11. August.

Warwara Alexejewna! Mein Täubchen! Verloren bin ich, beide sind wir

verloren, unrettbar verloren! Mein Ruf, meine Ehre – alles ist verloren!

Und ich bin es, der Sie ins Verderben gebracht hat! Ich werde geschmäht,

mein Kind, verachtet, verspottet, und die Wirtin beschimpft mich schon

laut und vor allen Menschen. Heute hat sie wieder geschrien, geschrien

und mich mit Vorwürfen überhäuft, als wäre ich ein Nichts und ein Dreck!

Und am Abend begann dann jemand von ihnen bei Ratasäjeff einen meiner

Briefe an Sie laut vorzulesen: einen Brief, den ich nicht beendet und in

die Tasche gesteckt hatte, und den ich dann irgendwie aus der Tasche

verloren haben muß. Mein liebes, liebes Kind, wie haben sie da gelacht!

Wie sie uns betitelt haben und wie sie höhnten, wie sie höhnten, die

Verräter! Ich hielt es nicht aus und ging zu ihnen und beschuldigte

Ratasäjeff des Treubruchs und sagte ihm, daß er ein Falscher sei!

Ratasäjeff aber erwiderte mir darauf, ich sei selbst ein Falscher und

beschäftige mich nur mit Eroberungen. Ich hätte sie alle getäuscht,

sagte er, im Grunde aber sei ich ja sozusagen ein Lovelace! Und jetzt,

mein Kind, werde ich nun von allen hier nur noch Lovelace genannt, einen

anderen Namen habe ich überhaupt nicht mehr! Hören Sie, mein Engelchen,

hören Sie – die wissen doch jetzt alles von uns, sind von allem

unterrichtet, und auch von Ihnen, meine Gute, wissen sie alles, alles

ist ihnen bekannt, alles, was Sie, mein Engelchen, betrifft! Und auch

der Faldoni ist jetzt mit ihnen im Bunde. Ich wollte ihn heute hier in

den kleinen Laden schicken, damit er mir ein Stückchen Wurst kaufe, aber

nein, er geht nicht, er habe zu tun, sagt er. – Du mußt doch, es ist

doch deine Pflicht, sage ich.

„Auch was Gutes – meine Pflicht!“ höhnte er, „Sie zahlen doch meiner

Herrin kein Geld, folglich gibt’s da nichts von Pflicht.“

Das ertrug ich nicht, Kind, von diesem ungebildeten, frechen Menschen

eine solche Beleidigung, und so schalt ich ihn denn einen „Dummkopf!“,

er aber sagte mir darauf bloß kurz: „Das sagt mir nun so einer!“ – Ich

dachte erst, daß er betrunken sei, hielt es ihm denn auch vor: „Hör

mal,“ sagte ich, „du bist wohl betrunken?“ – Er aber grobte mich an:

„Haben Sie mir denn was zu trinken gegeben? Sie haben doch nicht einmal

so viel, daß Sie sich selber betrinken könnten!“ und dann brummte er

noch: „Das soll nun ein Herr sein!“

Da sehen Sie jetzt, wie weit es mit uns gekommen ist, mein Kind! Man

schämt sich, zu leben, Warinka! Ganz wie ein Verrufener kommt man sich

vor, schlimmer noch als irgendein Landstreicher. Schwer ist es, Warinka!

Verloren bin ich, einfach verloren! Unrettbar verloren!

Sämtliche Werke 14 · 第 52 / 102 题