen habe! Ich kann mich gar nicht mehr auf
unserer Treppe zeigen: alle sehen mir nach, alle weisen mit dem Finger
auf mich und sagen solche Schändlichkeiten, – ja, sie sagen geradezu,
daß ich mit einem _Trunkenbold ein Verhältnis habe_. Wie glauben Sie,
daß mir zumute ist, wenn ich so etwas hören muß! Und wenn man Sie nach
Hause bringt, sagt alles mit Verachtung von Ihnen: „Da wird der Beamte
wieder gebracht.“ Ich aber – ich schäme mich zu Tode für Sie. Ich
schwöre Ihnen, daß ich diese Wohnung hier verlassen werde. Und sollte
ich auch Stubenmagd oder Wäscherin werden – hier bleibe ich auf keinen
Fall!
Ich schrieb Ihnen, daß ich Sie erwarte, Sie sind aber nicht gekommen.
Meine Tränen und Bitten sind Ihnen also schon gleichgültig, Makar
Alexejewitsch? Aber sagen Sie doch, wo haben Sie denn nur das Geld dazu
aufgetrieben? Um Gottes willen, nehmen Sie sich in acht! Sie werden doch
sonst verkommen, ganz sicher verkommen! Und diese Schande, diese
Schmach! Gestern hat die Wirtin Sie nicht mehr hineingelassen, da haben
Sie auf der Treppe die Nacht verbracht – ich weiß alles. Wenn Sie
wüßten, wie weh es mir tat, als ich das von Ihnen hören mußte!
Kommen Sie zu uns, hier wird es Ihnen leichter werden: wir können
zusammen lesen, können von früheren Zeiten reden. Fedora kann uns von
ihren Erlebnissen erzählen. Makar Alexejewitsch, tun Sie es mir nicht
an, daß Sie sich zugrunde richten, Sie richten damit auch mich zugrunde,
glauben Sie es mir! Ich lebe doch nur noch für Sie allein, nur
Ihretwegen bleibe ich hier. Und Sie sind jetzt so! Seien Sie doch ein
anständiger Mensch, seien Sie doch charakterfest und standhaft, auch im
Unglück. Sie wissen doch: Armut ist keine Schande. Und weshalb denn
verzweifeln? Das ist doch alles nur vorübergehend. Gott wird uns schon
helfen und alles wird wieder gut werden, wenn Sie sich nur jetzt noch
etwas zusammennehmen!
Ich sende Ihnen zwanzig Kopeken, kaufen Sie sich dafür Tabak, oder was
Sie da wollen, nur geben Sie sie um Gottes willen nicht für Schlechtes
aus. Kommen Sie zu uns, kommen Sie unbedingt zu uns! Sie werden sich
vielleicht wieder schämen, wie neulich – aber lassen Sie das, das wäre
ja bloß falsche Scham. Wenn Sie nur aufrichtig bereuen wollten!
Vertrauen Sie auf Gott. Er wird alles zum besten wenden.