Es ist schließlich gar nicht so traurig, Kuh zu sein.
Die Sonne scheint, die Wiese duftet, der Himmel bläut -- und da soll ich
traurig sein?
Ich bin lustig.
Aber es ist nicht die Blumenlustigkeit, die mich durchglüht, es ist die
Lustigkeit der Kühe.
Ich mache mutwillige Sprünge und möhe und muhe.
Die Welt ist schön, muh.
Muh, schön ist die Welt.
Und ich bin doch traurig!
(Ich war eine Blume!!)
-- -- --
Da kommen zwei vermummte Kerle. Die fackeln nicht lange: Einer packt mich
hinterrücks und ringelt mir den Schwanz zusammen, das tut weh. Der andere
schlingt mir eine Kette ums Gehörn und knufft mich. Sein Spießgeselle
peitscht auf mich ein. Ich weiß nicht, was gehauen und gestochen ist.
(Einst war ich eine Blume.)
Man führt mich hinweg von meiner Wiese. Ade, du Wiese, ade!
-- -- --
In der Abendstunde erreichen wir ein Gehöft.
Einst war ich eine Blume, ich denke dran.
Blume bin ich nimmer; bin eine armselige, wehrlose Kuh, muh.
(Hilft mir der Stoizismus etwas?)
Rasch tritt der Tod die Kühe an: Eine Ledermaske mit einem bösen
Stirnbolzen wird mir aufgestülpt -- -- -- ein Schlag, und ich stürze hin.
Da hilft kein Muhen.
Mit einem Rohrstock pfählt man mir das arme Hirn. Das macht mich traurig.
Oder lustig? Ich weiß nicht, ich glaube, ich bin tot.
Kuh bin ich gewesen.
Blume bin ich gewesen.
Ich entsinne mich wirr . . . es ist mir, ja . . . vor langer, langer Zeit
-- war ich ein Falter. Aber ich weiß es nicht.
Daß ich Blume war, weiß ich mit Sicherheit. Ich lege meinen Huf dafür ins
Feuer.
Es ist vorbei.
Bin weder Kuh noch Blume mehr.
* * * * *
Bin Wurst. Salamiwurst. Ich koste das Pfund 1.80 M.[2] Ich bin erstklassige
Ware, elektrisch hergestellt.
Den Stoizismus habe ich behalten. Dennoch stimmt es trübe, Wurst sein zu
müssen, wenn man Blume hat sein dürfen.
Ich bin mir Wurst. Ich nehme es hin. Muh. (Eigentlich dürfte ich als Wurst
nimmer muhen. Ich nehme das Muh als anachronistisch zurück.)
Ich habe keine Freude mehr auf der Welt.
Ich bin eine kalte Wurst. Nichts tangiert mich.
Wenn ich mein Leben überdenke, so muß ich frank gestehen: Wurst sein, das
ist das Schlimmste nicht. Mensch sein ist weitaus schlimmer!
Doch Kuh sein, das ist schöner als Wurst sein.
Das Allerallerschönste freilich war: Blume sein, Blume gewesen sein, Blume
sein gedurft zu haben.
Mir war's verstattet.
[Footnote 2: Wer's glaubt.]
Ich war Blume, ich war Blume!
O Blumen, ihr seid glücklicher als Kuh und Wurst!
O Blumen, nichts auf Erden ist glücklicher denn ihr.