Warwara Alexejewna! Mein Täubchen! Verloren bin ich, beide sind wir
verloren, unrettbar verloren! Mein Ruf, meine Ehre – alles ist verloren!
Und ich bin es, der Sie ins Verderben gebracht hat! Ich werde geschmäht,
mein Kind, verachtet, verspottet, und die Wirtin beschimpft mich schon
laut und vor allen Menschen. Heute hat sie wieder geschrien, geschrien
und mich mit Vorwürfen überhäuft, als wäre ich ein Nichts und ein Dreck!
Und am Abend begann dann jemand von ihnen bei Ratasäjeff einen meiner
Briefe an Sie laut vorzulesen: einen Brief, den ich nicht beendet und in
die Tasche gesteckt hatte, und den ich dann irgendwie aus der Tasche
verloren haben muß. Mein liebes, liebes Kind, wie haben sie da gelacht!
Wie sie uns betitelt haben und wie sie höhnten, wie sie höhnten, die
Verräter! Ich hielt es nicht aus und ging zu ihnen und beschuldigte
Ratasäjeff des Treubruchs und sagte ihm, daß er ein Falscher sei!
Ratasäjeff aber erwiderte mir darauf, ich sei selbst ein Falscher und
beschäftige mich nur mit Eroberungen. Ich hätte sie alle getäuscht,
sagte er, im Grunde aber sei ich ja sozusagen ein Lovelace! Und jetzt,
mein Kind, werde ich nun von allen hier nur noch Lovelace genannt, einen
anderen Namen habe ich überhaupt nicht mehr! Hören Sie, mein Engelchen,
hören Sie – die wissen doch jetzt alles von uns, sind von allem
unterrichtet, und auch von Ihnen, meine Gute, wissen sie alles, alles
ist ihnen bekannt, alles, was Sie, mein Engelchen, betrifft! Und auch
der Faldoni ist jetzt mit ihnen im Bunde. Ich wollte ihn heute hier in
den kleinen Laden schicken, damit er mir ein Stückchen Wurst kaufe, aber
nein, er geht nicht, er habe zu tun, sagt er. – Du mußt doch, es ist
doch deine Pflicht, sage ich.
„Auch was Gutes – meine Pflicht!“ höhnte er, „Sie zahlen doch meiner
Herrin kein Geld, folglich gibt’s da nichts von Pflicht.“
Das ertrug ich nicht, Kind, von diesem ungebildeten, frechen Menschen
eine solche Beleidigung, und so schalt ich ihn denn einen „Dummkopf!“,
er aber sagte mir darauf bloß kurz: „Das sagt mir nun so einer!“ – Ich
dachte erst, daß er betrunken sei, hielt es ihm denn auch vor: „Hör
mal,“ sagte ich, „du bist wohl betrunken?“ – Er aber grobte mich an:
„Haben Sie mir denn was zu trinken gegeben? Sie haben doch nicht einmal
so viel, daß Sie sich selber betrinken könnten!“ und dann brummte er
noch: „Das soll nun ein Herr sein!“
Da sehen Sie jetzt, wie weit es mit uns gekommen ist, mein Kind! Man
schämt sich, zu leben, Warinka! Ganz wie ein Verrufener kommt man sich
vor, schlimmer noch als irgendein Landstreicher. Schwer ist es, Warinka!
Verloren bin ich, einfach verloren! Unrettbar verloren!