Die *Schiefblätter* oder _Begonien_ gehören mit Recht zu den beliebtesten
Zimmerblattpflanzen. Ihr großer Formenreichtum, ihre Mannigfaltigkeit in
der Blattfärbung und ihre verhältnismäßig leichte Kultur und Vermehrung
machen sie so recht dazu geeignet, Modepflanzen zu werden. Sammlungen von
_Begonien_ sind verhältnismäßig selten und doch sind gerade die _Begonien_
recht wohl im stande, auch in einer größeren Sammlung das Interesse des
Pflanzenfreundes wachzuhalten. Ein ganz besonderer Vorteil der _Begonien_
ist es, daß sie keine Sonne brauchen, daß sie im sonnenfreien hellen
Zimmer gut gedeihen. Gibt man ihnen hier einen Platz auf einem
treppenartigen Aufbaue und spritzt man sie häufiger, so entwickeln sie
sich in lockerer, humusreicher, sandiger Erde bei häufiger Anwendung eines
Dunggusses vorzüglich. Nur Kälte können sie nicht vertragen. Das Zimmer,
in dem sie im Winter gehalten werden, soll geheizt sein. Die Vermehrung
geschieht durch Aussaat, durch Stecklinge, Blattstecklinge und
Luftknollen. Der staubfeine Same wird am besten vor der Aussaat mit einem
größeren Quantum feinen Sandes recht gleichmäßig gemischt, damit die Samen
nicht zu dicht liegen und auf gut geglättete, lockere Erde im Februar
ausgesät, darauf mit einem Brettchen festgedrückt und leicht mit einem
Zerstäuber überbraust. Damit die Erde oben nicht austrocknet, bedeckt man
den Topf mit einer Glasscheibe. Die sehr kleinen Sämlinge werden möglichst
bald auf 1 cm Entfernung in lockere Erde pikiert und auch nur durch
Besprengen befeuchtet. Sowie sie sich gegenseitig berühren, pikiert man
sie auf doppelte Entfernung. Haben sie auch diese Größe erreicht, dann
kann man sie einzeln in kleine Töpfe pflanzen. Jedesmal, wenn die Wurzeln
die Topfwand erreichen, verpflanzt man sie in etwas größere Töpfe, die, da
die Wurzeln nicht sehr tief gehen, breiter als hoch sein sollen.
_Begonien_ vertragen es nicht, wenn sie sich gegenseitig berühren. Deshalb
stelle man sie immer soweit, daß etwas Zwischenraum zwischen den einzelnen
Pflanzen bleibt. Die Vermehrung durch gewöhnliche Stecklinge gelingt sehr
leicht, wenn man die Stecklinge bis zur Bewurzelung unter Glas hält. Sehr
interessant ist die Blattstecklingsvermehrung, welche man leicht ausführen
kann, wenn man über einen kleinen heizbaren Kasten verfügt. Wie diese
Blattstecklinge gemacht werden, wurde bereits früher (s. S. 22) angegeben.
Nachdem sich an den Blättern junge Pflänzchen gebildet haben, nimmt man
diese ab und behandelt sie ganz wie Sämlinge. Eine Anzahl _Begonien_
bilden im Herbst in den Achseln der Blätter erbsengroße Knöllchen, welche
schließlich abfallen. Man hebt dieselben am besten in trockener Erde auf
und legt sie im nächsten Frühjahre, wenn sie zu treiben beginnen, einzeln
in kleine Töpfe in gute Erde. Es entwickeln sich aus ihnen schnell
kräftige Pflanzen, welche wiederholt zu verpflanzen sind. Die Knollen
selbst werden größer und bleiben während des Winters, nachdem die
oberirdischen Teile eingezogen sind, in der Erde, die man nun nicht mehr
gießt.
[Illustration: Begonia Rex]
Die verbreitetste Art ist _Begonia Rex Putz._ aus Ostindien, welche zu
Anfang der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eingeführt wurde. Ihre
großen dunkelgrünen Blätter sind mit einer breiten, silberweißen
unregelmäßigen Zone versehen, unterseits rötlich grün mit blaßgrüner Zone
und mit rötlich behaarten Nerven versehen. Diese Stammart ist mit einer
Anzahl anderer Arten, wie _B. xanthina Hook._ gekreuzt worden, die
Bastarde sind wieder untereinander gekreuzt und so hat man eine sehr große
Anzahl von Formen erhalten, welche durch prächtige Blattfärbungen
ausgezeichnet sind. Die echte Stammform der _Begonia Rex_ ist mittlerweile
ziemlich selten geworden. _Begonia xanthina Hook._ aus Ostindien hat
dunkelgrüne Blätter mit hellen Nerven, auf der Unterseite sind die Blätter
kupferrot. Die Blüten sind gelb. Einer anderen Gruppe gehört _Begonia
discolor R. Br._(44) an, deren unterseits tiefrote, oberseits reingrüne,
metallisch glänzende Blätter an verhältnismäßig dünnen, bis dreiviertel
Meter hohen Ästen sitzen, welche aus einer Knolle entspringen. Diese Art
bildet in den Blattachseln Brutknöllchen, welche im Herbste, wenn die
Stengel und Blätter absterben, abfallen. Eine sehr hübsche immergrüne Art
ist _Begonia argyrostigma Fisch._, welche bis einen Meter hoch wird und
dunkelgrüne, reinweiß gefleckte, etwas fleischige Blätter trägt. Sehr
dekorativ durch ihre großen, siebenzackig gelappten Blätter ist _Begonia
heracleifolia Cham. et Schl._ Die Blätter stehen auf langen rauhhaarigen,
dicken Blattstielen, welche von einem dicken, kriechenden Wurzelstocke
ausgehen. Fast noch schöner ist die ähnliche _Begonia ricinifolia_, deren
oberseits bräunlich-dunkelgrüne Blätter einen prächtigen Seidenglanz
besitzen. In der Farbe von den bisherigen ganz abweichend ist die mit
sammetglänzenden, smaragdgrünen Blättern versehene _Begonia smaragdina
hort._, welche klein bleibt und sich am schönsten fern vom Lichte
entwickelt.
[Illustration: Begonia maculata]